Bericht für den 22. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Schaut auf diese Bank!

 

Wie eine Stadt während der Blockade im Jahr 1948 um seine Aufmerksamkeit bei den Westalliierten kämpfte, so kämpft heute eine Bank darum, dass man das Geschehene bloß nicht ans Licht der Öffentlichkeit bringt.

 

Es geht um die Deutsche Bank, die eigentlich gar nicht mehr so deutsch ist, wie der Name es vermutet lässt. Sondern zum Großteil eine Investmentbank mit Stützpunkten in der Londoner City und New York.

 

Derzeit wird gerichtlich gegen Goldman Sachs wegen einer schweren Verletzung der Regeln der SEC vorgegangen. Unter anderem wurde die deutsche Mittelstandsbank IKB mit diesem Geschäft um $150 Millionen geprellt. Aber, wie der SPIEGEL in seinem Kommentar vom 21. April schreibt, ist das Ganze Heuchelei: Auch die Deutsche Bank drehte der IKB verhängnisvolle Schrottpapiere an, ohne dass Berlin dagegen vorgegangen wäre.

 

Der Kommentar führt weiter aus: Denn auch die Deutsche Bank hat der IKB jene verhängnisvollen Schrottpapiere angedreht, die das Institut in den Untergang trieben – und zwar zu einer Zeit, als die smarten Investmentbanker die Papiere längst aus eigenen Beständen verkauft hatten, wie Konzernchef Josef Ackermann indirekt zugab. Mehr noch: Die Bank hat sogar auf einen Verfall solcher Papiere gewettet.

 

Da haben wir also die Parallele zum Goldman Sachs Fall: Man verkauft der IKB die Schrottpapiere und wettet im Hintergrund aktiv selbst – natürlich ohne Kenntnisnahme des Käufers – auf den Verfall dieser Papiere. Das ist sogar noch schlimmer, als Goldman Sachs gehandelt hat, denn in dem anhängigen Verfahren in den Vereinigten Staaten hat der Hedge Fond von Paulson gegen die Papiere von GS gewettet – aber nicht Goldman selbst.

 

Und wenn die Papiere einfach nicht so schnell fallen, wie man gewettet hatte, dann musste man ein wenig nachhelfen: Vor allem hat die Deutsche Bank den wohl unvermeidlichen Zusammenbruch der IKB selbst ausgelöst – und zwar durch einen Anruf von Institutschef Ackermann beim Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio. Dem teilte er mit, dass die Deutsche Bank die Kreditlinien an die IKB sperren werde.

 

Nun hat die Deutsche Bank wohl die Prämie ihrer Short-Wette kassiert und mit dem Zusammenbruch der IKB eine Folge staatlicher Rettungspakete im Umfang von über zehn Milliarden Euro ausgelöst. Ein Teil dieses Geldes floss sicherlich in die Taschen der Deutschen Bank.

 

Dass sich die Politiker für diesen eklatanten Fall nicht interessiert zeigten und trotz Anratens des renommierten Wirtschaftsstrafrechtlers Walter Perron keine Anzeige gegen die Deutsche Bank wegen Betrug einleiteten, lässt zwei mögliche Schlussfolgerungen zu:

 

Erstens, die Deutsche Bank war zu dem damaligen Zeitpunkt in einer solch desolaten Verfassung, dass seinerzeit ein Zusammenbruch dieses Geld-Instituts drohte. Dann wäre die Bank, weil too big to fail, vom Staat gestützt worden. Aber Joe Ackermann wollte sich einfach nicht vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Blöße geben so wie die Royal Bank of Scotland, die Commerzbank, die Citi Group und viele andere Geldinstitute. Man fühlte sich vielmehr dem elitären Club der Banken-Oligopole um JP Morgan Chase und der HSBC Bank zugehörig, die ohne größere Blessuren durch die Krise kamen.

 

Zweitens, die Verflechtungen zwischen der Politik, insbesondere die Verbindungen zwischen Merkel und Ackermann waren bereits damals so groß, dass ein Vorgehen der Politik diese Verflechtungen für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht hätte.

