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Bericht für den 29. Juni 2010 Gold & Gesellschaft: Zombie-Firmen Wir
erinnern uns sicherlich noch an die Zeit des heißen Herbstes im Jahr 2008: Nach
der Lehman Brothers Pleite mussten eine Reihe von Großbanken mit einem Mix aus
staatlichen Garantien und Zuwendungen sowie Sonder-Maßnahmen der Notenbanken
vor der Pleite gerettet werden. In diesem Zusammenhang wurden eine Reihe von
Bilanzierungs-Tricks angewandt, welche die Fair Value
Bewertungs-Methodik der Unternehmen außer Kraft gesetzt haben. War die Situation
noch prekärer, dann haben die Notenbanken die faulen Bestände der Banken
einfach gegen zur der Zeit noch sicher geglaubte Staatsanleihen getauscht. Denn
Notenbanken unterliegen nicht den strengen Bilanzierungs-Richtlinien von
Unternehmen und Banken. Um in die
Banken ohne Verstaatlichung kurzfristig größere Mengen Geld zu pumpen, wurde
sogenannte Zombie-Institutionen wie AIG in den Vereinigten Staaten, die Hypo
Real Estate in Deutschland und die Royal Bank of
Scotland in Großbritannien dazu genötigt, aus angeblichen Derivate-Geschäften
– im Wesentlichen Credit Default Swaps –
ein oder sogar zweistellige Milliarden-Summen an die Banken auszuzahlen. Damit
sollte verschleiert werden, dass das gesamte kommerzielle Bankensystem,
inklusiv einer Deutschen Bank und Goldman Sachs bilanzmäßig pleite war. Denn
deren Anlage-Portfolio besteht zu großen Teilen aus Krediten an Unternehmen und
Privatpersonen, die nur noch einen Wert von zum Teil 10 Cent pro ausgeliehenen
Dollar haben. Auf der
anderen Seite verbleiben natürlich die Kunden-Forderungen an die Banken in Form
von Spareinlagen und anderen Ausleihungen an das Bankensystem. Die Bilanzen der
Banken sind dermaßen ins Ungleichgewicht geraten, dass man sie nur mit den o.g. Sammelsurium an Tricks oberflächlich übertünchen konnte.
Die Banken sind in ihrer Gesamtheit megapleite. Mit der
Nullzins-Politik der Notenbanken bei praktisch gleichbleibenden Zins-Niveau im Retail-Bereich versucht man, den Banken sogenannte windfall profits – das
heißt eigentlich unverdiente Gewinne – zuzuschanzen. Damit sollen die o.g. Lücken über die Zeit ausgeglichen werden. Parallel
dazu ermöglicht man den Investment-Banken, über Ersteigerung und Verleihung von
Staatsanleihen an die Notenbanken, Arbitrage-Gewinne in zweistelliger Milliarden-Höhe
zu erzielen. Auch das dient der langsamen Bereinigung der Bilanzen. Leider
haben insbesondere die Investment-Banken einen Großteil der erzielten Gewinne
als Boni an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet. Zombie-Banken,
als praktisch tote Banken, die nach den Regeln der Bilanzierung längst hätten
liquidiert werden müssen, nennt man diese Institute. Warum rettet man sie: Weil
eine Auflösung dieser Großinstitute vielleicht nur 10 bis 20 Prozent des
bilanzierten Asset-Volumens am Markt erlöst hätte.
Das heißt die Gläubiger der Banken hätten einen Haircut
von 80 bis 90 Prozent in Kauf nehmen müssen. Vermögen und Altersvorsorge wären
praktisch verpufft. Nun
scheint es nach Aussage der Baseler Bank für Internationales Zahlungsausgleich
(BIS – bank of international settlement) nicht nur Zombie-Banken, sondern auch
Zombie-Unternehmen zu geben. Das Problem ist nicht nur auf eine abstrakte
Finanz-Wirtschaft fokussiert, von der ein Großteil der Bevölkerung sowieso
nicht versteht, welche Mehrwerte sie für die Real-Wirtschaft liefert. Nein,
auch Unternehmen der sogenannten Realwirtschaft leiden unter ähnlichen
Problemen wie die Banken. Nehmen
wir beispielsweise das vielgelobte Modell der Private Equity
Finanzierung. Hierbei stellen Investoren einer Private Equity
Gesellschaft Gelder zur Verfügung, damit sie damit Unternehmen am Markt
übernehmen kann, um hohe Profite für die Investoren zu generieren. Das
funktioniert natürlich nur mit einem hohen Anteil von Fremdmitteln, die in der
Vergangenheit billig beschafft werden konnten. Die übernommene Firma wurde so
mit massivem Fremdkapital überladen, um den Private Equity
Gesellschaften die Ausschüttung hoher Sonder-Dividenden zu ermöglichen. Diese
führten dann wegen des hohen Fremdkapital-Anteils zu hohen prozentualen
Ausschüttungen an die Private Equity Investoren. Franz
Müntefering hat diese Gesellschaften nicht unzutreffend deshalb als
Heuschrecken bezeichnet. Denn sie fallen wie ein Schwarm über die zu
