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Bericht für den 12. März 2010 Gold & Gesellschaft: Dead men walking Viele
denken, dass die Bankenkrise überwunden sei. Staatliche Hilfe, Garantien für
die Sparer und sprudelnde Gewinne geben dem Außenstehenden den Anschein, dass
das System noch einmal von der Klinge gesprungen ist. In
Wirklichkeit wurde einer der Grundsätze der Bilanzierung während der Krise
aufgegeben – das fair market value Prinzip. Das heißt die Bewertung der Bestände der
Banken zu marktgerechten Preisen. Was nützt es dem Inhaber einer Immobilie,
wenn deren Wert vor zwei Jahren noch eine Millionen Dollar betragen hat, wenn
man heute auf dem Markt nur noch $600.000 erlösen kann. Viel schlimmer waren im
Jahr 2008 die Einbrüche bei anderen Wertpapieren wie CDOs,
die zum Teil überhaupt keinen Marktwert mehr hatten. Wo sich kein Käufer
findet, ist der effektive Wert dann Null. Oder
nehmen wir die griechischen Staatanleihen beispielsweise. Wer glaubt noch
daran, dass die Griechen plötzlich Überschüsse erlösen werden, um ihre Schulden
begleichen zu können. Trotzdem
werden alle diese Asset-Klassen zu historischen oder
Nominalwerten in den Bilanzen der Banken erfasst. Die New York Times sprach in
ihrem Bericht Ailing Banks May Require More Aid to Keep Solvent von:
Some of the nations
large banks, according to economists and other financial experts, are like dead
men walking. Technisch
ist eine Bank im englischen Sprachgebrauch insolvent, wenn die Summe der Assets kleiner ist als die Summe der Verbindlichkeiten (beispielsweise
gegenüber den Einlagekunden). Das ist bei einem Großteil des Bankensystems
wirklich der Fall – in Europa übrigens viel schlimmer als in den
Vereinigten Staaten. Um das zu
verhindern oder zumindest zu verschleiern, bedient man sich zweierlei Tricks:
Zuerst kann man die fair market value
Bewertung aussetzen und so tun, als wenn die Assets
einen höheren Wert haben, als sie im derzeitigen Marktumfeld bewertet sind. Die
zweite Möglichkeit ist, diese Assets mit der
jeweiligen Notenbank in einem Swap-Geschäft gegen hochwertige Assets wie beispielsweise US-Staatsanleihen zu tauschen.
Das löst zwar auch nicht das Problem, denn die Schrott-Papiere lagern nun in
den Kellern der Notenbanken und müssen letztlich wieder zurückgetauscht werden.
Aber man hat das Problem erst einmal verschleiert – mit Hoffnung auf
bessere Zeiten. Diese
besseren Zeiten ermöglichen wiederum die Notenbanken, in dem sie die
kurzfristigen Zinsen niedrig halten und die langfristigen relativ hoch. Mit dem
Versprechen, kurzfristige Liquidität in großem Umfang zu niedrigen Zinsen
anzubieten, ermöglichen es die Notenbanken den betroffenen Banken, langfristige
Anleihen zu kaufen und an die Notenbanken zu kurzfristigen Zinsen zum Ankauf
einzureichen. Die Zinsdifferenz dieses sogenannten Carry-Trade
Geschäftes kassieren die Banken. Deshalb sehen wir Milliarden-Gewinne bei den
Banken. Nicht aus ihrem typischen Geschäft, sondern nur durch diese Maßnahmen. Eine Bank
hätte man die letzten 18 Monate besitzen müssen – da hätte man praktisch
risikolos Geld verdienen können. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass
die Notenbank die Bank als Partner für solche Geschäfte akzeptiert. Bei einem
geschätzten Schaden von $3.600 Milliarden Dollar, wovon $1.800 Milliarden
Dollar auf das Bankensystem entfallen, müssen diese Carry Trade Geschäfte
Jahrzehnte lang den Banken zweistellige Milliarden-Gewinne ermöglichen. Das ist
natürlich unrealistisch. Die
Hoffnung der Notenbanker und Regierungen ist deshalb, dass der Immobilienmarkt
und andere Asset-Märkte wieder anspringen, so dass
die o.g. Ausfall-Summe sich wesentlich reduziert. Ob diese
Wiederbelebung der Schulden-Blase funktionieren wird, darf bezweifelt werden.
Denn sollte bei der derzeit massiven Schöpfung von Zentralbankgeld der
Kreditmultiplikator wieder anspringen, der ja für eine Ausweitung der
Verleihung an mögliche Immobilien-Käufer notwendig ist, dann springt das
derzeitige eher deflationäre (aus Sicht der Kreditgeldmenge) System
augenblicklich auf Starkinflation um. Um diese
wieder unter Kontrolle zu bringen, müssten die Notenbank die Zinsen kräftig
anheben. Das würde wiederum das Carry-Trade System
der Staatsanleihen zum Kollabieren bringen. Meines Erachtens eine nicht mehr
lösbare Herkules-Aufgabe. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Es lief
heute eigentlich gut für das Gold. Bis zum Beginn des Handels an der COMEX.
Dabei gab es eigentlich (erneut) keine Nachrichten, die eine Bewegung beim Gold
in die eine oder andere Richtung rechtfertigen würde. Auch der US-Dollar gab
heute kräftig nach. Wir sahen
heute im Tagesverlauf eine Preisspanne – vom Höchststand zum Tiefstand
gerechnet – von $20. Wäre der US-Dollar heute nicht gesunken, dann wären
aus dem Tagesverlust von knapp acht Dollar fast fünfzehn Dollar geworden. War diese
Nachricht vielleicht der Grund für die Drückung: In February, the U.S. Government ran its largest ever monthly
deficit — $221 billion,
the U.S. Treasury said in releasing its monthly
budget statement Wednesday. By comparison,
the government in February 2009 ran a budget deficit of nearly $194 billion. Ein Monatsdefizit des US-Bundeshaushaltes von $221 Milliarden Dollar.
Wenn das nicht bei den Investoren langsam die Alarmglocken läuten lässt. Zur
heutigen Entwicklung beim Gold: Im asiatischen Handel heute früh konnte Gold
sich oberhalb der Marke von $1.110 stabilisieren. Zum Londoner Vormittagshandel
ging es weiter bergauf, bis zum A.M. Fix der Tages-Höchststand von knapp $1.120
erreicht wurde. Der A.M. Fix kam auf diesem Niveau mit $1.118,75 (EUR 811,81)
zustande. Im frühen
Nachmittags-Handel ging dann ein Teil dieser Gewinne verloren. Die Drückung
setzte aber erst mit Beginn des Handels an der COMEX ein. Und sie verlief
durchgehend bis zum Ende des heutigen Handels. Zum P.M. Fix stand Gold dann
bereits bei nur noch $1.106,25 (EUR 805,72). Im Anschluss konnte sich Gold
wieder etwas erholen, gab dann im reinen Future-Handel
um zehn Dollar auf unter $1.100 nach. Diese Marke konnte aber erneut
erfolgreich verteidigt werden. Aber nur
knapp – denn der letzte Kurs an der COMEX betrug nur noch $1.101,50.
Wegen des schwachen Dollars sank Gold auf bis zu EUR 800. Der
US-Dollar Index (USDX) gab heute kräftig um 0,6 Punkte auf 79,8 nach. Die
10-jährigen Treasuries hielten erneut ihre Realrendite
von 3,7 Prozent. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
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