Bericht für den 20. Oktober 2009

 

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

 

Währungen sind wie Atome – es gibt reaktionsfreudige und eher reaktionsträge. Es gibt aber auch Isotope, die unter Emission verschiedener Strahlungen zerfallen. Die Zerfallsgeschwindigkeit und die Gefährlichkeit der abgesonderten Strahlungs-Partikel kann dabei stark schwanken. Von den Rest-Produkten einmal ganz abgesehen. Der heutige Beitrag der Serie monetäre Zerfallsreihen ist dem Euroatom gewidmet:

Der Euro ist ein Produkt der Fusion verschiedener europäischen Währungen. Aber während es in diesem Umfeld stabile und reaktionsträge Währungen wie die Deutsche Mark gab, wollte man die aggressiven Vertreter wie die Lire und den Peseten in diesem neuen Gebilde ebenfalls aufgehen lassen.

Zuerst schien die Fusion gelungen --- das Gebilde Euro zeigte sich in Form des Isotops ECU in der Versuchsanlage der europäischen Währungsunion in einer stabilen Verfassung. Doch nachdem der Euro großanlagentechnisch durch die EZB in die Umwelt gebracht wurde, konnten bereits wenige Tage nach Einführung des Euro-Bargelds die ersten Nebenwirkungen beobachtet werden. Ein plötzlicher und energiereicher Zerfallsprozess setzte ein und verteuerte augenblicklich die Kosten für Lebensmittel und andere Gütern des täglichen Bedarfs. Da die Messmittel im Besitz verschiedener Labore, genannt Statistik-Behörden waren und diese die Gefahr leugneten, kam es dennoch zu einer weit verbreiteten Verstrahlung --- gefühlte Inflation.

Insbesondere die Südländer in Europa erfreuten sich aber sonst an dem eher reaktionsträgen Euro. Die alten Währungen hatten noch aggressiv an der Substanz von Immobilien genagt. Deshalb mussten hohe Zinsen gezahlt werden. Der Euro war weit weniger angriffslustig, so dass plötzlich ein wahnsinniger Immobilien-Boom mit Niedrigst-Zinsen einsetze.

Auch die Industrie profitierte. Da die alte Währung mit vielen anderen Elementen wie Generalstreiks und südländischer Lässigkeit reagierte, musste man immer größere Mengen dieser Währung in den Wirtschafts-Kreislauf einschleusen. Das führte zwar zum fortlaufenden Zerfall, aber die resultierende Strahlung war für die Bevölkerung erträglich.

Die deutsche Währung verhielt sich da eher wie ein Edelgas --- sie zeigte enorme Stabilität und konnte nur schlecht zu einer Reaktion bewegt werden. Und zuerst sah es so aus, als wenn sich der Euro wie die deutsche Währung verhalten würde. Die Zinsen sanken auf Rekord-Niveau und auch der Zerfall der Währungen schien endgültig beendet.

Der reaktionsträge deutsche Immobilien-Markt wurde durch die neue Währung nicht angeregt. Dafür aber das Pendant in den Südländern umso heftiger. Und mit der Zeit machte man die Entdeckung, dass der Euro in südländischer Atmosphäre schneller zerfällt als in deutscher Atmosphäre. Findet hier etwa ein heimlicher Teilchen-Austausch zwischen PIGS-Euros und Teutonen-Euros statt.

Jedenfalls sind die durch den Teilchen-Austausch entstehenden Zerfalls-Produkte schädlich: In den Südländern haben sie allmählich die Industrie zerstört, während sie in Deutschland die Zellen des dortigen Banken-Systems verstrahlten: Ein lebensnotwendiges Organ, das sich seiner Wichtigkeit bewusst ist und deshalb durch Boni-Exzesse auffallend wird.

Im letzten Jahr setzte die explosionsartige Erzeugung von Dollar- und Euroatomen plötzlich eine Kettenreaktion ausgelöst durch Teilchen-Beschuss mit CDOs und MBSs in Gang. Diese Teilchen waren einem Großteil der Bevölkerung unbekannt und auch die Wissenschaft rätselte über deren aggressive Reaktionsfähigkeit. Nur das massive Einführen von Gold-Moderatorstäben konnte den Kern wieder stabilisieren. Die Zwischen-Produkte sind aber weiterhin sehr gefährlich und können die Reaktion leicht wieder in Gang bringen.

