Bericht für den 25. August 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Wie sicher sind eigentlich die Sicherungs-Systeme für unsere Einlagen ?

Für die Einlagen bei Banken gibt es in Deutschland den Einlagensicherungsfond, in den U.S.A. heißt diese Organisation FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation). Falls eine Lebensversicherung Pleite geht, gibt es die Protektor AG, die die Verpflichtungen übernimmt. Und im Falle einer Insolvenz eines Unternehmens springt der Pensionssicherungs-Verein (PSV) zur Sicherstellung der betrieblichen Pensionen ein.

Diese Systeme stehen aber auf tönernen Füßen, als viele erwarten. So musste beispielsweise der Einlagensicherungsfond durch die Pleite von Lehman Brothers im letzten September erhebliche Zahlungen leisten. Obwohl allgemein gar nicht bekannt war, dass Lehman überhaupt eine Dependance in Deutschland unterhält. Im Rahmen der HRE-Bankenrettung vom 26. bis 29.09.2008 wurde diskutiert, die HRE teilweise über den Einlagensicherungsfond abzuwickeln. Hier würden aber Lasten zwischen 17 und 24 Mrd Euro auf den ESF zukommen. Nach der Lehman-Pleite könne der ESF nach Aussagen in dem Protokoll aber nur noch 2 Mrd Euro aufbringen.

Nicht viel besser sieht es bei dem US-Pendant zum ESF, der FDIC aus: Die FDIC musste in den letzten Monaten für eine Vielzahl von regionalen Bankenschließungen aufkommen. Waren im Juni 2007 noch für 1,2 Prozent aller versicherten Einlagen Geld-Mittel im FDIC-Topf, so sank diese Zahl auf 0,27 Prozent im März 2009. Der Topf der FDIC schrumpfte in diesem Zeitraum von $51,2 Mrd auf nur noch $13 Mrd.

Laut einer Analyse der SAXO BANK vom 12. August unter dem Titel FDIC Shrinking Deposit Insurance Fund – A Testimony of Current Accounting Standards geht der Analyst auf Basis des Volumens der zwischenzeitlich geschlossenen Banken davon aus, dass der FDIC bereits zum Juni 2009 seine kompletten Reserven aufgebraucht haben wird.

Der Bericht führt aus: On January 1st 2009 FDIC reported they had $17,276 million in their deposit insurance fund (DIF) and according to press releases for each failed bank, the estimated total costs for FDIC’s DIF during Q1 amounted to $2,146 million, leaving $14,997 million in the fund. However, according to the latest FDIC Quarterly report the fund counted $13,007 million at the start of Q2, thus a difference of $1,990 million. In other words the estimated spending on failed banks during Q1 was $2,147 million, but the bill ended up around $4,137 million instead (and probably still counting). This is why Q2 is even more interesting, since the estimated costs are $11,504 million, thus leaving only $833 million in the fund for supporting failing banks in the future. Moreover the real total cost for Q109 turned out to be almost twice the amount of the estimates the second quarter showed. If that will be even close to reality for Q209 the FDIC’s DIF will (very) soon be out of funds completely.

Der U.S. Einlagensicherungsfond ist im Prinzip also selbst Pleite. Gut für den FDIC, dass der U.S. Kongress im März 2009 ein Stützungs-Programm für den FDIC i.H.v. $100 Mrd beschlossen hat, auf das in der Not zurückgegriffen werden kann. Aber wie lange kann der Staat durch weitere Aufschuldung, sprich Anwerfen der Notenpresse dieses System noch am Leben erhalten ?

Nicht viel besser sieht es bei den anderen Sicherungs-Systemen aus.

Laut einem Bericht des Handelsblatt vom 24. August muss der deutsche Pensionssicherungsverein ( PSV – http://www.psvag.de ) seine Umlage zur Absicherung der Betriebsrenten von knapp 0,2 Prozent auf bis zu 0,8 Prozent des Kapitalwerts der Betriebsrenten erhöhen. Allein die Arcandor-Insolvenz würde voraussichtlich mit 2 Mrd Euro zu Buche schlagen. Bei einem (laut Selbstauskunft des PSV) Kapitalwertes der unter Insolvenz-Schutz stehenden Versorgungsverpflichtungen von 277 Mrd Euro müssen die Unternehmen ihre Zahlungen an den PSV also von 554 Mio Euro auf 2.216 Mio Euro pro Jahr aufstocken.

Was wäre die Konsequenz, wenn nach Arcandor als nächstes OPEL mit geschätzten 3 bis 4 Mrd Euro Pensionsverpflichtungen in die Insolvenz gerät ? Ab einem Zeitpunkt würden wohl die Mitgliedsunternehmen des PSV das Handtuch werfen müssen, weil weitere Zahlungen an den PSV ihre eigene Existenz gefährden würden.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass Finanz- und Versicherungs-Unternehmen und Unternehmen der Real-Wirtschaft in Konkurs gehen können und damit ihre Verpflichtungen an ihre Kunden bzw Mitarbeiter nicht mehr erfüllen können. Seien es nun Banken, die Einlagen nicht mehr auszahlen können, Versicherungen, die ihre Leistungen aus dem Vertrag nicht mehr erfüllen können oder Unternehmen, die betriebliche Pensions-Zahlungen nicht mehr leisten können. Die als Sicherungs-Netz gespannten Einlagen-Sicherungs-Systeme sind kapitalmäßig nur für wenige große Firmen-Pleiten ausgelegt. Und dieses Netz ist bereits zum Reißen gespannt. Ein weiterer kräftiger Abschwung verbunden mit einer zweiten Welle der Finanz-Krise kann das System jederzeit aus den Fugen heben.

