|
Bericht für den 9. Dezember 2009 Gold & Gesellschaft: Redistributions-Phase Der Goldpreis-Rückgang der letzten Tage hat wieder
einmal die Zweifler zu Wort kommen lassen. Diese werden derzeit durch ein
regelrechtes Feuerwerk an goldfeindlichen Kommentaren in Presse, Funk und
Fernsehen zusätzlich verunsichert. Dazu muss man noch nicht einmal die
Anti-Goldkommentare von Jon Nadler auf kitco.com
lesen. Hinzu kommen die sich selbst für besonders klug
haltenden Trader, die seit dem fast ununterbrochenem
Anstieg des Gold-Preises der letzten Monate nun mit geschwollener Brust aus
ihren Short-Löchern gekrochen sind. Sie lassen sich
jetzt von ihrer Gemeinde als Gurus feiern. Wahrscheinlich sind sie in der
Vergangenheit bereits mehrmals mit ihren Short-Positionen ausgestoppt worden.
Dort überbietet man sich derzeit mit Horror-Abschlägen für Gold. Die Zweifler
haben einen weiteren Grund gefunden, den Verkauf ihres Goldes in Erwägung zu
ziehen. Aber mein Thema sind nicht die Trader,
sondern die langfristig orientierten Investoren. Wenn man die Angebote bei ebay
beispielsweise unter der Rubrik Zahngold regelmäßig beobachtet, dann wird man
feststellen, dass die letzten Wochen vermehrt Material auf den Markt kommt. In
der Vergangenheit haben sich die Käufer bis fast an den aktuellen Gold
Spot-Preis hoch geboten. Einige Käufer scheinen dabei nicht kapieren zu wollen,
dass die Aufarbeitung zu Rein-Gold relativ komplex ist. Fehlende
Schul-Grundkenntnisse führen zu der irrigen Annahme, dass man Legierungen, die
aus Gold, Silber, Platin und anderen Metallen bestehen, durch Schmelzen trennen
kann. So taucht dann nach einiger Zeit das Zahngold als geschmolzenes Nugget in
diversen Auktionen erneut auf. Vorhandene Verblendungen, Zement- und andere
Zahnreste stellen das erste Problem dar. Chemisch sind die nur mit Flusssäure
zu beseitigen. Oder mechanisch, wenn man die entsprechenden Präzisions-Geräte
besitzt und nicht die Hälfte des Goldes gleich mit wegfeilt. Hat man die Reste
erfolgreich entfernt, dann hilft nur Königswasser, um die Legierung in Lösung
zu bringen. Das Verfahren geht dann mit der eigentlichen Scheidung von
Rein-Gold weiter. Aber auch das ist nicht mein heutiges Thema. Der Angebots-Überhang der letzten Wochen scheint
Hilfe für die Ankäufer in Aussicht zu stellen. Plötzlich sind die Abschläge zum
Gold Spot-Preis bei 15 Prozent bis zu 50 Prozent. In diesem Bereich wird die
Wiederaufarbeitung dann wieder wirtschaftlich. Genauso wie viele Juweliere derzeit mehr Umsatz mit
dem Ankauf von Alt-Gold machen, als mit ihren Standard-Produkten. Allerdings
nur zu EUR 15 pro Feinunze. Das ist ein Abschlag von 40 Prozent zum Gold Spot: Mit diesem Überschuss kann man auch noch den
Wiederaufbereiter bezahlen. Viele Bürger scheinen also ihre letzten Gold-Reste
verkaufen zu wollen. Entweder aus Geld-Mangel, oder weil sie sich noch den
hohen Gold-Preis sichern wollen. Auch viele Klein-Investoren scheinen sich wieder
von ihrem Gold zu trennen. Die Finanz-Krise hat letztes Jahr viele
Klein-Anleger in Gold getrieben. Die langen Schlangen vor den Gold-Händlern und
ausverkaufte Online-Händler waren die Folge. Dieses Jahr konnte man diese
Entwicklung nicht beobachten. Nur Gold-Händler mit schlechten
Einkaufs-Beziehungen hatten Probleme, an Material zu kommen. Für den klein- und
mittelgroßen Anleger war also im Prinzip ausreichend Gold vorhanden. Dafür wurden die großen Gold-Barren plötzlich rar.
Ein Zeichen dafür, dass Groß-Anleger inklusiv institutionelle Anleger nun
massiv in Gold investieren. Wir haben jetzt die Redistributions-Phase erreicht.
