Bericht für den 9. November 2009


Gold & Gesellschaft: Godman Sachs


Goldman Sachs ist wieder einmal auffällig geworden. Diesmal war es kein Investment-Banker, der auf einer Konferenz in London allen Ernstes behauptete, dass hohe Boni gut für die Wirtschaft seien.


Nein, diesmal hat sich der Chef Lloyd Blankfein persönlich in der Londoner The Sunday Times im Wort vergriffen, indem er sich mit der Bemerkung I'am doing God's work auf die Ebene von Gott begab. Beziehungsweise als der von Gott eingesetzte Vertreter für das Weltfinanz-System.


Wir haben schon viele Begriffe für Goldman Sachs gesehen, aber Godman Sachs übertrifft sie wohl alle.


Aber damit nicht genug. Man begründet seine Existenz mit we have a social purpose. Natürlich kann man das Scheren von ahnungslosen (Investor-)Schafen als eine soziale Tat rechtfertigen. Dummheit muss ja schließlich irgendwie bestraft werden. Das aber damit zu begründen, dass man very important sei und Firmen zu mehr Wachstum und Reichtum verhelfen würde, ist einfach nur zynisch.


Goldman Sachs versteht es gut, immer alle Akteure unter Kontrolle zu haben. Seien es nur die Geschäftspartner an sich oder Regierungsstellen, mit denen man zusammenarbeitet. Stets steht das Wohl von Goldman Sachs im Vordergrund und nicht das des Klienten. Mit riesigen Geschäften im Eigenhandel hat Goldman Sachs die letzten Quartale ein Vermögen verdient, wo das klassische Investment-Banking Geschäft gleichzeitig den Bach herunter ging. Diesen Conflict-of-Interest beschrieb die Sunday Times wie folgt: ... the bank's trading and investment-banking arm plays on both sides of the market. Goldman trades securities for big firms and pension funds. It also acts as advicer to many of the companies whose securities it trades. This means the firm has a view on what everybody in the market is doing.


Und weiter heißt es in dem Bericht: Critics liken this to a huge casino in which the house knows every hand at the table and uses that information to enrich itself at the expense of everybody else. Besser kann man es nicht ausdrücken: Goldman Sachs ist die Bank im großen Kasino und kennt die Karten aller Mitspieler. Wie soll man da verlieren.


Und sind die Goldmänner dann Ende Dreißig ausgelutscht, nachdem sie bei ihrer Einstellung 20 bis 30 Interviews über sich ergehen lassen mussten, und haben sie die jährliche Bereinigungs-Quote von 3 bis 5 Prozent überlebt, dann tun sie Gutes für die Allgemeinheit: In hohen Regierungs-Ämtern des Finanzministeriums (Treasury Department), der FED, den verschiedenen Aufsichtsbehörden, den Börsen an sich oder als diverse Regierungs-Berater. Government Sachs in Aktion. Die Liste der Akteure ist genauso lang wie ihre Position im Apparat hoch sind und würde den Umfang dieses Berichtes sprengen. Hank Paulson, Vorgänger von Lloyd Blankfein, war beispielsweise U.S-Finanzminister in der Bush-Administration und hat die Existenz von Goldman Sachs in letzten Herbst nur dadurch sicherstellen können, dass mehr als $100 Mrd in die Rettung von AIG geflossen sind (AIG hat daraufhin $13 Mrd an Goldman Sachs ausgezahlt) und ein staatliches Banken-Rettungsprogramm (TARP) in Höhe von $700 Mrd durch den Kongress gepushed worden ist.


Drakula ist von der täglichen Jagd auf Menschen-Blut nun zum Verwalter der Blutbank aufgestiegen. Nur ein Narr glaubt daran, dass damit sein Blutdurst gestillt sei. Bill Murphy von GATA vergleicht Goldman mit Hannibal Lector.


Lloyd Blankfein meint trotzdem, dass wir den Erfolg seiner Bank feiern und nicht verdammen sollten: Everybody should be, frankly, happy. The financial system led us into the crisis and it will lead us out.


