Bericht für den 9. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Die Macht der Bondmärkte

 

Lange Zeit haben sich Investoren wie Pensions-Fonds und Lebensversicherungen mit schwachen Renditen bei Staatsanleihen begnügt. Wenn man ehrliche Preisentwertungs-Zahlen zugrunde legt, dann waren diese Investments mit einem realen Negativ-Zins ausgestattet. Das heißt im Klartext: Der Investor hat über die Zeit mit diesem Investment Kaufkraft verloren.

 

Ich hatte ja bereits in meinem Montags-Bericht Der verdeckte Geldbetrug darauf hingewiesen, dass die Bond-Märkte künstlich durch von der Notenbank hofierte Ankäufer in immer neue Negativ-Rekorde bei den Renditen gezwängt werden. Diesen Ankäufern (und späteren Verkäufern) geht es weniger um eine attraktive Rendite für diese Papiere, als einen schnellen Dollar durch Arbitrage zu verdienen.

 

Die Bond Vigilantes, oder zu gut deutsch die Bond-Wächter, welche noch vor Jahrzehnten die Regierungen durch Kaufzurückhaltung zu höheren Zinsen zwingen konnten, wenn die Geld- und Verschuldungs-Politik einmal wieder überhand genommen hatte, schienen endgültig besiegt zu sein.

 

Mit dieser Niedrigstzins-Politik gingen dann die von den Staatsanleihen abgeleiteten Zinsen für Unternehmens-Kredit und Privatkredite ebenfalls kräftig nach unten. Das hat uns eine Reihe von Spekulations-Blasen und den Konsum auf Pump beschert, der praktisch nur noch durch eine massive Währungsreform in den Griff zu bekommen ist.

 

Nun scheinen die Bond-Wächter langsam wieder etwas Kraft zu bekommen. Denn die Regierungen weltweit zittern davor, dass sie ihre immer größer werdende Staatsverschuldung zukünftig nicht mehr finanzieren können. Hinzu kommt ein noch größerer Berg an Staatsanleihen, die zur Rückzahlung fällig werden und durch die Ausgabe neuer Papiere ständig refinanziert werden müssen. Im Prinzip ist eine solche Refinanzierung wie ein neuer Verkauf – das heißt die bisherigen Investoren sind nicht dazu verpflichtet, die neuen Papiere zu kaufen.

 

Dass Länder wie Griechenland Probleme haben, ihre Staatsschulden zu finanzieren, sollte sich schon langläufig herumgesprochen haben. Nun zeigen aber die Ergebnisse des G20-Gipfels in Toronto, dass selbst die für so stark gehaltenen Länder wie USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich ebenfalls auf die Ausgaben-Bremse treten müssen.

 

Das Düsseldorfer Handelsblatt veröffentlicht heute ein Interview mit der französischen Finanzministerin Christine Lagarde. Auf die Frage der Reporter, ob sie mehr Angst vor dem Volk wegen der anstehenden Rentenreform oder dem Druck der Rating-Agenturen hätte, antwortete sie nur ausweichend.

 

Auf alle Fälle gibt sie zu, dass sich die Regierung im Gespräch mit diesen Agenturen befindet, um die bislang für Frankreich geltende Bestnote AAA zu sichern. Dabei gestand sie folgendes ein: 32 Jahre lange haben wir die Schieflage in unserem Staatshaushalt wissentlich in Kauf genommen und Defizite und Schulden absichtlich in die Höhe getrieben. Nun vollziehen wir eine Kehrtwende.

 

Dabei haben Anfang der achtziger Jahre die Auswüchse der Ausgaben- und Inflationspolitik der siebziger Jahre die Renditen der Staatsanleihen in ein Terrain von weit über zehn Prozent getrieben. Die Bond-Wächter hatten seinerzeit die Regierungen für ihre Ausgabenpolitik mit hohen Zinsen bestraft.

 

Der Berater von US-Präsident Bill Clinton, James Carville, äußerte sich in den frühen neunziger Jahren über die Stärke des Bond-Marktes wie folgt: I used to think if there was reincarnation, I wanted to come back as the president or the pope or a .400 baseball hitter. But now I want to come back as the bond market. You can intimidate everybody. Carville war über die Macht des Bond-Marktes so beeindruckt, dass er im Falle einer Wiedergeburt weder als Präsident, noch als Papst geboren werden wollen – sondern als Bond-Markt. Damit könne er jedem Angst einjagen.

 

Im Jahr 1995 gelang es dem damaligen US-Finanzminister Robert Rubin mit Hilfe einer von Larry Summers aufgestellten Theorie, die den Zusammenhang zwischen dem Goldpreis und den langfristigen Realzinsen an den Bondmärkten untersuchte, durch gezielte Drückung des Goldpreises, die Bond-Wächter auszuschalten. Vor dem Scherbenhaufen dieser Niedrigstzins-Politik stehen wir heute.

