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Bericht für den 7. Mai 2010 Gold & Gesellschaft: Fünf (Sekunden) vor Zwölf Der
gestrige Einbruch des New Yorker Aktienindex innerhalb weniger Minuten um fast
zehn Prozent wurde nachträglich als ein Fehler eines großen Händlers
gerechtfertigt. Allerdings war das eine fadenscheinige Begründung, die den
Ernst dieser Situation herunterspielen sollte. Der wahre
Hintergrund: Es fand ein massives Unwinding von
sogenannten Dollar-Yen Carry-Trades statt. Wer während
des Aktien-Crashes einen Blick auf das Devisen-Paar
Yen/Dollar geworfen hat, dem ist der explosionsartige Anstieg des Yen um über
vier Prozent gegenüber dem US-Dollar aufgefallen. Was war
passiert: Bei Dollar-Yen Carry-Trades verschulden
sich Marktteilnehmer im US-Dollarraum in Yen, um in
Dollar-Anlagen wie beispielsweise Aktien zu investieren. Trotz der niedrigen
Zinsen im US-Dollarraum kann man sich im Yen-Raum noch günstiger verschulden.
Außerdem ist die Liquidität im US-Dollarraum begrenzt, so
dass man auch nicht unbegrenzt auf die niedrigen Zinskontingente zugreifen kann
– man weicht deshalb auf Japan aus. Teilweise handelt es sich um sehr
kurzfristige Geschäfte, die immer wieder verlängert werden müssen. Kommt es nun
infolge von Liquiditätsmangel im Yen-Raum zu keiner Verlängerung dieser
Geschäfte, dann müssen die Anleger schnellstmöglich
ihre Dollar-Anlagen auflösen, um ihre Verpflichtungen in Yen zu erfüllen. Es
kommt zu einem plötzlichen Verkauf von US-Dollar-Anlagen wie Aktien und zu einer
erhöhten Nachfrage nach Yen, weil die durch den Verkauf erzielten Dollar-Erlöse
nun noch in Yen umgetauscht werden müssen. Die
gestrige Situation hatte – anders als das die Finanzmedien uns glauben
machen wollen – praktisch überhaupt nichts mit den Problemen im Euro-Raum
zu tun. Das Volumen der JPY/USD Carry-Trades kann man
anhand des Marktabsturzes nur vermuten. Sehr viel spekulatives Geld stützt
derzeit die Aktienmärkte. Treten negative Nachrichten am US-Aktienmarkt
zusammen mit Liquiditätsmangel in den finanzierenden Währungsräumen auf, droht eine Kernschmelze im US-Dollarraum. Diese
plötzliche Kernschmelze haben natürlich die in Sekundenbruchteilen reagierenden
Trading-Programme der Marktteilnehmer erkannt. Man hat Anlageklassen wie Aktien
aber auch Öl fast panikartig abgestoßen und die Liquidität in US-Treasuries umgeschichtet. Auch Öl-Kontrakte werden
teilweise mit Yen Carry-Trades finanziert. Der Bond
Markt für Treasuries ist superliquide und konnte
gestern ein Volumen von $400 Milliarden aufnehmen. In einem
Papiergeld-Systeme sind diese Papiere diejenigen, die faktisch kein
Ausfallrisiko tragen. Man hat
sicherlich auch einen Teil in Gold verschoben. Aber um diese Zeit war die COMEX
bereits geschlossen und Access Market ist bei weitem nicht so aufnahmefähig.
