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Bericht für den 5.
Oktober 2009 Gesamtwirtschaftliches
Umfeld Staatliche
Hilfen für überschuldete Verbraucher, Anreize zum Konsum und das weltweite
Pumpen von mehreren zehntausenden von Milliarden US-Dollar in das
Banken-System. Was sind eigentlich die Gründe dafür. Und werden diese Maßnahmen
überhaupt helfen können, um das System wieder auf stabile Füße stellen zu
können. Der
Grund für die heutige Situation liegt in der Kreditvergabe-Praxis der Banken.
In der Vergangenheit hat man Kredite nur vergeben, wenn die zu erwartenden
Erlöse eine Rückzahlung in angemessener Zeit ermöglicht hätten. Als zusätzliche
Sicherheit konnte die Bank den auf Kredit gekauften Vermögens-Gegenstand veräußern. Heute
vergeben die Banken Kredite auf Basis der aktuellen Preise des zu kaufenden
Gegenstandes. Ob der Kredit überhaupt getilgt werden kann, steht nicht mehr im
Vordergrund. Ich
habe zur Verdeutlichung dieser Situation, die ich mit dem Titel Bubblemania
umschrieben habe, die zeitliche Entwicklung der Immobilie über einen Zeitraum
von 50 Jahren skizziert. Denn die Immobilien-Krise war der Ausgangs-Punkt der
heutigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die
Entwicklung des Immobilien-Sektors verlief die letzten 50 Jahre in folgenden,
zeitlich aufeinander folgenden Phasen. Die Zahlen dienen nur zur Orientierung. Phase
1: Haus nur gegen Geld A. Eigenkapital 100 Prozent B. Mietbelastung: wesentlich höher als was das Geld
angelegt auf der Bank bringen würde C. Vergabe-Kriterien: keine D. Preisentwicklung: egal E. Strategie im Alter: das Haus wird nicht als
Vermögens-Bestandteil gesehen F. Kaufpreis: $50.000 Nach
der Währungsreform und dem Zweiten Weltkrieg gab es für die Privat-Haushalte
zum Kauf von Immobilien praktisch keinen Kredit von der Bank. Kredit war
praktisch nur für die Wirtschaft zum Wiederaufbau der Infrastruktur verfügbar.
Wer sich eine Immobilie leisten wollte, musste das Objekt selber finanzieren. Phase
2: Haus auf Kredit --- Rückzahlung innerhalb von 10 Jahren A. Eigenkapital: größer 20 Prozent B. Mietbelastung: etwas größer oder gleich den Zinsbelastungen
auf Kredit C. Vergabe-Kriterien: Kreditbetrag = Nettojahres-Einkommen * 5 D. Preisentwicklung: Moderat steigend (leicht oberhalb der
Inflationsrate) --- Wiederverkauf ist zwar nicht das Ziel; man erwartet aber
höhere Mieten in der Zukunft und begründet damit die Investition in eine
Immobilie E. Strategie im Alter: kostenfrei Wohnen; ein Großteil des
Vermögens ist aber anders investiert F. Kaufpreis: $80.000 Der
Wirtschaftsaufschwung ließ die Investitionen in die Infrastruktur der
Wirtschaft zurückgehen. Es trat ein gewisser Sättigungsprozess ein und die
Wirtschaft investierte nur noch in Bereiche, von denen weiteres Wachstum
ausging. Die Verbraucher erzielten gute und sichere Einkommen. Wer es sich
leisten konnte, überlegte eine Immobilie zu erwerben. Die Banken waren zwar
noch zurückhaltend bei der Kreditvergabe und verlangten einen hohen Eigenanteil
am Kaufpreis, ließen sich aber durch sichere und stetige Einkommen dazu
verleiten, Objekte zu finanzieren. Üblicherweise war der Kredit innerhalb von
spätestens 10 Jahren vollständig zu tilgen. Die staatliche Unterstützung des
Eigenheim-Kaufs ließ die Preise in die Höhe schnellen. Immobilien waren jetzt
für die besser verdienende Mittelschicht erschwinglich. Phase
3: Haus auf Kredit --- Rückzahlung innerhalb des arbeitsfähigen Alters A. Eigenkapital: 10 Prozent und kleiner B. Mietbelastung: niedriger als Zinsbelastungen auf
Kredit C. Vergabe-Kriterien: Kreditbetrag = Nettojahres-Einkommen * 15 D. Preisentwicklung: Steigend --- man möchte sich schließlich
mit dem Gewinn in wenigen Jahren in ein größeres Haus kaufen E. Strategie im Alter: kostenfrei Wohnen; der überwiegende Teil
des Vermögens (> 75 %) steckt in der Immobilie F. Kaufpreis: $120.000 Der
Lebensstandard stieg weiter an und man wollte nun auch der aufsteigenden
Mittelschicht die Chance geben, sich eine Immobilie leisten zu können: Es wurde
kräftig mit dem schlauen Baufuchs geworben und die staatliche Förderung wurde
von Steuerersparnis auf direkte Beihilfen (Subvention) umgestellt. Mit einer
Kinderzulage sollten vor allem Familien zum Bau von Eigenheimen ermutigt
