Bericht für den 16. September 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

 

Der heutige Bericht widmet sich aus gegebenen Anlass voll und ganz dem Geschehen an den Gold-Märkten.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Gold konnte sich im gestrigen Access Handel entgegen dem üblichen Trend weiter befestigen. Kurz nach Ende des Handels an der COMEX setzte Gold zu einem Sprung auf die Marke von $1.010 an. Dieses Niveau konnte bis zum Ende des Handels in New York zwar nicht verteidigt werden. Der Schlusskurs kam mit $1.007,20 trotzdem um wenige Dollar stärker zustande als der COMEX-Schlusskurs.

Im asiatischen Markt heute früh konnte Gold dieses Niveau halten. Erst im vorbörslichen Londoner Handel stieg Gold plötzlich schnell an und überwand die Marken von $1.010 und $1.015. Diese Preis-Marken konnten im Londoner Vormittags-Handel bestätigt werden. Zum A.M. Fix stand Gold bereits bei $1.017,00 (EUR 691,74). Ein Plus von $20 auf 24-Stundenbasis. Das ist der zweithöchste Gold-Preis, der jemals an der LBMA fixiert wurde.

Um 5:55 Uhr EST (Eastern Time), d.h. 11:55 Uhr MEZ konnte Gold kurzzeitig die Marke von $1.020 überwinden.

Verfolgt man die letzten Tage die Presse zu Gold, dann herrscht dort eigentlich Stillschweigen. Und wenn über Gold geschrieben wird, dann mit einem negativen Unterton. Die bekannten Gold-Kommentatoren und Analysten raten zum Verkauf der Gold-Positionen. Die Stimmung ist negativ und Viele glauben, dass Gold die Marke von $1.000 wie schon zweimal zuvor nicht halten kann. Dabei wird insbesondere auf den starken Anstieg der Long-Positionen der eher spekulativ orientierten Non-Commercials an der New Yorker COMEX verwiesen. Auf der anderen Seite haben die dem Gold-Kartell zuzurechnenden großen Commercials ihre Short-Positionen in noch viel stärkerem Maße hochgefahren. Sollte diese Gruppe, die von den Gold-Kommentatoren als das Smart Money bezeichnet wird, gezwungen werden, ihre Positionen aufzulösen, dann steht einer Explosion des Gold-Preises nichts mehr im Wege. Solche Situationen, die als Commercial Signal Failure bezeichnet werden, kommen sehr selten vor. Zu stark sind die Gold-Kartell Banken, da diese gedeckt durch die FED quasi über unbegrenzte Papiergeld-Mittel verfügen. Aber auch dieser Feind ist besiegbar: Das letzte solche Ereignis liegt allerdings bereits 4 Jahre zurück.

Aber wenn es eintritt, dann ist der Anstieg bemerkenswert. Im Herbst 2005 brach Gold bei $430 aus und konnte im Frühjahr 2006 die Marke von $730 erreichen. Innerhalb von 6 Monaten konnte der Gold-Preis um 70 Prozent zulegen.

Zurück zu dem negativen Sentiment zu Gold. Händler berichten, dass ihre Kunden zur Zeit verstärkt verkaufen. Viele trauen der Entwicklung nicht und wollen lieber Kasse machen. Zu groß ist wohl der Frust darüber, dass Gold trotz des beinahe Zusammenbruchs des Papiergeld-Systems so schlecht performed. Oder man braucht dringend Geld für den Konsum.

Doch die Realität sieht anders aus. Nach Insider-Informationen werden Gold-Barren (insbesondere 1kg-Barren) bereits wieder knapp. Das deutet darauf hin, dass große Vermögen (Big Money) ihr Geld in Gold umschichten.

Die nach außen getragene negative Stimmung in Verbindung mit massiven Gold-Mangel im Wholesale Markt deutet auf einen massiven Ausbruch des Gold-Preises hin. Gold wurde weder durch einen Hype noch durch Panik über die Marke von $1.000 getragen. Sondern bestimmte Gruppen von Investoren wollen das Metall jetzt.