 

Zurück zu dem Handelsblatt-Interview mit Madame Lagarde – denn sie gibt offen zu, dass die Staatsquote in Frankreich mit 55,6 Prozent wesentlich zu hoch sei: Das sind sechs Prozent mehr als der europäische Durchschnitt. ... Spielraum haben wir bei den Staatsausgaben auf jeden Fall.

 

Zu dieser Erkenntnis konnten sie aber nur die Bond-Wächter bewegt haben. Keine etatistisch operierende Regierung gibt offenherzig zu, dass der eigene Macht- und Verwaltungs-Apparat zu groß sei.

 

Wie sagte doch der gerne als Bond-Markt wiedergeborene James Carville: You can intimidate everybody. Anscheinend auch Sarkozy und ihre Finanz-Ministerin.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Es ist derzeit schwierig, kurzfristig die weitere Entwicklung des Gold-Preises vorherzusagen. Deshalb habe ich mich bislang zurückgehalten, auf eine kräftige Erholung beispielsweise durch den Kauf von Call Optionsscheinen zu spekulieren.

 

Dabei sind die Handelsmuster im Prinzip seit letzter Woche immer dieselben: Im physischen Goldmarkt kippt eine Partei gezielt Gold in den Markt, um den Preis zu beschädigen. Die Preisfrage ist nun: Wie lange hält diese Partei diese stark Lager leerende Strategie durch.

 

Auch heute folgte der Markt wieder dieser Strategie, wenn auch nur bis zum Londoner Vormittags-Handel.  Zum A.M. Fix stand Gold mit $1.196,25 (EUR 944,68) um knapp sechs Dollar niedriger als noch vor 24 Stunden.

 

Dass heute dieser A.M. Fix und die letzten Tage Zeitpunkte um den P.M. Fix den jeweiligen Tagestief-Punkt beim Gold markieren, zeigt, welche Kräfte hier am Markt operieren. Das kann auch der sprichwörtliche Cocker Spaniel oder beim Christian Vartian die Tochter: Beim Gold ist es derzeit deshalb anders, weil Eurogulagisten mit Liebe zu hohem EUR (also nicht die anderen) Barren abkippen, was meine 7 Jahre alte Tochter bei dem Gesamtbild aus
Kursverläufen auch erkennt
.

 

Hilft nichts – wer viel Gold zum Abkippen hat, der kann eben die Märkte bedingt in die von ihm gewollte Richtung lenken. Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.

 

Bis zum Beginn des COMEX-Handels hatte sich das verflixte gelbe Metall nämlich wieder an die Marke von $1.200 herangearbeitet. Das scheint wohl eine Linie zu sein, bei der Investoren noch beherzt zugreifen. Jeder Drückungs-Versuch unter diese Marke wird mit entsprechend steigender Nachfrage beantwortet.

 

Zum P.M. Fix standen wir dann bereits neun Dollar höher: $1.208,75 (EUR 957,12) und damit im Tagesvergleich $15 mehr lautete der Kurs. In den letzten Stunden des COMEX-Handels schwankte Gold um die Marke von $1.210. Zu viel wollte man den Marktkräften doch nicht einen höheren Goldkurs zubilligen. Der letzte Kurs an der COMEX kam mit $1.209,50 noch etwas höher als der Londoner P.M. Fix zustande.

 

Im Wochengleich konnte Euro-Gold (Bezug Londoner P.M. Fix) drei Euro zulegen. Das ist zwar nicht signifikant – aber bei den Massen von 400 Unzen-Barren, die durch die Luft flogen, kann man froh sein, nicht von einem getroffen worden zu sein.

 

An den Devisen-Märkten kommt es weiterhin zu keinen signifikanten Verschiebungen.

 

In eigener Sache

 

Für die nächste Woche vom 12. bis zum 16. Juli müssen die Berichte leider ausfallen.

 

Ich bin während dieser Zeit im Urlaub und werde wegen des Termin-Planes nicht ausreichend Zeit finden können, um die Märkte zu beobachten und daraus einen täglichen Bericht zu erstellen. Ich bitte um Ihr Verständnis.

 

Ab dem 19. Juli werden die Berichte dann in ihrer bekannten Form wieder veröffentlicht.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.196,25

(€944,68)

$1.201,75

(€949,31)

- $5,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.208,75

(€957,12)

$1.193,50

(€941,47)

+ $15,25

COMEX Schlusskurs

$1.209,50

NA

$1.195,50

NA

+ $14,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,87

(€14,11)

$18,00

(€14,23)

- $0,13

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.527,00

(€1.209,50)

$1.528,00

(€1.204,55)

- $1,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$454,00

(€359,60)

$447,00

(€352,40)

+ $7,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

84,0

83,8

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,1 %

3,0 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

27,1

27,9

- 0,8

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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