Bericht für den 30. Oktober 2009

 

Gold & Gesellschaft: SOS – Staaten in Not

Is the United States Bankrupt titelte Laurence J. Kotlikoff seinen bereits im July/August 2006 erschienenen Beitrag im Federal Reserve Bank of St. Louis Review. Und Analyst Eric Sprott ging in seinem Surreality Check vom Oktober 2009 noch weiter. Er proklamierte Dead goventment walking.

Die dort gemachten Aussagen sind schon starker Tobak, zumal sie vor der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen wurden, die die Situation um ein Vielfaches verschlimmert hat. Hier einige Passagen aus seiner Analyse:

The proper way to consider a countrys solvency is to examine the life-time fiscal burdens facing current and future generations. If these burdens exceed the resources of those generations, get close to doing so, or simply get so high as to preclude their full collection, the countries policy will be unsustainable and constitute or lead to national bankruptcy.

Does the United States fit this bill? No one knows for sure, but there are strong reasons to believe the United States may be going broke.

Die Gesamtverschuldung des U.S.-Bundeshaushaltes beträgt derzeit $10,7 Billionen (trillions). Hinzu kommen noch Ansprüche aus Sozial-Verpflichtungen in Höhe von $15,1 Billionen, für die kein Kapitalstock (Rücklagen) aufgebaut wurde. Die höchsten Verpflichtungen erwachsen jedoch aus den Medicare Programmen über insgesamt $88,9 Billionen. Insgesamt betragen die Verpflichtungen der U.S.-Regierung nicht $10,7 Billionen, sondern $114,7 Billionen.

Würde man diese Verpflichtungen einem Unternehmen auferlegen, welches nach den U.S. Accounting-Standards (GAAP) bilanzieren müsste, dann wäre die Summe mit $74,6 Billionen immer noch enorm.

Im Jahr 2006, in dem der Bericht geschrieben wurde, betrug die Schätzung der Gesamtverpflichtungen noch $65,9 Billionen. Das waren damals die fünffache jährliche Wirtschaftsleistung der U.S.A. und die doppelte Summe aller Netto-Vermögen in den U.S.A. Nur mit einer Verdoppelung der Einkommensteuer und der Unternehmens-Steuern wäre ein solches Defizit überhaupt zu tragen. Oder man müsste sofort zwei Drittel aller Sozial-Ansprüche kürzen.

Wie die Situation heute aussähe kann sich jeder selbst ausmalen.

Das Problem ist, dass die Ansprüche an den Staat in den Vereinigten Staaten die letzten 30 Jahre um jährlich 4,61 Prozent gestiegen sind. In Deutschland übrigens auch mit jährlich 3,30 Prozent. Hier hämisch auf die U.S.A. zu zeigen, kaschiert die Wahrheit in den westlichen Staaten Europas. Dort gibt es ähnlich gelagerte Verpflichtungen des Staates, die zum Teil gar nicht bekannt sind. Die Pensions-Verpflichtungen für die Beamten sind dabei vielleicht noch der Öffentlichkeit bekannt.

Laurence Kotlikoff kommt zu dem Schluss, dass die Regierung weder die Steuern in dem geforderten Umfang erhöhen, noch die Leistungen einschränken kann. Also muss man neue Schulden machen. Das bringt jedoch andere Problem emit sich:

Specifically, once the financial markets begin to understand the depth and extent of the country’s financial insolvency, they will start worrying about inflation and about being paid back in watered-down dollars.

This concern will lead them to start dumping their holdings of U.S. Treasuries. In so doing, they will drive up interest rates, which will lead the Fed to print money to buy up those bonds. The consequence will lead to more money creation: exactly what the bond traders will have come to fear. This could lead to spiralling expectations of higher inflation, with the process eventuating in hyperinflation.

Erstaunlich, wie exakt Laurence die heutige Situation im Jahr 2006 bereits beschrieben hat.

