Bericht für den 10. Dezember 2009

 

Gold & Gesellschaft: Ausstieg aus dem Sozialstaat

 

Die junge Generation verabschiedet sich vom Sozialstaat titelte kürzlich die Wirtschaftswoche ihren Bericht: Von der gesetzlichen Sozialversicherung erwarten die 30-jährigen nichts mehr, daran ändert auch die neue Regierung nichts. Die junge Generation reagiert auf ihre Weise: Still und leise verabschiedet sie sich aus dem Sozialstaat, merkten die Autoren dieses Berichtes kritisch an.

Das ist auch kein Wunder. Die Staatsverschuldung erreicht immer neue Rekorde und Jahr für Jahr fließt immer mehr Geld in den Sozialstaat. Die Bevölkerungs-Pyramide entwickelt sich vom Tannenbaum zur Urne. Aber selbst die spärlich nachwachsenden Jungen werden von dem Sozialstaat vereinnahmt: Sie finden sich wie ihre Eltern mit dem Leben in Hartz IV ab. Nebenbei vielleicht noch ein oder mehrere 400 Euro-Jobs oder aber Schwarzarbeit.

Alles keine zukünftigen Beitragszahler, auf deren Basis man ein zukunftssicheres System aufbauen könnte.

Wenn nun auch noch die in Arbeit heranwachsende Generation innerlich mit dem Sozial-Staat gekündigt hat, wie in dem Bericht der WIWO behauptet wird, dann müssten bei den Politikern eigentlich die Alarm-Glocken läuten.

Tun sie aber trotzdem nicht. Jegliche Kritik beispielsweise an der Rentengarantie, welche die Bürger auf die eine oder andere Weise mitfinanzieren müssen, prallen an unseren Teflon-Politikern ab. Keiner glaubt mehr ernsthaft, dass er das Geld, was er in die Sozial-Kassen gesteckt hat, jemals wieder herausbekommen wird.

Norbert Blüm, der „die Rente ist sicher“ Arbeitsminister, ist mit seinem Ausspruch aus dem Jahre 2002 zur Karikatur seiner selbst geworden. Im einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung hat er sich damals wie folgt gerechtfertigt: Die Geburtenzahlen sind nicht das einzige Kriterium für die Zahl der zukünftigen Beitragszahler. Ebenso wichtig ist, ob die heute Geborenen morgen Arbeit finden und wie viel und wie produktiv diese Arbeit ist. Wenn sich die Zahl der Geburten verdoppeln würde, aber die Arbeitnehmer in Zukunft nur halb so viel und so produktiv wie heute arbeiteten, wäre gar nichts gewonnen.

Leider driften immer mehr zukünftige Beitragszahler in Hartz IV ab, auch bedingt durch die Ausplünderung der Sozial-Systeme durch bestimmte Migranten-Gruppen. Mit dem Wegfall der bislang gutbezahlten Industrie-Jobs geht dieser Spruch heute genau in die andere Richtung los, als Norbert Blüm damals bezweckte. Wir haben nicht nur weniger mögliche Beitrags-Zahler bedingt durch die niedrigen Geburten-Raten, sondern die Produktivität der Verbliebenen nimmt durchschnittlich weiter ab.

So sinkt die Zahl der beitragspflichtigen Jobs immer weiter. Das System konsumiert immer mehr Steuer-Gelder, um überhaupt noch am Leben erhalten zu werden. Getragen wird das System noch durch die Baby Boom Generation, die in den 50er- und 60er-Jahren geboren wurde. Wenn diese Generation in das Rentenalter eintritt, dann werden aus massiven Beitrags-Zahlern plötzlich viele Beitrags-Empfänger. Die Hochrechnungen der Politiker und Vertreter der gesetzlichen Rentenversicherung sind wohl auch über die Schreibtische der Manipulatoren aus den Wahrheitsministerien gegangen.

Die Neue Züricher Zeitung spricht beim Renten-System von einem Schneeball- oder Ponzi-Schema. Dort wird der Ökonom Paul Samuelson mit einer Aussage zitiert, die er vor vierzig Jahren getroffen hat: Umlagesysteme sind versicherungstechnisch falsch, sie sind die größten Ponzi-Systeme. Charles Ponzi hatte im  Jahr 1920 ein enormes Schnellballsystem errichtet.

