Der Goldmarkt – wie und wann wird Gold gehandelt ?

Gold wird weltweit praktisch über den kompletten Zeitraum von 24 Stunden gehandelt. Schließt der Handel mit Gold in Nordamerika, dann öffnet wenig später der Handel in Asien. Mit dem Schluss des Handels in Asien beginnt der Gold-Handel in Europa. Dem schließt sich dann der Handelsbeginn in den U.S.A. an.


Es gibt eine Reihe von Märkten, an denen Gold gehandelt wird. Die beiden wichtigsten Märkte sind jedoch:

Die Londoner Edel-Metallbörse (LMBA)

An der Londoner Edel-Metallbörse wird physisches Gold in Form von 400 Unzen LGD (London Good Delivery) Barren gehandelt. Silber wird in Form von 1.000 Unzen Barren gehandelt.

Die London Bullion Market Association (LBMA) betreibt seit dem Jahr 1987 den physischen Gold- und Silber-Handel.

Folgende Mitglieds-Unternehmen sind an der Ermittlung des Goldpreises (sogenannte „Market Makers“) an zwei Marken (am Vormittag und am Nachmittag) beteidigt:

• Bank of Nova Scotia (Scotia Mocatta)
Barclays Bank PLC
Deutsche Bank AG
HSBC Bank National Association
Societe Generale

Den Silber-Preis ermitteln folgende Unternehmen als „Market Maker“:

Bank of Nova Scotia (Scotia Mocatta
Deutsche Bank AG
HSBC Bank USA National Association

Handelszeit ist zwischen 8:50 bis 15:00 lokaler (GMT) Zeit (9:50 bis 16:00 Uhr MEZ).

Im Gold-Handel werden täglich werden zwei Preismarken ermittelt
• im Vormittagshandel der „A.M. Fix“ um 10:30 Uhr lokaler Zeit
• im Nachmittagshandel der „P.M. Fix“ um 15:00 Uhr lokaler Zeit

Der Preis wird in der Handelszeit folgendermaßen ermittelt: Alle Kauf- und Verkaufsangebote werden gesammelt und zu dem Zeitpunkt, wo die Preis-Marke ermittelt werden soll, setzen sich die Parteien zusammen, um das Preis-Niveau zu ermitteln, bei dem die meisten Geschäfte zwischen Käufern und Verkäufern zustande kommen. Der ermittelte Preis ist deshalb kein Preis, der ein aktuelles Geschäft wie am Aktienmarkt widerspiegelt. Sondern der Preis spiegelt alle Aufträge während des Handels-Zeitpunkts wider. Während des Handels können die Mitglieder ihre Angebote modifizieren, neue Angebote abgeben und auch Angebote zurückziehen.

Täglich werden über 600 Tonnen Gold gehandelt. Beim Silber beträgt die tägliche Handelsmenge über 3.000 Tonnen. Anzumerken ist, dass nicht alles gehandelte Gold bzw Silber auch wirklich zwischen den Parteien langfristig den Eigentümer wechselt. Ein Großteil des gehandelten Volumens fallen wohl auf spekulative Transaktionen.

Der „P.M. Fix“ wird als die wichtigere Marke angesehen, da dort die Handelsdauer in London 4:30 Std beträgt, während am Vormittag nur 1:40 Std gehandelt wird. Zusätzlich überlappen sich der Nachmittags-Handel in London mit dem Vormittags-Handel in New York.

Nachdem das Geschäft zustande gekommen ist, sorgen sogenannte „Clearing Unternehmen“ für die Abwicklung der Transaktion. Die sechs Clearing Unternehmen der LBMA sind:

Bank of Nova Scotia (Scotia Mocatta)
Barclays Bank PLC
Deutsche Bank AG
HSBC Bank National Association
JP Morgan Chase Bank
UBS AG

10 Unternehmen bieten Lager-Stätten für das physische Gold bzw Silber an. Dazu gehört auch die Bank of England (BoE) neben den o.g. Clearing Unternehmen.

 

Die New Yorker Futures-Börse für Commodities (COMEX)

An der “Commodity Exchange” (COMEX) werden Future-Kontrakte und Optionen auf Gold gehandelt.

Ein Kontrakt entspricht einer Menge von 100 Unzen Gold.

