Bericht für den 17. September 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

 

Der Londoner Telegraph sieht in Folge der Schrumpfung des Kredit-Geldes mit der Geschwindigkeit der Großen Depression einen neuen Abschwung auf uns zukommen: Both bank credit and the M3 money supply in the United States have been contracting at rates comparable to the onset of the Great Depression since early summer, raising fears of a double-dip recession in 2010 and a slide into debt-deflation.

Zitiert wird der Professor Tim Congdon vom International Monetary Research: US bank loans have fallen at an annual pace of almost 14pc in the three month to August (from $7,147bn to $6,886bn). Und danach wird diese Entwicklung wie folgt dramatisiert: There has been nothing like this in the USA since the 1930s – the rapid destruction of money balances is madness.

Gleichzeitig weist dieser Professor darauf hin, dass die Geldmenge M3 annualisiert um 5 Prozent fallen würde.

Seit Februar 2006 wird die Geldmenge M3 in den U.S.A. jedoch nicht mehr offiziell berichtet. Der letzte berichtete Wert im Februar 2006 weist M3 mit $10.276,1 Mrd aus. Davon waren $3.560,7 Mrd Elemente, die nicht der Geldmenge M2 (Anmerkung: M1 und M2 werden weiter berichtet) zuzurechnen waren.

Man kann durch Analyse des Wachstums der Geldmenge M2 überschlägig die Entwicklung der Geldmenge M3 abschätzen. Genauer ist hier ein Zugriff auf die Webseite von John Williams (www.shadowstats.com). Dabei hat er ermittelt, dass M3 Anfang des Jahres 2008 mit einer jährlichen Rate von 18 Prozent explodiert ist, während die Geldmenge M2 lediglich um 7 Prozent gewachsen ist. Das war die Zeit, wo die Kredit-Expansion noch im vollen Maße lief.

Schauen wir uns einmal die Entwicklung der Geldmenge M2 genauer an: Zum 15. Juni 2009 hatte sie mit $8.417,4 Mrd ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Am 31. August betrug M2 aber nur noch $8.254,9 Mrd. Das ist ein Rückgang von $162,5 Mrd innerhalb von 2 1/2 Monaten. Oder 1,93 Prozent. Und wenn ich für die folgenden 9 1/2 Monate eine lineare Fortsetzung dieser Entwicklung berücksichtige, beträgt der jährliche Rückgang von M2 fast 9,3 Prozent.

Rollt jetzt auf uns eine wirklich schwere Deflations-Welle zu ?

Schauen wir uns zu diesem Zweck die Geldmengen-Entwicklung im Euro-Raum an. Seit Anfang 2009 ist auch hier eine Verlangsamung der Geldmengen-Ausweitung zu beobachten. Während M3 in den ersten sechs Monaten des vorangegangenen Jahres um EUR 331,5 Mrd gewachsen ist, stagniert für die ersten sechs Monate diesen Jahres M3 mit einem Zuwachs von EUR 5,8 Mrd praktisch. Dafür ist die Geldmenge M1 (Bargeld und Sichteinlagen) in den ersten 6 Monaten um EUR 254 Mrd explodiert.

Eine Deflations-Welle kann ich aufgrund der Zahlen der EZB nicht erkennen. Eher eine Flucht der Anleger aus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit nebst Schuldverschreibungen in liquide Mittel.

Auch die Analyse der Geldvermögen und Verbindlichkeiten der deutschen Unternehmen im Vergleich Q3/2008 zu Q1/2009 gibt keine Hinweise auf eine deflationäre Entwicklung. Die Unternehmen haben zwar ihr Geldvermögen um EUR 260,1 Mrd und damit fast 10 Prozent innerhalb eines halben Jahres abgebaut. Dem stand aber ein Abbau der Schulden von EUR 191,1 Mrd gegenüber. Der Saldo von EUR 70 Mrd ist wohl im Wesentlichen den Verlusten der deutschen Unternehmen aus der Wirtschaftskrise geschuldet.

Die Gefahr einer weiteren Deflations-Welle sehe ich nicht. Die Kredit-Expansion in den Jahren 2007/2008 war in den USA so gewaltig, dass ein zeitweiser und moderater Rückgang der Geldmenge keine erneute Gefahr für das System darstellt. Die fehlende Kredit-Geldmenge wird nämlich durch die Ausgaben-Explosion der Staatshaushalte mehr als kompensiert.

Insoweit ist die Gefahr, die von der Inflations-Politik der Regierungen und Notenbanken ausgeht, viel höher einzuschätzen als ein angebliches Deflations-Potential. Der Telegraph war schon die letzten 12 Monate ein starker Verfechter der Politik des grenzenlosen Gelddruckens.

Sollte jedoch die Aktien-Blase platzen und ggf die Rohstoffe einbrechen, dann verschwindet das ganze künstlich geschaffene Kredit-Geld wieder. Ab diesem Zeitpunkt könnten wir uns dann wieder ernsthaft über Deflations-Gefahren unterhalten.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das Gold-Kartell scheint bei $1.020 seine neue Verteidigungs-Marke gefunden zu haben. Diese Marke wurde nicht nur gestern, sondern auch heute wieder erbittert verteidigt.

Dabei ist heute früh Gold noch im asiatischen Markt bis auf $1.025 angestiegen. Im Londoner Vormittags-Handel konnte sich Gold noch oberhalb der Marke von $1.020 halten. Der A.M. Fix kam mit $1.020,50 (EUR 692,01) zustande. Im Vergleich zu gestern konnte Gold knapp vier Dollar zulegen.

Kurz nach dem A.M. Fix ging die Drückung an den Papiergold-Märkten weiter. Gold schwankte dabei um die Marke von $1.015. Der P.M. Fix mit $1.018,50 (EUR 691,12) zeigte, dass die physische Nachfrage nach Gold weiterhin stark ist.

Im Anschluss nahm dann der Druck auf Gold zu. Während der verbleibenden Handels-Stunden an der COMEX wurde Gold um mehrere Dollar gedrückt. Der Schlusskurs von $1.011,90 markierte gleichzeitig den Tages-Tiefstand.

Der Druck, genau zum Schluss des Handels an der COMEX Gold unten zu haben, trägt eindeutig die Handschrift des Gold-Kartells. Bei den vielen offenen Positionen an der COMEX hätte man sonst auch erwarten können, dass eine Reihe von Longs nach den Anstiegen der letzten zwei Wochen erst einmal Kasse machen wollten. Aber im Access Handel stieg der Gold-Preis dann wieder.

Der Dollar kommt aus seiner komatösen Stimmung nicht so recht heraus. Mit einem Wert von 76,2 tendiert der USDX heute weitere 0,1 Punkte niedriger. Dafür sind die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes wieder auf 3,4 Prozent gefallen. Dadurch konnte der Quotient aus dem USDX und den Renditen auf 22,4 zulegen (Mittwoch: 21,8).

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.020,50
(€692,01)

$1.017,00
(€691,74)

+ $3,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.018,50
(€691,12)

$1.015,75
(€692,45)

+ $2,75

COMEX Schlusskurs

$1.011,90

$1.018,10

- $6,20

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,2

76,3

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,5 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

22,4

21,8

+ 0,6

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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