Alle Rentensysteme sind mit drastisch mehr Versprechungen an die Alten errichtet worden, als später bezahlt werden konnten, rechnete die Weltbank in einem Bericht vor zehn Jahren vor. Aber selbst diese Annahmen sind heute nicht mehr richtig: Es strömen nämlich nicht, wie damals erwartet, immer mehr zahlende Junge ins System, weil die Geburtenrate sank, und die Älteren länger leben als erwartet.

Der Beitragsschneeball stockt und ein reales Wachstum gibt es wegen des korrupten Falsch-Geldsystems, das sich durch reale Negativ-Renditen immer weiter aufbläht, seit Jahren schon nicht mehr. Die beiden Grund-Pfeiler für die derzeitigen umlagefinanzierten Beitrags-Systeme wackeln schon mächtig. Gut für die Politiker ist nur, dass sich die Konsequenzen nicht in einem großen Knall entladen werden, sondern sich über Jahre und Jahrzehnte entwickeln werden.

Insoweit sind diese Beitrags-Systeme noch stabiler als unser Finanz-System, das im Prinzip jeden Tag den Exodus erleiden kann. Die Frage ist, ob in diesem Fall die Beitrags-Zahler noch dazu gezwungen werden können, in diese Systeme weiterhin Geld zu stecken.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die beiden Londoner Marken, zu denen der Preis für physisches Gold gehandelt wird, sind nicht die Impulsgeber für den bislang $100 umfassenden Rückgang des Gold-Preises die letzen Tage. Die starken Drückungs-Impulse gehen vom Future-Handel in New York aus.

Allerdings scheint es in London ein ausreichendes Angebot an physischem Gold zu geben, so dass die gesetzten Preis-Niveaus an der COMEX in London bestätigt zu werden scheinen. Das ist ganz im Interesse des Gold-Kartells. Mehr als zehn Jahre lang konnte es über das Gold der westlichen Zentralbanken verfügen, um so ein ausgeglichenes Nachfrage-/Angebots-Verhältnis zu erreichen. So konnte man mit intelligenten Trading im Future-Handel den Gold-Preis jahrelang unter Kontrolle halten: Erst lockte man die Longs bei steigenden Preisen dazu, zusätzliche Positionen zu kaufen und dann ließ man mit vereinbarter Käufer-Zurückhaltung den Markt kollabieren. Mit physischem Gold in London sicherte man sein Werk ab.

Das die letzten Wochen und Monate rar werdende zusätzliche physische Gold kommt jetzt, obwohl es öffentlich dementiert wird, aus dem Nahen Osten. Zusätzlich wird anscheinend auch Öl auf den Markt geworfen. Der Preis nähert sich bedenklich der Marke von $70 pro Barrel.

Solange diese Situation nicht bereinigt ist, wird der Druck auf Gold anhalten. Das heißt nicht, dass es weitere Abwärts-Phasen geben muss. Denn das Gold-Kartell muss seine Short-Positionen irgendwann einmal wieder eindecken.

Heute sahen wir eine solche Stabilitäts-Phase auf niedrigem Niveau. Die beiden Londoner Fixings, der A.M. Fix mit $1.125,75 (EUR 764,21) und der P.M. Fix mit $1.128,50 (EUR 766,80), deuten darauf hin, dass vom physischem Markt derzeit keine Aufwärts-Impulse ausgehen. Das heißt nicht, dass die Investoren des Big Money nicht weiter in physisches Gold investieren. Ich denke, deren Bedarf ist weiterhin ungebrochen. Immer klarer zeigen sich die Konturen, dass unser Geld-System ein Mega-Schneeballsystem ist.

Aber die kleinen und mittelgroßen Investoren sind verunsichert. Man übt Kaufzurückhaltung und fragt sich, ob das Umschichten von Papier-Vermögen in Gold die richtige Wahl sei. Börsenweisheiten wie beispielsweise „greif nicht ins fallende Messer“ unterstützen diese Auffassung noch.

Zum Schluss des Handels an der COMEX stand Gold bei $1.125,00.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.125,75
(€764,21)

$1.142,25
(€773,57)

- $16,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.128,50
(€766,80)

$1.141,00
(€774,82)

- $12,50

COMEX Schlusskurs

$1.125,00

$1.119,90

+ $5,10

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,1

76,2

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,5 %

3,4 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,7

22,4

- 0,7

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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