übernehmende Firma her, fressen deren Werte in kurzer Zeit weg und hinterlassen
in Form nicht mehr tilgbarer Schulden verbrannte Erde. Inzwischen
sind diese Schulden nicht nur nicht mehr tilgbar, sondern viele Firmen können
sich einfach mit ihrem freien Cash Flow nicht mehr
die Zinsen für die Fremdkredite leisten. Konkurse sind in diesem Sektor
inzwischen Alltag geworden. Viel
schlimmer wirkt jedoch der Effekt, dass auslaufende Kredite von den Banken
entweder wegen des Kredit-Risikos überhaupt nicht mehr übergerollt werden. Und
wenn dann nur zu wesentlich höheren Zinsen. Das würde erneut zu einer Pleite
der betroffenen Unternehmen führen. Es
handelt sich hier nicht mehr um ein wenig verbreitetes Problem. Viele Firmen
wurden wegen der praktisch negativen Realzinsen von den Finanz-Akrobaten mit
MBA oder ähnlichen Abschlüssen in die Schulden-Falle gelockt. Denn
Eigenkapital-Finanzierung hat sich mit den negativen Realzinsen am Markt nicht
mehr wirtschaftlich gelohnt. Jetzt stehen wir vor dem Scherben-Haufen vieler
mit Fremdkapital überladenen Firmen, die weder in der Lage sind, die
geforderten höheren Zinsen zu schultern, noch für auslaufende Kredite eine
Anschluss-Finanzierung zu finden. Wir haben
nicht nur ein Problem von Zombie-Banken, sondern auch von Zombie-Firmen. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Die Finanz-Märkte scheinen derzeit einem
Irrenhaus zu entsprechen. China, als angeblicher Motor der Weltwirtschaft,
erzielt Mega-Exporterlöse und wahnsinnige Wachstums-Raten. Aber deren
Aktien-Markt kollabiert zur Zeit. Auch die Aktien-Märkte in Asien, Europa und
den Vereinigten Staaten befinden sich auf Talfahrt. Der Dow Jones Industrial Average musste heute 270 Punkte auf 9.870 abgeben. Der DAX
steht wieder unter der Marke von 6.000 Punkten. Die Inflations-Theoretiker, die
wegen der stark steigenden Geldmenge auch einen weiterhin haussierenden
Aktien-Markt prognostizieren, wurden erneut auf dem falschen Fuß erwischt.
Derzeit herrscht hohe Volatilität vor und die Aktien-Märkte entwickeln sich
eher leicht negativ, als dass man einen weiteren Anstieg beobachten könnte. Das gelbe Metall leidet derzeit etwas an
dieser Entwicklung, die den Euro wieder in die Tiefe treibt, bei gleichzeitig
steigendem Yen und noch viel stärker steigendem Schweizer Franken. Es sieht so
aus, als wenn die staatlichen Manipulatoren ein neues Instrument der
System-Rettung ausprobieren wollen: Die Fluchtgelder nämlich in einen schneller
als Gold steigenden Schweizer Franken umzulenken. Hinter der Währung des
kleines Alpenlandes steht zwar keine große Wirtschaftskraft – trotzdem
ist das täglich gehandelte Devisen-Volumen in Franken um ein Vielfaches höher
als der Gold-Markt. Insbesondere wenn man bedenkt, dass ein Großteil der
täglich getätigten Gold-Geschäfte nur Hin-und-Her
Transaktionen der Gold-Kartell Banken sind. Wir können derzeit an den Märkten sehr gut
verfolgen, wie der Schweizer Franken als Ersatz-Fluchtwährung gegenüber dem
Gold in Stellung gebracht wird. Selbst in der derzeitig halb-schlechten
US-Währung macht sich dies zum A.M. Fix mit einem Tagesverlust von zwanzig
Dollar mit $1.236,00 (EUR 1.013,45) bemerkbar. Beim P.M. Fix sogar mit einem
Verlust von $27 auf $1234,50 (EUR 1.015,13). Man sieht an diesen Zahlen, dass
der Euro sich gegenüber dem Gold praktisch nicht verändert. Das sind die gewollten Signale für den
Schweizer Franken. Die meist in der Deutsch-Schweiz
angesiedelte Export-Industrie muss hier jetzt kräftig Federn lassen. Vielleicht
sogar Arbeitsplätze in das Euro-Gebiet exportieren. Aber es geht hier um übergeordnete Ziele des
Welt-Finanzsystems: Man möchte die Flucht in Gold zeitweise stoppen, um vielleicht
noch einige Monate Zeit gewinnen zu können. Spätestens wenn der Franken ein
Euro kostet, wird auch der Letzte kapieren, dass ein solches Regime nicht
länger realwirtschaftlich durchhaltbar sein wird.
Ganz abgesehen von den dann ausländerleeren Ski-Hochburgen und Urlaubsorten. Diese Strategie ist wohl auch einigen
Investoren am Gold-Markt zu einsichtig. Denn im späten Nachmittags-Handel stieg
das gelbe Metall wieder an und schloss den Handel an der COMEX mit einem
Tages-Plus von vier Dollar ($1.242,00). Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
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