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Bericht für den 20. Mai 2010 Gold & Gesellschaft: Euro am Tropf der Notenbanken? Wenn man
sich die Kursentwicklung des Euros die letzten Tage anschaut, wird man in dem
Gefühl bestärkt, dass die europäische Währung nur noch durch Interventionen der
Notenbanken gehalten werden kann. Zu groß sind inzwischen die Ressentiments der
Marktteilnehmer. Heute war
wieder einmal so ein Tag, wo der Euro plötzlich nach unten durchsackte, um dann
wieder von magischer Hand aufgefangen zu werden. Die Notenbanken sind wohl noch
die einzigen Institutionen, die unser krankes Finanzsystem zusammenhalten
können. Auf der
anderen Seite wird der Euro auch von bestimmten Organisationen heruntergeredet.
Gerade die französischen Banken stehen im Ruf, derzeit massive Wetten gegen den
Euro zu veranstalten – den Euro also zu shorten. So auch
der heutige Bloomberg-Bericht unter dem Titel Europes Rescue for Greece
Brings Euro to New Normal. Dort heißt es
nämlich: Europes debt crisis will depress the euro still further after it
declined to the lowest level since
2006, according to UBS AG and BNP Paribas SA. For years to come. Da scheinen wohl die französische
BNP und die Schweizer UBS selbst gegen den Euro zu wetten. Wenn man den Markt
entsprechend beeinflusst, dann werden die Gewinne aus diesen Geschäften eben
höher. Den
Banken darf man nicht über den Weg trauen. Das beste
Beispiel dafür liefert (wieder einmal) Goldman Sachs. Während die
Investment-Bank im Eigenhandel von Quartal zu Quartal immer mehr Gewinne
scheffelt, bleiben die Kunden von Goldman Sachs auf den Verlusten von
Geschäften sitzen, die Goldman Sachs Experten ihnen empfohlen hatten. Bloomberg
berichtete dazu folgendes: Seven of the investment banks nine recommended top trades for
2010 have been money losers for
investors who adopted the New York-based firms advice, according to data compiled by
Bloomberg from a Goldman Sachs research
note sent yesterday. Clients who used the tips
lost 14 percent buying the Polish zloty
versus the Japanese yen, 9.4 percent buying Chinese stocks in Hong Kong and 9.8 percent trading the British pound against the
New Zealand dollar. Von neun
Top Trades der Goldman-Experten gingen also sieben daneben.
Wenn die Investoren den Empfehlungen wirklich gefolgt sind. Und viele dieser
Anleger himmeln ja immer noch Goldman Sachs als den allwissenden Gott an. Trotz des
Schwachredens des Euros von interessierten Banken-Kreisen kann der Euro nur
noch am Tropf der Notenbanken einigermaßen stabil gehalten werden. Die
kräftigen Abwärtsimpulse der letzten Tage sind sicherlich nicht das Werk von
einigen Banken, die sich hier ein gutes Geschäft versprechen. Es sind
vielmehr weltweite Investoren, auch Staatsfonds wie beispielsweise aus dem
mittleren und fernen Osten, die den Euro zwecks Diversifizierung ihrer Devisen-Reserven
gekauft haben. Damit sollte die starke Anhängigkeit von dem US-Dollar beseitigt
werden, welcher die Staaten mit den Quantitative Easing
Maßnahmen der FED in eine Geldverwässerungs-Problematik gedrängt hat: Die
Vereinigten Staaten wollten sich über verstärktes Gelddrucken ihrer Schulden
bei den Gläubigern in China, Japan, aber auch den ölproduzierenden
Staaten im Nahen Osten entledigen. Der Euro
schien hier eine gute Alternative. Nicht nur, weil man auf zwei Beinen steht,
sondern weil die EZB in der Vergangenheit nach Außen zumindest ein solide
Geldpolitik betrieben hat. Mit den kürzlich beschlossenen Maßnahmen zum Aufkauf
der eigenen Staatsanleihen stehen die Gläubiger im nichteuropäischen Ausland
aber nun genau vor dem gleichen Problem, das sie vom US-Dollar in den Euro
