Bericht für den 19. Mai 2010

 

Gold & Gesellschaft: Primat(en) der Politik

 

Während die Notenbanken weltweit mit äußersten Mittel um die Existenz ihrer ungedeckten Papierwährungen kämpfen und zumindest am Montag und Dienstag etwas Ruhe in die Märkte eingekehrt ist, überrascht die deutsche Politik die Märkte mit einer einsamen Einscheidung. SPIEGEL Online berichtet: Seit Mitternacht sind "ungedeckte Leerverkäufe" in Aktien von zehn führenden Finanzunternehmen sowie in Staatsanleihen aus Euro-Ländern verboten. Auch der Handel mit bestimmten Kreditausfallversicherungen auf Staatsanleihen der Euro-Zone wurde von der BaFin untersagt.

 

Die Politik zeigt Zähne gegenüber den Finanz-Märkten. Man möchte nicht dauernd der Getriebene sein, sondern man möchte von nun ab selbst gestaltend in die Märkte eingreifen. Das Primat der Politik macht derzeit in den Medien die Runde.

 

Noch vor kurzem hat Josef Ackermann bei Maybrit Illner im ZDF die Politik davor gewarnt, Finanz-Derivate wie Credit Default Swaps (CDS) auf Staatanleihen zu verbieten. Dann, so Ackermann, wären viele Staatsanleihen aus den EU-Ländern praktisch unverkäuflich, wenn sich die Investoren nicht länger mit den CDS-Papieren gegen das Ausfallrisiko versichern könnten.

 

Dabei haben diese CDS von sich aus nichts Anrüchiges. Denn es sind Papiere, mit denen sich ein Investor gegen ein Ausfall-Risiko absichern kann. Geht das versicherte Papier in den Konkurs und beträgt die Auszahlungsquote nur 60 Prozent, dann zahlt der Emittent des CDS dem Investor eben die restlichen 40 Prozent als Versicherungsleistung aus.

 

Wo es solche Papiere gibt, da entwickelt sich auch ein Markt. Und wo es einen Markt gibt, da existieren neben den Anbietern und Interessenten für solche Papiere auch noch Marktteilnehmer, die an den Preisschwankungen verdienen möchten – die Spekulanten. Diese kaufen und verkaufen CDS, ohne die Staatsanleihen selbst im Portfolio zu halten. Steigen die Preise der CDS, weil es den zu versichernden Anleihen gerade nicht gut geht, dann verkaufen die Spekulanten die Papiere mit Gewinn.

 

Da ist überhaupt nichts Anrüchiges dabei.

 

Das hat Ackermann auch Angela Merkel persönlich mitgeteilt. Aber seit Ackermann die Hilfezahlungen an Griechenland in der gleichen Sendung als praktisch verloren gekennzeichnet hat, scheint die Chemie zwischen Joe und Angie gestört zu sein. Und so verwundert es nicht, dass sich Deutschland plötzlich an die Spitze einer Bewegung setzt, CDS-Geschäfte auf Staatsanleihen zu verbieten.

 

Das Ergebnis konnten wir gestern Abend an dem plötzlichen Einbruch des Euros ablesen: minus 1,5 Prozent innerhalb weniger Stunden. Die ganze Arbeit der Voll-Profis von den Notenbanken der letzten Tage war mit einer unüberlegten Handlung der Politik dann plötzlich für den Arsch (sorry für die Ausdrucksweise).

 

Bloomberg sieht in seinem heutigen Bericht unter dem Titel Swap Soar on Germanys Act of Desperation: Credit Markts darin einen Verzweifelungs-Akt der Bundesregierung. Die Kommentare in dem Bericht stellen dem Merkelschen Aktionismus ein vernichtendes Urteil aus: The market sees an inadequate policy such as this as an act of desperation and a refusal to address the fundamental problems at hand. Oder: Prohibiting speculation in the contracts may cause trading in swaps tied to Europe government bonds to freeze up. Trading limits may increase borrowing costs or limit the flow of capital.

 

So, so: Ein Akt der Verzweifelung war das. Und das Verbot der Spekulation wird den Markt der Staatsanleihen zum Stillstand bringen und die Zinskosten für die Staaten erhöhen. Die gestrige Auktion von spanischen Anleihen verlief schon schlecht.

 

Das Primat der Politik hat zugeschlagen: Die Selbstüberschätzung unser gewählten Volksvertreter, wirtschaftliche und finanztechnische Zusammenhänge besser verstehen zu können, als die Marktteilnehmer und Experten. Man fühlt sich eben demokratisch legitimiert dazu, im Drivers Seat zu sitzen und die Geschicke des Landes zu bestimmen.

