Bericht für den 1. Juni 2010

 

Gold & Gesellschaft: Geisterbahn-Fahrt

 

Der Euro führt eine Horror-Show nach der nächsten auf: Nachdem die Staatsanleihen von Spanien kürzlich ihren AAA-Status verloren haben, wird nun darüber berichtet, dass auch Italien und Frankreich abgestuft werden können.

 

Parallel versucht die EZB an den Bond-Märkten die Anleihen der PIIGS-Staaten mit massiven Käufen zu stabilisieren. EZB-Chef Trichet behauptet allen Ernstes, dass diese Käufe keine Monetarisierung von Staatsanleihen, das heißt das Aufkaufen der Papiere durch die Notenbank zwecks Finanzierung der Staatsschulden, darstelle. Sorry Trichet – jeder intelligente Marktteilnehmer, der sich auf den Ankauf der Anleihen durch die EZB zu bestimmten Preisen an den Bond-Märkten verlassen kann, ersteigert dann diese Papiere auf den Primärmärkten und verkauft sie der EZB an den Sekundär-Märkten. Egal ob das jetzt eine direkte Monetarisierung ist oder im wörtlichen Sinne nicht – im Endeffekt landen die Papiere bei der EZB. Ob da nun eine Bank oder ein Hedge Fond, der dort noch zusätzliches Geschäft erwirtschaften will, als Zwischenhändler (proxy) auftritt oder nicht. Oder ob, wie in den Vereinigten Staaten die Großbanken von der FED beauftragt werden, die direkte Monetarisierung über diesen Umweg zu verschleiern. De facto druckt die Notenbank ihre eigene Währung zu Tode.

 

Für wie dumm wollen uns eigentlich die Notenbanker verkaufen?

 

Herman van Rompuy, oberster Vertreter der EU nach dem Lissabon-Vertrag äußerte sich kürzlich wie folgt: We are clearly confronted with a tension within the system. The dilemma of being a monetary union and not a fully-fledged economic and political union. The tension has been there since the single currency was created. However, the general public was not really made aware of it.

 

Aha – die Probleme des Euros sind also schon bekannt, seitdem die gemeinsame Währung geschaffen wurde. Man hat lediglich eine monetäre Union mit dem Euro, das heißt eine gemeinsame Geld- und Zinspolitik der Währungshüter geschaffen. Aber eine fiskal- und wirtschaftspolitische Union wurde nicht geschaffen. Also sehen wir unterschiedlich hohe  Staatsausgaben, Steuersätze, verschiedene Sozialprogramme und damit eine stark divergierende Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten. Und das dreißeste: Man hat es nur der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt.

 

Der Londoner Telegraph in seiner üblichen bissigen (aber zutreffenden) Art und Weise kommt zu dem Schluss, dass Rombuy und sein Frankenstein-Euro bereits genug Schaden angerichtet haben. Es wird Zeit, sich von beiden zu trennen.

 

Außerdem ist dies eine direkte Bestätigung für die kritischen Stimmen, die es seit Einführung des Euros gegeben hatte. Und die von den Euro-Befürwortern als anti-europäisch diffamiert wurden.

 

Und nun kommen noch die massiven Sparprogramme der Regierungen, zu denen sie wegen der Schulden-Krise von den Marktteilnehmern gezwungen werden. Plötzlich ist die Brüningsche Politik der frühen 30er-Jahre wieder opportun, die noch vor gut einem Jahr als Kaputt-Sparen diffamiert wurde. Aber de facto heißt das massive Sparen, dass die Geister der Deflation wieder herbeigeschworen werden. Die Marktteilnehmer erwarten bereits einen W-förmigen Verlauf der Konjunktur. Das heißt der kurzen Erholung folgt ein weiterer Niedergang. Dieser kleine Aufschwung war sowieso nur den massiven staatliche Programmen geschuldet, die ein Strohfeuer entfacht haben. Unsere weltweite Blasen-Ökonomie hat es noch einmal geschafft, mit dem Schaffen einer massiven China-Blase seine Lebensdauer zu verlängern.

 

Die zweite Abwärtswelle kann jedoch nicht mehr durch weitere Staatsausgaben aufgefangen werden. Es ist nun keine Partei mehr da, die weiter aufschulden kann. Der Staat ist der ultimative Schuldner. Da hilft auch nicht noch soviel Gelddrucken der Notenbanken weltweit.

 

Die Geisterbahn-Fahrt setzt sich fort. Und sie wird zunehmens unangenehmer.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Notenbanken fluten derzeit die Märkte mit Yen- und Dollar-Liquidität bis der Arzt kommt. Der Grund ist der immer wieder massiv einbrechende Euro-Kurs. Auch heute wieder pünktlich zum Vormittag fiel der Euro wie ein Stein um über 1,5 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Um dann gegen 16:00 Uhr MEZ wieder alle Verluste wettgemacht zu haben. Genauso gegenüber dem japanischen Yen: Zur Mittagszeit betrug der Verlust des Euros über zwei Prozent. Um 16:00 Uhr waren erneut alle Verluste wieder passe. Die FED und die Bank of Japan müssen massiv zu Gunsten des Euros intervenieren. Das können sie relativ einfach bewerkstelligen, in dem sie ihre eigene Währung drucken und an den Devisen-Märkten dafür Euros kaufen. Die überschüssigen Euros landen in der Bilanz der Notenbanken dann als Währungsreserven.

 

So war es denn auch kein Wunder, als Gold am späten Vormittag erneut die Marke von 1.000 Euro nach oben durchbrochen hat. Der A.M. Fix mit EUR 1.006,39 ($1.219,75) und der P.M. Fix mit EUR 1.003,47 ($1.227,75) zeigen es an. Erst die massive Intervention der Notenbanken zu Gunsten des Euros ließ das gelbe Metall wieder leicht unter die Grenze von 1.000 fallen. Das wiederum geht dann einher, mit einem Goldpreis-Anstieg in US-Dollar. Also muss das Gold Kartell wieder in Aktion treten, um die Euphorie zu bremsen. Wahrlich ein schwieriges Unterfangen.

 

Den weißen Edelmetallen und Öl gefiel das heutige deflationäre Umfeld nicht.

 

Wegen der Notenbank-Interventionen notierten der US-Dollar und die US-Aktienmärkte praktisch unverändert.

 

Die entscheidende Frage ist: Wie lange können die Notenbanken Aktionen wie heute noch durchhalten? Irgendwann verlieren die Märkte auch Geduld mit dem Yen und den US-Dollar. Wenn sich dann nur geringe Mengen in Richtung Gold absetzen, dann ist es mit allen Währungen vorbei.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.219,75

(€1.006,39)

$1.214,00

(€978,32)

+ $5,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.227,75

(€1.003,47)

$1.207,50

(€976,23)

+ $20,25

COMEX Schlusskurs

$1.225,00

NA

$1.213,00

NA

+ $12,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,30

(€15,06)

$18,53

(€14,93)

- $0,23

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.550,00

(€1.272,05)

$1.555,00

(€1.257,60)

- $5,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$457,00

(€375,05)

$471,00

(€380,90)

- $14,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

86,7

86,6

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,3 %

3,3 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

26,3

26,2

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
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