Bericht für den 27. November 2009

 

Gold & Gesellschaft: Gefährliche Regierungs-Politik

 

Thilo Sarrazin, Träger des Ordens für Political Incorrectness, hat sich nun unsere frisch gewählte Bundeskanzlerin vorgenommen. Ich habe den Eindruck, dass die aktuelle Politik ein müder Wiederaufguss der späten Kohl-Jahre ist, wird Sarrazin in einem Gespräch mit Handelsblatt Online zitiert.

 

Herr Sarrazin tut damit zwar Helmut Kohl Unrecht, der auch noch in der Endphase seiner politischen Laufbahn zumindest noch zweitklassig war. Bei Merkel hat man den Eindruck, dass nun die Politiker-Garde aus der vierten Reihe regiert. Die Parteien-Spendenaffäre hat seinerzeit alle möglichen Ersatz-Kandidaten der CDU eliminiert, so dass nur noch die Physikerin aus Mecklenburg-Vorpommern übrig blieb.

 

Ich vermisse jedweden Ansatzpunkt, wie wir mit den Problemen umgehen sollen, die uns in Zukunft wirklich bedrücken. Ich rate der Bundeskanzlerin, sich mal im stillen Kämmerlein einzuschließen, zwei Tage ruhig nachzudenken und sich zu überlegen, was sie wirklich will und das dann auch durchzusetzen, sagte Sarrazin.

 

Nicht nur Thilo Sarrazin vermisst seit über vier Jahren Ansätze von Merkel und ihrem Hofstaat, Probleme zu erkennen und beherzt anzugehen. Stattdessen werden wir von einem zum nächsten Kompromiss getrieben:  Dilentantismus wird so zum Programm.

 

Und endlich drückt jemand einmal aus, was viele schon wissen und eigentlich fast jeder vermutet: Die Renten sind eben nicht im Blümschen Sinne sicher. Sondern derjenige, der heute in die Rentenversicherung einzahlt, wird sicher sein können, sein Geld nie mehr zurück zu bekommen.

 

Mehr und mehr Leute werden aus dem bestehenden System fliehen, prognostiziert Sarrazin. Deshalb ist es für mich völlig unverständlich, wie man ein solches problembehaftetes System noch mit falschen Zusagen belastet und sich damit für die Zukunft politische Spielräume zustellt, kritisiert Thilo Sarrazin den Politik-Stil von Merkel & Co.

 

Die deutsche Regierungs-Politik ist sowieso auf den Reflationierungs-Stil der US-Amerikaner und Briten eingeschwenkt, bei denen ein Großteil des Haushalts inzwischen durch neue Schulden finanziert wird. Und die Schulden werden nicht von den Kapital-Märkten geschultert, sondern von der jeweiligen Notenbank mit Hilfe der Gelddruck-Maschine.

 

Bei diesem Prinzip muss man weder sparen, noch die Steuern erhöhen. Das gefährliche an dieser Art der Politik ist, dass man mit Falschgeld im Wirtschafts-Kreislauf zwar kurzfristig ein Strohfeuer anfachen kann. Sobald dieses allerdings erlöscht, wird das Vertrauen in die Währung komplett verloren gehen. 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Was für ein Tag. Die am Donnerstag anrollende Dubai-Krise hatte das Potential, die mit Dollar Carry-Trades übersättigten weltweiten Wertpapiere-Märkte nach unten zu reißen. Dies war gestern im europäischen Handel und heute früh im asiatischen Handel tatsächlich der Fall gewesen: Die Aktien-Indizes fielen weltweit um drei Prozent und mehr.

Wegen des Thanksgiving-Wochendes waren die Märkte in den USA am Donnerstag geschlossen, und auch am Freitag nimmt ein Großteil der Händler einen Feiertag, um ein verlängertes Wochenende feiern zu können. Es bestand die Gefahr, dass die Dubai-Krise absichtlich zum Thanksgiving-Wochenende ausgelöst wurde, um den Marktteilnehmern die Möglichkeit zu nehmen, sich von ihren Anlagen trennen zu können. Eine gute Möglichkeit also, die Märkte gezielt crashen zu lassen. Und Wochenende werden ja gerne dazu benutzt, um bestimmte Probleme zu lösen.

Es hat sich schließlich herausgestellt, dass diese Befürchtung falsch gewesen ist.

Aber heute ist wieder die Zeit der Goldzitterer gekommen. Das sind unsere lieben Mitbürger, die sich als Gold-Investoren sehen, aber vor jedem Rückschlag Angst haben. Eigentlich sind sie gar nicht von der Werthaltigkeit des Goldes überzeugt und zittern deshalb vor jeder Gegenbewegung.

Heute hatten die Goldzitterer Grund dazu, das schlimmste zu befürchten. Um 7:00 Uhr MEZ brach Gold aus heiterem Himmel nach unten aus: In zwei Wellen sackte Gold von $1.185 erst einmal auf $1.170 ab und in der zweiten Welle bis unter die Marke von $1.140. Das sind über $50 im Vergleich zum gestrigen Schlusskurs.

Das Gold-Kartell war diesmal nicht der Auslöser dieser Entwicklung. Vielmehr haben sich wohl die Markt-Teilnehmer an den Gold-Märkten in Asien panikartig von ihren Gold-Positionen getrennt.

Mit Beginn des Handels in London kehrte langsam wieder Ruhe ein. Der A.M. Fix kam mit  $1.164,50 (EUR 780,76) zustande. Zwar ist der Rückgang auf 24-Stundenbasis von $19 signifikant, aber verglichen mit dem Rückgang von $50, den wir gesehen haben, ist der Rückgang noch moderat verlaufen. Auf Euro-Basis hat Gold wegen des ansteigenden US-Dollars knapp vier Euro verloren.

Zum Nachmittag erholte sich Gold wieder bis zum Beginn des Handels an der COMEX auf fast $1.170. Eine Reihe von Markt-Teilnehmern der COMEX trennten sich zu Handelsbeginn von ihren Positionen. In der Folge fiel Gold wieder auf $1.150. Dann hat sich der Markt aber wieder stabilisiert und der nahende P.M. Fix zeigte an, dass weiterhin starke physische Nachfrage vorherrscht. Der P.M. Fix kam mit $1.166,50 (EUR 781,31) jetzt nur noch $16 niedriger als gestern zustande.

Zum Schluss des Handels an der COMEX konnte sich Gold wieder bis auf $1.180 stabilisieren. Dieses Niveau konnte nach dem heutigen turbulenten Markt-Verlauf nicht gehalten werden. Gold ging mit $1.172,50 aus dem Handel an der COMEX. Das Tages-Minus ist jetzt auf $14 gefallen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.164,50
(€780,76)

$1.183,00
(€784,22)

- $18,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.166,50
(€781,31)

$1.182,75
(€787,24)

- $16,25

COMEX Schlusskurs

$1.172,50

$1.186,60

- $14,10

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

75,0

74,8

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,2 %

3,3 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

23,4

22,5

+ 0,9

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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