Bericht für den 23. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Wird Athens Hilferuf ungehört verhallen?

 

Jetzt ist es soweit: Ministerpräsident Papandreou fordert von den Euro-Ländern und dem Internationalen Währungs-Fond die versprochenen Hilfen ein. Angela Merkel scheint jedoch abgetaucht zu sein. Nach einem heutigen Bericht der FTD sieht sie derzeit keinen Grund zur Eile und verweist auf den komplizierten Genehmigungsweg.

 

Der CDU kommt die derzeitige Situation zum denkbar ungelegenen Zeitpunkt: Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen befindet sich in der heißen Phase und mit dem Entscheid über die Macht am Rhein wird zukünftig auch über die Regierungsfähigkeit der schwarz-gelben Koalition mit abgestimmt.

 

Unsere abgehobene EU-Elite glaubt aber noch an eine schnelle Prüfung des Hilfeersuchens der Griechen. Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Oliver Rehn: Die Analyse wird sicher keine Wochen, sondern Tage dauern.

 

Man erwartet in Brüssel wohl, dass nach der Aussage von Frankreichs Ministerin Christine Lagarde, dass Frankreich zwischen dem 3. und 6. Mai über Finanzhilfen entscheiden will und der Aussage des hoch verschuldeten Spaniens, die Mittel am kommenden Freitag freizugeben, auch Deutschland schnell zustimmen wird. Das Trio aus EU-Juncker, FR-Sarkozy und IT-Berlusconi haben ja schon beim letzten EU-Gipfel Angela Merkel überrennen können. Warum sollte das nicht mit dieser geballten Macht noch einmal funktionieren.

 

Weil Angela Merkel denselben Fehler nicht noch einmal begehen wird. Aus ihrer populären Haltung gegen die Kohlsche Scheckbuch-Politik ist sie in Deutschland zur Eisernen Kanzlerin oder zu einer zweiten Margaret Thatcher hochstilisiert worden. Dieses Image ist mit dem Ergebnis des Brüsseler Gipfels in sich zusammengebrochen – plötzlich war sie die Umfallerin.

 

Außerdem ist genau derjenige, der in Deutschland am lautesten für die Griechenland-Rettung eintritt, Finanzminister Wolfgang Schäuble, derzeit in den Augen seines Koalitionspartner der Staatsfeind Nummer 1. Die Gesundheitsreform, eines der Leuchtturmprojekte der FDP, wurde von Schäuble vorzeitig wegen der Nichtfinanzierbarkeit geerdet. Und selbst die erst kürzlich bereits auf Minimallevel kastrierten Steuervorschläge der Liberalen stoßen beim Finanzminister auf taube Ohren. Es sei einfach kein Geld da, so Schäuble. Aber für die Rettung Griechenlands scheint der Finanzminister dann doch neue Geldquellen gefunden zu haben.

 

Dieser Widerspruch schreit nach einer Gegenreaktion der FDP. Das scheint auch Angela Merkel kapiert zu haben und äußerst sich derzeit lieber über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

 

Die FTD beschreibt diesen Widerstand wie folgt: In Deutschland wächst jedoch die Kritik an den Griechenland-Hilfen. Mit einem Antrag gegen staatliche Rettungsaktionen zugunsten der Euro-Staaten wollen prominente FDP-Politiker auf dem Bundesparteitag am Wochenende den Spielraum der schwarz-gelben Koalition einschränken. Die Bundestagsabgeordneten Volker Wissing, Otto Fricke und Frank Schäffler sowie der EU-Parlamentarier Jorgo Chatzimarkakis wollen ein dauerhaftes europäisches Rettungsinstrument für Staaten, die in Finanzhilfen stecken, verhindern. ... Der Antrag richtet sich insbesondere gegen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der aus liberaler Sicht seit Wochen zu großzügig mit hoch verschuldeten Euro-Staaten wie Griechenland umgeht.

 

Das sehen die FDP-Politiker durchaus richtig. Denn wer glaubt denn ernsthaft daran, dass Griechenland nach der Rettung eine Kehrtwende zum Guten vollziehen wird. Niemand – das Rettungsgeld wird schnell verpulvert sein und dann folgt die nächste Rettungsaktion; mit höheren Kosten versteht sich. Letztlich ein Fass ohne Boden. Zudem dürfte eine solche Regelung auch andere Staaten wie Portugal und Spanien dazu ermutigen, ihre Probleme auf dem Rücken von Deutschland & Co abwälzen zu können. Aus einer anfänglichen Hilfe von acht Milliarden Euro könnte dann schnell für Deutschland eine Rechnung in Höhe von mehreren hunderten von Milliarden Euro präsentiert werden.

