Bericht für den 19. Oktober 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

 

Die Nachrichten von den Gold-Märkten werden immer absurder. Kürzlich wurde für abgeschlossene Gold-Geschäfte an der LBMA in London berichtet, dass die liefernde Partei die vereinbarte Anzahl an 400oz-Barren nicht bereitstellen konnte. Ein Settlement des Liefer-Kontraktes auf Basis von Cash (mit einem entsprechenden Aufschlag) wurde von der die Lieferung erwartenden Partei abgelehnt. Daraufhin musste die Bank of England (BoE) einspringen. Allerdings konnte die BoE nur Barren bereitstellen, die nicht die erforderliche Reinheit von mindestens 995 Promille aufwiesen.

Vielmehr scheint es sich bei diesen Barren um Gold mit einem Reinheitsgrad von 900 Promille zu handeln. Dieser Reinheitsgrad kann nur von eingeschmolzenen Münzen des konfiszierten Goldes der Bürger der Vereinigten Staates während der Roosevelt-Ära kommen. Und solches Gold lagert entweder in Fort Knox, Kentucky oder in West Point, New York.

Das Problem der Reinheit wurde dadurch gelöst, dass die Barren eingeschmolzen und mit entsprechenden technischen Verfahren auf den geforderten Reinheitsgrad gehoben wurden. Da die BoE aber bei dieser Transaktion nur aushilfsweise tätig war, muss die Frage erlaubt sein, warum man dann nicht die 400oz-Barren entsprechend den LBMA-Vorgaben geliefert hatte. Die Antwort ist einfach: Weil es solche Barren nicht mehr in den Lagern der BoE gibt.

Das Problem am Gold-Markt ist, dass es ähnlich wie beim Papier-Geld eine Pyramide an virtuellen Gold-Mengen und Gold-Derivaten gibt, hinter denen zum großen Teil kein echtes Gold steht. An der COMEX beträgt das Verhältnis von verkauften Future-Kontrakten zu Gold im Lager der COMEX noch eins-zu-zehn. Bei OTC-Derivaten auf Gold nach meinen Schätzungen bereits eins-zu-zwanzig. Und berücksichtigt man die verschiedenen Gold-Konten, Zertifikate auf Gold und andere Instrumente, wie Banken Gold an ihre Kunden verkaufen, dann beträgt die Deckungs-Quote wahrscheinlich nur noch eins-zu-fünfzig.

Alles natürlich ordentlich durch eine Vielzahl von Sicherungs-Geschäften gedeckt. So wie wir es von den Papier-Märkten auch kennen. Aber bei Gold kann die Zentralbank nicht aus dem Nichts eine große Menge neuen Goldes schaffen, um die Pyramide aus verschiedenen Gold-Derivaten wieder zu stabilisieren. Beim Papier-Geld wurde die monetäre Basis, d.h. die Spitze der Papiergeld-Pyramide, durch zusätzliches Geld-Drucken einfach mehr als verdoppelt.

Die neuste Nachricht, dass aus Gold-Geschäften mit Beteiligung der BoE nun 400oz-Barren in China aufgetaucht sein sollen, die einen Wolfram-Kern enthalten, passt in dieses Bild. Wenn man schon nicht Gold einfach schaffen kann wie Papier-Geld, dann stellt man eben Falsch-Gold her. Die aufgetauchten Wolfram-Barren sind sicherlich nur durch einen Fehler ausgeliefert worden. Aber man kann daraus schließen, dass nun selbst das alte Schmelzgold knapp zu werden scheint.

Warum wird eigentlich Wolfram für die Fälschung verwendet. Weil Wolfram mit 19,25 g/ccm fast die gleiche Dichte wie Gold mit 19,32 g/ccm hat. Das Verfahren zur Überprüfung der Echtheit von Gold, wie es Archimedes schon vor mehreren tausenden Jahren entwickelt hat, greift hier also nicht. Wasserverdrängung und Auftrieb sind bei Original und Fälschung mit Wolfram praktisch gleich.

Dabei ist Wolfram chemisch betrachtet stark unterschiedlich in den Eigenschaften zu Gold. Es schmilzt erst bei 3.422 Grad Celsius (Gold bei 1.064 Grad Celsius) und wird als Glühwendel in den von der EU geschassten Glühbirnen verwendet. Der Name des Herstellers OSRAM kommt von den Metallen, die in Glühfäden verwendet werden: OSmium und WolfRAM. Und auch die elektrische Leitfähigkeit von Wolfram ist um mehr als den Faktor zwei schlechter als bei Gold. Es wird dreißig Mal soviel Wolfram im Jahr gefördert, wie dies bei Gold der Fall ist. Mit weitaus geringeren Produktions-Kosten.