Das Gold wandert von den schwachen in die starken Hände. Das ist ein häufig
beobachtetes Phänomen, bevor sich als nächstes die Ausbruchs-Phase anschließt. Vermögen aufbauen ist eben nichts für die
Zittrigen. Das Big Money, obwohl es relativ spät in den Gold-Markt eingestiegen
ist, wird wohl auch weiterhin Big Money bleiben. Der große Rest der Investoren
wird wohl Opfer der derzeit laufenden Redistributions-Phase werden. Weil man
zweifelt und zittert. Die Zeit der Zweifler und Zittrigen kommt dann
wieder im Anschluss an die Ausbruchs-Phase. Nämlich dann, wenn sich Gold
zwischenzeitlich vervielfacht hat. Dann haben wir die Panik-Phase erreicht.
Auch hier werden die Zweifler und Zittrigen diejenigen sein, die spät und teuer
einsteigen. Der dann folgende Abwärts-Trend wird dann eine wirkliche
Zitter-Partie werden. Wie lautet noch die alte Wall Street
Börsenweisheit: Bulls win, bears
win, and hogs get slaughtered. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Das US-Imperium trumpft derzeit mit seinen
weltweiten Rating-Agenturen auf. Gestern stand
Griechenland auf der Abschuss-Liste und heute war Spanien dran. Derweil leisten
sich die Vereinigten Staaten die höchsten Haushalts-Defizite weltweit. Im
Oktober standen Staats-Einnahmen aus Steuern etc von $135,33 Mrd einer Netto-Neuverschuldung von $176,36 Mrd gegenüber. Das heißt knapp 57 Prozent der staatlichen
Ausgaben werden durch Neuverschuldung bezahlt. Und Obama
hat Anfang dieser Woche noch angekündigt, die staatlichen Rettungs-Maßnahmen
für Konjunktur und Arbeitsmarkt zu verstärken. Jedes andere Land wäre bereits bankrott. Aber die
USA finanzieren ihre Neuverschuldung einfach über die Noten-Presse von Ben Bernanke. Zwar nicht direkt und deshalb für einen Großteil
der ignoranten Finanz-Affen nicht sichtbar. Aber S&P, Moodys
und Fitch würden es niemals wagen, das AAA-Rating der US-Schulden in Frage zu stellen. Damit würde
die Welt-Leitwährung kippen, da sie auf Teufel und Verderb an der Qualität der U.S.-Treasuries hängt. Das wäre auch das Ende des Geschäftsmodells
der Falschspieler. Das Gold-Kartell hat heute erwartungsgemäß sein
Spiel fortgesetzt. Obwohl es bis zum frühen Abend nicht danach ausgesehen
hatte. Zuerst wurde versucht, die gestrige Drückung im Access Market in die
Märkte heute früh in Asien und Europa fortzuschreiben. Das gelang nur
teilweise. Zwar konnte die gestrige Schluss-Marke im COMEX-Handel zu den beiden Londoner Fixen, der A.M. Fix kam
mit $1.142,25 (EUR 773,57) und der P.M. Fix mit $1.141,00 (EUR 774,82) zustande,
verteidigt werden. Aber die Drückung im Access Market wurde heute früh in Asien
und Europa durch entsprechende Preis-Aufschläge wieder neutralisiert. Nachdem sich am Freitag die offenen Positionen an
der COMEX praktisch nicht verändert haben, zeigten die
Daten für den Handelstag am Montag einen starken Rückgang um 21.043 Positionen
auf 508.730 Kontrakte an. Die Aktionen des Gold-Kartells am Montag hatten also
ihren gewünschten Effekt erzielt - eine Reihe von Longs
hat ihre Positionen aufgelöst. Das war heute eine Motivation, im COMEX-Handel weitere Teilnehmer zur Liquidation zu zwingen. Die Drückung begann um 18:00 Uhr MEZ bei einem
Stand von $1.140 und endete erst zum Schluss des Handels an der COMEX um 19:30
Uhr mit $1.120. Es ist erstaunlich, dass sich trotz der massiven
Angriffe der USA auf den Euro-Raum der Dollar nicht befestigen konnte. Er
verlor sogar leicht um 0,1 Punkte auf 76,2 (USDX). Gibt es vielleicht Streit im
ehrsamen Club der monetären Viererbande. Die USA bekämpfen derzeit Europa und
insbesondere den Euro-Raum, Großbritannien kämpft mit der City um die letzten
Reste seines verbliebenen Empires, Japan koppelt sich von allen ab und weitet
seine Konjunktur-Programme weiter aus. Und im Euro-Raum scheinen sich
Frankreich und Deutschland gegen die Finanz-Kasino-Mentalität in London in
Stellung zu bringen. Interessant wird es, wenn sich Deutschland,
Frankreich und Japan in Stellung gegen die Vereinigten Staaten und
Großbritannien bringen. Die Aktionen der letzten Tage lassen so etwas jedenfalls
als nicht unwahrscheinlich erscheinen. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich
publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009 |
||||||||||||||||||||||||||||||||