Bericht für den 2. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Das verlorene Glück der Angela M

 

Die Pannenserie der schwarz-gelben Koalition geht unvermindert weiter. Die Wahl von Christian Wulf zum Bundespräsidenten sollten eigentlich, insbesondere wegen der komfortablen Mehrheit der drei Parteien, zu einem Aufbruchs-Signal für die weitere Arbeit werden. Ein Restart durch Drücken der Reset-Taste sozusagen. Aber stattdessen fiel der Kandidat bei den ersten beiden Wahlgängen klar durch.

 

Erst die Ermahnung durch Roland Koch, der kürzlich seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hatte, konnte eine Katastrophe in letzter Minute verhindern. Koch wurde mit den Worten "Ich spreche als designiertes Parteifossil" zitiert. Wenn man Ärger spüre, müsse man dem nachgehen. Und natürlich sei der Schlamassel tief, in dem die CDU stecke. "Aber aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen geht immer fehl."

 

Nach einem heutigen Bericht der Financial Times Deutschland unter dem Titel Merkels Abstiegskampf wird dieses wohl letzte große Engagement Kochs für seine Partei wie folgt gewürdigt: Ein CDU-Abgeordneter aus dem Südwesten erinnert an die Fraktionssitzung nach dem zweiten Wahlgang, Krisenstimmung, viele Abweichler in den eigenen Reihen. Merkel habe da die schlechteste und Koch die beste Rede gehalten ... "Eine geniale Rede", schwärmen Teilnehmer. "Der hat den richtigen Ton getroffen." Kochs Rede sei so wichtig gewesen, weil es gerade seine Anhänger seien, die so viel Wut auf die Parteichefin hätten. Die Rede war so scharf und stimmig, dass sie Merkel zwar kurzfristig aus der Patsche half. Aber langfristig werden sich viele Parteifreunde daran erinnern, dass der, der weg ist, besser war als die, die bleibt. Auf der Dachterrasse ist es so weit, dass ein Unionsmann von Ex-Kanzler Gerhard Schröder schwärmt. "Der wäre laut geworden und hätte auch mal Gefühle gezeigt." Merkel dagegen habe keinen Sinn für die Seele der Partei.

 

Es gibt sicherlich viele im Volk, welche die Alphatier-Instinkte eines Gerhard Schröder oder auch eines Roland Kochs nicht gutheißen. Das liegt weniger an einer inthronisierten Emanzen-Kultur, die zur Verweichlichung der Gesellschaft gefühlt hat. Eher schon daran, dass klare Worte und klare Ansagen in einem politisch korrekten System nicht mehr angesagt sind. Aber in der Politik muss man manchmal auch einmal auf den Tisch hauen können und seine Leute zur Disziplin maßregeln dürfen.

 

Dieser Stil liegt Angela Merkel aber nicht – sie ist eine, die lieber im Hintergrund agiert. Eine, die abwartet, bis sich die Anderen bereits in Streitgesprächen gegenseitig blutig geschlagen haben und bereitwillig einen Kompromiss schließen wollen. Hier kommt Angela Merkel ins Spiel. Sie analysiert, welcher Kompromiss am besten beim Wähler ankommen würde. Und wie man dann dem Volk in einfachen Worten erklären könnte, warum die Entscheidung in die eine oder andere Richtung gefallen sei. Bislang ist sie damit gut gefahren und stand auch bei den Wählern lange an der Spitze der Zufriedenheits-Statistik.

 

Aber Merkel geht langsam das Personal aus, das überhaupt dazu in der Lage wäre, eine solche Streitkultur weiter zu führen. Jürgen Rüttgers, der selbsterkorene Arbeiterführer aus NRW, hat zwar ein großes Stück zu dieser Kultur beigetragen. Gleichzeitig mit Blick auf seine Wiederwahl im größten deutschen Bundesland, das immerhin mehr Wähler umfasst als alle Bundesländer der ehemaligen DDR zusammen, zu einer Lähmung geführt. Neben Roland Koch muss Merkel nun auch noch den Abtritt von Rüttgers von der politischen Bühne verkraften.

 

Dass die innere Wut der Unions-Abgeordneten und Entsandten nun bei der Bundesversammlung den in seiner Person wenig kontroversen, dafür in seinem Bundesland umso beliebteren Christian Wulf trifft, ist ein Kollateralschaden. Nur um Merkel zu treffen, wagten viele wohl den Schritt, der in der ultima ratio zu einem Ende der Regierung von Schwarz-Gelb geführt hätte.

