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Bericht für den 22. Juni 2010 Gold & Gesellschaft: Spanien-Wunder ade Die
deutschen System-Medien haben ein Problem: Zu lange haben sie sich von ihrer
Europa-Ideologie leiten lassen und den Blick für die wirklichen Hintergründe
dieser Euro-Krise den britischen Tageszeitungen überlassen. Euro-Eliten
Kader-Gehorsam hat bislang mehr gezählt als die Aufklärung der Bevölkerung. Die
demokratische Presse verdaut sich selbst. Während
der selbst in seinen Papier-Geldwerten bis zum Eintritt des Rentenalters gefangene
und mit Hypotheken-Krediten hochverschuldete Chef-Redakteur der Finanztest,
Hermann-Josef Tenhagen, von Interview zu Interview
eilt, um der Welt das Böse vom Gold und das Gute vom Schrebergärten nebst
Riester-Renten zu erzählen, scheint man sich in den anderen Medien doch wieder
objektiverer Berichterstattung zu widmen. Der
SPIEGEL machte gestern nicht nur mit einem offenen Brief von Peter Gauweiler
auf sich aufmerksam, sondern berichtet unter dem Titel Das Ende des Wunders über die
spanische Krise: Die
Spanier hatten alles – die coolsten Künstler, die besten Sportler und,
als der Euro kam, die billigsten Kredite. Was ist
jetzt aus diesem Boom-Land geworden: Mehr als zwei Millionen Menschen haben ihren Job verloren.
Die Arbeitslosenquote ist von gut 8 auf fast 20 Prozent, bei den jungen Leuten
sogar auf 40 Prozent hochgeschnellt. Und
diejenigen reichen Spanier, die während des Booms reich geworden sind, bringen
ihr Geld jetzt im Ausland in Sicherheit. Man fürchtet Spezialsteuern für
Vermögende oder sogar das Einfrieren von Konten. Ebenfalls
verkauft wird der Euro gegen Schweizer Franken, US-Dollar oder Norwegische
Kronen. Nicht sehr weise, aber ein klares Mistrauens-Votum nicht nur gegen das
eigene Land, sondern die komplette Währungsunion. Spanien
– ein weiteres Referenz-Modell für das durch den Monetarismus geschaffene
Blasen-Modell anglo-amerikanischer Prägung. Man lebt
von einer selbstragenden Dienstleitungs-Gesellschaft, die praktische keinen
Mehrwert im Inland und im Ausland erzeugt und seinen Geldbedarf durch
Lieferanten-Kredite in Form frisch gedruckten Geldes bei den Export-Nationen
wie China, Japan aber auch Deutschland deckt. Bilanztechnisch werden die
anfallenden Schulden durch Aufblasen einer monströsen Asset-Blase
– in Spanien insbesondere bei Immobilien - gesund gerechnet. Es ist so,
als wenn der Wert der Aktien und des Hauses immer weiter steigen wird –
den erworbenen Reichtum realisiert man aber nicht durch Verkauf, denn den
weiteren Anstieg möchte man natürlich mitnehmen, sondern indem man sich in dem
Umfang verschuldet, wie die Anlage-Güter im Wert steigen. Kein Wunder, dass die
Bürger sich plötzlich als Reiche fühlten und auf Teufel komm raus konsumierten. Der
SPIEGEL beschreibt diese Methode abstrakt, aber zutreffend wie folgt: Zur Skepsis trägt
bei, dass der Spanien-Boom nicht in erster Linie auf der Stärke der heimischen
Wirtschaft beruhte, sondern zum großen Teil von außen getragen wurde –
und auf einen Konstruktionsfehler bei der Euro-Einführung zurückgeht. Das ist
jedoch nicht dem Euro allein zu schulden, denn die USA und Großbritannien
treiben mit China, Japan und den OPEC-Staaten im Weltmaßstab das gleiche Spiel
wie Spanien oder Griechenland mit Deutschland im Euro-Raum: Der eine produziert
für den anderen, der sich dafür verschulden muss. Natürlich
verschärft ein negativer Real-Zins für Geld-Anlagen diese Entwicklung und führt
dazu, dass billiges Kreditgeld in steigende Asset-Märkte
geht, wie der SPIEGEL korrekt beobachtet. Diese Binnenbewegung funktioniert
jedoch nur so lange, wie die Ausländer das massive Handels- und
Leistungsbilanz-Defizit der Spanier mit Lieferanten-Krediten finanzieren. Die
versteckten Geld-Ströme innerhalb des Euro-Systems verschleiern zwar diese
Entwicklung, völlig ausblenden können sie sie jedoch
nicht. Mit der
Gefahr mich zu wiederholen: Die Gläubiger bei den Lieferanten-Ländern sind
nicht irgendwelche abstrakten Banken und Unternehmen. In Wirklichkeit sind es
die Sparer in Deutschland, die ihr Vermögen über Lebensversicherungen,
Riester-Renten oder auch normalen Spareinlagen in diesen Blasen-Staaten
versenkt haben. Was nützt es Hermann Müller mit 60 Jahren, wenn er 50.000 Euro in
Papieren angelegt hat, die für die Refinanzierung von spanischen Immobilien
herhalten mussten. Wenn er Glück hat, dann sind diese 50.000 Euro heute bei
Liquidierung der dahinterstehenden Häuser vielleicht 5.000 bis 10.000 Euro
Wert. Ein Großteil seiner Lebens-Anstrengung ist also verloren. Beziehungsweise
bei den Spaniern, Griechen und anderen Verschwendern in den Konsum gelandet. Natürlich
drängt man Griechenland wie Spanien weltweit dazu, den Schein des guten
Schuldners noch aufrechtzuerhalten. Denn wenn es krachen sollte, verlieren
nicht nur in den Gläubiger-Ländern viele sparsame Deutsche, Japaner und
Chinesen einen Teil ihrer Alters- und Risikovorsorge. Nein, den Bürgern jener
Länder wie Spanien würde keiner mehr schöne deutsche Autos, schicke in China
produzierte Marken-Turnschuhe, modische indische Kleidungsstücke und arabisches
Öl mehr verkaufen. Wunder
gibt es nämlich nicht auf dieser Welt. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Das Gold-Kartell ist derzeit nur noch ein
Schatten seiner selbst. Früher hat man Drückungs-Aktionen eingeleitet, die über
drei Tage einen Schaden von zehn Prozent und mehr des Wertes angerichtet haben.