Eine Future-Kontrakt ist eine Vereinbarung zwischen einem Verkäufer und einem Käufer auf Lieferung der Ware zu einem vereinbarten Preis und Zeitraum. Man stelle sich beispielsweise einen Landwirt vor, der seine Ernte im Herbst im voraus verkaufen möchte. Auf diese Weise konnte sich der Landwirt gegen Preisschwankungen absichern. Ähnliches gilt für den Käufer, der Planungssicherheit bei dem Einkauf seiner Ware haben möchte.

Ein Großteil der heutigen Future-Kontrakte wird jedoch nicht mit dem Ziel abgeschlossen, Ware auf Termin zu kaufen, sondern um von Preisänderungen am Markt zu partizipieren. Beim Kauf eines Future-Kontraktes auf Gold muss der Investor nicht die komplette Summe, die 100 Unzen Gold kosten (ca. $96.000) vorfinanzieren, sondern nur einen „Maintenance-Betrag“ von z.Zt. ca $5.400. Steigt innerhalb des Zeitraums der Preis von Gold um $15 an, so beträgt der Gewinn für den Investor $1.500. Mit einem Einsatz von lediglich $5.400 hat er also eine Rendite von knapp 28 Prozent erzielen können. Hätte er die Gold-Menge komplett kaufen müssen, dann lege die Rendite nur bei 1,6 Prozent.

Diese Art des gehebelten Investments birgt jedoch auch die Verfahr des Total-Verlusts des eingesetzten Kapitals. Würde der Gold-Preis um $50 sinken, dann verlöre der Investor mit $5.000 praktisch seinen gesamten Kapitaleinsatz.

Future-Kontrakte an der New Yorker COMEX werden im Zeitraum zwischen 8:20 bis 13:30 lokaler (EST) Zeit (14:20 bis 19:30 Uhr MEZ) gehandelt.

Ein Future-Kontrakt hat eine bestimmte Laufzeit. Nähert sich der jeweilige Kontrakt des Investors dem Laufzeit-Ende, so kann er entscheiden, ob er den Kontrakt zur Lieferung stellt, den Kontrakt auflöst oder den Kontrakt auf einen späteren Kontrakt überrollt.

1.  Lieferung: Lässt der Investor seinen Future-Kontrakt auslaufen, so verpflichtet er sich dazu, eine Menge von 100oz-Barren pro Kontrakt zum vereinbarten Preis zu zahlen. Er muss das entsprechende Geld hinterlegen und erhält dafür einen Lagerschein, der den Gold-Barren eindeutig in einem der Lager-Häuser der COMEX identifiziert. Mit diesem Lagerschein kann er die physische Auslieferung seines Golds veranlassen.

2.  Auflösung des Kontraktes: Vor Ablauf des Kontraktes kann der Investor versuchen, seinen Kontrakt an der COMEX zu verkaufen. In diesem Fall erhält der Investor entweder seinen Gewinn von der Gegenpartei ausgezahlt, oder er muss der Gegenpartei seinen Verlust begleichen. Der sogenannte Cash Settlement Process wird ohne Kenntnis der Parteien voneinander durch die Future-Börse erbracht.

3.  Überrollen des Kontraktes: Will der Investor in Gold investiert bleiben, so muss er den auslaufenden Future-Kontrakt verkaufen und einen neuen Kontrakt für einen späteren Auslauf-Zeitpunkt kaufen. Diesen Prozess nennt man auch Überrollen. Befindet sich Gold im „Contango“, dann ist der Kaufpreis für einen früheren Future-Kontrakt niedriger als für einen späteren. Der Investor muss also neben den Administrations-Kosten noch mit sogenannten „Überrollverlusten“ rechnen.

Contango: Der Normalzustand der meisten Rohstoff-Kontrakte nennt sich Contango. Dies bedeutet, dass der länger laufende Future-Kontrakt teuer ist als der mit einer kürzeren Laufzeit. Normal ist dies deshalb, weil in Rohstoffmärkten im Allgemeinen eine Ware, die einen späteren Liefertermin hat, also länger gelagert werden muss, mit einem Preisaufschlag gehandelt wird. Backwardation: Wenn der Preis für den länger laufenden Future-Kontrakt geringer ausfällt als für den mit einer kürzeren Laufzeit, dann spricht man von Backwardation.

Der Schluss-Kurs an der COMEX gilt neben dem Londoner P.M. Fix als ein weiterer maßgeblicher Gold-Preis für den Tag.


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