Dabei muss Gold auch nicht eine weitere Deflations-Welle fürchten, die auf uns zurollen könnte. Geldmengen-Indikatoren deuten auf eine Kontraktion des Geldmengen-Aggregats M3 hin. Bei gleichzeitig massiver Ausweitung von M1 (Bargeld und Sichteinlagen). Kreditgeld kontrahiert, während das Eigenkapital-Geld stark anwächst. Schon im letzten Herbst hat sich Gold als das einzige deflationsstabile Edelmetall behauptet. Öl, Kupfer, Silber, Platin, Palladium und Andere wurden seinerzeit regelrecht geschlachtet.

Dass der Goldpreis bei einer weiteren expansiven Geld-Politik zulegen wird, steht wohl außer Frage. Aber die Investoren lassen sich derzeit noch in die völlig überbewerteten Aktien-Märkte treiben. Platzt hier die Blase, dann werden die Investoren, die noch mit einem Blauen Auge davongekommen sind, ihr Geld in Sicherheit umschichten. Ob das wieder Staatsanleihen sein werden, ist bei dem weiterhin vorherrschenden negativen (Real)Zins-Niveau diesmal nicht zu erwarten.

Zurück zum heutigen Geschehen. Am Nachmittag verharrte Gold innerhalb des Korridors von $1.015 bis $1.020 und ging mit ca $1.015 in den Handel an der COMEX. Innerhalb der ersten Handelsstunde stieg Gold dann erneut über die Marke von $1.020: Bei $1.022 war dann aber erst einmal Schluss. Der nahende P.M. Fix ließ Gold wieder in Richtung $1.015 verfallen. Zum P.M. Fix stand Gold dann bei $1.015,75 (EUR 692,45) und hat damit den bisherigen historischen Höchststand vom 17. März 2008 bei $1.011,25 einholen können. Im Tagesvergleich konnte Gold zum P.M. Fix $20 zulegen.

Die Widerstandslinie von $1.020 hielt heute zwei Mal stand. Das Kartell verteidigt wohl nun die Marken von EUR 700, 50.000 Rupien und 7.000 Yuan.

Bis zum Ende des Handels an der COMEX kam es zu keinen signifikanten Preisverschiebungen mehr. Der Schlusskurs an der COMEX: $1.018,10.

Bei Goldman Sachs ist nach mir vorliegenden Informationen die Not groß: Die kaufen z.Zt. alle Derivate auf, mit denen sie Druck auf den Goldpreis ausüben können. Selbst wenn sie de facto für Gold Marktpreise oberhalb von $1.100 bezahlen müssen.

Nächste Woche ist das groß angekündigte Treffen der G20-Regierungschefs. Dort möchte man gerne das Ende der Rezession und Finanzkrise ausrufen. Aber die Widerstands-Front gegen das weiter so wird größer: China möchte gerne aus dem Dollar-System aussteigen. Russland akkumuliert sowieso schon seit geraumer Zeit Gold. Und die neue Regierung in Japan möchte nicht länger das monetäre Truppen-Übungsgelände für die Wunderwaffen des Monetarismus sein; Nebenwirkungen: Mega-Bubbles, langjährige Deflation, explodierende Staatsverschuldung und Zombie-Banken. Eigentlich sollten Deutschland und Frankreich am gleichen Strang ziehen: Aber das Verhältnis zwischen Angie und Sarko ist zerrüttet.

Nächste Woche haben wir auch noch am Dienstag und Mittwoch die Tagung des Offenmarkt-Ausschusses (FOMC) der FED.

Nächste Woche wird ein Benchmark dafür sein, ob die Gold-Schlacht für das Gold-Kartell wirklich verloren ist.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.017,00
(€691,74)

$997,50
(€683,59)

+ $19,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.015,75
(€692,45)

$996,00
(€682,89)

+ $19,75

COMEX Schlusskurs

$1.018,10

$1.004,40

+ $13,70

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,3

76,6

- 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

3,5 %

3,5 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,8

21,9

- 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009

Parse Time: 0.243s