Bericht für den 30. November 2009

 

Gold & Gesellschaft: Actio et Reactio

 

In der Gesellschafts-Politik gelten oft die gleichen Gesetzmäßigkeiten wie in der Physik: Jede Aktion (lateinisch Actio) bewirkt gleichzeitig eine gleich große Gegenaktion (lateinisch Reactio), die auf den Verursacher der Aktion zurückwirkt.

 

In der Physik kennen wir das als das Wechselwirkungs-Prinzip, als drittes Newtonsches Axiom oder als Actio et Reactio Prinzip. Über das Wochenende konnten wir die Gültigkeit dieses Prinzips in der Politik beobachten.

 

Die Schweizer haben in einer Volksabstimmung mit 57,5 Prozent für die Volksinitiative Gegen den Bau von Minaretten gestimmt. Bis auf wenige Kantone im Westen der Schweiz war die Zustimmung zu dieser Initiative überwältigend. Obwohl alle Politiker und Parteien dagegen waren, und Presse, Funk und Fernsehen vor den politischen Folgen für das Ansehen der Schweiz im Ausland gewarnt haben.

 

Man muss verstehen, dass die Abstimmung keine Aktion war, die im luftleeren Raum zustande kam, sondern nach dem Newtonschen Axiom eine Gegenaktion zu der folgenden Aktion: Der türkische Minister-Präsident Erdogan ist im Jahr 2004 nämlich mit folgender Aussage auffällig geworden: Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.

 

Das ist Klartext. Keiner sollte im Nachhinein behaupten können, er hätte von nichts gewusst.

 

Nun kann man entgegnen, dass diese Kampf-Parolen von Erdogan durch sein politisches Amt abgeflacht sind. In etwa so, wie die Hetz-Tiraden eines Buches, welches ein späterer deutscher Regierungs-Chef während seiner Festungs-Haft in Landsberg/Lech verfasst hat. Wozu Beschwichtigung und Ignoranz führen kann, hat dann die ganze Welt zu spüren bekommen.

 

Principiis obsta - wehret den Anfängen warnte schon Cicero.

 

Unsere Politiker wollen die Wahrheit nicht erkennen und versuchen das Volk mit Denk- und Redeverboten, auch bekannt als Political Correctness, ruhigzustellen. Aber das Volk will nicht länger political correct sein. Es möchte sich nicht von ihren Eliten sagen lassen, wo Gefahr droht. Während sich die Eliten in Walled Garden Siedlungen vor den Auswirkungen der Demontage der westlichen Werteordnung zu entziehen versuchen, muss das gemeine Volk Tag für Tag am eigenen Leibe erleben, wie Moscheen als Kasernen und Minarette als Bajonette der neuen islamischen Welt-Ordnung missbraucht werden.

 

Nun ist die Schweiz nicht Berlin-Neukölln oder Duisburg. Dort kann man schon nicht mehr den Anfängen wehren, weil die Entwicklung praktisch irreversibel fortgeschritten ist. Hier wird sich dann die Reaktion eher in Gewalttätigkeiten, Straßenschlachten oder sogar einem Bürgerkrieg entladen. Hoffen wir, dass die deutschen Sicherheits-Behörden dann auf der richtigen Seite kämpfen werden.

 

Zu dieser Nachrichten-Lage passt auch die von der Presse verbreitete negative Stimmung gegen die neue Familien-Ministerin Kristina Köhler. Diese hat sich in der Vergangenheit kritisch mit dem Islam auseinandergesetzt und dabei auch zahlreiche Drohungen erhalten. Wie man sie nun wie die WELT in eine erzkonservative Richtung innerhalb der Union drängen will, erschließt sich mir nicht.

 

Auch der Hinweis, dass sie als Berufs-Politikerin keinen Job in der Wirtschaft vorweisen kann, zieht hier nicht. Wie viele heutige Politiker haben denn ihre Karriere in der Wirtschaft begonnen und sind dann in die Politik gewechselt. Wenige, möchte ich behaupten.

 

Neben der Schweizer Initiative gibt es aber noch andere hoffnungsvolle Entwicklungen. Beispielsweise, dass sich die CDU/CSU nicht mehr ihrer katholischen Wurzeln schämen will. Unter Merkel wurden diese traditionell konservativ-katholischen Wurzeln immer mehr zurechtgestutzt. Kein Wunder, dass heute keiner mehr weiß, was denn die wesentlichen Unterschiede zwischen der Union und der SPD sind. Auch die jetzige Gründung des Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU/CSU ist eine Reaktion auf die Ausgrenzung, die in der Merkelschen Papst-Kritik ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hatte.

