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Bericht für den 10. August 2010 Gold & Gesellschaft: Der amerikanische Traum – Träum
weiter! Eine Familie, zwei Autos und ein eigenes Haus
– das zählt zu dem Traum des amerikanischen Mittelstands. Aber die
Vereinigten Staaten befinden sich in einer tiefen Krise; eine Krise, die nicht
erst im Jahr 2008 angefangen hat, sondern sich bereits über mehrere Jahrzehnte
hinweg erstreckt. Glaubt man der Statistik, dann sind die
Rezessions-Phasen kurz. Die letzten fünfzehn Jahre schienen sie schon fast in
Vergessenheit geraten zu sein. Aber die verlorenen Jahrzehnte zeichneten sich
eher durch eine viel beunruhigendere Entwicklung ab
– einer langen und stetigen Stagflation. Stagflation, das war eigentlich ein Kunstwort der
70er-Jahre, wo es nur noch mit der Inflation bergauf ging, die Wachstumsraten
aber stagnierten. Stagflation ist gefährlich, denn sie enteignet bestimmte
Bevölkerungs-Schichten ganz subtil, indem ihnen mit jährlich marginalen Abschlägen
über einen längeren Zeitraum real Kaufkraft entzogen wird. Man veramt über die
Zeit, merkt dies jedoch nicht. Viele Haushalte in den USA leben am Rande des
Abgrundes. Kündigungs-Schutz gibt es dort praktisch nicht und mit dem
Ausbleiben des ersten oder spätestens des zweiten Gehalts-Schecks platzt die
Finanzierung des Hauses und der Leasing-Raten der Fahrzeuge. Nach einem heutigen Bericht der FTD hat sich das
durchschnittliche Jahreseinkommen der unteren 90 Prozent seit dem Jahr 1973
kaum verändert. Man spricht von einem realen Anstieg von lediglich 10 Prozent
– innerhalb von knapp vierzig Jahren. Dabei sind diese Zahlen noch durch
viel zu niedrig ausgewiesene Inflationsraten geschönt. In Wirklichkeit ist die
Kaufkraft wohl um 30 oder sogar 40 Prozent zurückgegangen. Den diversen
Wahrheitsministerien sei diese statistische Kosmetik gedankt. Früher konnte der Vater als Alleinverdiener noch
genug verdienen, um seine Familie nebst zwei Kindern erfolgreich
durchzubringen. Heute müssen beide Elternteile arbeiten, zum Teil in mehreren
schlechtbezahlten Service-Jobs, denn die industrielle Basis der Vereinigten
Staaten wurde seit den achtziger Jahren auf Erbsen-Niveau zusammengeschmolzen.
Nur noch zwei Prozent der Arbeitsplätze sind heute in der Industrie ansiedelt.
Die schöne neue Welt der Service-Jobs, wo man keine schweren Arbeiten mehr
ausführen müsse, entpuppte sich als Moloch des Niedriglohn-Sektors. Die guten
Job verblieben bei Investment-Bankern oder Schreibtisch-Tätern, denen mit ihrer
betriebswirtschaftlichen Ausbildung (MBA) nichts besseres einfiel, als weitere
Jobs aus den USA in den Fernen Osten zu verlagern. Der Havard-Ökonom Larry
Katz wird in dem FTD-Artikel wie folgt zitiert: Man muss sich die amerikanische Wirtschaft wie ein großes
Wohnhaus vorstellen. Vor einem Jahrhundert, und sogar noch vor 30 Jahren,
wollte alle Welt darin wohnen. Aber im Laufe der letzten Generation hat sich
das Haus verändert. Die Penthouse-Wohnungen ganz oben werden immer größer und
größer. Die Apartments in der Mitte fühlen sich immer enger an. Das
Untergeschoss ist bereits überflutet. Und dann ist auch noch der Fahrstuhl
kaputt – das deprimiert die Leute am meisten. Die Hollywood-Legende des Tellerwäschers, der aus
eigenem Antrieb zum Millionär emporwuchs, scheint immer mehr der Vergangenheit
anzugehören. Denn jeder wird in seiner Schicht zum kreditabhängigen Konsumenten
erzogen. Und so muss er oder sie sich immer schneller in dem Hamsterrad drehen,
um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Mit dem Optimismus geht dann auch
die unternehmerische Initiative vor die Hunde. Die oberen zehn Prozent der Gesellschaft blieben
anscheinend von dieser Entwicklung verschont – doch kann man schon nach
der Linken-Propagandasprache von Umverteilung von Unten nach Oben sprechen? In
Wirklichkeit konnten die oberen zehn Prozent nur über die Jahre ihren
Lebensstandard effektiv halten. Aber auch dort sind viele in der Falle der
kreditfinanzierten Protz-Burgen gefangen. Viele Amerikaner zahlen über die
Laufzeit ihrer Hypotheken den doppelten Betrag für Zinsen, als was sie für das
Haus ursprünglich ausgegeben haben. Die Aufarbeitung der Probleme muss mehrdimensional
erfolgen. Man darf die Bürger nicht mit immer mehr Kredit und noch höheren
Kredit-Raten weiter versklaven. Kredit muss sich auf reine
Investitions-Tätigkeit beschränken und sollte für Konsum-Vorhaben prohibitiv
teuer sein. Der zweite eigentlich noch wesentlichere Punkt ist, eine neue industrielle
Basis in den Vereinigten Staaten zu schaffen. Nicht mit ausgelagerten
Arbeitsplätzen in China und Indien, sondern in den USA selbst. Dazu muss zuerst
die überstarke Finanz-Industrie kastriert werden, die mit ihren Business- und
Easy Kredit-Modellen das Outsourcing und die
Globalisierung zu Lasten der amerikanischen Bürger fördert. Allerdings scheint keiner ernsthaft an solchen
Maßnahmen zu arbeiten. Und so bleibt den Bürgern nichts anderes übrig, als auf
den Untergang des US-Dollarimperiums zu warten. Spätestens dann ist es mit
Billigware aus Fernost vorbei. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Die Nachrichten und deren Verbreiter machen der FED
die Entscheidung leicht, erneut den Abzug für eine geldpolitische Lockerung zu
drücken. So berichtete Bloomberg heute nach Veröffentlichung der Zahlen zur
Arbeits-Produktivität: The productivity of U.S. workers unexpectedly fell in the second quarter, indicating companies may redouble
efforts to contain costs as the recovery
unfolds. The measure of employee output per hour decreased at a 0.9 percent annual rate, the first drop since the end of 2008, Labor Department figures
showed today in Washington.
