Bericht für den 30. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Der letzte Befehl

 

Die Zahlen, die inzwischen nicht nur für die Rettung Griechenlands, sondern der Südstaaten der Euro-Zone genannt werden, erreichen immer astronomischere Dimensionen. Zuerst waren es ja die 45 Milliarden Euro, wovon 15 Milliarden der IWF und 30 Milliarden die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone tragen sollten. Nach den Beratungen von Trichet (EZB) und Strauß-Kahn (IWF) mit der Bundesregierung waren es dann plötzlich bereits 120 Milliarden Euro.

 

Das waren nur die Zahlen für Griechenland.

 

Nun sprechen Ökonomen von JP Morgan Chase und der Royal Bank of Scotland nach einem Bericht von Bloomberg bereits über ein Volumen von 600 Milliarden Euro: European policy makers may need to stump up as much as 600 billion euros ($794 billion) in aid or buy government bonds if they are to stamp out the regions spreading fiscal crisis, said economists at JP Morgan Chase & Co. And Royal Bank of Scotland Plc.

 

Der Griechenland-Ticker der Financial Times Deutschland (FTD), inzwischen wohl mehr ein Barometer des Niedergangs der Euro-Zone, berichtete gestern um 12:37 Uhr: Die Verhandlungen in Athen für ein langfristiges Rettungsprogramm zugunsten Griechenlands kommen nach Einschätzung der EU-Kommission gut voran. "Ich bin zuversichtlich, dass die Gespräche in den nächsten Tagen abgeschlossen werden können", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Donnerstag in Brüssel. "Das wird nicht nur für Griechenland gemacht, sondern auch für die anderen Euro-Staaten, um die finanzielle Stabilität zu sichern", sagte der Finne. Zu Details des Paket könne er nicht Stellung nehmen.

 

Konkret heißt das: Die Euro-Mitgliedsstaaten werden dann in einer Schulden-Gemeinschaft miteinander untrennbar verbunden sein. Die noch zahlungsfähigen Staaten müssen dann die Staaten mit Krediten oder anderen Hilfen retten, die in Not geraten.

 

Das werden dann wohl sein, wahrscheinlich in dieser Reihenfolge: Portugal, Spanien, Italien, Frankreich und zuletzt dann wohl Deutschland, Finnland und die Niederlande. Aber dann ist natürlich keiner mehr da, der noch retten kann.

 

Wie die Streiks und gewalttätigen Auseinandersetzungen in Griechenland zeigen, werden die betroffenen Staaten keine ernsthaften Sparanstrengungen unternehmen können. Denn wenn ihnen das Geld auszugehen droht, wenden Sie sich einfach an die verbliebenen EU-Staaten. In meinem gestrigen Bericht habe ich erläutert, dass sonst ein eintretender deflationärer Kollaps nicht nur die Euro-Zone auseinanderreißen würde, sondern über Ansteckungs-Effekte auch die Vereinigten Staaten und den Dollar pulverisieren könnte.

 

Das führt mich zu der eigentlich viel interessanteren Nachricht des erwähnten Bloomberg-Artikels: U.S. President Barack Obama und Chancellor Merkel yesterday discussed the importance of resolute action by Greece and timely support from the International Monetary Fund and Europe, the White House said in a statement.

 

Daher weht also der Wind, warum Merkel nun doch eine Rettung noch vor ihrer Schicksalswahl in NRW durchdrücken möchte: Das Imperium selbst sieht sich als gefährdet an. Angela Merkel wurde nicht durch Argumente von Trichet und Strauß-Kahn überzeugt, sondern hat ihre Anweisungen direkt von Obama erhalten. Alten Freunden, die einen trotz überwältigenden Widerstands innerhalb der Gruppe der Mitglieder der CDU an die Spitze gebracht haben, kann man im Notfall einen Gefallen eben nicht verweigern.