 

Interessanterweise tritt für die Rettung wieder einmal genau diejenige Partei ein, die eigentlich auf die Oppositionsbank verbannt wurde – die SPD. Zumindest deren Fraktionschef Steinmeier scheint immer genau die Regierungs-Projekte aktiv zu unterstützen, die in der Bevölkerung am wenigsten populär sind: Erst der Afghanistan Einsatz und nun die Griechenland-Rettung.

 

Der heutige Kommentar von Peter Ehrlich unter dem Titel Merkels Taktik rächt sich bitter kommt zu dem Schluss: Nun muss sie (Angela Merkel) noch vor der NRW-Wahl für die Griechen-Hilfe werben.

 

Wenn sich da nicht jemand kräftig irren sollte: Athens Hilferuf könnte in Deutschland auf taube Ohren stoßen. Kein Wunder, hat die griechische Politik mit ihrer schrillen anti-deutschen Kampagne die Schwerhörigkeit in Deutschland doch selbst ursächlich zu verantworten.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Ich hatte an dieser Stelle schon einige Male das Vorgehen der Viererbande, bestehend aus den Notenbank-Chefs der FED, der EZB, der Bank of Japan (BoJ) und der Bank of England (BoE) beschrieben: Man agiert gemeinsam und hilft demjenigen, der sich gerade in Bergnot befindet – eine klassische Seilschaft. Das ist in einem Papiergeld-System nicht besonders schwierig. Jede Notenbank kann praktisch unbegrenzte Mengen seiner eigenen Währung schaffen. Möchte man einer in Not geratenen Währung wie derzeit dem Euro helfen, dann drucken die FED, die BoJ und die BoE einfach die erforderliche Menge Dollars, Yen beziehungsweise Pfund und kaufen an den internationalen Devisenmärkten dafür Euros.

 

Das Ergebnis: Der Euro steigt gegen diese drei Währungen. Notenbank-buchhalterisch werden die erworbenen Euros in den Bilanzen der drei Anderen als Währungsreserven ausgewiesen, so dass die frisch gedruckten Dollar, Yen und Pfund ordentlich gedeckt sind.

 

Gleichzeitig muss man natürlich darauf aufpassen, dass im Rahmen dieser Rettungs-Aktion nicht der Feind der hemmungslosen Notenbank-Politik, das Gold, gegen diese vier Währungen ausbricht. Denn mit der oben beschriebenen Geldschöpfung wird immer mehr Papier-Geld erschaffen.

 

Heute war die Viererbande wieder aktiv. Denn nach dem Hilferuf von Griechenland an die EU-Staaten und den IWF musste man den Eindruck vermeiden, dass der Euro nun in die nächste kritische Phase eingetreten sei: Der Euro musste also heute steigen – auf alle Fälle durfte er auf keinen Fall sinken. Und so wurde eine massive Währungs-Intervention losgetreten, die der Außenstehende eigentlich nur erahnen konnte.

 

Beim Gold scheint man mit den Insich-Geschäften zwischen den Market-Maker Banken an der Londoner LBMA eine effektive Form der Preismanipulation gefunden zu haben. Solange die echten Käufer ihr Gold noch erhalten, funktioniert diese Masche weiter. Mit einem schwachen P.M. Fix hat man die letzten Tage und Wochen versucht, den Markt an der New Yorker COMEX zu beeinflussen. Eigentlich war bislang die COMEX die Haupt-Spielwiese des Gold-Kartells. Derzeit kommen aber von dort nach dem Londoner P.M. Fix die Aufwärts-Impulse.

 

Der A.M. Fix mit $1.140,00 (EUR 855,41) und der P.M. Fix mit $1.139,50 (EUR 856,90) kamen in etwa auf dem gleichen Niveau zustande.

 

Kurz nach dem P.M. Fix stieg Gold dann aber recht schnell auf bis zu $1.157 an. Ab diesem Punkt kam das gelbe Metall dann doch der Marke von $1.160 zu nahe. Zum Ende des Handels an der COMEX fiel Gold dann wieder auf $1.153 zurück und beendete die Woche auf Höchststand.

 

Der US-Dollarindex (USDX) ging wegen des erstärkten Euros um 0,1 Punkte auf 81,5 zurück. Die US-Treasuries verharrten für die 10-jährigen Notes bei einer Rendite von 3,8 Prozent.

 

Gold und Silber schienen den heutigen Geldbetrug der Viererbande gerochen zu haben. Trotz des Versuchs, sie unter Kontrolle zu halten. Platin und Palladium waren dagegen praktisch unverändert beziehungsweise mussten sogar etwas Federn lassen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.140,00

(€855,41)

$1.144,25

(€856,28)

- $4,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.139,50

(€856,90)

$1.133,75

(€853,21)

+ $5,75

COMEX Schlusskurs

$1.153,00

$1.142,50

+ $10,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,5

81,6

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,8 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,4

21,5

- 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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