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Bericht für den 8. März 2010 Gold & Gesellschaft: Abschied von der Banker-Herrenrasse? Paul Volcker ist ein Mann von gestern. Mit 82 Jahren müsste man
eigentlich keinen Berater-Job mehr annehmen. Schon gar nicht den eines frisch
gewählten US-Präsidenten. Er tut es trotzdem – obwohl seine Gegner
mindestens den gleich guten Zugang zu seinem Chef haben wie er selbst. Dabei
wurde er erst im Jahr 1987 von dem damaligen Präsidenten Ronald Reagan seines
Amtes als Chef der Notenbank FED verwiesen, das er acht Jahre innehatte. Reagan
brauchte einen kreativen Gelddrucker an der Spitze der FED, der den Übergang
von einer Zwei-System-Weltordnung mit dem Untergang der Sowjetunion zu einer
US-zentrischen Weltordnung finanzierte. Der neue
Maestro hieß Alan Greenspan – und seine legendären Entscheidungen haben
im Wesentlichen dazu beigetragen, das Weltfinanz-System an den Rande des
Abgrundes zu bringen. In der
Folge dieser Entscheidung weitete sich der Apparat der Banken- und
Finanzinstitute zu einem riesigen Wirtschaftszweig der anglo-amerikanischen
Weltordnung aus. Bislang dienten die Banken der Geldversorgung und der
Investitions-Tätigkeit der Unternehmen. Von nun ab drehte sich der Spieß um und
das Spiel der Banken geriet immer mehr zum Selbstläufer, der mit der Realwirtschaft
als angegliederter kleinen Produktions-Stätte kaum mehr etwas am Hut hatte. Die FTD
zitiert in ihrem gestrigen Beitrag unter dem Titel Obamas
kauziger Berater Paul Volcker auf einer
Veranstaltung: Ich
war neulich auf einer Veranstaltung, keine Ahnung, was ich da eigentlich
gemacht habe, wahrscheinlich irgendeine Rede gehalten. Jedenfalls habe ich
einen der geistigen Väter dieser tollen, neuen Finanzderivate, einen früheren
Nobelpreisträger, gefragt, was das Zeug eigentlich zum Bruttosozialprodukt oder
zur Produktivität beigetragen hat. Er schaute sich um und flüsterte mir ins
Ohr: Paul, überhaupt nichts. Die
Deregulierung der Finanz-Märkte und die Aufhebung der Trennung zwischen
Einlagen-Banken und Investment-Banken hat ein unkontrollierbares Finanzmonster
geschaffen, das kaum zu zähmen ist. Noch viel schlimmer wirkt jedoch die
Tatsache, dass die sich als neue Herrenrasse sehenden Banker nun mit ihren
Spekulations-Geschäften praktisch ungehindert die Spareinlagen von hunderten
von Millionen Bürgern verspielt haben. Das Ergebnis
können Viele nur erahnen, Informierte sehen es jetzt schon: Die Spareinlagen
sind zum größten Teil durch undurchsichtige und praktisch wertlose
Finanz-Produkte verspielt worden. Deshalb will Volcker
auch wieder die Trennung zwischen Banken, die den Einlage- und Zahlungsverkehr
sicherstellen auf der einen Seite, und Investmentbanken, die an den Märkten
spekulieren und Finanz-Akrobatik betreiben auf der anderen Seite. Das macht es
einfacher, eine solche sich zu Tode verspekulierende Investmentbank schnell zu
Grabe zu tragen. Derzeit
fühlen sich die Herren aber sicher, weil mit ihrer Verflechtung mit den
Spareinlagen deren Tod auch mit dem Eingeständnis verlorener Spareinlagen
einhergehen würde. Das erklärt auch deren unglaubliche Arroganz, die sie
Politikern und den verdutzten Bürgern gegenüber an den Tag legen. Da kommt
nun Super-Volcker und will das Ende dieser
selbsternannten neuen Herren durch ein paar Eingriffe in die Markt-Regulierung
einläuten: Im Krisenfall sollen für Banken schnelle Begräbnisse und keine
lebenserhaltenden Maßnahmen wie für die deutsche Hypo-Real
Estate her. Die FTD beschreibt das wie folgt: Die Bestattung
solle eine Abwicklungsbehörde übernehmen. Das wäre eine Sache von Tagen, wenn
nicht Stunden. Die Behörde liquidiert oder fusioniert das entsprechende
Finanzinstitut, schmeißt das Management raus, die Aktionäre verlieren ihr Geld,
die Gläubiger werden nach ihrer Rangordnung bedient, wenn überhaupt. Wenn das
alles so vom US-Kongress beschlossen wird, dann verdrängt der Mann von gestern
die Banker von heute: Jürgen Fitschen,
Firmenkundenvorstand der Deutschen Bank fühlte sich auf einer Veranstaltung
zwischen dem Ex-Fed-Chef Volcker
und dem EZB-Chef Trichet wie der böse Bube und
versuchte es mit einer kontrollierten Offensive. Wir machen nur, was unsere Kunden wollen, wir
sind keine Eigenhandelszocker. Keiner
glaubte ihm diese Aussage – und fortan wurde es ruhig um Fitschen. Vielleicht sind die Männer von gestern doch die
besseren Banker von morgen. Die heute regierende Banker-Herrenrasse hat das
System und damit auch sich selbst ad absurdum geführt. Es fehlt nur noch
jemand, der ihnen erklärt, dass ihrer neuer Job bestenfalls auf den Feldern zu
finden wird. Das würde zur ihrer ansonsten rein proletarischen
Lebenseinstellung auch gut passen. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Gold
schwankte im Laufe des heutigen Vormittags recht lustlos um die Marke um
$1.135; das heißt praktisch unverändert im Vergleich zum letzten Freitag. Diese
Entwicklung setzte sich vom asiatischen Markt bis zum Londoner
Vormittags-Handel fort. Der A.M.