 

Die Deutsche Bank, nach außen mit soliden Zahlen, ist auch heute noch ein aktivierter Sprengkörper für das Weltfinanz-System. Die überhastete Stützung des eigenen Immobilien-Fonds zeigt an, dass man eine Kettenreaktion im eigenen Bilanz-Portfolio um jeden Preis verhindern möchte. Denn anders als die ebenfalls betroffenen Fonds von Morgan Stanley und Goldman Sachs hat man der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt, wie viel Prozent des Fondvermögens bereits verloren seien.

 

Ich vermute, dass bei den Deutsche Bank Fonds das Fondsvermögen schon längst verbraucht ist und die gegebenen Kredite auf sehr wackligen Beinen stehen.

 

Schaut auf diese Bank – hier wird uns noch einiges erwarten dürfen. Trotz der immer noch martialisch vorgetragenen Siegerpose des Joe Ackermanns.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Der Euro leidet weiter unter der sich verschärfenden Griechenland-Krise. Heute gab die europäische Währung gegen den US-Dollar erneut mehr als 0,5 Prozent nach. Die 10-jährigen griechischen Staatspapiere stiegen weiter auf 8,8 Prozent Realrendite. Viel beunruhigender ist jedoch, dass die kurzfristigen Titel inzwischen eine höhere Rendite als die Landläufer erzielen. Solch eine inverse Zinskurve deutet darauf hin, dass sich die Griechen selbst über kurz laufende Anleihen nicht mehr refinanzieren können. Der Bond-Markt ist praktisch zum Erliegen gekommen.

 

Gold stand nach seinem gestrigen Anstieg über die Marke von $1.150 unter verschärfter Beobachtung des Gold-Kartells. Nachdem der Kurs mit Beginn des Vormittags-Handels in London erneut die Marke von $1.150 anpeilte, setzte die erste Drückungswelle ein, die das gelbe Metall um bis zu acht Dollar fallen ließ.

 

Der A.M. Fix war da noch mit $1.144,25 (EUR 856,28) etwas fester, konnte sich im 24-Stundenvergleich aber nicht vom Fleck bewegen.

 

Zum Nachmittags-Handel verfiel der Goldpreis weiter, jedoch nur leicht, bis schließlich kurz vor dem Londoner P.M. Fix die zweite Drückungswelle einsetzte. Diese ließ Gold auf bis zu $1.133 abfallen. Das war dann auch fast der Kurs des P.M. Fixes mit $1.133,75 (EUR 853,21) – ein Tagesverlust von neun Dollar.

 

Nächste Wochen steht wieder einmal eine große Versteigerung von lang laufenden US-Staatsanleihen, sogenannten Treasury Notes, an. Das Volumen soll über $120 Milliarden betragen. Die gestern noch gefallenen Renditen der 10-jährigen Papiere haben sich heute wieder auf 3,8 Prozent erhöht.

 

Nach den Maßnahmen, die wieder einmal von der LBMA-Clique in London ausgingen, konnte sich Gold in den verbleibenden Stunden des COMEX-Handels zumindest von der zweiten Drückungswelle wieder erholen. Mit $1.142,50 beschließt Gold dann den Handel – also fünf Dollar niedriger als gestern.

 

Den Goldkurs in Euro konnte das nicht erschüttern. Schließlich kam sogar noch ein kleiner Anstieg am Ende des Tages heraus. So kann das US-Dollarimperium mit seiner heutigen Aktion zufrieden sein. Bis auf den Ölpreis, den man im Laufe des Tages um über einen Dollar drücken konnte, der aber zum Ende des Handels fast unverändert schloss.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.144,25

(€856,28)

$1.143,75

(€851,00)

+ $0,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.133,75

(€853,21)

$1.143,00

(€853,30)

- $9,25

COMEX Schlusskurs

$1.142,50

$1.148,20

- $5,70

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,6

81,2

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,7 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,5

21,9

- 0,4

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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