Was hilft einem ein Markt, der im Falle des Falles lediglich Geldmengen von
einigen Milliarden Dollar aufzunehmen in der Lage wäre. Wie
konnte man diese Situation noch unter Kontrolle halten: Erstens durch den
massiven Ankauf von Stock Market Future Kontrakten durch die ausführende
Institution des Plunge Protection
Teams (Morgan Stanley). Zweitens durch massive Bereitstellung von
Yen-Liquidität durch die Bank of Japan (BoJ). Diese hat nach Berichten von
Bloomberg Notliquidität in Höhe von zwei Billionen Yen (entsprich $22
Milliarden) in die Märkte gepumpt. Nur zur Erinnerung: Eine
Notenbank kann quasi aus dem Nichts und sofort praktisch unendlich viel
Liquidität in ihrer eigenen Währung schöpfen. Diesmal
war es nicht fünf Minuten vor Zwölf, sondern es fehlten nur noch wenige
Sekunden zum Systemkollaps. Damit hätte sich das US-System in einer
deflationären Spirale in kurzer Zeit selbst verdaut. Wer nur die
Griechenland-Krise im Fokus hat, der verpasst den
großen Film, der derzeit aufgeführt wird. Es geht
gar nicht um den Kollaps des Euros, sondern des Gesamtsystems. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Wie dumm
will man uns verkaufen: Gestern der plötzlich Einbruch der US-Aktienindices um
fast zehn Prozent durch eine Falscheingabe eines großen Börsen-Händlers. Und
dann die Nachricht, dass Griechenland durch das heutige Votum auch des
Deutschen Bundestages gerettet sei. Die
Realität: Der Dow Jones ist um weitere 1,4 Prozent gefallen und die
griechischen Staatsanleihen steigen weiter kräftig mit ihren Realzinsen. Der
Markt stimmt ab und genau das Gegenteil wird signalisiert, was man uns mit
obigen Aussagen weismachen möchte. Ein Narr, wer nicht erkennt, was hier
gespielt wird. Die
Tragweite des gestrigen Tages wird nun langsam einigen klar: Das Messer der
Guillotine ist gestern plötzlich gefallen und unser Welt-Finanzsystem konnte
wenige Zentimeter vorher seinen Kopf herausziehen. Die Gold- und Silberpaniker,
die derzeit die Händler in Deutschland leer kaufen, hatten zwar methodisch unrecht. Vom Bauchgefühl lagen sie aber absolut
richtig. Der
heutige Tag war deshalb der Systemreparatur gewidmet. Das sieht man
insbesondere an den Notierungen des Euro als auch des Yen. Auch Gold musste
unter Kontrolle gehalten werden. Dass der
Markt immer noch nicht an die Griechenland-Rettung glaubt, erkennt man an den
weiterhin stark steigenden Notierungen der Realrenditen der Staatsanleihen. Die
können gar nicht mehr – wie der Markt anhand der Kurse sagt – ohne
einen geordneten Konkurs und ohne eine Haircut
getilgt werden. Never ! Auch der
Euro legte heute ein Berg- und Talfahrt hin. Zuerst mit über einen Prozent im
Plus, dann wieder leicht im roten Bereich und zum Schluss wieder bei einem
Prozent im Plus. Hier wird von Seiten der anderen Notenbanken massiv im
Interesse des Euro interveniert. Eine super-Performance legte auch Gold hin, das den ganzen Tag
unter enormen Druck stand. Aber es konnte zum Londoner P.M. Fix und zum COMEX-Schluss die Marke von $1.200 verteidigen. Die
Überraschung des heutigen Tages war Silber, das im Vergleich zu gestern 70 Cent
zulegen konnte. Respekt vor diesem Metall, das die
letzten Tage schwer unter die Räder geraten ist. Was wird uns
die nächste Woche bringen? Erst einmal viele vor dem Herzinfarkt stehenden Notenbanker,
welche die derzeitige Situation unbedingt bereinigen müssen. Tun sie es nicht
oder nur halbherzig, dann wird die Wiederholung der Ereignisse vom Donnerstag
um 20:45 Uhr MEZ nicht so glimpflich ausgehen, wie wir
es erleben durften. Zweitens wird sich eine Haircut-Lösung
für Griechenland & Co als bislang von den Euro-Politikern verworfene
Alternative herausbilden. Und drittens muss man sich über eine Stabilisierung
des Weltfinanz-Systems, sprich Währungsreform mit der massiven Abwertung von
Vermögens- und Schuldtiteln beschäftigen. So wie wir uns derzeit von einem
Schock zum nächsten durchwursteln, kann es jedenfalls
nicht weitergehen. Wir beschwören dann wirklich eine Situation herauf, die
außer Kontrolle geraten wird. Und dann gnade uns Gott. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
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