werden. Allerdings zeigten sich in dieser Phase bereits die ersten Risse des
Immobilien-Booms: Aus wirtschaftlichen Erwägungen, d.h. beim Vergleich der
Mietkosten im Verhältnis zu den Zinsbelastungen ließ sich nur dann eine
Wirtschaftlichkeit für das Eigenheim errechnen, wenn weiterhin
überdurchschnittlich ansteigende Mieten für die Zukunft angenommen wurden. Die
Tilgung wurde auf ein Minimum reduziert, so dass ein durchschnittlicher
Arbeitnehmer sein ganzes Arbeitsleben für die Tilgung des Kredits aufwenden
musste. Im Alter waren neben einer Lebensversicherung meistens außer der
Immobilie keine Vermögenswerte mehr vorhanden. Man lebt dann ja mietfrei und
eine sichere gesetzliche Rente nebst Firmen-Pension deckt die anderen Kosten
für ein sorgenfreies Alter ab. Die aufstrebenden Jungen fingen mit einer
kleinen Immobilie an und kauften sich dann rasch mit wachsendem Einkommen und
steigenden Verkaufserlösen für ihr bisheriges Objekt nun ein standesgemäßes
Anwesen. Phase
4: Haus auf Kredit --- Rückzahlung nicht geplant; Verkauf mit Gewinn im Alter A. Eigenkapital: nicht vorhanden; d.h. 100 Prozent
Finanzierung B. Mietbelastung: egal --- wir sind ein Volk von
Eigentümern C. Vergabe-Kriterien: Kreditbetrag = aktueller Preis der
Immobilie; die Zinsen des Kredites müssen aus dem Netto-Einkommen zu bezahlen
sein (maximal 50 Prozent) D. Preisentwicklung: Stark steigend --- man steckt ja schließlich
sein komplettes Geld in die Immobilie; da muss der Preis schneller als für
andere Investments steigen E. Strategie im Alter: Haus mit hohem Gewinn verkaufen und mit
dem Gewinn über das Alter kommen; Umstieg auf Miete F. Kaufpreis: $180.000 Die
Preise für Immobilien sind für die normal verdienende Mittelschicht inzwischen
unbezahlbar geworden. Macht nichts: Man streicht die Tilgung und mit dem
freiwerdenden Geld kann man sich höhere Kredit-Raten nun leisten. Und da immer
mehr Bürger schon in frühen Jahren eine Immobilie erwerben wollen, ohne auf
ihren Lebens-Standard verzichten zu wollen, finanziert die Bank das Haus nun
sogar ohne Eigenanteil. Zum Sparen kommen diese Eigenheim-Besitzer nicht: Ihr
komplettes Einkommen geht für Zinsen und Konsum drauf. Da die Immobilie im Wert
stark steigt, glauben sie, diese im Alter mit einem hohen Gewinn veräußern zu
können. Für das erlöste Geld zieht man in eine kleine Wohnung und lebt dann bis
zum Tode zur Miete. Phase 5: Haus auf Kredit ---
Spekulation auf steigende Preise & Einkommen A. Eigenkapital: nicht vorhanden; Vorfinanzierung
der übrigen Kosten bis 120 Prozent des Kaufpreises B. Mietbelastung: was ist denn das ? C. Vergabe-Kriterien: niedrige Anfangszinsen kann man geradeso mit
den unzähligen Nebenjobs bezahlen D. Preisentwicklung: Stark steigend: Ein Großteil der Kredite
geht in die Brüche, da darf die Bank doch schließlich nichts verlieren E. Strategie im Alter: Gott sorgt schon für mich F. Kaufpreis: $300.000 Auch
Besserverdiener haben bei den derzeitigen Preisen Probleme, sich eine Immobilie
leisten zu können. Das macht aber nichts: Der Nachbar hat auch ein Haus und die
Preise zeigen nun nicht nur stetig, sondern auch noch rasant in die Höhe. Man
hat inzwischen so wenig Geld, dass die Bank selbst die Nebenkosten für den
Erwerb des Hauses komplett vorfinanzieren muss. Damit der neue Besitzer die
Kredit-Raten stemmen kann, werden für die ersten Jahre niedrige Zinsen
angeboten. Vielleicht ist aus dem Besitzer, der derzeit eine Reihe schlecht
bezahlter Jobs annehmen muss, nach 5 Jahren nun ein gut verdienender Manager
geworden. Ansonsten: Zwangsversteigerung mit einem weiteren Kredit für den
nächsten Doofen. Phase
6: Das System kollabiert In
einem Schneeball-System haben wir nun die letzte Stufe erreicht, bei der das
System organisch gar nicht weiter wachsen kann. Weil beispielsweise keine
Bevölkerungs-Kreise mehr vorhanden sind, die man in das System neu
hineintreiben kann. Mit der Phase 5 der Immobilien-Blase haben wir mit
Subprime-Krediten diese maximale Ausdehnungs-Stufe bei diesem Schneeball-System
erreicht. Nun
geht es in die Phase 6 des vollständigen Kollapses dieses Systems. Am Ende muss
aller Kredit und alle ihm gegenüberstehenden Vermögen abgebaut werden. Das