 

Die NRW-Wahl ist für Merkel sowieso bereits verloren. Der FOCUS berichtet in einer gestern veröffentlichten Umfrage unter dem Titel Mehrheit wünscht Denkzettel für Schwarz-Gelb: Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger ist enttäuscht von der Bundesregierung und gönnt ihr einen Denkzettel bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen.

Der letzte Befehl wird noch umgesetzt. Zurück bleibt dann verbrannte Erde.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Nachdem die Silber-Optionskontrakte für den Monat Mai Mitte der Woche ausgelaufen sind, durfte Silber gestern über die lange verteidigte Marke von $18,50 steigen. Gold hat die bislang gehaltene Marke von $1.160 bereits am Montag hinter sich gelassen und stieg heute auf bis zu $1.180 an.

 

Das Niveau von $1.180 konnte im Übrigen zu den beiden wichtigsten Preismarken beim Gold, dem Londoner P.M. Fix und dem Schlusskurs an der New Yorker COMEX bestätigt werden. Während der A.M. Fix mit $1.175,25 (EUR 882,78) hinter dieser Marke blieb, sah es zum P.M. Fix mit $1.179,25 (EUR 887,39) und zum COMEX-Schlusskurs mit $1.179,50 (EUR 886,51) schon besser aus. Die beiden Nachmittags-Marken (aus europäischer Sicht) konnten jeweils im 24-Stundenvergleich um über zehn Dollar die Feinunze zulegen.

 

Mit dieser gestärkten Brust geht Gold in das Wochenende, vor dem eine Reihe von EU-Politikern und Bankern Angst haben. Denn dort soll angeblich eine Lösung für Griechenland ausgetüftelt werden, die auch ein Überspringen dieses Ebola-Virus auf Portugal, Spanien und Italien verhindern soll. Die Renditen der griechischen Staatsanleihen, sowohl auf 10-Jahresbasis als auch auf 2-Jahresbasis zeigen jedoch keine Entspannung an. Die Rückgänge der Renditen von den 2-jährigen Papieren sind bezogen auf deren derzeitigem Stand als reines Grundrauschen zu betrachten.

 

Die weißen Edelmetalle haben heute gegenüber Gold einen Teil ihrer Rückstände beim Anstieg wieder gutgemacht. Zur Erinnerung: In der ersten Wochenhälfte sind Silber, Platin und Palladium noch gefallen, während Gold anstieg.

 

Der Euro konnte heute mit über 0,6 Prozent kräftig gegenüber dem Dollar aufwerten. Da andere Währungen aber gegen den Dollar abwerteten, blieb der US-Dollarindex mit 82,0 unverändert. Der Euro-Zuwachs war dabei wohl eher kräftigen Eingriffen der Notenbanken zuzurechnen, als einer sich entspannenden Krise.

 

Insgesamt eine positive Woche für Gold. Nächste Woche könnten wir einen Test der Marke von $1.200 und von EUR 900 erwarten. Zum Ende der Woche stehen dann mit den US-Arbeitsmarkt-Daten für den Monat April weitere interessante Stunden für Gold & Silber an.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.175,25

(€882,78)

$1.170,00

(€883,69)

+ $5,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.179,25

(€887,39)

$1.166,75

(€882,36)

+ $12,50

COMEX Schlusskurs

$1.179,50

(€886,51)

$1.168,50

(€882,30)

+ $11,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,62

(€13,98)

$18,15

(€13,70)

+ $0,47

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.738,00

(€1.303,85)

$1.711,00

(€1.290,35)

+ $27,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$552,00

(€414,10)

$542,00

(€408,75)

+ $10,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

82,0

82,0

unverändert

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,8 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

22,2

21,6

+ 0,6

Griechenland

 

 

 

Renditen 10-jährige Staats-Anleihen

9,0 %

9,0 %

unverändert

Renditen 2-jährige Staats-Anleihen

12,7 %

12,9 %

- 0,2 %

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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