Bericht für den 26. August 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Barrack Obama scheint gerade noch den richtigen Zeitpunkt abgepasst zu haben, um Ben Bernanke für eine neue vierjährige Amtszeit als Chef der US-Notenbank zu nominieren. Laut einer gestrigen Veröffentlichung auf Bloomberg hat ein Gericht in Manhattan die FED dazu verpflichtet, die Daten freizugeben, wer die Empfänger der hunderte und tausende von Milliarden Dollar Notprogramme nun wirklich waren. Wir erinnern uns: Die FED nebst Treasury wollten auch nicht die Informationen herausgeben, an wen die fast hundert Milliarden Dollar an Hilfen für den Versicherungs-Konzern AIG geflossen sind. Auf Druck der Öffentlichkeit gelang dies schließlich. Goldman (Government) Sachs stand mit $13 Mrd an erster Stelle der Zahlungsempfänger.

Ben Bernankes Verdienste beschränkten sich darauf, mit Hilfe der Notenpresse die letzten Monate soviel neues Geld erzeugt zu haben, dass man wohl alle verbliebenen Wälder hätte abholzen müssen, um die Dollar-Scheine drucken zu können, die hinter dieser Geldmenge stehen. Gut, dass es die elektronische Notenpresse gibt.

Das Signal ist klar: Die Riege der Monetaristen um Tim Geithner und Larry Summers (dahinter steckt deren Mentor Robert Rubin) sowie Ben Bernanke muss noch nicht abtreten. Mit ihrer Politik der negativen Realzinsen seit Mitte der 90er-Jahre haben sie das eigentlich schon bankrotte Dollar-System bislang für fast 15 Jahre am Leben erhalten können. Wie sich die Bundesrepublik Deutschland an der Integration der DDR verschluckt hat, so ging es dem Dollar-Hegemonismus mit dem Aufsaugen des zerfallenden Ostblocks. Auch hier dachte man, den Preis aus der Porto-Kasse bezahlen zu können.

Das Problem: Riesige Geld-Mengen wurden in den Osten gepumpt und werden wohl nie wieder zurückkommen --- ein monetäres Stalingrad. Die Sparer, Pensionäre und Investoren im Westen haben ihr Geld bereits jetzt schon verloren. Die negativen Realzinsen wurden ermöglicht mit Hilfe der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Larry Summers. Nämlich dadurch, dass man den Goldpreis künstlich drückt. Der Öffentlichkeit wurde ein Schein von positiven Realzinsen durch manipulierte Teuerungsraten (CPI) gelassen. Die trotzdem langsam schwindende Kaufkraft der Verbraucher wurde durch eine beispielslose Blasen-Politik des Monetarismus ausgeglichen. Die Leute fühlten sich durch steigende Aktien- und Immobilien-Preise reich und konsumierten fleißig nun auf Kredit weiter. Die negativen Realzinsen feuerten auch bei den professionellen Investoren diese Blasen-Bildung an, da das Geld in anderen Anlageformen langsam seinen Wert verlor.

Die Folge: Eine ausufernde Finanz-Wirtschaft, die Geldmengen umsetzt, die nur noch zu einem Bruchteil mit Aktivitäten der Realwirtschaft in Zusammenhang steht. Und eine beispielslose Deindustrialisierung, die sich auch in der Aushöhlung bekannter Marken wie HP (hergestellt und entwickelt im Wesentlichen in Asien) fortsetzt.

Was macht eigentlich Paul Volcker, Vorsitzender des von Obama ernannten President's Economic Recovery Advisory Board (PERAB) ? Volcker ist wohl der letzte Nicht-Monetarist innerhalb der Obama-Administration mit wirtschaftspolitischen Sachverstand. Die Deindustrialisierung der USA schien sich mit der Pleite von zwei der drei großen Autokonzerne fortzusetzen. Nun scheint sich GM aber schon so stabilisiert zu haben, dass man plötzlich OPEL wieder heim ins Reich holen möchte. Steckt hierhinter der Versuch von Volcker, hinter den Rücken der Monetaristen an der Wall Street und seiner eigenen Administration, die marode Industrie mit anderen Methoden als neuen Schulden wiederaufzubauen ?

Genug Arbeitskräfte hätten die USA ja dazu. Die Beschäftigten bei Fast Food Ketten, die Angestellte der Konsumtempel oder die zahllosen anderen Mitarbeiter in Dienstleistungs-Berufen können genauso gut wieder in der Industrie arbeiten, wie sie es vor zwanzig oder dreißig Jahren getan haben. Dazu müsste man allerdings die US-Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig gegenüber den Staaten in Europa und insbesondere Asien machen.

Hinweise auf dieses Vorgehen wären Initiativen wie buy american, Strafzölle für Importe und auch eine massive Dollar-Abwertung. Wobei die Dollar-Abwertung das Risiko trägt, dass der Gold-Preis außer Kontrolle gerät. Die anderen Staaten würden wiederum ihre Währungen abwerten um damit ihre Exporte in die USA stützen zu wollen. Sie kaufen Dollars in großer Menge auf.

Nun fehlt nur noch der Schritt, den ich in meinem Bericht vom 21. August beschrieben habe: Die plötzliche massive Abwertung des Dollars gegen Gold mit einem staatlichen Ankaufsversprechen für die privaten Gold-Besitzer. Dieser Schritt würde große Mengen Gold, auch aus dem Ausland, in die Hand der FED / Treasury spülen. Das US-System hätte sich innerlich stabilisiert, während an den internationalen Währungsmärkten wohl ein Chaos ausbrechen könnte.

