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Bericht für den 14.
September 2009 Gesamtwirtschaftliches
Umfeld Der Goldpreis-Anstieg der letzten
Tage wirft erneut die Frage auf, wie viel physisches Gold überhaupt für die
Investoren zur Verfügung steht. Wir wissen, dass nur für einen kleinen Teil des
Geldes, das in Gold investiert wird, Bullion-Münzen
oder Barren gekauft werden. Der Rest fließt in Gold-Sparpläne, Future-Kontrakte, Gold-Konten, Gold-Zertifikate, ETFs und andere Finanz-Instrumente. Großinvestoren
wie Lebensversicherungen und Pensions-Fonds dürfen in Deutschland grundsätzlich
ihre Kunden-Gelder nicht in Gold anlegen. Noch nicht einmal in Papier-Gold. Mit
dem Geld der Kunden werden lieber Staatsanleihen und zum Teil Aktien gekauft.
Auch auf dem Höhepunkt der Krise war so sichergestellt, dass in diese Märkte
weiterhin massiv Investoren-Gelder gespült wurden. In
den U.S.A. sieht die Situation anders aus: In Gold ETFs
dürfen diese Investoren ihr Geld anlegen. Oder in Hedge-Fonds,
und diese können praktisch in alle Anlageformen investieren. Aber seit der
Pleite von Lehman Brothers im letzten Herbst wurde für jeden sichtbar, dass
Zertifikate und andere Schuldverschreibungen einer Bank nur solange einen Wert
haben, wie die Bank zahlungsfähig bleibt. Bricht die Bank zusammen, dann
verfallen die Werte dieser Zertifikate meistens auf Null oder einem Wert nahe
Null. Wie
in anderen Bereichen des Finanz-Sektors gibt es auch im Bereich Gold eine inverse Pyramide. Die Spitze der Pyramide steht auf dem
Kopf und trägt dabei die darüber liegenden Schichten. An
der Spitze der Gold-Pyramide steht die verfügbare Menge an physischem Gold.
Weltweit wurden bislang knapp 160.000 Tonnen Gold geschürft und es ist zu
erwarten, dass ein Großteil dieses Goldes noch vorhanden ist. Aber nur ein
kleiner Teil dieser Gold-Menge bildet die Spitze der Gold-Pyramide. An
zweiter Stelle stehen Future-Kontrakte und Optionen
z.B. an der New Yorker COMEX. An
dritter Stelle stehen andere Derivate-Geschäfte auf
Gold, die nicht an den offiziellen Märkten gehandelt werden, sondern an nichtregulierten Schattenmärkten (Over-the-Counter). An
letzter Stelle steht die Palette der Gold-Konten, Zertifikate und anderen
Anlage-Formen, bei denen Investoren denken, dass sie ihr Geld in echtes Gold
anlegen. Schauen
wir uns im Einzelnen die unterschiedlichen Schichten der Gold-Pyramide einmal
an. Innerhalb
einer Woche haben die Commercials nach dem COT (CFTC Commitment of Traders) Report für
den 8. September ihre Short-Positionen an der COMEX um 56.777 Kontrakte auf
355.639 Kontrakte ausgebaut. Das entspricht einer Menge von 177 Tonnen Gold.
Auf der anderen Seite hat sich der Gold-Bestand der Commercials
in den Lagerhäusern der COMEX quasi nicht verändert: In der Kategorie Registered befinden sich Gold-Bestände zu Erfüllung einer
Lieferverpflichtung für 21.623 Kontrakte. Wenn
man bedenkt, dass die größten 8 Commercials eine
netto Short Position (d.h. ihre entsprechenden Long-Positionen sind mit ihren
Short-Positionen bereits saldiert) von 241.215 Kontrakte halten, dann beträgt
das Verhältnis von Papier-Gold zu realem Gold 1-zu-11. Und hierbei sei bereits
großzügig angenommen, dass das gesamte Gold der Kategorie Registered
wirklich diesen 8 Commercials gehöre. Hinzu
kommen laut einem Bericht des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) für das 1. Quartal 2009 Derivate-Geschäfte
der Top 5 U.S.-Geschäftsbanken i.H.v. $117 Mrd. Auf
Basis des zum 31. März 2009 geltenden Gold-Preises von $920 entspricht das
einer Gold-Menge von knapp 4.000 Tonnen. Allein JP Morgan Chase hält dabei
Kontrakte von knapp $93 Mrd, gefolgt von HSBC mit
$19,5 Mrd. Laut
einer Veröffentlichung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) in
Basel waren für Dezember 2008 Over-the-Counter (OTC)
Derivate auf Gold über $395 Mrd ausstehend. Ende
Dezember 2008 betrug der Gold-Preis $860. Das Derivate-Volumen
entspricht also einer Gold-Menge von knapp 14.300 Tonnen. Neben JP Morgan und
HSBC tummeln sich wohl auch andere große, nicht-U.S.
