Bericht für den 22. Dezember 2009

 

Gold & Gesellschaft: Strukturelles Defizit

 

Unser neuer Finanz-Minister Wolfgang Schäuble plant, ab dem übernächsten Jahr eisern zu sparen. So berichtete jedenfalls die Wirtschaftswoche in ihrem gestrigen Beitrag. Wir müssen das strukturelle Defizit ab 2011 um rund 10 Milliarden Euro pro Jahr verringern, wird Schäuble in dem Blatt zitiert.

Was hat der denn geraucht? Im Jahr 2010 wird der Bund voraussichtlich 100 Milliarden Euro neue Schulden machen. Wie kann Schäuble dann von einem strukturellen Defizit von lediglich 10 Milliarden sprechen.

Steuereinnahmen von geplanten EUR 213,8 Mrd stehen Ausgaben von insgesamt 327,7 Mrd gegenüber. Der größte Ausgabe-Posten wird mit EUR 153 Mrd das Ressort Arbeit & Soziales verschlingen.

Davon allein EUR 80,7 Mrd als staatliche Zuschüsse an die gesetzliche Rentenversicherung. Hier sieht man, dass das Generationen-System, bei dem die aktuellen Beiträge zur Rentenversicherung die Ausgaben für Renten-Zahlungen finanzieren sollen, schon längst auf den sprichwörtlichen Eisberg gefahren ist. Ein Blick in den Monatsbericht der Deutschen Bundesbank für den Monat Dezember gibt Klarheit: Die ersten 9 Monate des Jahres sind Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung von insgesamt EUR 179,276 Mrd geflossen. Davon waren lediglich EUR 123,173 Mrd beitragsfinanziert. Den Rest musste der Bund zuschießen. Die Deckungs-Quote für die Beiträge beträgt somit nur noch 68,7 Prozent.

Durch seinen hohen Schulden-Stand muss der Bund im nächsten Jahr knapp EUR 42 Mrd für Zins-Zahlungen aufwenden. Vielleicht sind die Zins-Zahlungen kein Bestandteil des strukturellen Defizits, über das Wolfgang Schäuble spricht.

Bis zum Jahr 2013 sollen die Ausgaben des Bundes auf EUR 313,5 Mrd sinken - wers glaubt wird selig. Gleichzeitig ist ein moderater jährlicher Anstieg der Steuereinnahmen von 1,9 Prozent geplant, so dass im Jahr 2013 mit einem Steuer-Aufkommen von EUR 240 Mrd gerechnet wird.

Rechnen wir einmal nach. Im Jahr 2013 hat der Bund ein Finanzierungs-Defizit von EUR 73,5 Mrd. Eine Verringerung dieses Defizits um den strukturellen Anteil von EUR 10 Mrd würde das Defizit auf lediglich EUR 63,5 Mrd schrumpfen lassen. Selbst wenn man die Kosten für Zins-Zahlungen von diesem Betrag abzöge, verbliebe immer noch ein Defizit von über EUR 20 Mrd. Die Rhetorik von unserem Bundesfinanz-Minister ist mir völlig undurchsichtig.

Dafür hat er die diversen Kostgänger des Staates mit seiner Aussage auf den Plan gerufen. WIWO berichtete: Die Gewerkschaft der Polizei mutmaßte, dass die Bürger die Steuergeschenke mit einem Verlust innerer Sicherheit bezahlen würden.

Und die Tarif-Auseinandersetzung im öffentlichen Dienst wird auch schon vorverlegt: Vor dem Hintergrund der Sparzwänge kritisierte Schäuble die Forderung der Gewerkschaft ver.di nach fünf Prozent mehr Entgelt für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes scharf. Die Reaktion kam prompt: Der Sächsischen Zeitung sagte Heesen (Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes), man werde nicht zulassen, dass die Beschäftigten jetzt die Zeche für die Schuldenpolitik des Bundes zahlen sollen.

Werden sie trotzdem, wenn nach einem Staatsbankrott die Gehalts- und Pensions-Zahlungen ausbleiben werden.

Aber die Argumentation von Peter Heesen ist durchaus nachvollziehbar: Wenn der Staat mit hunderten von Milliarden Euro dem Banken-System helfen kann, die sich immer noch millionenschwere Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter gönnen, warum sollen dann die Angestellten und Beamten des öffentlichen Dienstes mit monatlichen Erhöhungen im zweistelligen Eurobereich das Opferlamm sein.

Genau die gleiche Frage stellen sich auch die Steuerzahler, wenn es wieder einmal um steigende Sozial-Abgaben, diesmal bei der Arbeitslosen-Versicherung, geht. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von Plänen, den Beitragssatz von derzeit 2,8 Prozent im Jahr 2011 auf 4,5 Prozent anzuheben. Das ist eine Erhöhung um mehr als 50 Prozent. Das Kraut, das Schäuble hier geraucht haben muss, ist schon wirklich harter Tobak.

