Bericht für den 18. Dezember 2009

 

Gold & Gesellschaft: Es herrscht Krieg

 

So langsam habe auch ich Mitleid mit Barack Obama. Während die Kommentatoren am Freitag noch unkten, ein Kompromiss zum Klima-Gipfel mit China würde nur dann zustande kommen, wenn ein Gesprächs-Partner auf Augenhöhe, sprich die Vereinigten Staaten, gefunden wäre, haben China, Indien und die Länder der Dritten Welt Obama als das vor den Karren des ökologisch-industriellen Komplexes gespannte Zugpferd endgültig blamiert.

Angela Merkel war, nachdem sie noch vor der Abreise zum Klimagipfel in Kopenhagen eine kesse Lippe riskiert hatte, plötzlich spurlos verschwunden. Na ja, der schnuckelige Eisbär Kurt ist inzwischen kein Werbeobjekt der Steif-Werbung mehr. Und den dicken und gemütlichen Sigmar Gabriel, in sicherer Entfernung zum Klima schmelzenden Eisberg hat man plötzlich als Gegner.

Warum ist das für die Entwicklung an den Gold-Märkten relevant? Weil Obama versucht, die industrielle Basis der USA wiederaufzubauen. Sicherlich nicht mit Hilfe der Wall Street Marionetten Geithner und Summers. Aber der immer noch für Obama arbeitende Paul Volcker hat schon einmal in den 70er-Jahren gezeigt, wie man eine Nation aus einer faktisch desolaten Situation herausführen kann.

Die Rettung von General Motors würde sonst gar keinen Sinn machen. Obama möchte die USA wieder unabhängig von den weltweit verlängerten Werkbanken machen. Porsche und Mercedes könnten die USA als Luxusimporteure noch gut akzeptieren. Aber dass faktisch auf allen Produkten, die man in der Shopping Mall kaufen kann, Made in China steht, bedeutet faktisch, dass Amerikaner keine Waren mehr für Amerikaner produzieren.

China ist aggressiv – denn es weiß, dass es nur durch massive Ausweitung seines Exports wachsen kann, um Massenarbeitslosigkeit und Revolten zu verhindern. Zuerst haben die Machthaber in China ihre Währung an den Dollar gebunden und damit trotz Dollarentwertung ihre Stellung im US-Markt verteidigen können.

Die Dummen waren die Europäer, die nun von China-Waren zu Euro-Deflationspreisen überschwemmt wurden.

Die Entwicklung der letzten zwei Wochen ist vor diesem Hintergrund zu betrachten: China muss wachsen, egal ob durch Exporte nach Europa oder den USA. Die USA möchte wieder eine industrielle Basis aufbauen, da das bisher goldene Eier legende Huhn der Dollar-Dominanz im Koma liegt. Und Europa möchte seine industrielle Basis, vor allen in Deutschland und Frankreich erhalten.

Die USA haben überhaupt gar kein Interesse am einem starken Dollar, wie wir ihn die letzten zwei Wochen sehen. China hat kein Interesse, seine Exporte zurückzunehmen. Und Europa hat eine Reihe Probleme mit seinen Ländern im Süden (Frankreich ausgenommen). Hinzu kommt, dass das britische Banken-Empire durch die Dubai-Krise mit „Flammen über Nahost“ konfrontiert ist.

Bill Murphy von GATA liegt deshalb falsch, wenn er das Gold-Kartell für den Einbruch des Gold-Preises verantwortlicht macht. Noch falscher liegen nur noch die Elliott Wellen Idioten, die durch den starken Preis-Rückgang beim Gold eine Vision von ihrem Meisters Robert Prechter haben. Wahrscheinlich wurden sie die letzten knapp zehn Jahre Goldpreis-Anstieg nur auf Willensstärke geprüft.

Wir haben es hier mit dem Kampf von drei Wirtschafts-Räumen zu tun. Die USA dachten, den chinesischen Import durch Deflationierung des Dollars gegenüber dem Euro ins Euroland umzuleiten. Die Europäer, nachdem sie erkannt haben, dass ihr Wirtschaftsraum zum Teil in noch viel schlimmerer Situation als dem der USA ist, versuchen panikartig den Dollar nach oben zu pushen.

Die einfachste Methode, ohne dass die Qualität der Papiergeld-Währungen an sich in Frage gestellt wird ist, Gold gegen Dollar zu verkaufen. Da diese Industrie-Politik der Europäer auch im Interesse von China (und Indien) ist, sehe wir keine Kauf-Rettungsaktionen dieser Nationen, um Gold zur Hilfe zu eilen. Logisch wäre es (paradoxerweise), wenn die USA Gold kaufen würden. Aber soweit scheint Obama derzeit noch nicht zu sein.

Vielleicht erkennt er nach der Katastrophe in Kopenhagen, dass Gold nicht sein Gegner, sondern vielleicht sein Freund sein kann. Die Chinesen haben zwar mehrere tausend Milliarden Dollars an Treasuries, die sie gegen Gold verkaufen können. Aber Obama hat die FED, die mit praktisch unendlich vielen Dollars das Gold den Chinesen wegkaufen könnte.

Der Krieg, den Europa mit Hilfe des untergehenden britischen Empires mit Unterstützung von China angezettelt hat, kann ganz schwer nach hinten losgehen. Ob jetzt wirklich Bernanke gegen Trichet und Dimon und Blankfein gegen Green und Ackermann antreten werden, steht auf einem anderen Papier.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Nach dem gestrigen Druck im Access Handel konnte sich Gold im asiatische Handel wieder oberhalb der Marke von $1.100 stabilisieren. Dass die Bäume nicht zu hoch wachsen würden, konnte man an dem A.M. Fix mit $1.106,50 (EUR 769,04) ablesen – immerhin ein Rückgang von $15 auf Tagesbasis.

Während des COMEX-Handels wurde zwar versucht, die Marke von $1.100 erneut zu testen. Aber dieser Test schlug fehl. Dass die EZB immer noch massiv mit physischen Gold nachhilft, konnte man an dem P.M. Fix mit $1.104,50 (EUR 769,37) ablesen. Auf 24-Stundenbasis ein Rückgang von knapp $13.

Im Anschluss an den P.M. Fix haben sich die Londoner Derivate-Händler wieder mit ihren Aktionen in Szene gesetzt. Die konnten den Gold-Preis wirklich wieder einmal unter die Marke von $1.100 drücken. Das war allerdings zu viel; Gold konnte sich zum Schluss des Handels an der COMEX auf $1.110,80 befestigen. Im Tagesverlauf ein Verlust von vier Dollar.

Gold hat im Wochenvergleich sieben Dollar abgeben müssen. Nicht so schlimm, wie Viele befürchtet haben.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.106,50
(€769,04)

$1.121,50
(€781,53)

- $15,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.104,50
(€769,37)

$1.117,00
(€777,86)

- $12,50

COMEX Schlusskurs

$1.110,80

$1.106,80

- $4,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

77,7

77,8

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,5 %

3,5 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,2

22,2

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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