Bericht für den 27. Mai 2010

 

Gold & Gesellschaft: Der chinesische Strohhalm

 

Die Euro-Krise bringt auch die chinesischen Devisen-Reserven in Gefahr. Denn viele Länder mit großen Handelsbilanz-Überschüssen wie China sind die letzten Jahre vermehrt dazu übergegangen, ihre Überschüsse nicht nur in US-Dollar anzulegen: Währungs-Diversifikation nennt man das.

 

Das erfolgte sicherlich vor dem Hintergrund, seine durch die massive Gelddruck-Politik der FED mühsam aufgebauten Reserven zu schützen. Der Euro schien schon allein wegen der vergleichbaren Größe des Wirtschaftsraums der europäischen Staaten eine geeignete Währung zu sein. Und die EZB galt bislang als Nachfolge-Institution der Deutschen Bundesbank, die politisch unabhängig genau auf die Geldwertstabilität achten würde. Eine Re-Allokation der Devisen-Reserven zu Lasten des Dollars und zu Gunsten des Euros erschien also aus Sicht der verantwortlichen Notenbanker und Regierungsstellen in China eine faktisch risikoarme Entscheidung zu sein.

 

Wir wissen spätestens seit der Griechenland-Krise, dass dies ein Trugschluss war. Die Ereignisse der letzten Wochen haben den Euro-Raum an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, so dass bereits intensiv hinter vorgehaltener Hand über die Wiedereinführung der nationalen Währungen nachgedacht wird. Länder wie Deutschland scheinen da bereits weiter zu sein – dort sei eine nationale Ersatzwährung nach verschiedenen Berichten bereits einsatzbereit.

 

Es kommt also auf Länder wie China an, wie der Euro in Zukunft von den Marktteilnehmern gesehen wird. Hustet China und signalisiert dem Markt damit seinen Ausstieg aus den Euro-Investments, dann würde es wohl zu panikartigen Abverkäufen der europäischen Währung an den weltweiten Devisen-Märkten kommen. Das kann natürlich nicht in Chinas Interesse sein.

 

Und so wundert es keinen, dass China selbst Beruhigungspillen verteilt. China bewahrt Euro vor neuem Absturz titelte die Financial Times Deutschland seinen heutigen Bericht: Die Krise der Währung macht auch Peking Sorgen. Das Land besitzt die weltweit größten Währungsreserven und bangt angeblich um sein Portfolio. Um die Nervosität an den Märkten in den Griff zu kriegen, preist China die Euro-Zone als sicheren Hafen. Investoren glauben es – vorerst.

 

Was hätte man auch anderes erwarten sollen. Wenn China mit einer unbedachten Erklärung zum Euro die Gemeinschafts-Währung in den Ruin getrieben hätte, dann wären nicht nur die Euro-Anlagen at risk gewesen. Sondern den US-Dollar hätte es in Form der seit dem Jahr 2008 bekannten Ansteckungs-Effekte gleich mit in den Abgrund gerissen. Nun rächt sich Chinas Strategie, sich mit beliebig vermehrbaren Papiergeld-Forderungen für seinen wirtschaftlichen Erfolg abspeisen zu lassen. Im Zweifelsfall sind diese Forderungen dann nur noch nationale Währungen, die gegen Produkte und Leistungen in den jeweils ausstellenden Ländern getauscht werden können. Nix Weltleit-Währung, mit der man überall alles bezahlen kann.

 

Nach Angaben der FTD sind von den $2.400 Milliarden umfassenden chinesischen Währungs-Reserven schätzungsweise $630 Milliarden in Euro-Zonen Anleihen angelegt. Knapp $900 Milliarden stecken in US-Treasuries. Geradezu Peanuts nehmen sich da die 1.054 Tonnen Gold aus, die derzeit einen Weit von $41 Milliarden haben. Das sind gerade einmal 1,7 Prozent der Gesamtreserven.