Erst werden die Bond-Holder wegen der Inflations-Gefahr unruhig. Dann beginnen sie ihre U.S. Treasuries zu verkaufen. Das würde die Zinsen der Bonds hochtreiben, da die Anleger höhere Risiko-Aufschläge verlangen würden. Die FED würde dies aber dadurch verhindern, dass sie ihrerseits diese Bonds mit frisch gedrucktem Geld aufkauft. Diese Entwicklung beschleunigt sich, so dass die FED immer mehr Geld drucken muss. Schließlich endet das in einer Hyperinflation.

Wir haben exakt alle Punkte dieser Aufzählung bis dato gesehen. Wobei die FED proaktiv gehandelt hat, in dem sie die Bonds rechtzeitig gekauft hat, bevor die Real-Zinsen gestiegen sind. Bloß die Hyperinflation fehlt noch.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die FED kann sich nicht entscheiden, welche Richtung sie einschlagen möchte. Gestern hieß es noch Geldschleusen auf und die Märkte haben entsprechend reagiert. Heute war man wieder restriktiv und die Notierungen gingen südwärts.

Ein guter Indikator ist die Entwicklung des Platin-Preises. Warum? Weil Platin kein monetäres Metall ist und deshalb vom Gold-Kartell in Ruhe gelassen wird. Platin ist heute um mehr als $20 pro Feinunze gefallen. Und auch der Dow ist heute wieder nach dem gestrigen Anstieg um 200 Punkte gefallen.

Nächste Woche trifft sich der Offenmarkt-Ausschusses (FOMC) der FED zu einer zweitägigen Sitzung. Möchte man die Geldzügel wegen der Gefahr eines Dollar-Kollaps anziehen, um den Märkten Tatkraft vorzuspielen.

Obwohl vor der Flucht in Euro, Yen und Schweizer Franken muss die FED keine Angst haben. Fällt der Dollar zu stark, dann müssen die Notenbanken dieser Länder schon aus eigenem Überlebens-Willen den Dollar stützen. Denn ihre Devisen-Reserven sind größtenteils Dollar-Anlagen. Und ihre Industrie muss im Dollar-Raum wettbewerbsfähig bleiben.

Der Dollar-Kollaps wird also kein singuläres Ereignis sein, sondern alle anderen Währungen praktisch ohne Ausnahme ebenfalls in den Tod reißen.

Dann kann es eigentlich nur das Gold sein, welches bei der FED zu Schweißausbrüchen führt. Wenn alle anderen Währungen auch nur Toiletten-Papier sind, dann verbleibt Gold als einziger Rettungs-Anker.

Gold hielt sich heute früh im asiatischen Handel auf dem Schlussstand des gestrigen New Yorker Access Handels. Im Londoner Vormittags-Handel kam es zu keinen nennenswerten Preisbewegungen. Der A.M. Fix kam mit $1.044,50 (EUR 703,27) zustande. Auf 24-Stundenbasis ist Gold um knapp $10 angestiegen.

Zum Nachmittags-Handel kam Gold verstärkt unter Druck. Zum P.M. Fix ist Gold bereits auf $1.040,00 (EUR 704,61) gefallen. Praktisch unverändert gegenüber dem gestrigen P.M. Fix. Die letzten zwei Stunden des Handels an der COMEX wurde Gold auf bis zu $1.035 gedrückt, konnte sich aber zum Schluss des Handels wieder auf $1.040,10 befestigen.

Im späten Access Handel setzte sich die Erholung von Gold fort. Der letzte Kurs war $1.044,70. Das ist erstaunlich trotz der heutigen Aktionen der FED, die zwar den USDX um 0,4 Punkte auf 76,4 hat ansteigen lassen. Auch die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes sind um 0,1 Prozent-Punkte auf 3,4 Prozent gefallen. Das hat allerdings die gestrigen Gewinne am Aktienmarkt mehr als ausgelöscht. Minus 250 Punkte hieß es beim Dow.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.044,50
(€703,27)

$1.034,00
(€700,92)

+ $9,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.040,00
(€704,61)

$1.040,50
(€702,57)

- $0,50

COMEX Schlusskurs

$1.040,10

$1.046,90

- $6,80

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,4

76,0

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,5 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

22,5

21,7

+ 0,8

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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