Mit der Wiederherstellung des US-Dollars als Binnenwährung würde auch der Welthandel zum Stillstand kommen und die USA könnten sich auf ihre Rolle als Lokal-Markt konzentrieren. Welthandel würde wohl wieder in harter Währung, sprich Gold abgewickelt. Oder Barter-Handel, Waffen und GM-Schlitten Made in USA gegen Öl und andere Rohstoffe. Die Chinesen und Japaner können sich mit ihren Dollars dann nur noch Produkte Made in USA einkaufen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Gold startete den heutigen Tag mit positivem Vorzeichen in Asien. Im Londoner Handel setzte sich am Vormittag diese positive Tendenz fort und Gold kratzte an der Marke von $950. Der A.M. Fix kam mit $949,50 (EUR 663,29) in etwa auf diesem Niveau zustande. Im 24-Stundenvergleich konnte Gold somit leicht um $2 zulegen.

Das Gold-Kartell hat die beiden letzten Handelstage den Preis im COMEX-Handel drücken können. Mit diesen taktischen Maßnahmen kann man zwar kurzfristig den Preis unter Kontrolle halten. Aber man muss Signale im physischen Handel setzen, um eine solche Preisdrückung auch mit physischem Material abzusichern. Der A.M. Fix signalisierte, dass das zum Vormittag zumindestens nicht gelungen war.

Zum Nachmittags-Handel verfiel der Gold-Preis dann wieder durch die die letzten Tage bekannten Spielchen der Manipulatoren. Nach Beginn des Handels an der COMEX konnte Gold dann wieder in Richtung $950 zulegen, scheiterte aber erneut an dieser Marke. Eine halbe Stunde vor dem entscheidenden zweiten Preis-Fixing in London sackte der Gold-Preis plötzlich um $5 ab. Damit war klar: Das Gold-Kartell hat ausreichend physischen Supply in Form von 400oz-Barren in den Londoner Markt geworfen. Der P.M. Fix mit $940,50 (EUR 661,02) bestätigt dies. Die Menge war so groß, um damit im Vergleich zum gestrigen P.M. Fix einen Einbruch um $10 zu bewerkstelligen.

Das Gold-Kartell ist im New Yorker Futures-Handel auch nichts anderes als ein Händler. Nachdem dieser Händler nun zwei Tage lang neue Short-Positionen eingegangen ist, versuchen die Händler nach dem in Londoner Handel gedrückten Preis nun ihre Positionen billig zurückzukaufen. Der erwirtschafte Gewinn landet dann wohl zum Teil als Boni bei den Händlern von JP Morgan, HSBC und Deutsche Bank. Auch das konnten wir heute beobachten, denn kurz nach dem P.M. Fix stieg Gold wieder um einige Dollar an.

Es sind diese in immer kürzeren und stetigeren Aktionen ausufernden Drückungs-Maßnahmen, die die Gold-Investoren auf der Welt in Verzweiflung treiben. Besonders schlimm erwischt es dabei immer die Gold-Minenaktien, deren Aktien-Kurse wie ein Hebel auf den Goldpreis wirken. Der derzeitige Nachteil dieser Titel: Gold müsste bei mindestens $1.000 stehen, damit diese Produzenten rentabel arbeiten können.

Dieses Spiel hat aber zwei Grenzen: Die erste ist die noch für die Drückungs-Maßnahmen zur Verfügung stehende Gold-Menge aus den Kellern der Zentralbanken. Oder anderen Depots (z.B. ETFs), aus denen sich das Kartell gesetzeswidrig bedient. Die steigenden Kosten der Minen-Unternehmen verzögern zweitens notwendige Investitionen in den Ausbau neuer Produktions-Stätten, die durch die Erschöpfung der Vorräte in den alten Minen notwendig wird. Oder die Firmen müssen bankrott anmelden und können nicht mehr fördern. Das führt zu einem Einbruch des Angebots auf dem Gold-Markt und das Kartell muss immer mehr der o.g. Vorräte ausschöpfen, um eine Preis-Explosion beim Gold zu verhindern.

Die Frage ist dann natürlich: Wann sind diese Vorräte erschöpft ? Mit einer Mauer der Verschwiegenheit und gezielten Lügen über die wirkliche Gold-Nachfrage und das wirkliche Gold-Angebot soll der Eindruck erweckt werden, dass die bisherigen Maßnahmen noch für eine längere Zeit aufrechterhalten werden können. Würde man die Wahrheit erzählen, dann hätte man sicherlich innerhalb kürzester Zeit ein Dutzend von Hedge-Fonds als ebenbürtige Gegner, die solange physisches Gold aufkaufen würden, bis die Lager erschöpft sind.

Das Kartell hat wohl heute kräftig Positionen zurückkaufen können. Die COMEX schloss auf einen Stand von $944,80: Praktisch auf dem gestrigen Schluss-Stand.

Morgen steht noch die Versteigerung der 7-jährigen Treasury Notes über $28 Mrd an. Dann dürfte die Nervosität der Markt-Manipulatoren wieder verfliegen. Ein gesundes Leben führen die derzeit sicherlich nicht. Mit ihrer heutigen Arbeit können sie aber ganz zufrieden sein: Der USDX ist auf 78,7 gestiegen und die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen auf 3,4 Prozent gefallen. Der von mir ermittelte Quotient aus USDX und den Renditen ist heute auf 23,1 (Dienstag: 22,4) gestiegen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$949,50
(€663,29)

$947,50
(€662,77)

+ $2,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$940,50
(€661,02)

$950,50
(€662,32)

- $10,00

COMEX Schlusskurs

$944,80

$944,40

+ $0,40

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

78,7

78,3

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,5 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

23,1

22,4

+ 0,7

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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