Absolut: Das Banksystem wird uns aus dieser Krise herausführen. Allerdings in eine noch viel größere Krise. Erst wenn die letzten Goldmänner das Licht hinter sich ausmachen, werden wir wieder die Gelegenheit dazu haben, frankly, happy zu sein.


Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten


Was Ende letzter Woche noch nicht funktioniert hatte, ging heute früh im asiatischen Handel ohne Probleme über die Bühne: Das Überschreiten der Marke von $1.100.

Am letzten Freitag wurden bei den Future-Preisen zwar zeitweise schon für Gold Beträge über $1.100 bezahlt. Der Spot-Preis hatte allerdings nicht die Marke von $1.100 überschreiten können. Future-Märkte handeln ihre Produkte üblicherweise mit einem Aufschlag (Contango), der um so größer bemessen ist, je weiter der Future-Kontrakt in der Zukunft liegt. Der Ende 2009 ablaufende große Dezember 2009 Kontrakt hat wirklich letzten Freitag zeitweise die Marke von $1.100 berührt.

Im asiatischen Handel konnte Gold bei einem stark sinkenden US-Dollar auf bis zu $1.105 zulegen. Dieses Niveau konnte im folgenden Londoner Vormittags-Handel sogar noch auf $1.108,50 (EUR 738,90) zum A.M. Fix ausgebaut werden. Im Vergleich zum A.M. Fix am letzten Freitag hat Gold damit weitere knapp $14 zulegen können.

Eine halbe Stunde vor Beginn des Handels an der COMEX versuchte Gold einen Ausbruch jenseits der Marke von $1.110. Das gelang aber nur kurzfristig und wurde bei $1.111 bis $1.112 gestoppt. Kurz nach Beginn des Handelsgeschehens in New York wurde Gold dann auf $1.107 gedrückt. Auch der 90 Minuten später folgende P.M. Fix von $1.106,75 (EUR 737,83) bestätigte dieses Niveau.

In den letzten Handels-Stunden an der COMEX wurde versucht, mit Plan B (Drückung im reinen Derivate-Handel) Gold wieder unter die Marke von $1.100 zu drücken. Dieser Versuch misslang. Trotzdem musste Gold einige Federn lassen und beendete den Handel an der COMEX mit $1.101 knapp oberhalb dieser Marke.

Als Grund für den weiter haussierenden Gold-Preis wurde die Entscheidung der G20-Finanzminister gesehen, die staatlichen Stimulus-Maßnahmen bis auf weiteres fortzusetzen. Und vor allen Dingen die Null Prozent Zins-Politik der Notenbanken aufrecht zu erhalten. Die erneute Liquiditäts-Flut gefiel natürlich den Aktien-Märkten.

Über die G20-Stimulanten, die mit ihrer Politik des leichten Geldes einen Phantom-Aufschwung (Simulanten) schaffen, werde ich morgen berichten.

Der Dow legte heute 2 Prozent oder 200 Punkte zu. Dem US-Dollar tat das erneute Anwerfen der Dollar Carry-Trades nicht gut: Er verlor 0,7 Punkte auf 75,1. Das beförderte Öl wieder hoch bis auf $80. Der Dollar nähert sich mit CHF 1,0082 wieder der Parität zum Schweizer Franken. Beim letzten Mal hat diese Konstellation zu einer Not-Bremsung der FED geführt. In der Folge waren Öl und die Aktien-Märkte scharf eingebrochen und der US-Dollar wieder gestiegen. Die FED muss sich langsam entscheiden, in welche Richtung sie dieses Spiel weiter treiben will.


Wichtige Marktdaten im Überblick


Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.108,50
(E738,90)

$1.095,00
(E735,05)

+ $13,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.106,75
(E737,83)

$1.096,75
(E735,68)

+ $10,00

COMEX Schlusskurs

$1.101,00

$1.095,10

+ $5,90

andere Marktdaten


US-Dollar Index (USDX)

75,1

75,8

- 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

3,5 %

3,5 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,5

21,7

- 0,2


Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de


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