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Bericht für den 15.
September 2009 Gesamtwirtschaftliches
Umfeld Der Erreger lebt weiter titelte der SPIEGEL seine dieswöchige
Titelgeschichte über den Zustand des Finanzsystems ein Jahr nach dem
Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers. Laut
SPIEGEL wurde die Krise bisher nur verlangsamt, nicht gestoppt: Der Krankheitserreger steckt weiter im System. Die
staatlichen Hilfsgelder wirken wie Antibiotika. Sie unterdrücken die
zerstörerische Wirkung des Erregers. Aber sie heilen nicht. Wie
sollen auch genau diejenigen Maßnahmen, die uns in die Krise hereingeführt
haben, uns ausgerechnet wieder aus der Krise herausführen. Wer die Wirtschaft
und die Verbraucher erst mit billigem Geld überhäuft und in die
Verschuldungs-Falle lockt, kann nicht mit noch mehr, noch billigerem Geld und einer
noch höheren Verschuldung erwarten, die grundlegenden Probleme in den Griff zu
bekommen. Mir
erscheint vor diesem Hintergrund der Vergleich mit einem Drogensüchtigen
passender. Man hat den Bürger mit Lebensstandard auf Pump abhängig gemacht.
Dazu braucht man den Stoff, den man als billiges Geld dem Süchtigen über den
Verteilungs-Apparat der Finanz-Industrie zukommen lässt. Die Situation des
Drogensüchtigen wird jedoch von Tag zu Tag schlimmer. Anstatt ihn auf Entzug zu
setzen, wird die Dosis weiter verstärkt. Bis der Süchtige verreckt. Die
Drogen-Bosse sitzen in den Hochhäusern der Wall Street. Sie waschen ihre Hände
in Unschuld und leben in Saus und Braus. Die Regierung könnte ihnen gefährlich
werden, da sie sich um die Gesundheit ihrer Bürger Sorgen macht. Aber die
Drogen-Bosse haben mit ihrem Geld den Regierungs-Apparat unterwandert und
machen trotz steigender Drogen-Toter so weiter wie
bisher. Schert ein Mitglied dieses Kartells aus, dann wird es liquidiert. So
nimmt die Konzentration an der Spitze immer weiter zu. Der
Ökonom und Nobel-Preisträger Joseph Stiglitz warnte
vor kurzem, dass die Banken-Probleme jetzt sogar noch größer seien als kurz vor
der Pleite von Lehman Brothers. Die sogenannten too-big-to-fail Banken wurden nicht geschrumpft, sondern
sind in den letzten 12 Monaten noch viel größer geworden. Nach Stiglitz haben die U.S.A. versagt, die dem Bankensystem
zugrunde liegenden Probleme zu lösen. Die Tendenz zur Bildung eines
allmächtigen Banken-Oligopols schreitet also weiter voran. Der
SPIEGEL beschreibt die Situation der Banken wie folgt: Nach IWF-Berechnungen haben die Banken erst rund ein Drittel
der wertlos gewordenen Werte aus den Bilanzen entfernt. Das Kursfeuerwerk an
den Börsen beruht damit zum Teil auf Phantasiewerten. Die Regierung unterstützt
die Bilanz-Retusche. Die Finanzaufseher verzichten derzeit darauf, die gültigen
Bilanzierungs-Regeln zu vollziehen. Vor allem die Auflage, möglichst alle
Wertpapiere in der Bilanz mit aktuellen Marktpreisen zu bewerten, wurde
stillschweigend suspendiert. Denn die Preissenkungen durch die Krise führten in
den ersten Monaten nach der Lehman-Pleite zu immer weiteren Wertberichtigungen
in den Bilanzen, die ihrerseits weitere Verkäufe von Wertpapieren nach sich
zogen. Diese Todesspirale gefährdet immer mehr Banken. Erst als die
Bilanzregeln de facto ausgesetzt wurden, entstand eine Art Stabilität; wenn
auch eine trügerische. Zombie-Banken nennt man solche Kredit-Institute, die eigentlich schon pleite wären,
weil die Summe der zu Marktpreisen bewerteten Vermögensgegenstände kleiner wäre
als deren Verbindlichkeiten. Die Kunden als Gläubiger der Zombie-Banken werden
in dem falschen Glauben gelassen, dass ihre Einlagen sicher seien. In
Wirklichkeit ist ein Großteil ihrer Einlagen mit dem Wert der
Vermögensgegenstände der Bank mitgeschrumpft. Man hat es den Kunden bloß noch
nicht mitgeteilt. Wollen
Kunden dennoch ihre Guthaben abziehen, dann werden auftretende
Liquiditäts-Lücken der Zombie-Banken mit druckfrischem Geld der Zentralbank
zugespachtelt. Und für die ganz schlimmen Vermögensgegenstände bietet die
Notenbank auch eine Lösung an: Diese werden nahe ihres Nennwertes angekauft
(die EZB macht dies z.B. für verbriefte spanische Hypotheken) oder Notenbank
und Zombie-Banken tauschen ihre Vermögensgegenstände untereinander (SOMA-Programm der FED): Die Bank gibt ihre wertlosen
Anlagen im Tausch für Staatsanleihen der Notenbank. Mit Staatsanleihen in der
Bilanz sieht die Welt für die Banken dann wieder rosig aus. Bis irgendwann
