
|
Bericht für den 12. April 2010 Gold & Gesellschaft: Flucht in die Arme staatlicher Schlächter Die Flucht in Sachwerte treibt die
Preise – Mietshäuser und Eigentumswohnungen sind beliebt wie lange nicht. Solche
oder ähnliche Nachrichten konnte man die letzten Tage lesen. Die Anleger wollen
so ihr Geld vor einer drohenden Inflation schützen. Die WELT
am Sonntag beschrieb das wie folgt: DIE ANGST GEHT UM in Deutschland. Die Furcht vor
Staatspleiten und Hyperinflation. Seit die Nationen sich in horrende Schulden
stürzen, um Banken und Wirtschaft zu retten, ist für viele abgemacht: Dies wird
mit einer Entwertung des Geldes, mit dem Bankrott des Fiskus, mit einer
Währungsreform enden. Die
Furcht der Bürger ist dabei durchaus berechtigt – wir werden früher oder
später eine Währungsreform oder ein ähnliches Konstrukt bekommen. Nur die
Bürger ziehen daraus die falschen Schlüsse: Ihr Geld in Immobilien als
angeblich sichere Sachwerte umzuschichten. Dabei
warnt die WaS in der gleichen Ausgabe vor den Folgen dieses Denkens. Denn, so
lautet die Schlussfolgerung des wahrscheinlich wenig beachteten Berichts Schützen
Immobilien vor Inflation: Im Zweifel können Krisengewinnler dem Staat kaum entkommen. Denn wenn
der Staat selbst vor dem Finanztod steht, wenn Steuern einbrechen und er selbst
trotz Monetarisierungs-Maßnahmen der Notenbanken nicht mehr weiter aufschulden
kann, wird er sich an denjenigen Vermögensbesitzern versuchen gesundzustoßen,
die am effektivsten zu besteuern sind: Den Immobilien-Besitzern. Schon weit
vor der Einführung der elektronischen Kontrolle der Konten seiner Bürger steht
nämlich dem Staat seit über einem Jahrhundert die effektivste Waffe zur
Aufspürung von Immobilien-Vermögen zur Verfügung: Das Grundbuch. Ohne die
Grundbücher im Einzelnen aufwendig durchsuchen zu müssen, liegen Daten über die
Einheitswerte der Objekte der Finanzverwaltung vor, um die Grundsteuer als Form
einer Vermögensbesteuerung zu ermitteln. Ohne großen Logistik-Aufwand könnte
man hier kurzfristig viel Geld aus den Immobilien-Besitzern herauspressen. Gravierender
sind jedoch quasi Enteignungsmaßnahmen wie Zwangs-Hypotheken, mit denen der
Staat das Objekt im Grundbuch belastet. Zu solchen Maßnahmen hat der Staat
immer dann gegriffen, wenn der Vorteil der Flucht in Sachwerte für den
Eigentümer eigentlich am größten zu seien schien: Bei einer Hyperinflation oder
einer Währungsreform. Die
Hyperinflation des Deutschen Reichs im Jahr 1922 und 1923 schien ein solcher
Zeitpunkt, bei der sich die Immobilien-Besitzer zusätzlich mit dem Erhalt ihres
Vermögens noch ihre Hypothekenschulden glaubten weginflationieren zu lassen.