 

Wir werden zukünftig noch viele engagierte Träger der Gegenaktions-Kräfte sehen. Das ist nicht nur ein Axiom der Physik, sondern gilt auch für die Gesellschafts-Politik. Die Konflikte müssen ausgetragen werden und können nicht länger durch staatliche Schutz-Programme unter den Teppich gekehrt werden. Je früher, desto weniger disruptiv und radikal wird die folgende Auseinandersetzung sein. Mit dem nahenden Ende des Sozial-Staates müssen sich auch die Schlangen, die wir viele Jahre ernährt und herangezüchtet haben, entscheiden, ob sie den Zug der Demokratie nun vor ihrem Ziel verlassen müssen. Die Schweizer haben eindrucksvoll entschieden, dass nun Endstation ist.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das Gold-Kartell scheint auf den Zug der Dubai-Welle vom letzten Freitag gesprungen zu sein. Dort brach der Gold-Preis plötzlich ab 7:00 Uhr MEZ um bis zu $50 ein. Heute früh dasselbe Bild: Um 6:00 Uhr MEZ brach Gold plötzlich um mehr als $10 ein. Es bedurfte weiterer drei Stunden, bis sich Gold wieder auf sein altes Niveau hochgearbeitet hatte.

Mit Beginn des Handels in London dann ein erneuter Drückungs-Versuch. Aber die physische Nachfrage war dennoch dominierend. Der A.M. Fix kam mit $1.172,00 (EUR 778,69) zustande. Im Vergleich zu dem A.M. Fix am letzten Freitag ein Zuwachs von acht Dollar.

Aber alle weitere Derivate-Spielerei vor und während des Handels an der COMEX half nichts. Der Londoner P.M. Fix hatte mit $1.175,75 (EUR 782,32) bereits einen Zuwachs von neun Dollar im Vergleich zum letzten Freitag.

Und auch der COMEX-Schlusskurs ist Timmy Geithner und seinen Freunden entglitten: $1.180,70 und damit acht Dollar mehr als am Freitag.

Wer auf einen Default der New Yorker COMEX spekuliert hat, den sollten die letzten Daten dieser Illusion wieder berauben. Am ersten Liefertag wurden lediglich 2.866 Kontrakte zur Lieferung gestellt. Gleichzeitig nahm die Anzahl der offenen Dezember-Kontrakte um weitere 25.000 Positionen auf nunmehr nur noch 19.286 Kontrakte ab.

Das unterstützt meine These, dass derzeit niemand ernsthaft an der Zerstörung des Systems arbeitet. Jeder versucht, das Beste für sich herauszuholen, ohne die Grundlage für weitere Geschäfte in Frage zu stellen. Um größere Vermögenswerte von Papiergeld in Gold umzuschichten, braucht es eben etwas Zeit und Geduld. Das heißt nicht, dass die Untergangs-Propheten Unrecht haben werden. Aber es bricht eben nur eine scharf kalkulierte Mini-Panik aus.

Erst wenn das Dumb Money auf denselben Trichter kommt, werden wir Schweiß, Tränen und Blut im Markt erleben dürfen. Da müssen wir wohl bis auf ein Niveau von $3.000 bis $5.000 warten.

Der US-Dollar musste heute mit 74,8 (USDX) leicht Federn lassen. Zumindest der Kurs zum Euro konnte unterhalb der Marke von $1,50 gehalten werden. Und auch die aufmüpfigen Schweizer müssen auf die Parität zum US-Dollar noch warten.

Die Situation bleibt explosiv - aber keiner scheint derzeit die Nerven verlieren zu wollen. Gut so, denn das Gold ist in der westlichen Hemisphäre besser aufgehoben, als im Nahen, Mittleren und Fernen Osten. Das Primat der abendländischen Kultur muss erhalten bleiben; auch wenn deren Repräsentanten derzeit noch Blankfein, Dimon und Ackermann heißen mögen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.172,00
(€778,69)

$1.164,50
(€780,76)

+ $7,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.175,75
(€782,32)

$1.166,50
(€781,31)

+ $9,25

COMEX Schlusskurs

$1.180,70

$1.172,50

+ $8,20

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

74,8

75,0

- 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,2 %

3,2 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

23,4

23,4

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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