einmal in der Zukunft die Anlagen wieder fällig werden: Spätestens dann wird
sich herausstellen, wie groß der Unterschied zwischen Nennwert und Marktwert
wirklich ist. Aber
es geht ja nur um die Rettung jetzt und heute. Wer denkt in der derzeitigen
Krise schon Jahre in die Zukunft. Warum
will man nicht die Lehren aus dieser Entwicklung ziehen: Weil die U.S.A. und
Großbritannien nicht von ihrer aufgeblähten Finanzindustrie ablassen wollen. Im
Jahr 2008 war der US-Finanzsektor für rund 40 Prozent der amerikanischen
Unternehmensgewinne verantwortlich. Der Finanzsektor in Großbritannien
beschäftigt 6,5 Millionen und erwirtschaftet mehr als 10 Prozent des
Bruttoinlands-Produktes. Von dem Einkommen der Banker an der Wall Street und
Londoner City lebt ein Großteil der Service Industrie. Seien es nun
Restaurants, Fluggesellschaften oder auch die Premium Auto-Hersteller. Diese
beiden Länder haben praktisch keine Alternative mehr, als so weiter zu machen
wie bisher. Ein
weiterer fieser Erreger scheint sich mit dem Handels-Streit zwischen China und
den Vereinigten Staaten auszubreiten: China verärgert die U.S.A., weil es seine
Bürger zum Kauf von Gold und Silber aufruft. Und gleichzeitig die Aktionen des
Gold-Kartells behindert. Dafür wurden Sonderzölle auf chinesische Reifen
erhoben. Nun beschwert sich wiederum China, dass die Vereinigten Staaten beim
Export von Autos und Hähnchen-Produkten unfaire Handelmaßnahmen einsetzen. Maßnahme und Gegenmaßnahme sind das
perfekte Milieu, in dem sich dieser Erreger explosionsartig vermehrt. Dabei
sollten die Politiker eigentlich wissen, dass Protektionismus zu Zeiten einer
scharfen Rezession die Weltwirtschaft endgültig in die Depression abgleiten
lassen wird. Die Erfahrung der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts sollten
nicht vergessen sein. Der nächste Krisen-Schub is already baked into the cake. Aktuelle
Entwicklung an den Gold-Märkten Gestern
war ein Tag der Symbolik: Der Londoner P.M. Fix kam mit $999,25 zustande, die
COMEX schloss mit $999,40 und die letzte Notierung im New Yorker Access Handel
betrug $999,60. Im
frühen asiatischen Handel stieg Gold heute Vormittag wieder auf über $1.000 an,
konnte diese Marke aber erneut nicht halten. Im frühen Londoner Handel hielt
sich Gold wenige Dollar unterhalb der Marke von $1.000. Der A.M. Fix kam mit
$997,50 (EUR 683,59) auf diesem Niveau zustande. Im Vergleich zum Montag konnte
Gold auf 24-Stundenbasis $3 zulegen. Mit
Beginn des Handels an der COMEX versucht Gold erneut, die Marke von $1.000 zu
überschreiten. Dieser Versuch scheiterte jedoch und Gold wurde in der Folge bis
auf $992 gedrückt. Diese plumpe Aktion des Gold-Kartells scheiterte jedoch. Der
sich nahende P.M. Fix ließ Gold dann aber wieder leicht sinken. Zum P.M. Fix
stand Gold dann bei $996,00 (EUR 682,89): Drei Dollar niedriger als zum
gestrigen P.M. Fix. Der Producer Price Index (PPI) stieg wegen der Energie-Kosten
überraschend stark um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat (m/m) an. Erwartet
hatten die Analysten lediglich einen Anstieg von 0,8 Prozent. Rechnet man
diesen Anstieg auf das Jahr um, dann beträgt der Anstieg mehr als 20 Prozent.
Daraus kann man zwar noch nicht auf eine sich beschleunigende Teuerung von
Waren und Dienstleistungen schließen. Aber dieser Anstieg der Preise für
Vor-Produkte (wholesale) wird sich wohl in den
Preisen für die Endkunden (retail) niederschlagen.
Insbesondere bei Energie, wo der Anteil der Preise der Vor-Produkte an dem
Endkunden-Preis sehr hoch ist. Das
war dann wohl ein Grund, warum sich Gold nach Schluss des Handels in London
wieder oberhalb der Marke von $1.000 befestigen konnte. Die COMEX beschloss den
heutigen Handel mit $1.004,40 signifikant oberhalb der Marke von $1.000. Im
Access Handel konnte Gold dann bis auf $1.010 ansteigen. An dieser Stelle war
dann aber Schluss. Der
US-Dollar blieb heute zwar stabil bei 76,6. Dafür stiegen aber die Renditen der
10-jährigen Treasuries auf 3,5 Prozent an. Der
Quotient aus beiden Werten ist heute auf 21,9 (Montag: 22,6) gesunken. Wichtige Marktdaten
im Überblick
Über Ziemanns
Gold News Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden
seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. © Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009 |
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