Bericht für den 12. Oktober 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

 

Nach einem Bericht von Bloomberg haben die Notenbanken weltweit damit begonnen, ihre Devisen-Reserven zu Ungunsten des US-Dollars auszuweiten. Im letzten Quartal wurden zwar die Reserven mit einem Rekord verdächtigen Volumen von $413 Milliarden auf $73.000 Mrd aufgestockt. Von diesen Geldern flossen aber 63 Prozent in Euro- bzw Yen-Anlagen.

Im Jahre 1999 wurden neu aufgebaute Devisen-Reserven noch zu 63 Prozent in US-Dollar angelegt. Heute beträgt dieser Anteil nur noch 37 Prozent.

Nun sprechen diese Daten natürlich nicht für einen Dollar-Abverkauf, denn die erwähnten 37 Prozent von $413 Mrd ergeben immer noch im Saldo einen Aufbau der Dollar-Reserven von $153 Mrd in nur einem Quartal. Aber die Nachricht ist klar: Man möchte sich zukünftig wenig stark von dem Dollar abhängig machen.

Es gibt natürlich auch Gegenbewegungen. So sehen die Chefs der großen Industrie-Unternehmen wie Toyota und Airbus eine Gefahr in einer weltweiten Dollarschwäche für ihr Geschäft. Denn Toyota verkauft vor allem in den Dollar-Raum und die Verträge für Flugzeuge werden in US-Dollar geschlossen, während die Kosten im Euro-Raum anfallen. Eine klassische Preis-Kosten-Schere, die die Geschäftsmodelle schnell über den Haufen werfen kann.

The world is currently flush with the U.S. dollar, which is available at no cost wird ein Fond-Manager aus Frankfurt in dem Bloomberg-Artikel zitiert. Die Welt-Finanzmärkte werden derzeit von frisch gedruckten Dollars regelrecht überschwemmt.

Praktisch alle großen Notenbanken haben der FED dabei geholfen, nicht nur die USA mit den neuen Dollars zu beglücken. Sondern praktisch die komplette Welt. Zuerst dachte man, dass nach der Lehman-Krise im Herbst letzten Jahres ein starkes weltweites Defizit an Dollars vorherrschen würde. Begründet wurde dies mit kurzfristigen Verbindlichkeiten der nicht-U.S. Banken im Dollarraum, mit denen langfristige Ausleihungen getätigt wurden. Da diese Ausleihungen plötzlich stark im Wert verfielen und keiner mehr die Verbindlichkeiten prolongieren wollte, gab es einen erhöhten Bedarf an Dollars. Die Notenbanken haben weltweit SWAP-Operationen mit der FED durchgeführt, um die frischen Dollars in ihr System zu pumpen.

Die Dollarschwemme wird aber immer mehr zum Problem. Ein Abverkauf der Dollar-Reserven würde den US-Dollar noch weiter unter Druck setzen. Die Export-Industrie würde noch stärker jammern. Und die Bilanzen der Notenbanken für die verbliebenen Dollar-Reserven müssten noch stärker wertberichtigt werden.

Und so wird man die bittere Medizin wohl auch diesmal nicht schlucken wollen, sich von dem US-Dollar weniger abhängig zu machen.

Der Dollar-Kollaps wird dann kein singuläres Ereignis bleiben, sondern die anderen Währungen wie ein großer Strudel ebenfalls in die Tiefe reißen. Zurück bleiben wird nur die Währung, die keine Bindung mit dem Dollar hat --- Gold.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Entwarnung an der Londoner Edelmetall-Börse (LBMA): Der heutige P.M. Fix war heute wieder zirka 15 Minuten nach 16:00 Uhr MEZ verfügbar. Am Freitag hat es noch über 45 Minuten gedauert.

Gold startete den heutigen Tag in Asien etwas über dem Niveau vom letzten Freitag. Die Marke von $1.050 wurde kurzzeitig überwunden. Danach fiel Gold aber wieder unter den Stand vom Freitag. Mit Beginn des Vormittags-Handel in London setzte Gold jedoch wieder zum Sprung über die Marke von $1.050 an. Der A.M. Fix kam mit $1.052,00 (EUR 714,19) oberhalb dieser Marke zustande. Im Vergleich zum A.M. Fix am letzten Freitag konnte Gold gute fünf Dollar zulegen.

Der wieder verfallende US-Dollar ließ Gold im frühen Nachmittags-Handel über die Marke von $1.055 klettern. Danach bröckelte Gold auch in Anbetracht der Eröffnung des Handels an der COMEX wieder etwas ab. Kurz vor dem Londoner P.M. Fix stieg Gold aber erneut kräftig an: $1.058,75 (EUR 715,71) lautete die Notierung an der LBMA --- ein Plus von $7 im Vergleich zum P.M. Fix vom letzten Freitag.

Diese beiden starken Preis-Punkte am Londoner Handel unterstreichen die derzeitige Situation am Gold-Markt: Physisches Material wird weiterhin sehr stark nachgefragt und die Auguren, die den Ausfall der Nachfrage aus Indien, Vietnam und der Türkei beschreien, haben unrecht. Auch der hohe Preis hat nicht zu einem signifikanten Anstieg des Rücklaufs von sogenannten Scrap Gold geführt. Im Frühjahr des Jahres sind mit $1.000 Gold die großen Importeure von Gold plötzlich zu Exporteuren geworden.

Die nachfolgenden Handelsstunden verlief der Handel ruhig. Gold schloss den Handel an der COMEX mit $1.056,10.

Der US-Dollar fiel heute um 0,2 Punkte auf 76,2 (USDX) und musste damit die Hälfte seiner Gewinne vom letzten Freitag wieder abgeben. Zur Erinnerung: Ende letzter Woche hatten eine Reihe von Zentralbanken zur Stützung des Dollars an den Devisen-Märkten interveniert. Die Renditen der 10-jährigen Treasuries haben sich heute nicht verändert, so dass der Quotient aus dem USDX und den Treasury-Renditen heute leicht auf 22,4 gefallen ist (Freitag: 22,5).

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.052,00
(€714,19)

$1.046,75
(€710,24)

+ $5,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.058,75
(€715,71)

$1.051,50
(€712,88)

+ $7,25

COMEX Schlusskurs

$1.056,10

$1.047,80

+ $8,30

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,2

76,4

- 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,4 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,4

22,5

- 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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