Es hat dann Wochen gedauert, bis der Gold-Preis diesen Rückschlag verdaut hat. Und heute – nach der gestrigen Drückung
geht es schon wieder leicht aufwärts beim Gold. Obwohl man im physischen Markt
sein bestes zu geben scheint. Auch die Elliott-Wellen Idioten sind auf
breiter Front verstummt. Keiner traut sich mehr richtig, sich Short zu
positionieren. Obwohl viele sogenannten professionellen Beobachter und
Analysten weiter Short schreien. Von dem Perma-Gold
Bären Jon Nadler einmal ganz abgesehen.
Wahrscheinlich sind die Trading-Konten erschöpft oder man hat einfach keine
Lust, sich in den diversen Foren als Looser zu outen. Dabei ist die Sache vielfach einfacher als
viele es vermuten: Gold muss steigen. Und wenn der Anstieg zu einem gefährlichen
Zeitpunkt eintritt, dann wird eben die Order von den Zentralbanken an JP
Morgan, HSBC und Deutsche Bank verfasst, dass Gold sinken muss. Wer diese
Zeitpunkte, bei denen es für die Notenbanken gefährlich wird, prognostizieren
kann, der kann auch schon einmal sein Glück mit Put-Optionsscheinen
auf Gold versuchen. Im Zweifel ist nur der Geld-Einsatz futsch und nicht das
gesammelte Gold. Viel gefährlicher sind da Engagements in
Futures: Ist man dort Short, dann kann es passieren, dass einem der Gold-Preis
davonläuft. Wenn man Stop-Marken gesetzt hat, kommt
man aus dem Engagement mit einem (oder zwei) blauen Augen heraus. Wenn nicht,
dann ist erst dann Schluss, wenn der Kontostand beim jeweiligen Trader ins Negative zu rutschen droht – Margin Call nennt man diese
kritische Situation. Ärgerlich wird es dann, wenn man entweder durch Stop Loss oder Margin Call aus dem Markt
gedrängt wird und sich im Anschluss der Gold-Preis doch wieder in Richtung der
gewünschten Marke bewegt. Optionsscheine sind da fairer, verlieren aber mit der
Zeit ihren inneren Wert – das Problem hat man wiederum bei Futures nicht. Aber widmen wir uns nun den Märkten. Was ist heute so passiert? Erst einmal wurde
berichtet, dass der Verkauf gebrauchter Häuser in den USA im Mai überraschend zurückgegangen
ist. Wieso überraschend – weil es derzeit staatliche Anreize zum Kauf
gibt. Die Blasen-Wirtschaft Vereinigte Staaten scheint einfach nicht zu Ruhe zu
kommen. Während für den G20-Gipfel immer mehr Staaten gezwungen werden, ihre
Defizite abzubauen, fordern nur noch die Vereinigten Staaten als letzter
Mohikaner die Ausweitung der Staatsausgaben und somit der Verschuldung. Dem US-Aktienmarkt tat das überhaupt nicht gut
– aber die 10-jährigen Staatsanleihen sind mit einem Realzins-Satz von
3,2 Prozent nun besonders gefragt. Mal sehen, wann die USA das französische
Schicksal erleidet, das selbst das Großmaul Sarkozy
zu Sparmaßnahmen gezwungen zu scheinen hat. Gold war auf Basis des gestrigen COMEX-Schlusskurses heute praktisch unverändert. Der kräftige
Rückgang zu dem A.M. Fix – minus $24,25 – und zum P.M. Fix –
minus $18,50 – reflektierte den gestrigen kräftigen Kurssturz eine Stunde
vor Ende des Handels an der COMEX. Zumindest mit physischem Gold wurde diese
Marke heute noch leicht nach unten durchbrochen. Wichtig für Euro-Gold: Die Marke von 1.000
scheint sich weiter zu stabilisieren. Warten wir ab, ob das Gold-Kartell noch
weitere Kaninchen aus dem Hut zaubern möchte, oder ob mit dieser Drückung eine
weitere Katastrophen-Meldung prophylaktisch bekämpft werden soll. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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