Bericht für den 8. Dezember 2009

 

Gold & Gesellschaft: Untergang der Kolonialbanken

 

Seit heute haben wir Gewissheit, warum es die letzten Tage zu diesem enormen Druck auf den Gold-Preis gekommen ist: Mit der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) stehen die Top-Finanzinstitute des Londoner Kolonial-Bankensystems vor dem Kollaps.

Von der RBS wussten wir ja bereits, dass sie die weltweit mit den höchsten Staatsgeldern am Leben erhaltene Bank ist. Aber HSBC genoss in Großbritannien bislang den Status, den man in den Vereinigten Staaten JP Morgan Chase nachsagte: Sie war Gott und hat alle Untiefen der Finanz-Krise ohne staatliche Rettungsmaßnahmen gut verkraftet.

Bloomberg schrieb heute in seinem Bericht unter dem Titel RBS Tumbles in London Trading After Dubai’s Nakheel Posts Loss: Royal Bank of Scotland Group Plc, the biggest underwriter of loans to Dubai World, fell to an eight-month low in London trading after Gulf developer Nakheel PJSC reported a first-half loss.

Aha - hier haben wir also die Verbindung zwischen dem untergehenden Dubai-Imperium, dessen Größenordnung bereits durch die Bildung verschiedener Finanz-Pyramiden in die mehrere 1.000 Milliarden Dollar zu gehen scheint und dem britischen Banken-System. Aber auch die HSBC ist betroffen. Bloomberg: RBS was the biggest underwriter of loans to Dubai World, according to JPMorgan Chase & Co. British banks, including RBS and HSBC Holdings Plc arranged about $4.4 billion of Dubai World’s loans, according to a report by Bank of America Merrill Lynch. Wahrscheinlich geht es hier gar nicht um den inzwischen als lächerlich zu bezeichnenden Betrag von $4,4 Mrd, sondern um eine Größenordnung, die wohl eher im Bereich von hunderten Milliarden Dollar liegen dürfte, wenn man die Verpflichtungen aus diversen Derivate-Geschäften mit berücksichtigt.

Nakheel hat nach dem Bloomberg-Bericht allein für das erste Halbjahr einen Verlust von $3,65 Mrd ausgewiesen.

Aber das nächste Objekt des verblassten britischen Empires ist bereits ausgemacht: Hongkong. Hier ist insbesondere der britische Gott HSBC stark engagiert. Ganz abgesehen davon, dass ein Untergang Hongkongs auch den bislang als unbesiegbar geltenden Riesen China umlegen kann. Denn Chinas Bankensystem ist noch viel bankrotter, als das westliche.

Die ersten Nachrichten dringen noch als Warnungen an die Öffentlichkeit. Die FAZ berichtet heute unter dem Titel Hongkong warnt vor der nächsten Immobilienblase: Durch den starken Zufluss spekulativen Kapitals drohen die Immobilienpreise in China außer Kontrolle zu geraten. Man sei sehr besorgt über die Gefahr einer Anlageblase, sagte Finanzminister John Tsang vor dem Legislativrat, dem Parlament. Bisher habe sich eine solche aber nicht gezeigt, das Finanzsystem sei belastbar und könne die hohen Zu- und Abflüsse noch verkraften.

Wer ohne Not davon spricht, dass das Finanzsystem belastbar trotz hoher Zu- und Abflüsse sei, der will versteckt andeuten: Das System steht kurz vor einem Kollaps. Das ist die Lektion, die jeder Bürger seit Beginn der Finanz-Krise im Jahr 2007 gelernt haben sollte.

Einer freut sich am Rande: Die Vereinigten Staaten. Schafft man es doch auf diese Weise, sich endgültig der lästigen Konkurrenz aus der Londoner City zu entledigen. Und vielleicht sackt man gleichzeitig noch Lieferverpflichtungen für Öl und Gold aus der Schatz-Truhe der Scheiche zu Schnäppchen-Preisen ein. Denn alle Schulden von Dubai und Co sind in US-Dollar geschrieben. Und diesen kann nur eine Nation aus dem Nichts erschaffen: Die U.S.A.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Mit der Dubai-Krise werden die grün bedruckten Scheinchen, US-Dollar genannt, plötzlich wieder gefragt. Wenn man sich mit einem gesetzlichen Zahlungs-Mittel eines anderen Landes verschuldet und kann diese Dollar dann zum vereinbarten Zeitpunkt nicht liefern, dann hat man ein Problem. Da kann auch die eigene Zentralbank nicht helfen (es sei denn, sie hält Dollar-Reserven), denn nur die FED kann Dollars liefern. Egal wie schlecht dieses grüne Papier auch sein mag - man hat sich dazu verpflichtet, es zu liefern und muss jetzt wohl seine Kronjuwelen gegen das grüne Papier tauschen.