 

Diese Spezies der Parteisoldaten und Staatsverwaltungs-Angestellten versucht also nun mangels Hirnmasse mit Entscheidungen aus dem Bauch heraus die existenzielle Krise des Euros zu meistern. Mit Verlaub liebe Politiker: Ihr vertretet nicht das Primat der Politik, sondern outet Euch derzeit als Primaten der Politik.

 

Ich kann mir schon den höhnischen Kommentar von Ackermann beim nächsten Zusammentreffen mit Merkel vorstellen: Was habe ich Dir gesagt, Angie – so ähnlich wird er wohl lauten.

 

Das Fortune hat Angela Merkel endgültig verlassen: Was sie auch anfasst, es geht garantiert schief.

 

Die unkontrollierbare Einmischung der Politik in komplexe und sehr fein austarierte geldpolitische Zusammenhänge, wie Merkel mit den CDS und der US-Senat mit den IWF-Hilfen gestern, werden das äußerst sensible Weltfinanz-System noch aus den Angeln heben. Dann kann es schnell zu einer Entwicklung kommen, die sich verselbständigt und nicht mehr korrigierbar sein wird. Game Over steht am Ende dieser Entwicklung.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Da hat die Merkel ja noch einmal Glück gehabt: Um 14:00 Uhr schoss der Euro gegenüber den US-Dollar um die 1,4 Prozent hoch, die er noch gestern Abend wegen der panischen Politiker-Aktionen in Deutschland verloren hatte.

 

Nach mehreren erfolglosen Anläufen der letzten Tage konnte heute auch das Gold Kartell seinen Auftragsgebern mission accomplished melden: Um $22 ist der Preis des gelben Metalls heute gefallen, wenn man den COMEX-Schlusskurs zugrunde legt. Auf Euro-Basis gingen circa 20 Euro verloren.

 

Zum Geschehen im Einzelnen: Der gestrige zehn Dollar schwere Goldanstieg nach Schluss des COMEX-Handels wurde heute früh schon im asiatischen Handel neutralisiert. Im Londoner Vormittags-Handel kam es dann erneut zu einem Aufbäumen des Goldpreises auf bis zu $1.220. Der nahende A.M. Fix zeigte aber die weitere Richtung an – abwärts mit $1.209,50 (EUR 992,86). Der Tagesverlust war mit knapp sechs Dollar aber noch nicht besonders signifikant.

 

Auch im frühen Nachmittags-Handel und in den ersten 90 Minuten des COMEX-Handels tat sich beim Gold nicht viel. Der Londoner P.M. Fix mit $1.195,00 (EUR 968,87) zeigte dann jedoch die heutige Entschlossenheit des Gold Kartells. Nun betrug der Abschlag im 24-Stundenvergleich bereits $22.

 

Erneut tat sich die nächsten 90 Minuten nichts, bis um kurz vor 18:00 Uhr MEZ eine weitere Drückungs-Welle folgte. Diese ließ Gold zeitweise unter $1.188 fallen. Die Zeit um 18:00 Uhr ist ein von den Gold Kartell Tradern beliebter Punkt, um die europäischen Trader aus ihren Tagespositionen in Gold zu vertreiben. Diese Trader wollen nämlich nach Hause und lassen keine Gold-Long Positionen in einem stark fallenden Markt über die Nacht stehen.

 

Zum Ende des COMEX-Handels konnte sich Gold wieder leicht auf $1.192,70 (EUR 965,91) erholen.

 

Gold sollte nun die Marke von $1.180 verteidigen, damit keine weiteren Abverkäufe drohen. Bei dem kritischen Zustand der Euro-Zone ist aber zu erwarten, dass der Druck auf Gold anhält. Ob die europäischen Zentralbanken mit ihrer heutigen Goldpreis-Drückung zufrieden sind, werden wir wohl zum morgigen P.M. Fix erfahren. Der heutige plötzliche $15-Einbruch zum P.M. Fix Marke bedurfte einer größeren Menge von Gold aus den Kellern der Zentralbanken beziehungsweise des IWF.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.209,50

(€992,86)

$1.215,00

(€981,34)

- $5,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.195,00

(€968,87)

$1.216,75

(€981,33)

- $21,75

COMEX Schlusskurs

$1.192,70

(€965,91)

$1.214,50

NA

- $21,80

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,53

(€15,20)

$18,82

(€15,17)

- $0,29

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.612,00

(€1.309,50)

$1.681,00

(€1.354,55)

- $69,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$472,00

(€383,40)

$507,00

(€408,55)

- $35,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

86,6

87,2

- 0,6

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,4 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

25,5

25,6

- 0,1

Griechenland

 

 

 

Renditen 10-jährige Staats-Anleihen

7,9 %

7,6 %

+ 0,3 %

Renditen 2-jährige Staats-Anleihen

7,4 %

6,6 %

+ 0,8 %

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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