führt uns wieder zurück zu der Phase 1 mit Kaufpreisen, die wohl nur noch einen
Bruchteil des heutigen Preises ausmachen werden. Und der Verbraucher wird erst
einmal für sein Haus keinen Kredit mehr bekommen. Das
System wehrt sich noch gegen diese praktisch vollständige Vernichtung mit
staatlichen Prämien, Zahlungs-Aussetzungen, Ausgleichs-Zahlungen für die
Verluste der finanzierenden Banken und so weiter. Erst wenn man so viel Geld in
das System gepumpt hat, dass der nominale Kaufpreis der Immobilie aus Phase 1
den Preis der Phase 5 erreicht hat, erst dann kann man die Immobilien-Preise
wieder stabilisieren. Das
heißt aber nichts anderes als eine hyperinflationäre Geldvervielfachung (Faktor
6 in meinem Beispiel). Wer
jetzt noch klug ist, kann sein eigentlich schon nicht mehr vorhandenes Vermögen
in Gold umtauschen. Setzt sich die hyperinflationäre Geldvermehrung durch, dann
steigt Gold mit dem verfallenden Geldwert. Kollabieren die verschiedenen Blasen
dagegen, dann wird nur das Kreditgeld-Vermögen vernichtet. Meinem obigen
Beispiel folgend wird man sich in Zukunft also sechs Häuser mit dem Gold aus
dem Verkauf eines heutigen Hauses leisten können. Aktuelle
Entwicklung an den Gold-Märkten Der
heutige Tag drohte nach dem ereignisreichen Freitag letzter Woche ein
langweiliger zu werden. Schon im frühen asiatischen Handel schwankte Gold einmal
über und dann wieder unter der Marke von $1.005. Diese Entwicklung setzte sich
im Londoner Vormittags-Handel fort. Zum A.M. Fix stand Gold bei $1.004,25 (EUR
686,48) um $6 höher als zum A.M. Fix letzten Freitag. Auch
der Nachmittags-Handel startete mit wenigen Überraschungen. Knapp zwei Stunden
nach Eröffnung der COMEX stand Gold zum Londoner P.M. Fix immer noch um die
Marke von $1.005: Exakt $1.005,50 (EUR 687,95) und damit zwei Dollar höher als
am Freitag. Um
18:00 Uhr ist dann der Knoten plötzlich geplatzt. Gold setzte in zwei Wellen
eine massive Aufwärtsbewegung in Bewegung, die erst mit $1.017,10 zum
Handels-Schluss der COMEX ihr Ende nahm. Im Vergleich zu dem ebenfalls trotz
negativer Arbeitsmarktzahlen gestiegenen COMEX-Schlusskurs
vom letzten Freitag ein Tagesgewinn von $14. Dabei
sind fast alle Gold-Kommentatoren negativ gestimmt: Sie warten wegen des
starken Engagements der eher spekulativ orientierten Non-Commercials
an der COMEX auf eine scharfe Korrektur. Aber auch bei den Gold-Freunden scheint
nicht so richtig gute Stimmung zu herrschen --- zu oft hat das Gold-Kartell in
der Vergangenheit die Freude in spätere Ernüchterung wandeln lassen. Inzwischen
erkennt man gar nicht mehr, welchen großen Schritt Gold mit dem nun schon
mehrere Wochen anhaltenden Überwinden der Marke von $1.000 gegangen ist. Vielleicht
liegt es daran, dass das System trotz $1.000 Gold immer noch steht. Oder dass
man die letzten sechs Monate mit einem Engagement in Aktien ein Vielfaches von
dem verdienen konnte, was in Gold möglich war. Die Gold-Analysten sind
überrascht und die vermeintlichen Experten wundern sich. Dabei
ist es doch ganz einfach, die Bewegung am Gold-Markt zu verstehen: Dort wo
Notenbanken und ihre Helferbanken versuchen, ihren ärgsten Feind unter
Kontrolle zu halten, kann es keinen freien Markt geben. Die Marktdeuter wie
Chart-Analysten oder Apostel der Elliot-Wellen Theorie tappen mit ihrer
Wissenschaft völlig im Dunkeln. Die Ergebnisse können nur im Nachhinein wie
eine Mischung aus Kartenlegen und Horoskopie gedeutet
werden. Der Grund: Praktisch völlige Ahnungslosigkeit. Die
heutigen Kommentare sprechen auch wieder von dem schwachen Dollar als
Begründung für den plötzlichen Goldpreis-Anstieg. Der ist aber heute lediglich
um 0,3 Punkte gegenüber Freitag gefallen. Auch die 10-jährigen Treasury Notes
verharrten bei einer Real-Rendite von 3,2 Prozent unverändert auf ihrem Niveau.
Der Quotient aus beiden Werten, mit dem ich die Stabilität des Dollar-Systems ausdrücken
möchte, steht heute bei 24,0 (Freitag: 24,1). Solche hohen Werte haben wir
zuletzt im Juli dieses Jahres gesehen. Wichtige Marktdaten
im Überblick
Über Ziemanns
Gold News Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden
seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. © Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009 |
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