Geschäftsbanken in dem Markt für Gold-Derivate. Ein großer Player
dort ist die Deutsche Bank. Gold-Analyst
Adrian Douglas schätzt in seinem Bericht vom 12. September, dass für jede Unze
physischen Goldes zwischen 20 und 30 Unzen Papier-Gold im Umlauf sind. Diese
Zahl erscheint mir nicht unrealistisch. Ein Großteil des physisch vorhandenen
Goldes liegt in Form von Schmuck vor. Das Gold, das Privat-Investoren in Form
von Barren und Münzen horten, ist für den Markt auch nicht verfügbar. Es
verbleiben vielleicht 10.000 Tonnen, aus denen dann das Finanz-System weltweit
Papiergold von 200.000 Tonnen generiert hat. Die Zahlen der COMEX, des OCC und
der BIS erfassen lediglich Derivate auf Gold, mit denen bestimmte
Papiergold-Geschäfte abgesichert werden sollen. Die Zahlen sagen nichts darüber
aus, wie viele zehntausende von Tonnen Gold als Gold-Konten bei den großen
Banken in der Bilanz stehen. Diese großen Banken sind teilweise gleichzeitig
Mitglieder des Gold-Kartells: Wenn sie überhaupt noch physisches Gold zur
teilweisen Deckung der Gold-Konten ihrer Kunden haben, dann dürften sie das
inzwischen in London zur Aufrechterhaltung der Gold-Drückung verkauft haben. Bei
einem Run auf die Gold-Konten werden dann wohl lediglich die ersten 5 Prozent
der Kunden ihr Gold auch physisch ausbezahlt bekommen. Die restlichen 95
Prozent müssen sich dann wohl mit einer Abfindung in Form von Papier-Geld
zufrieden geben. Um diese Banken zu retten, werden die Notenbanken das für die
Auszahlung der Gold-Konten notwendige Papier-Geld (wieder einmal) frisch
drucken. Dass sie das können, wissen wir ja bereits. Aktuelle
Entwicklung an den Gold-Märkten Auch
heute kehrte an den Gold-Märkten keine Ruhe ein. Zu groß ist der Druck der U.S.
Regierung und der FED auf die in ihrem Auftrag operierenden Gold-Kartell
Banken, Gold wieder unter die Marke von $1.000 zu drücken. Im
asiatischen Markt stand Gold dann auch relativ früh unter Beschuss. Die Marke
von $1.000 wurde aber erst um 8:00 Uhr MEZ, d.h. zu einem Zeitpunkt, an dem die
asiatischen Märkte bereits geschlossen waren und der Londoner Markt noch nicht
seinen Handel aufgenommen hat, nach unten durchbrochen. Mit
Beginn des Handels in London konnte Gold die Marke von $1.000 wieder erobern,
brach dann im Laufe des Vormittags-Handels auf $995 ein. Dieses Handelsmuster
kennen wir bereits: Zum A.M. Fix wurde eine größere Menge 400oz-Barren durch
das Kartell in den Londoner Markt eingeschleust. Der A.M. Fix kam schließlich
auf diesem Niveau mit $994,25 (EUR 684,22) zustande. Gegenüber dem letzten A.M.
Fix am Freitag musste Gold $4 abgeben. Im
Nachmittags-Handel konnte sich Gold aber wieder an die Marke von $1.000
heranarbeiten. Mit Beginn des Handels an der COMEX konnte Gold erneut die Marke
von $1.000 zurückerobern. Dem folgte ein weiterer Einbruch auf bis zu $997,
worauf Gold dann wieder über $1.000 anstieg. Der P.M. Fix kam trotzdem mit
$995,25 (EUR 683,67) knapp unterhalb der Marke von $1.000 zustande. Im
Vergleich zum Freitag hat Gold $9 abgeben müssen. Dieses
Niveau konnte auch bis zum Ende des Handels an der COMEX gehalten werden:
$999,40. Das
Kartell hat heute seine Order, Gold unter $1.000 zu halten knapp erfüllt. Der
USDX hat sich heute nicht verändert und steht weiterhin bei 76,7. Die Renditen
der 10-jährigen Treasuries sind heute auf 3,4 Prozent
gefallen (Freitag: 3,3 Prozent). Der Quotient aus dem USDX und den Renditen ist
um 0,6 Punkte auf 22,6 gesunken. Der
am Freitag Abend veröffentlichte CFTC Commitment of Traders Report für
den 8. September (Dienstag) zeigt eine massive Ausweitung der Positionen der Non-Commercial Longs als auch der
Commercial Shorts an. Innerhalb einer Woche ist die Anzahl der offenen
Kontrakte an der COMEX um 67.010 Positionen auf 451.713 hochgeschnellt. Dabei
haben die eher spekulativ operierenden Non-Commercials
ihre Long-Positionen um 44.909 Positionen auf nunmehr 251.708 Kontrakte
ausgeweitet. Auf der anderen Seite haben die dem Gold-Kartell zuzurechnenden
(großen) Commercials ihre Short-Positionen um 56.777
auf nunmehr 355.639 Kontrakte ausgeweitet. Die 8 größten Commercials
sind z.Zt. mit 241.215 Kontrakten netto Short. Die
restlichen Commercials sind dagegen lediglich mit
29.582 Kontrakten netto Short (Commercials Short ./. Commercials Long ./.
netto Short Kontrakte der 8 größten Commercials). Wir
haben letzte Woche miterleben dürfen, welche Entscheidungs-Schlacht um die
Marke von Gold $1.000 ausgefochten wurde. In der Vergangenheit konnten sich bei
einer ähnlichen Konstellation fast immer die Gold-Kartell Banken durchsetzen,
die mit Hilfe eines ausgelösten Preis-Rutsches bei Gold die Non-Commercials
zum Verkauf ihrer Long-Positionen gezwungen haben. Einer solchen Drückung ging ein massive Unterstützung im Londoner Handel voraus. Wichtige Marktdaten
im Überblick
Über Ziemanns
Gold News Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden
seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. © Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009 |
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