Denn im November 1923 war ein US-Dollar 4,2 Billionen Reichsmark teuer. Die auf
einer Immobilie lastenden Hypothekenschulden waren damit wertlos – das
Objekt hat sich also durch die Inflation selbst entschuldet. Zitat des
Berichts der WaS: Allerdings währte die Freude der Grundeigentümer nur kurz. Bereits 1924
wurde in Deutschland die Hauszinssteuer auf Vorschlag des Berliner Baustadtrats
Martin Wagner eingeführt. Mit ihr sollten offiziell die Gewinne abgeschöpft
werden, die Immobilienbesitzer durch ihre vollständige Entschuldung erfahren
hatten. Doch die Steuer war so hoch, dass sie wie eine Enteignung durch die
Hintertür wirkte. 1927 beliefen sich die Einnahmen aus der Hauszinssteuer in
Deutschland auf die für die damalige Zeit enorme Summe von 850 Millionen
Reichsmark. Das entsprach rund 20 Prozent des gesamten Steueraufkommens aller
Kommunen. Für den Immobilienmarkt war die Steuer verheerend. Die meisten
Eigentümer konnten die Lasten nicht tragen und waren daher gezwungen, ihre
Objekte zu verkaufen – wodurch die Preise von Wohn- und Gewerbeimmobilien
um bis zu 50 Prozent einbrachen. War das
ein staatliches Singular-Ereignis: Nein – es war eher die Regel. Denn mit
der Währungsreform 1948 kam eine ähnliche Regelung zu Lasten der
Immobilien-Besitzer zum Tragen: Das Lastenausgleichsgesetz und hier
insbesondere die Hypothekengewinnabgabe. Im Vergleich zum Jahr 1924 wurden die
Zahlungen jedoch auf 30 Jahre verteilt, so dass die Eigentümer nicht wieder aus
Geldmangel ihre Objekte verkaufen mussten. Die
Hypothekengewinnabgabe betrug 9 / 10 des geschuldeten Betrages und musste in
120 vierteljährlichen Raten getilgt werden. Da die Umstellung der Schulden 1 :
10 erfolgte, saß ein Immobilienbesitzer mit einer Grundschuld von beispielsweise
100.000 RM vor der Umstellung nun auf einer Grundschuld von 10.000 DM und
zusätzlich 90.000 DM Schulden bedingt durch die Hypothekengewinnabgabe. Da die
Löhne und Gehälter im Verhältnis 1 : 10 umgetauscht wurden, kann man erahnen,
welche massiven Belastungen da auf die Besitzer zukamen. Hinzu kam
eine Vermögensabgabe (war auch Bestandteil des Lastenausgleichsgesetzes) von 50
Prozent nach Abzug eines Freibetrages von 150.000 DM. Das heißt auch die
schuldenfreien Immobilien-Besitzer wurden kräftig zur Kasse gebeten. Wichtig
ist es zu verstehen, dass der Staat immer eine Begründung für eine solche
drakonische Enteignungsmaßnahme findet und auch im Falle einer erneuten
Währungsreform finden wird: Sei es der Ausgleich für die vollständige
Entschuldung im Jahr 1924 durch Hyperinflation oder die Umverteilung von
Vermögen im Jahr 1948 nach dem Zweiten Weltkrieg an diejenigen, die aufgrund
von Vertreibung ihr Eigentum verloren haben. Die vor
Hyperinflation und Staatspleite besorgten Deutschen flüchten heute also genau
in diejenigen Sachwerte, die beim Eintreffen dieses Ereignisses garantiert
wieder am stärksten belastet zu werden drohen: Immobilien. Oder anders
ausgedrückt: Die Investoren-Schafe laufen ihrem zukünftigen (staatlichen) Schlächter
direkt in die (offenen) Arme. Wer
denkt, dass dies auf dem Boden unserer Verfassung nicht möglich sei, der sollte
sich einmal genauer mit den Artikeln 14 und 15 des Grundgesetzes
auseinandersetzen. Nach Bewertung eines Juristen deuten selbst Entscheidungen
des Bundesverfassungs-Gerichts der Vergangenheit in diese Richtung. Von
Seiten der Politik gibt es wirklich schon konkrete Vorschläge für eine
Neuauflage der Vermögensabgabe. In einem politischen Gastkommentar von Gerhard
Schick, finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen im
HANDELSBLATT vom 9. April 2010 fordert er: Eine Vermögensabgabe auf große private Vermögen. ... Die
einmalige Abgabe soll aber, so wie beim Lastenausgleich nach dem Zweiten Weltkrieg,
über mehrere Jahre verteilt erhoben werden, um die Liquiditätsbelastung gering
zu halten. Auch Schick sieht in dem Beitrag eine solche Abgabe durch
das Grundgesetz in Ausnahmefällen als gedeckt an. Da nimmt