 

Wie geht es nun weiter? Die Probleme im Land nehmen nämlich nicht ab, sondern zu. Auch wenn die ersten grünen Pflänzchen in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt sichtbar werden. Aber wir kennen ja vom Frühjahr des letzten Jahres in den Vereinigten Staaten die sogenannte green shoots Diskussion, mit der man uns seinerzeit weismachen wollte, dass die Wirtschaft wieder Fahrt aufnähme. Die kürzlich wieder schlechter werdenden Zahlen zeigen genau das Gegenteil davon an.

 

Auch Deutschland kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Viele im Lande glauben immer noch, die ganze Finanz-Krise sei ein Problem der USA und gegebenenfalls von Großbritannien. Die FTD ist auch der Meinung, dass dies wohl die letzten Sargnägel für das Fortune der Angela M sein werden: Wahlsieg, Verhandlungstriumph in Brüssel oder Washington, Durchbruch in der Gesundheitsreform oder in der Atompolitik. Früher, zu Zeiten des großen Frusts über die Große Koalition, reichten ihr schon gute Haushaltszahlen oder eine erfreuliche Arbeitslosenquote, um die Stimmung in der Union aufzuhellen. Nun hilft auch die Konjunktur ihr nicht mehr.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die gestrige wohl im Wesentlichen von der EZB veranlasste Gold-Preisdrückung nebst einer massiven Euro-Hebung hat sich heute mit der Verkündung der monatlichen Arbeitsmarkt-Zahlen durch das BLS überlagert.

 

Darauf scheint auch hinzudeuten, dass der gestrige Rückgang beim Gold nicht dazu verwandt wurde, eine Reihe technischer Longs durch Unterschreiten von Stop Loss oder Margin Call Marken aus dem Markt zu werfen. Der trotzdem anhaltende Druck auf das gelbe Metall ging von erneut schlechter als erwarteten Zahlen vom US-Arbeitsmarkt aus.

 

Zuerst müssen wir aber auf den gestrigen Schlusskurs des Access Handels in New York schauen. Denn nachdem die COMEX gestern mit $1.208 geschlossen hatte, gelang es den drückenden Parteien, den Goldpreis um weitere acht Dollar auf unter die Marke von $1.200 zu drücken.

 

Im asiatischen Markt heute früh ging es dann wieder aufwärts und es wurden Kurse um den gestrigen COMEX-Schlusskurs erzielt. Dieser Wert wurde auch im Londoner Vormittags-Handel verteidigt, so dass der A.M. Fix mit $1.210,50 (EUR 968,17) um $30 niedriger als noch gestern zur gleichen Zeit zustande kam. Das war zu erwarten, haben doch die im Auftrag der EZB handelnden Banken ausreichend physisches Gold zur Untermauerung der Ernsthaftigkeit dieser Aktion erhalten. Hinzu kommen sicherlich von eine Reihe von seit langem durch den massiven Goldpreis-Anstieg frustrierten Gold-Bears, die erwarten, dass nun eine kräftige Korrektur einsetzen würde.

 

Das hätte aber erfordert, dass mit Beginn des heutigen COMEX-Handels sich eine erneute Drückung anschließen würde. Zwar ging es auch heute kurz nach Eröffnung der COMEX etwas bergab – aber das ist eher eine Folge der US-Arbeitsmarktzahlen, die 10 Minuten nach Handelsbeginn veröffentlicht wurden.

 

Trotzdem wurde zum P.M. Fix mit $1.201,50 (EUR 954,33) erneut versucht, die Marke von $1.200 nach unten hin zu testen. Dieser Test misslang und so konnte sich Gold bis zum Ende des Handels an der COMEX wieder auf $1.210 stabilisieren. Ein marginaler Zuwachs im Tagesvergleich. Nach der gestrigen massiven Drückung ist dies ein sehr positives Zeichen.

 

Auch Silber konnte sich wieder etwas von seinem gestrigen Schlag erholen. Die anderen weißen Edelmetalle tendierten im Tagesvergleich wenig verändert.

 

Eines haben die gestrigen Macher erreichen können: Euro-Gold geht mit einem Kurs von unter 970 Euro in das Wochenende.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.210,50

(€968,17)

$1.240,00

(€1.009,77)

- $29,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.201,50

(€954,33)

$1.234,00

(€993,00)

- $33,50

COMEX Schlusskurs

$1.210,00

NA

$1.208,00

NA

+ $2,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,98

(€14,36)

$18,65

(€15,12)

- $0,67

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.508,00

(€1.198,25)

$1.514,00

(€1.221,95)

- $6,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$443,00

(€344,19)

$433,50

(€349,90)

- $0,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

84,4

84,8

- 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

2,9 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

28,1

29,2

- 1,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
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