 

Der Euro hängt weiter am seidenen Faden. Ob ihm der chinesische Strohhalm langfristig wieder auf die Beine helfen wird, darf bezweifelt werden. Beim IWF in Washington ist man sich wohl bewusst darüber, dass China am liebsten seine Papier-Währungsreserven in Gold umschichten möchte. Deshalb verweigert man dort auch konsequent den Chinesen die Möglichkeit, die zum Verkauf anstehenden IWF-Goldreserven anzukaufen. Andere Länder wie Indien und Bangladesh dürfen dies – warum wohl nicht China?

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Was für ein Theater, das man uns heute wieder an den internationalen Märkten aufführt. Dabei stehen Herkules-Aufgaben vor den Notenbanken und ihren ausführenden Erfüllungsgehilfen – ob diese nun JP Morgan, Goldman Sachs, HSBC oder Deutsche Bank heißen.

 

Man muss den Euro heben, den Yen senken, den US-Aktienindex wieder auf über 10.000 Punkte anheben und aufpassen, dass Gold nicht weiter nach oben ausbricht.

 

Also führt man uns im großen Kino den chinesischen Film Der Euro – unser sicherer Hafen vor. Im Hintergrund platzieren die Notenbanken massive Yen-Liquidität, schleusen US-Dollars in die Märkte und generieren damit das heute beobachtete Feuerwerk. Da hätte Gold eigentlich auch mitzünden müssen, denn ein Teil dieser Liquidität fließt auch in diese Anlageklasse. Das wollte man jedoch verhindern, denn das gelbe Metall stand gestern schon nur noch wenige Euros vor dem Erreichen der 1.000 Euro-Marke.

 

Während die Notenbanken ihr Spiel im Hintergrund trieben, wurde die Öffentlichkeit mit der Meldung über Chinas Euro-Devisenreserven beruhigt. Der Euro stieg im Tagesverlauf um fast zwei Prozent gegen den US-Dollar.

 

An der Gold-Front tat sich dagegen heute anscheinend nicht viel. Die wichtigsten Dollar-Notierungen waren praktisch unverändert. Die heutige Gold-Preisdrückung konnte man aber an dem Euro-Gold Preis ablesen. Zum P.M. Fix stand Gold noch bei EUR 991,73 ($1.211,00), während das gelbe Metall zum Handelsschluss an der COMEX auf EUR 978,51 ($1.212,60) gefallen ist. Der A.M. Fix kam mit $1.210,75 (EUR 987,16) in einer ähnlichen Größenordnung zustande.

 

Nachdem der japanische NIKKEI bereits am frühen Morgen um 1,2 Prozent zugelegt hatte, ging es mit den europäischen Aktien-Indizes steil bergauf: Der DAX stieg im Tagesverlauf um 3,1 Prozent an. Auch der Dow Jones konnte kräftige Gewinne erzielen, nachdem er im gestrigen Handel doch unterhalb der Marke von 10.000 Punkten schloss.

 

Die weißen Edelmetalle stiegen mit dem heutigen Markt ebenfalls kräftig: Silber mit $18,45 um 40 Cent im Plus, Platin mit $1.550 um $31 im Plus und Palladium mit $460 mit einem Anstieg von $23. Ähnlich wäre es wohl Gold ergangen, hätte man nicht auf den Preis gedrückt.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.210,75

(€987,16)

$1.212,50

(€983,29)

- $1,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.211,00

(€991,73)

$1.212,00

(€989,23)

- $1,00

COMEX Schlusskurs

$1.212,60

(€978,51)

$1.213,80

(€991,85)

- $1,20

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,36

(€14,92)

$18,27

(€14,83)

+ $0,09

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.535,00

(€1.253,55)

$1.533,00

(€1.249,40)

+ $2,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$455,00

(€371,60)

$447,00

(€364,30)

+ $8,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

86,3

87,0

- 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

3,3 %

3,3 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

26,2

26,4

- 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
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