man doch wohlwollend zur Kenntnis, dass es in der BUNDESBANK noch einige Köpfe
gibt, welche die Realität nicht nur erkennen, sondern auch die Öffentlichkeit
an ihrer Erkenntnis teilhaben lassen: Zum Museums-Abend am 17. März 2010 in
Frankfurt a.M. hielt die Bundbank einen Vortrag unter dem Titel Das Gold der
Notenbanken – Funktion und Bedeutung. Auf Folie 21 wird dort
festgestellt: In
Zeiten politischer Instabilität ist Gold im Vergleich zu anderen
Vermögensgegenständen physisch nicht so leicht konfiszierbar. Der Inhaber kann
nicht per Erklärung (z.B. vom Staat) enteignet werden. Alle
Immobilien-Besitzer sollten diese eindeutige Warnung der BUNDESBANK Ernst nehmen:
Es sind nämlich genau sie selbst, die hier als Betroffene gemeint sind. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Das Griechenland-Drama scheint nur
vorläufig ein Ende gefunden zu haben. Mit einem 45 Milliarden Euro schweren
Kredit-Paket, das zu zwei Dritteln von den Mitgliedstaaten der Euro-Zone und zu
einem Drittel vom Internationalen Währungsfond (IWF) getragen werden soll, soll
Griechenland Kredite zu einem Zinssatz von 5 Prozent erhalten. Konkret
heißt dies, dass Deutschland in etwa 8 Milliarden Euro neuer Schulden an den
Kapital-Märkten aufnehmen müsste und im Gegenzug diese 8 Milliarden Euro als
Kredit den Griechen zur Verfügung stellen würde. Aber das
ist alles nur eine Absichtserklärung. Insbesondere bei den selbst unter
schweren Problemen leidenden Südländern ist fraglich, ob sie eine solche Hilfe
für Griechenland überhaupt stemmen können. Das ganze
Paket wirkt unausgegoren und wird wohl in vielen Ländern nicht durchsetzbar
sein. Man hofft lediglich Zeit zu gewinnen, bis die Wahlen in NRW gelaufen
sind. Dann wird Deutschland wohl wieder einmal auf Geheiß von Angela Merkel als
Zeichen der europäischen Solidarität allein die Griechenland-Zeche bezahlen
müssen. So lange
werden die Finanzmärkte solche verbalen Bekenntnisse aber nicht akzeptieren.
Der Make-oder-Brake Fall wird wohl schon die nächsten Tage eintreten. Wir
konnten es heute bereits am US-Dollar Index (USDX) ablesen: Der USDX ist am
Vormittag auf bis zu 80 Punkte gefallen, zwischenzeitlich dann aber wieder auf
80,7 Punkte gestiegen. Beruhigte Finanz-Märkte sehen sicherlich anders aus. Gold ist
wegen des heutigen kräftigen Euro-Anstiegs wieder unter die Marke von EUR 860
gefallen. Im asiatischen Handel heute früh konnte das gelbe Metall zwar auf
$1.165 zulegen, aber die Dollar-Gewinne führten in Euro betrachtet zu Abschlägen
von zum Teil zehn Euro pro Feinunze. Zum
Londoner Vormittags-Handel wurde diese Preisentwicklung aus Asien bestätigt. Der A.M. Fix kam mit $1.163,50 (EUR
854,20) zwar um acht Dollar stärker als noch am letzten Freitag zustande. In
Euro betrachtet gingen jedoch neun Euros verloren. Nachdem
die Märkte dann aber mit dem beginnenden Nachmittags-Handel wieder vorsichtig
wurden, konnte Gold einen Teil seiner Euro-Verluste wieder wettmachen. Trotz
der mit Eröffnung der COMEX und dem P.M. Fix erzwungenen Goldpreis-Korrektur betrug
zum P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ der Preisrückgang in Euro nun lediglich fünf
Euros: $1.158,75 (EUR 852,21) und damit sechs Dollar mehr als noch letzten
Freitag. Im
Anschluss zum P.M. Fix stieg Gold dann wieder bis auf $1.165 an, konnte dieses
Niveau aber nicht bis zum Ende des Handels an der COMEX halten. Der Endstand
betrug $1.161,70. Wieder
einmal wurde der späte Access Handel missbraucht, um den Gold-Preis um weitere
sieben Dollar auf bis zu $1.155 zu drücken. Den Regierungen und ihren
Notenbanken gefiel wohl nicht, dass der Goldpreis sich von der angeblichen
Rettungs-Aktion fast unbeeindruckt gezeigt hatte. Der
US-Dollar Index (USDX) beendete den Handel mit 80,6 um 0,4 Punkte niedriger als
am Freitag. Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes verharrten bei 3,9
Prozent. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich
publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2010 |
||||||||||||||||||||||||||||||||