The median forecast of economists surveyed by Bloomberg News projected a 0.1
percent gain. Labor costs rose at a 0.2 percent pace, less than
estimated. Und damit die Nachricht auch noch der letzte
Investment-Depp versteht, legt man wie folgt nach: The figures show the
worlds largest economy lost momentum heading into the
second year of the recovery, one reason
why companies are holding the
line on employment and pay. Haben wir nicht erst gerade in dem obigen Bericht
gelesen, dass nur noch zwei Prozent der Arbeitsplätze in der Industrie sind.
Die Vereinigten Staaten zählen damit eigentlich per Definition gar nicht mehr
zu den Industrie-Nationen – wer praktisch keine Industrie mehr hat, dem
kann die Produktivität seiner wenigen verbliebenen Arbeiter eigentlich egal
sein. Die wahre Motivation dieses Berichts wird dem Leser
aber dennoch nicht vorenthalten: Flagging growth and a slow jobs recovery have
fueled investor expectations that Federal Reserve
policy makers will announce efforts to spur the economy after
meeting today.
Zu gut deutsch: Man brauchte eine Placebo-Nachricht, um der FED die Möglichkeit
zu geben, im Rahmen geldpolitischer Maßnahmen die Wirtschaft anzufeuern. Im
Gegensatz zu anderen Notenbanken unterliegt die FED nicht nur dem Gebot der
Geldwert-Stabilität, sondern hat auch für Wachstum zu sorgen. Wie das endet,
konnten wir nach dem Platzen der verschiedenen Asset Bubbles bereits zur Jahrtausendwende und ab dem Jahr
2006/2007 beobachten. Und dann schreibt man, dass Gold wegen des starken
Dollars und des heutigen FED-Meetings gefallen sei. Im Bericht gibt man aber
nur Gründe an, warum Gold steigen müsste – egal wie das Ergebnis des FOMC
Meetings heute Abend ausfallen sollte. Vielleicht will man so durch die Blume
verkünden, dass Gold im Vorfeld manipuliert wurde, ohne gleich in den Ruf eines
Verschwörungs-Theoretikers zu kommen. Es ist jetzt 20:30 Uhr MEZ und die FED hat ihre
Entscheidung verkündet. Gold sprang plötzlich um zehn Dollar auf $1.206 in die
Höhe und der US-Aktienmarkt büßte seine anfänglich kräftigen Verluste wieder
ein. Dabei war Gold zum Londoner P.M. Fix bereits auf $1.192,50 (EUR 910,44)
gedrückt worden. Nachstehend die wichtigen Punkte der heutigen
Verlautbarung des FOMC: 1. FED: pace of recovery in output and employment has slowed in recent months 2. FED: investment in nonresidential structures continues to be weak and employers remain reluctant to add to payrolls 3. FED: Housing starts remain at a depressed level 4. FED: Bank lending has continued to contract 5. FED: will maintain the target
range for the federal funds
rate at 0 to 1/4 percent 6. FED: will keep constant the
Federal Reserves holdings
of securities at the current level by
reinvesting principal payments from agency
debt and agency mortgage-backed securities in longer-term Treasury securities 7. FED: will continue to roll over the Federal Reserves holdings of Treasury securities
as they mature Die FED wird ihr Bilanz-Volumen nicht abbauen wie
bislang angekündigt. Stattdessen werden Erträge und auslaufende Ausleihungen
dazu verwendet, lang laufende US Treasuries
anzukaufen. Es ist kein Wunder, dass die Real-Renditen der 10-jährigen Treasury
Notes nach Verkündung der Entscheidung auf unter 2,8 Prozent gefallen sind. Der US-Dollarindex musste seine anfänglichen
Gewinne, die ihn bis auf 81,5 hochtrieben, zum Großteil wieder abgeben. Zum
Schluss blieb ein mikriges Plus von 0,1 Punkten auf
80,8 übrig. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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