trieb: Das Entledigen der Schulden durch verstärktes Gelddrucken der EZB. Es ist
insoweit verständlich, wenn diese Investoren nun die Reißleine ziehen und
möglichst schnell aus dem Euro flüchten wollen. Das kann auch keine Regulierung
von CDS-Geschäften oder das Verbot bestimmter Short-Transaktionen verhindern. Das Vertrauen in den Euro
ist kaputt und damit auch die Stellung dieser Währung als zweite
Weltleitwährung neben dem US-Dollar. Die
Investoren haben erkannt, dass der Euro keine europäische Deutsche Mark ist,
sondern ein Währungskorb aus den alten Südweich-Währungen: Heißen sie nun Lire,
Drachme, Pesete oder auch Franc. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Es ist
unglaublich, welche Währungsschwankungen wir derzeit erleben. Dementsprechend
drehen die Märkte völlig durch. Beispiel
1: Das Währungspaar Euro zu Yen. Kurz nach 16:00 Uhr MEZ war der Yen mit vier
Prozent (!!!) gegenüber dem Euro im Plus. Um 21:00 Uhr waren es dann nur noch
0,5 Prozent. Beispiel
2: Das Währungspaar Euro zu US-Dollar. Um 17:00 Uhr MEZ war der Euro gegenüber
dem US-Dollar um einen Prozent gefallen. Um 21:00 Uhr notierte der Euro dann
mit 1,4 Prozent Plus gegen den Dollar. Das sind
Mega-Währungsinterventionen, die wir hier erleben dürfen. Der Anstieg des
US-Dollars gegenüber dem Euro ist dem fluchtartigen Verlassen des Euro-Raums
verschiedener Investoren zu verdanken. Aber auch dem starken Bedarf
europäischer Banken und anderer Finanzinstitute an US-Dollars. Der Yen-Bedarf
entsteht aufgrund der Auflösung von Yen Carry Trades
gegen den US-Dollar aber auch gegen den Euro. Die
Notenbanken vor allem der Vereinigten Staaten (FED) und von Japan (BoJ) halten
also diesen durch Dollar- und Yen-Bedarf ausgelösten Deflationsschocks mit dem
massiven Fluten der Märkte durch frisch gedruckte Dollars beziehungsweise Yens
entgegen. Diese
Deflationsschocks haben heute alle non-interest bearing assets wie Öl, Aktien und
Edelmetalle in den Abgrund gerissen. Wobei sich Gold erstaunlich gut halten
konnte. Wie ich gestern schon geschrieben habe, waren zwei Ereignisse
ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des Goldpreises: Erstens
das Verhalten von Gold zum Londoner P.M. Fix. Heute war Gold mit $1.192,00 (EUR
964,71) sehr stabil im Vergleich zum heutigen Handelsverlauf. Auf
24-Stundenbasis gingen nur noch drei Dollar verloren. Das deutet darauf hin,
dass keine massiven Mengen physischen Materials vom Gold-Kartell in den Markt
geworfen wurden. Zweitens
hat Gold alle Angriffe auf die Marke von $1.180 bislang abwehren können. Das
sollte für eine Bodenbildung beim Gold sprechen. Insbesondere wenn man
berücksichtigt, welche massiven Geldmengen diese Interventionen den
Marktteilnehmern neu zuführen. Ein Teil wird wohl in Gold gehen und die nächste
Runde des Anstieges einleiten. Viel
schlimmer erging es da den weißen Edelmetallen. Beispielsweise Platin mit
Verlusten von zeitweise über $100. Oder Palladium mit Verlusten weit über $50. Auch
US-Öl hatte erst bei $67 einen Widerstands-Punkt gefunden. Die Aktienmärkte
sind weltweit im freien Fall. Und das trotz der Plunge
Protection Teams (PPT), die das schlimmste noch
verdecken können. Mir kommt
das derzeit wie ein Endkampf vor. Technisch kann der Markt die Notenbanken nicht
schlagen. Aber die immer wilder werdenden Interventionen, die fast täglich
erneuert werden müssen, scheinen darauf hinzudeuten, dass sehr bald drastische
Maßnahmen zur Rettung des Weltfinanz-Systems ergriffen werden müssen. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
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