Fix kam mit $1.134,00 (EUR 831,32) zustande. Auch zum
Nachmittags-Handel und zu Beginn des Handels an der New Yorker COMEX tat sich
kaum etwas. Die
Situation wurde langsam verdächtig – welche Partei hatte welche Aktionen
für den Nachmittag vorgesehen. Kurz vor
dem Londoner P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ hatten wir Gewissheit. Plötzlich fiel
der Goldpreis wie aus dem Nichts um knapp zehn Dollar. Der P.M. Fix zeigte dies
mit einem Kurs von $1.125,75 (EUR 823,52) an. Das
Gold-Kartell ist also back-on-stage. Die Drückung
ging diesmal vom Londoner Handel aus. Obwohl dort physisches Gold gehandelt
wird, sagt dies trotzdem nichts darüber aus, ob die physischen
Goldhandels-Geschäfte auch in einer wirklichen Lieferung resultieren. Denn in
London werden täglich über 500 Tonnen Gold gehandelt. Bei wenigen tausend
Tonnen Golderzeugung und Recycling pro Jahr werden also in großem Umfang
Geschäfte zwischen den Gold-Kartell Banken abgeschlossen, die gar nicht das
Ziel haben, Gold physisch zu liefern. So kann
beispielsweise die Deutsche Bank der HSBC am Tag X 300 Tonnen Gold verkaufen.
Am nächsten Tag (X+1) kauft die Deutsche Bank von HSBC die gleiche Goldmenge
wieder zurück. So kann man den Durchschnittspreis beim Gold, der in London
ermittelt wird, gut drücken. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die wirklichen
Käufer so zu tendenziell billigeren Gold kommen. Letztendlich müssen Deutsche
Bank, HSBC etc das Gold, was sie an die echten Goldnachfrager so billiger
verkauft haben, auch liefern. In der
Vergangenheit haben die Zentralbanken mit ihren Beständen nachgeholfen, dieses
physische Defizit auszugleichen. Nachdem die offiziellen Verkäufe aber
praktisch auf Null zusammengebrochen sind und auch die heimlich abgewickelten
Gold-Leihgeschäfte ihr Ende gefunden zu scheinen haben, klappt es nicht mehr
richtig mit dieser Strategie. Immer
mehr physisches Gold der Schein-Geschäfte in London zwischen den Gold-Kartell
Banken fließt ab und macht diese Art der Manipulation immer schwieriger.
Bestimmte Marktkommentatoren vermuten bereits, dass ein Vielfaches (Faktor zehn
und mehr) an Gold-Kontrakten an der LBMA verkauft wurde als physisches Gold in
den Lagern der Depotbanken der LBMA lagert. Das ganze System kann sich also mit
einem großen Knall in Luft auflösen, wenn bestimmte Parteien ihr Gold physisch
haben wollen. Heute hat
es jedoch noch einmal funktioniert. Zwar hat man den Goldpreis nur um zehn
Dollar drücken können – aber man braucht anscheinend diese Initiative, um
den Goldpreis unter Kontrolle halten zu können. Zum Ende
des COMEX-Handels tat sich nicht mehr viel und Gold
beendete den Handel mit $1.125,00 um circa zehn Dollar niedriger als am letzten
Freitag. Der
US-Dollar war heute bis auf einem marginalen Verlust von 0,1 Punkten stabil bei
80,4 (USDX). Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen verharrten bei 3,7
Prozent. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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