Bericht für den 20. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Geborgter Aufschwung – und dazu auf Pump

 

Wer soll bei der derzeitigen Nachrichten-Lage überhaupt noch durchblicken: Auf der einen Seite gibt es in der exportlastigen deutschen Industrie einen wirklichen Aufschwung bei der Auftragsvergabe. BMW und Volkswagen melden Rekordverkäufe ihrer Premium-Klasse oder gehobenen Mittelklasse-Fahrzeuge.

 

Auf der anderen Seite müssen die Staaten nach den Ausgaben-Exzessen der letzten beiden Jahre nun kräftig auf die Ausgaben-Bremse treten. Ökonomen warnen schon davor, dass das Auslaufen der Stimulus-Programme nebst höheren Belastungen den Privat-Haushalten die Mittel entziehen würden, um den Aufschwung zu stabilisieren. In den Vereinigten Staaten zeigen die ersten Indikatoren schon wieder nach unten. Ein selbsttragender Aufschwung sieht anders aus.

 

Aber auch für Deutschland wird dies Konsequenzen haben. Zuerst einmal wegen des Auslaufens der eigenen staatlichen Hilfsprogramme zur Stabilisierung der Wirtschaft. Aber gerade die Export-Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft kann sich mit steigenden Problemen in den USA und China nun zu einem Bumerang erweisen: Ein plötzlicher Einbruch würde dem zarten Pflänzchen des Aufschwungs folgen.

 

Viele sehen die deutsche Entwicklung als Leuchtturm für die anderen Länder der EU-Zone. Deutschland als Lokomotive in Europa. Aber wer glaubt daran, da dieser Aufschwung nur geborgt ist. Und dazu nur auf Pump. Denn die vorläufige Rettung des Euros hat der deutschen Industrie zwar vordergründig die Exportmärkte vor allem in Europa gerettet. Die Griechen, Spanier, Portugiesen und andere hoch defizitäre Staaten können weiter Waren aus Deutschland kaufen. Aber diese Staaten haben selbst keine selbst erwirtschafteten Reserven, mit denen sie diese Produkte bezahlen können. Und so gibt weiterhin entweder das handelnde Wirtschaftsunternehmen diesen Staaten einen Lieferanten-Kredit. Oder eine deutsche Bank beziehungsweise Versicherung kauft die Schuldscheine dieser Länder auf, um damit die Zahlung der gelieferten Produkte zu gewährleisten.

 

Das System funktioniert im Prinzip nicht anders als die Geschäftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China. Auch dort liefern die Chinesen an die US-Amerikaner Waren, welche die Vereinigten Staaten aus eigenen Reserven gar nicht in der Lage sind, zu bezahlen. Nur in diesem Fall erfolgt die Geldschöpfung innerhalb der Binnen-Währung der USA – dem US-Dollar. Wer meine Berichte regelmäßig verfolgt weiß, dass die Notenbank eines Landes ihre eigene Währung praktisch ohne Kosten und weitergehende Verpflichtungen aus dem Nichts schöpfen kann. Die FED erzeugt also das für den Konsum chinesischer Waren notwendige Geld und die Chinesen lassen sich dafür Schuldpapiere der USA ausstellen. Ob diese nun Treasuries heißen oder andere Formen von hypothekenbesicherten Darlehen sind, spielt dabei keine Rolle. Die Chinesen denken, sie hätten sich nun ein Vermögen zusammengespart, aber in Wirklichkeit habe sie ungedeckte Schuldscheine erhalten, die keiner in den Vereinigten Staaten gedenkt, in Zukunft einmal einlösen zu müssen. Wird die Situation schließlich für die USA zu brenzlig, dann werden der US-Dollar und damit auch die Forderungen der Chinesen einfach in Rahmen einer Währungsreform abgewertet. Oder der US-Dollar mutiert zu einer reinen Binnenwährung. In diesem Fall könnten die Chinesen für ihre Dollars maximal noch US-Produkte beziehen – aber keine Rohstoffe und Nahrungsmittel von den Weltmärkten mehr. Diese Situation würde dann paradoxerweise wieder der US-Industrie zum Wiederaufstieg helfen.