Die U.S.A. als Öl- und Gold-Sauger? Und mit ein bisschen Liquiditäts-Abzug durch die FED wird die Situation für Dubai und die U.K.-Banken noch schlimmer. Den kurzzeitigen Einbruch an den Aktien-Märkten, bedingt durch den Ausfall des billigen Spiel-Geldes, kann man verkraften. Wer glaubt, mit dem Imperium spielen zu können, der erlebt nun dessen imperiale Macht.

Das Imperium hat heute noch andere Hebel in Bewegung gesetzt. Standard & Poor hat angekündigt, die griechischen Staatsanleihen herunterzustufen. Und Fitch hat es sogar gewagt, dies zu tun. Die waren schon in 2008 diejenigen, die Vorreiter beim Herunterstufen waren. Damit könnten Halter diese Papiere nicht mehr bei der EZB hinterlegen, wenn wieder als alte Regime gelten sollte (Anmerkung: Derzeit monetarisiert die EZB jedes Schrott-Papier).

Währungs-Krisen sollten eigentlich positiv für die weitere Entwicklung des Gold-Preises sein. Aber nicht, wenn dem fordernden Dollar-Imperium Staaten und Organisationen gegenüberstehen, die derzeit nur Gold und Öl zu bieten haben.

So hat das Imperium heute seine Macht genutzt, die Märkte kräftig durchzuwirbeln. Und bei dieser Gelegenheit hat auch Gold eine ordentliche Packung abbekommen. Die COMEX-Zahlen des $50-Einbruchs vom Freitag belegen, dass gar keine Massenflucht der spekulativen Longs stattgefunden hat. Also gar kein panic selling, wie viele Gold-Kommentatoren behauptet haben. Die Open Interest sind am Freitag nun um 594 Kontrakte auf 529.773 gefallen. Das Handels-Volumen war mit 380.000 allerdings astronomisch.

Haben da JP Morgan, HSBC, Deutsche Bank und Andere ein Ankauf-Stillhalte-Abkommen geschlossen und eine andere Bank begann, Kontrakte in jeweils $10er-Schritten günstiger anzubieten. Mit den anderen Markt-Teilnehmern in der Warteschleife kann man so gut den Markt cornern. Und natürlich drückt die Aufsichts-Behörde CFTC beide Augen fest zu - man ist ja schließlich über die Presidents Working Group of Financial Markets Bestandteil dieses Establishments. Im Hintergrund settlen die manipulierenden Parteien ihre Positionen über OTC-Geschäften am offiziellen Markt vorbei.

Ein Großteil der 380.000 gehandelten Kontrakte muss wohl dieses Ping-Pong Spiel gewesen sein.

Bei Gold hatte der heute Tag eigentlich nach dem überraschenden gestrigen Anstieg an der COMEX nach dem Londoner P.M. Fix positiv begonnen. Im asiatischen Markt stabilisierte sich Gold oberhalb der Marke von $1.160. Diese Entwicklung setzte sich auch im Londoner Vormittags-Handel fort. Zum A.M. Fix stand Gold wieder bei $1.164,25 (EUR 784,22) und damit $17 höher als noch vor 24 Stunden.

In Anbetracht des kritischen Umfeldes (siehe obiger Bericht) gewannen aber wieder die manipulativen Kräfte die Oberhand. Kurz vor Eröffnung der New Yorker COMEX stand Gold dann nur noch knapp über der Marke von $1.150. Zur Eröffnung wurde Gold dann auf $1.145 gedrückt. Dieses Niveau hielt bis zum P.M. Fix, der mit $1.146,75 (EUR 776,56) immer noch vier Dollar höher lag als zum gestrigen P.M. Fix.

Zur Erinnerung: Der gestrige P.M. Fix markierte mit etwas über $1.140 den Tages-Tiefstand. Im Anschluss konnte sich Gold zwar wieder oberhalb der Marke von $1.150 stabilisieren aber das Gold-Kartell hatte dann massiveres Geschütz aufgefahren. In den letzten 60 Minuten wurde Gold auf $1.141,60 gedrückt.

Wenn es das Gold-Kartell immer besonders ernst meint, dann wird der späte Access Handel dazu verwendet, den Gold-Preis weiter kräftig zu drücken. Und das geschah auch heute wieder. Gold wurde um weitere $15 nach unten gedrückt (Anmerkung: Wir sind jetzt bei $1.125).

Das lässt nichts Gutes für die morgige Preis-Entwicklung vermuten.

Erst Dubai, dann Griechenland und demnächst Hongkong - wir stehen am Rande des Abgrundes. Das super aggressive Verhalten des Gold-Kartells ist ein klarer Indikator dafür.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.164,25
(€784,22)

$1.147,50
(€773,98)

+ $16,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.146,75
(€776,56)

$1.142,50
(€771,44)

+ $4,25

COMEX Schlusskurs

$1.141,60

$1.162,10

- $20,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,3

75,6

+ 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,4 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,4

22,2

+ 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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