Die Wissenschaftler erfanden immer neue Sub-Teilchen, die als Erklärung für den beobachteten Reaktionsverlauf dienen sollten. Mit mathematischen Modellen und Gleichungssystemen, die kein normaler Rechner mehr lösen konnte, traten sie den Beweis in der Öffentlichkeit an. Aber es entwickelte sich plötzlich eine immer größer werdende Gemeinschaft von Gegnern. Starke Ansammlungen wurden im eher für Freizeitsport bekannten Österreich  und im unwissenschaftlichen Internet gesichtet. Diese Gattung vertrat die revolutionäre These, dass Währungs-Atome mit Ausnahme von Gold und Silber immer einem natürlichen Zerfallsprozess unterlägen. Trotz der Verleihung von Nobel-Preisen für die Währungs-Wissenschaftler konnten sie jene These einfach nicht widerlegen.

Nun wurden aber plötzlich die Gold-Moderatoren knapp, weil besorgte Bürger auch ihren Investment-Kern vor der Schmelze bewahren wollten. Es wird jedoch berichtet, dass ein Teil dieser erworbenen Stäbe keine bremsende Funktion mehr hat und eher in Glühbirnen verbaut wird.

Ein Großteil der Bevölkerung glaubt den Zusicherungen ihrer Wissenschafter, dass die Situation nicht mehr kritisch sei und das Gebilde sich beginne abzukühlen. Die Moderatorstäbe möchte man aber trotzdem nicht entfernen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Marke von $1.070 scheint für das Gold-Kartell die nächste starke Stellung zu sein, die erbittert verteidigt werden muss. Heute früh am Ende des asiatischen Marktes und kurz vor Beginn des Handels in London hat sich Gold erneut dieser Marke angenähert. Prompt kam es im Londoner Vormittags-Handel zu schwerem Abwehrfeuer. Der A.M. Fix kam mit $1.064,00 (EUR 710,76) zustande. Auf 24-Stundenbasis ein Zuwachs von knapp $10.

Danach konnte sich Gold wieder oberhalb der Marke von $1.065 stabilisieren. Mit Beginn des Handels an der New Yorker COMEX geriet Gold aber unter verstärktem Druck. Die Plan B Drückung haben wir schon seit einigen Tagen nicht mehr gesehen. Der Tiefpunkt war dann schließlich um 15:30 Uhr MEZ mit $1.053 erreicht, weil gleichzeitig der US-Dollar gegen den Euro um fast einen Cent gehoben wurde. Was für ein Zufall. Der P.M. Fix kam eine halbe Stunde später mit $1.050,50 (EUR 704,04) zustande. Das zeigt, dass weiterhin starke physische Nachfrage vorherrscht. Im Tagesvergleich konnte Gold sogar $11 zulegen.

Im Anschluss konnte sich Gold mit dem wieder zurückfallenden US-Dollar befestigen. Der letzte Kurs an der COMEX war $1.056,50 --- also praktisch unverändert gegenüber dem gestrigen Tag

Der USDX ist heute leicht um 0,3 Punkte auf 75,6 gestiegen. Die Renditen der 10-jährigen Treasuries haben sich heute nach tagelanger Stagnation um 0,1 Prozent-Punkte nach unten bewegt. Der Quotient aus dem USDX und den Real-Renditen ist heute auf 22,9 (Montag: 22,1) gestiegen.

Das Gold-Kartell bleibt in der Defensive. Auch der Ölpreis konnte heute nur mit Mühe unter der Marke von $80 gehalten werden.

An den Börsen wird für uns derzeit ein Kasperle-Theater über angeblich steigende Unternehmens-Gewinne vorgeführt. Während die Umsätze der Unternehmen auf Jahresbasis im zweistelligen Prozent-Bereich eingebrochen sind, will man uns weismachen, dass trotz der hohen Remanenzkosten der Unternehmen steigende Gewinne möglich seien. In Wirklichkeit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der S&P500-Unternehmen auf historischem Höchststand. Aber diese Zahlen sind sowieso nur Fassade, um die beispielslose Manipulation der Aktien-Märkte zu vertuschen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.064,00
(€710,76)

$1.054,50
(€706,30)

+ $9,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.061,75
(€709,92)

$1.050,50
(€704,04)

+ $11,25

COMEX Schlusskurs

$1.056,50

$1.056,70

- $0,20

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

75,6

75,3

+ 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

3,3 %

3,4 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

22,9

22,1

+ 0,8

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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