Bericht für den 14. Oktober 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

 

Dem Manager-Magazin kommen die von der Regierung verbreiteten Nachrichten eines Endes der Rezession auch spanisch vor. Unter dem Titel Deutschland droht das W warnt das Magazin in seinem Kommentar: Machen wir uns nichts vor: Für eine Entwarnung an der konjunkturellen Front ist es noch viel zu früh. Uns droht nach dem schuldenfinanzierten konjunkturellen Zwischenhoch der erneute Einbruch.

Für die Leser kurz noch einmal eine Einführung in die Buchstaben-Lehre der Konjunktur:

Von einem V-förmigen Verlauf spricht man, wenn die Konjunktur plötzlich stark einbricht. Aber sich genauso schnell wieder fangen kann. Die Konjunktur-Delle ist zwar gewaltig aber kurz. Diesen V-förmigen Verlauf möchte uns die Politik einreden mit dem Tenor: Die Finanzkrise hat die Wirtschaft einbrechen lassen und wir Politiker haben mit beherztem Handeln die Krise schnell in den Griff bekommen.

Der U-förmige Verlauf entspricht im Wesentlichen dem V-förmigen Verlauf. Nur dass die Konjunktur-Delle ausgedehnter ist. Beispielsweise kann der Konjunkturverlauf in den U.S.A. nicht mehr V-förmig sein, weil die Rezession schon zu lange andauert. Die Politik in den U.S.A. wünscht sich also einen U-förmigen Verlauf.

Ein L-förmiger Verlauf ist wieder durch einen starken Einbruch gekennzeichnet. Es folgt dann eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Die Konjunktur kann sich nicht mehr erholen und es muss mit einer längerfristigen Rezession gerechnet werden.

Bei dem W-förmigen Verlauf ist es beispielsweise der Politik gelungen, durch staatliche Ausgabenprogramme den Absturz der Wirtschaft zuerst zu mildern und dabei dann sogar wieder leichte Wachstumsimpulse zu erzeugen. Der Aufschwung ist aber nicht nachhaltig, da nur auf Schulden und staatliche Ausgabe-Programme gestützt. Laufen diese Programme aus oder können keinen Schulden gemacht werden, dann bricht die Wirtschaft erneut ein.

Der Ziemannsche doppel-L Verlauf kennzeichnet einen Konjunkturverlauf, der letztendlich in einer Depression oder schweren Depression enden wird. Mit staatlichen Maßnahmen gelingt es nach dem ersten Absturz, die Konjunktur auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Die Maßnahmen greifen jedoch nur für einen Zeitraum von 6 bis 18 Monate. Dann kommt es bedingt durch die Überschuldung des Staates und dem plötzlichen Kollaps seiner Ausgaben-Programme zu einem erneuten schweren Absturz der Wirtschaft. Dieser zweite Absturz kann dabei schlimmer werden als der erste.

Zurück zum Kommentar des Manager-Magazins. Der Kommentator argumentiert für den W-förmigen Verlauf mit einer gewissen Stabilisierung der Konjunktur im Monatsvergleich. Auch voreilende Indikatoren wie der IFO-Index oder der ZEW-Index zeigen schon längere Zeit nach oben. Und die erwarteten Einbrüche am Arbeitsmarkt haben noch nicht stattgefunden.

Nun kommen jedoch rechtzeitig nach der Bundestagswahl die Wahrheiten über die Steuereinnahmen ans Tageslicht. Und diese lassen Schlimmes befürchten. Viele Kommunen stehen durch das Wegbrechen von Gewinnabgaben wie der Gewerbesteuer faktisch vor dem Aus. Die Kurzarbeiter-Regelung kann auch nicht endlos weitergeführt werden. Irgendwann geht den mittelständischen Unternehmen die Puste aus. Die Liquiditäts-Reserven gingen die letzten Monate kräftig zurück. Die Unternehmen müssen nun die Entscheidung treffen: Entlassen oder die Pleite riskieren. Viele größere Unternehmen entlassen die Mitarbeiter erst einmal in Beschäftigungs-Gesellschaften, die auf Kurzarbeit 0 von der Arbeits-Agentur alimentiert werden. Das kann die offizielle Arbeitslosigkeit noch um 6 bis 12 Monate hinauszögern.

Aber diese de facto Arbeitslosen werden sicherlich derzeit nicht den Konsum anheizen. Sie stellen sich eher geistig auf die Arbeitslosigkeit ein und werden dementsprechend auch ihr Geld zusammenhalten müssen.