Es liegt also in der Verantwortung von Jedem, krisenfeste Alternativen für die anscheinend nicht krisenfesten Einlagen-Systeme zu finden. Ansonsten besteht eine ernste Gefahr, nicht nur sein Geld, sondern auch seine betriebliche Altersversorgung nebst privater Absicherung für das Alter zu verlieren.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Erklärung für den gestrigen plötzlichen Einbruch des Goldpreises um mehr als $10 kurz vor Schluss des Handels an der New Yorker COMEX ist schnell gefunden: Diese Woche steht wieder einmal eine Versteigerung von U.S. Staatsanleihen (Treasuries) an. Gestern hat die FED im Rahmen ihrer Quantitative Easing (QE) Initiative Treasuries an den Bond-Märkten aufgekauft, um im Vorfeld der Versteigerungen den Real-Zins zu drücken. Das gelang auch gut: Um 9:30 Uhr EST standen die Realzinsen der 10-jährigen Treasury Notes noch bei 3,60 %. Zum Ende des Handels um 15:00 Uhr EST waren die Zinsen auf 3,49 % gefallen. Heute werden die 4-wöchigen Treasury Bills über $30 Mrd, die 1-jährigen Bills über $27 Mrd und die 2-jährigen Notes über $42 Mrd versteigert (hier die CUSIP Nummern, damit man den Ankauf im Rahmen von (P)OMO bei der New York FED nachvollziehen kann: 912795S36 / 912795U82 / 912828LV0). Morgen stehen dann 5-jährige Treasury Notes über $39 Mrd auf dem Programm (CUSIP 912828LK4) und am Donnerstag schließlich die 7-jährigen Notes über $28 Mrd (CUSIP 912828LL2). Insgesamt läppische $166 Mrd.

Im gestrigen MIDAS (http://www.lemetropolecafe.com) kommentierte Bill Murphy die fortgesetzten Markt-Manipulationen der Obama-Administration mit folgenden Worten:

Obama is allowing the same market manipulations which years ago started America on its way to ruination … via financial market and economic disintegration. How could it have been any different with Geithner and Summers (GOLD CARTEL VETERAN HONCHOS) giving him economic advise … with a former Goldman/Treasury guy heading up the CFTC. It is beyond FARCE … a farce which will end up in the most violent protests in the US since the Vietnam War days? They will eventually make the recent protests over proposed health care changes look like a woman’s tea party.

Gold konnte sich heute früh im asiatischen Markt oberhalb der Marke von $945 befestigen. Diese positive Stimmung setzte sich auch im Londoner Vormittags-Handel fort. Der A.M. Fix kam mit $947,50 (EUR 662,77) zustande. Im Tagesvergleich musste Gold $6,25 abgeben.

Zum Nachmittag setzte sich die positive Stimmung fort. Nach Eröffnung des Handels an der COMEX konnte Gold auf bis zu $954 ansteigen. Das hätte jedoch die gestrige Aktion des Gold-Kartells neutralisiert, so dass von nun ab wieder verstärkt Druck auf Gold ausgeübt wurde. Der P.M. Fix kam trotzdem mit $950,50 (EUR 662,32) um lediglich einen Dollar niedriger als gestern vor der großen Gold-Drückung zustande. Am physischen Markt hat das Gold-Kartell heute jedenfalls den Preis nicht unter Kontrolle.

Nachdem London geschlossen hat, ging die Drückung in altbekannter Plan B Manier weiter. Zum Schluss des Handels an der COMEX gelang es den Herren, den Gold-Preis auf $944 zu drücken. Das sind jedoch nur kurzfristige Aktionen, wenn sie nicht im physischen Handel bestätigt werden können. In diversen Foren werden die niedrigen Preis-Unterschiede der verschiedenen laufenden Future-Kontrakte diskutiert. Gold entfernt sich langsam von den Rohstoff-Märkten, wo Contango vorherrscht, d.h. später auslaufende Kontrakte sind teurer als der Spot-Preis oder früher auslaufende Kontrakte wegen der Lagerkosten und der Kapital-Kosten. Vereinzelt wurde Gold in Backwardation gesehen: Ein Zeichen dafür, dass Gold zur sofortigen Lieferung knapp und teuer ist.

Trotz der massiven Emission von neuen Staatspapieren heute blieben US-Dollar und die Rendite der 10-jährigen Treasuries stabil. Die Manipulatoren haben mit Hilfe der ausländischen Notenbanken die Auktionen noch fest im Griff. Irgendwann werden die ausländischen Notenbanken und ihre Wirtschaft feststellen, dass sich nicht nur die U.S.A. auf ihre Kosten entschuldet haben. Sondern darüber hinaus zu ihrem Nachteil reindustrialisiert. Das Hick-Hack um OPEL deutet in diese Richtung. Die Netto-Exporteure der Welt sollten jetzt schon anfangen zu zittern: Derzeitige Parkwächter, Sicherheits-Personal und Hamburger-Verkäufer können auch Industrie-Produkte wie die Chinesen, Japaner oder Deutsche herstellen. Wie heißt es so schön: The Dollar is our currency but your problem …

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$947,50
(€662,77)

$953,75
(€667,01)

- $6,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$950,50
(€662,32)

$951,50
(€663,85)

- $1,00

COMEX Schlusskurs

$944,00

$942,30

+ $1,70

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

78,3

78,2

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,5 %

3,5 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,4

22,3

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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