 

Eine ähnliche Entwicklung kann man für Deutschland (als Produzenten und Gläubiger) und die Südstaaten der Euro-Schiene (als Konsumenten und Schuldner) konstruieren. Hier wird die verbindende Währung dieser Zone, der Euro, zerfallen und es wird wieder eine Reihe von lokalen Binnenwährungen geben. Auch hier würde eine Währungsreform wohl zu einem großflächigen Verlust der Forderungen Deutschlands an die EU-Südstaaten führen. Und mit den verbliebenen Geldern könnte Deutschland dann beispielsweise spanische Industrie-Produkte einkaufen.

 

Aus den oberflächlich gesunden Volkswirtschaften China und Deutschland könnte so innerhalb kürzester Zeit eine aussterbende Landschaft an Industrie-Parks werden. Weil diese Parks im Wesentlichen nur für den Export produziert haben. Aber zumindest einen Vorteil bietet dieses Modell: Beim Zusammenbruch der Weltwirtschaft haben diese Länder noch eine industrielle Infrastruktur, um ihren Binnenmarkt bedienen zu können.

 

Die bisherigen Konsumenten-Staaten müssen eine solche Industrie erst mit viel Schweiß wieder aufbauen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Und ewig grüßt das Londoner Gold-Murmeltier.

 

Wieder einmal beginnt Gold den heutigen Tag in Asien mit praktisch unveränderten Notierungen. Aber sobald der physische Markt in London um 9:50 Uhr MEZ eröffnet, kommt Druck auf und Gold beginnt erneut zu fallen.

 

Zum A.M. Fix um 11:30 Uhr MEZ stand Gold bei $1.181,50 (EUR 912,57) um neun Dollar niedriger als zum gestrigen A.M. Fix.

 

Zum frühen Nachmittag wurde Gold dann weiter gedrückt und erreichte mit $1.175 kurz vor Eröffnung des Handels an der COMEX seinen Tages-Tiefstkurs. Die Drücker hatten wohl mit dieser Aktion ein panisches Auflösen der Gold-Long Positionen einiger Marktteilnehmer provozieren wollen.

 

Aber plötzlich erholte sich Gold mit Beginn des Handels an der COMEX und stieg um knapp zehn Dollar an. Zum P.M. Fix um 16:00 Uhr verlor Gold dann zwar wieder wenige Dollar auf $1.183,00 (EUR 918,41). Aber im Tagesvergleich konnte Gold immerhin zwei Dollar zulegen.

 

Nachdem der physische Handel mit dem P.M. Fix beendet wurde, ging es beim Gold wieder kräftig nach oben. Das gelbe Metall schaffte es sogar, die Marke von $1.190 nach oben zu durchbrechen. Gold beschloss den Handel an der COMEX mit $1.192,50 praktisch auf Tages-Höchststand.

 

Der US-Dollarindex (USDX) stieg heute leicht um 0,2 Punkte auf 82,7 an – bei gleichbleibenden Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes.

 

Mit dem steigenden Goldpreis konnten auch die drei weißen Edelmetalle ihre anfänglichen Verluste wieder wettmachen.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.181,50

(€912,57)

$1.190,25

(€919,47)

- $8,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.183,00

(€918,41)

$1.181,00

(€910,63)

+ $2,00

COMEX Schlusskurs

$1.192,50

NA

$1.181,80

(€913,00)

+ $10,70

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,55

(€13,60)

$17,78

(€13,72)

- $0,23

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.502,00

(€1.167,50)

$1.499,00

(€1.157,55)

+ $3,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$438,00

(€340,45)

$447,00

(€345,15)

- $9,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

82,7

82,5

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

3,0 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

27,6

27,5

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
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