Diese Aspekte sprechen schon sehr stark für den W-förmigen Verlauf.

Aus meiner Sicht stehen die Zeichen aber auf einen zweiten großen Einbruch innerhalb der doppel-L Formation. Die staatlichen Maßnahmen laufen zum Teil aus. Viele Firmen kämpfen um ihre Existenz. Das viele frisch gedruckte Geld tobt sich an den Aktien-Märkten aus (heute Dow 10.000 wie im Oktober 2008, als die Welt unterzugehen schien). Der Subprime-Verbraucher kann noch künstlich am Leben erhalten werden.

Alles ist noch möglich durch das eng gespannte Papiergeld-Rettungsnetz. Der Staat stützt die Banken und die Bürger. Die Notenbank druckt das notwendige Geld, um die Schulden zu finanzieren. Die Banken helfen bei der versteckten Monetarisierung der Staatsanleihen wiederum dem Staat. Ein großes Betrugsspiel läuft derzeit ab. Man wirft die Gelddruck-Maschine nicht mehr so offensichtlich an, wie zu Zeiten der Weimarer Hyperinflation. Aber die FED druckt trotzdem das Geld: Über Maßnahmen wie SOMA, POMO, Swaps mit ausländischen Zentralbanken, Quantitative Easing (QE) und getarnte ausländische Investoren (U.K. und Carribean Islands) wurden die letzten Monate mehr als $1.000 Milliarden frische Geld für den U.S.-Bundeshaushalt gedruckt.

Der Bond-Markt in Form der sogenannten Bond-Wächter kann nicht reagieren, da die FED mit der Vielzahl ihrer Programme immer wieder in den Markt eingreift. Aber die Investoren riechen so langsam den Braten. Noch nie in der Geschichte des Papiergeld-Systems konnte sich der Staat mit Hilfe der Druckerpresse finanzieren. Die Monetarisierung der Staatsschulden führte immer zum Abverkauf der jeweiligen Währung. Zuerst kommt die Hyperinflation und dann die Währungsreform.

Das zweite L wird fürchterliche Verwüstungen anrichten.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das Gold-Kartell hat derzeit alle Hände voll zu tun, um einen weiteren Ausbruch des Gold-Preises zu verhindern. Ein zu starker Anstieg wäre ein Hinweis darauf, dass die Papier-Währungen gegen Gold abverkauft würden.

Der weiterhin schwache Dollar macht diese Aufgabe doppelt schwierig.

Der Tag fing nicht gut an für das Kartell. Denn zu ungewöhnlicher Stunde, nämlich mitten im frühen asiatischen Handel stieg Gold plötzlich über die Marke von $1.070. Das war zwar nur eine kurzfristige Spitze: Aber sie zeigt, wie explosiv die Situation beim Gold derzeitig ist. Im Londoner Vormittagshandel zeigte sich Gold wieder einmal von seiner starken Seite. Der A.M. Fix kam mit $1.066,00 (EUR 715,50) erneut um knapp zwei Dollar höher als am gestrigen Tage zustande.

Im Vorfeld der Eröffnung der COMEX wurde Gold bis auf $1.057 gedrückt. Während des New Yorker Handels kam dann aber wieder auf dem reduziertem Niveau Kauflaune auf, die Gold nahe der Marke von $1.065 trieb. Wie gestern wurde der Londoner P.M. Fix zur erneuten Drückung des Gold-Preises verwendet: $1.059,50 (EUR 711,51) lautete seine Notierung. Auf 24-Stundenbasis ein Anstieg um $2. Wie viel Zentralbank-Goldbarren blieben heute auf der Strecke fragt sich der Beobachter.

Kurz nach dem P.M. Fix befestigte sich Gold wieder oberhalb der Marke von $1.060. Der letzte Kurs an der COMEX betrug $1.063,40, also quasi unverändert.

Der U.S.-Dollar sinkt weiter: Heute auf 75,4 (USDX). Auch die Renditen der 10-jährigen Treasuries an den Bond-Märkten sind wieder gestiegen. Sie stehen bei 3,4 Prozent 10 Basispunkte höher als gestern. Der Quotient aus beiden Werten ist dementsprechend stark auf 22,2 gefallen (Dienstag: 23,0).

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.066,00
(€715,50)

$1.064,50
(€719,50)

+ $1,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.059,50
(€713,76)

$1.057,50
(€713,76)

+ $2,00

COMEX Schlusskurs

$1.063,40

$1.063,20

+ $0,20

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

75,4

75,8

- 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,3 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

22,2

23,0

-0,8

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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