Müssen wir nun damit rechnen, dass OSRAM-Barren die Märkte überfluten, weil die letzten London Good Delivery (LGD) Barren ausverkauft sind. Es spricht viel dafür, dass nun alle Eigentümer der 400 oz-Barren eine Überprüfung der Reinheit ihrer Barren einleiten werden. Welche Barren in den großen Gold-Lagern der New York FED und der Bank of England sind überhaupt noch echt, wird man sich fragen.

Aber wahrscheinlich will man die Wahrheit wieder einmal vertuschen. Wie bei den Banken-Bilanzen setzt man einfach die grundlegenden Regeln der Buchführung und Bewertung außer Kraft. Und schon erscheint ein Barren mit einem Wolfram-Gehalt von 850 in den Büchern als 995er Gold. Die Zentralbanken weltweit weisen weiterhin Vorräte von mehreren zehntausenden Tonnen Gold aus, das sie gar nicht haben.

Zumindest die Investoren, die auf die Echtheit ihrer Goldschätze achten müssen, werden wohl um eine Überprüfung nicht herumkommen.

Selbst den Zentralbankern kann man nicht mehr trauen. So schnell hat sich der Ruf der Inflations-Bekämpfer und Helden der Geldwert-Stabilität über den unehrenhaften Job der Gelddrucker und Inflationierer nun hin zu Gold-Fälschern gewandelt. Aber sollte sich dieser Betrug als wahr herausstellen, dann kämpfen die Notenbanker nicht nur um ihre Währung und den Job. Dann werden sie wohl Platz auf der Anklagebank zukünftiger Tribunale nehmen müssen. Die dann grenzenlose Wut der Bevölkerung wird sich in den Urteilen widerspiegeln.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Gold setzte seinen Stabilisierungs-Kurs oberhalb der Marke von $1.050 fort. Die verschiedenen Aktionen des Gold-Kartells in der letzten Woche konnten zwar einen Ausbruch jenseits der Marke von $1.070 verhindern. Aber egal, welche Taktik auch angewandt wurde, die Marke von $1.050 hielt stand.

Diesen Trend folgend nutze Gold den heutigen Tag zu einer Erholung. Im frühen asiatischen Markt stand Gold zwar noch etwas unter Druck. Dieser Druck ließ jedoch im Laufe des Handels in Asien nach. Im Londoner Vormittags-Handel wurde dann die Marke von $1.055 erreicht. Der A.M. Fix kam wenig überraschend mit $1.054,50 (EUR 706,30) um knapp sieben Dollar höher als noch am letzten Freitag zur gleichen Zeit zustande.

Im Nachmittags-Handel konnte dieses Niveau aber nicht gehalten werden und Gold ging wenige Dollar unterhalb der Marke von $1.055 in den Handel an der New Yorker COMEX. Zum nahenden P.M. Fix verfiel der Preis jedoch in Richtung der Marke von $1.050. Der P.M. Fix war der Grund: $1.050,50 (EUR 704,04).

Anschließend konnte Gold sich aber wieder stabilisieren und die Marke von $1.055 nach oben durchstoßen. Der letzte Kurs an der COMEX lautete $1.056,70. Ein Zuwachs von $7 gegenüber dem COMEX-Schlussstand vom letzten Freitag.

Im CFTC Commitment of Traders Report (COT) für den 13. Oktober (Dienstag) spiegelt sich der Kampf zwischen den Non-Commercial Longs und den dem Gold-Kartell zugehörenden Commercial Shorts wider. Die Anzahl der offenen Kontrakte (Open Interest) ist um 19.880 Positionen auf 504.187 Kontrakte gestiegen. Die Non-Commercial Longs (+ 18.335 auf 228.214 Kontrakte) waren mit den Commercial Shorts (+ 18.555 auf 381.997 Kontrakte) für diesen Anstieg fast ausschließlich verantwortlich.

Die acht größten Commercial Shorts halten derzeit eine netto Short-Position von 269.740 Kontrakten. Das entspricht einer Menge Gold von knapp 840 Tonnen. Angenommen, diese Gruppe ist mit einem Durchschnitts-Preis von $1.000 in den Markt eingestiegen, dann liegen deren (unrealisierte) Verluste bereits bei $1,35 Mrd (Basis: Gold bei $1.050).

Der USDX verlor im Laufe des heutigen Tages 0,3 Punkte und steht nun bei 75,3. Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes verharrten weiterhin bei 3,4 Prozent, so dass sich am Quotient aus USDX und den Real-Renditen mit 22,1 (Freitag: 22,2) sehr wenig änderte.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.054,50
(€706,30)

$1.047,75
(€703,00)

+ $6,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.050,50
(€704,04)

$1.047,50
(€704,34)

+ $3,00

COMEX Schlusskurs

$1.056,70

$1.050,00

+ $6,70

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

75,3

75,6

- 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,4 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,1

22,2

- 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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