Wer vor diesem Hintergrund das Licht am Ende des Tunnels erblickt, der scheint lediglich die Frontbeleuchtung des entgegenkommenden Zuges zu erkennen. Denn obwohl die Rettungs-Pakete für das marode deutsche Banken-System in Schattenhaushalten ausgelagert wurden oder erst dann schlagend zu werden drohen, wenn die Verluste realisiert werden, die Schulden sind da und müssen im Prinzip auch bedient werden.

Aber dass der Staat jemals in seiner Geschichte noch einmal einen Euro Überschuss machen wird, um damit seine Netto-Schulden tilgen zu können, daran glauben noch nicht einmal mehr die Betenden in der Kirche.

Wahrscheinlich kommen vor lauter Angst um ihre Staats-Jobs und Staats-Budgets wieder einmal die pseudo Wirtschaftsweisen --- oder sind das inzwischen Wirtschaftswaise, da gesellschaftlich völlig abgehoben und isoliert --- angekrochen, um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um fünf oder noch mehr Prozent-Punkte zu fordern. Und eine gute Begründung, warum sich damit Deutschland in guter internationaler Gesellschaft befinden würde, geben sie gleich mit.

Auch sie haben ein strukturelles Defizit, um das wir uns kümmern sollten.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Manipulationen der letzten zwei Wochen scheinen nun die Blase der Staats-Anleihen angestochen zu haben. Gestern sind die Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes bereits auf 3,7 Prozent gestiegen. Heute ging es mit den Real-Renditen auf 3,8 Prozent weiter aufwärts, beziehungsweise mit dem Kurs dieser Papiere entsprechend abwärts.

Auch Bill Gross, Gründer der jetzt zur Allianz-Gruppe gehörenden Investment-Gesellschaft PIMCO, verabschiedet sich von Staatsanleihen und schichtet sein Geld lieber in Cash um. Bloomberg berichtete darüber vor einigen Tagen. Bill Gross hatte während des Zusammenbruchs von Fannie Mae und Freddie Mac auf das richtige Pferd gesetzt, in dem er auf die Rettung dieser Immobilienfinanzierer durch den Staat gewettet hatte.

Dumm gelaufen für die Manipulatoren.

Da half auch nicht die sehr moderate Zurückstufung der griechischen Staatsanleihen durch Moody, den Dritten im Bunde der Rating-Agenturen. Laut Moody sind die griechischen Papiere noch mit A2 bewertet und damit zwei Stufen besser als die von Standard & Poor und Fitch vergebenen Ratings (BBB+).

Das riecht stark nach staatlichem Druck, um den Markt der Staats-Anleihen zu stabilisieren. Zumal ein Großeigentümer von Moody Warren Buffett ist, der im letzten Jahr noch mit einer Beteiligung an Goldman Sachs den Gott der Wall Street vom Untergang bewahren konnte. Wahrscheinlich auch im staatlichen Auftrag, denn mit der AIG-Rettung wurden ausreichende Milliarden von Dollar an CDS- und anderen Derivate-Verbindlichkeiten in die Kassen von Goldman Sachs und der Deutschen Bank gespült.  

Würde die Blase der Staats-Anleihen platzen, dann müssten die Staaten trotz höherer Real-Renditen zwar nicht mehr Geld für ihre Schulden bezahlen. Aber die permanent auslaufenden und zur Verlängerung anstehenden Papiere würden auf weniger Interesse der Investoren stoßen. Im Zweifelsfall müssten die Staaten höhere Zinsen anbieten.

Der Markt für Staatsanleihen ist die Achilles-Ferse von Big Government: Versiegt dieser bislang unerschöpfliche Jungbrunnen, dann wären die derzeit die Konjunktur stabilisierenden Ausgabe-Programme der Staaten schnell am Ende. Und damit auch die Zahlungs-Ströme des Sozial-Staates. Das werden die Regierenden sicherlich mit noch massiveren Geld-Drucken zu verhindern versuchen.

Gold leidet weiter unter dem massiven Abgabe-Druck, mit dem die EZB-Staaten ihre letzten Gold-Reserven verpulvern. Solange sich die Abwärts-Bewegung beim Gold zu den beiden Londoner Fixings fortsetzt, wird noch mehr physisches Gold in den Markt gepumpt, als derzeit für Investment-Zwecke nachgefragt wird.

So ist es nicht verwunderlich, dass der heutige Handel in Asien und in London zu keiner Stabilisierung des Gold-Preises geführt hat. Im Londoner Vormittags-Handel wurde der gestrige COMEX-Schlusskurs mit $1.094,25 (EUR 765,10) fast auf den Cent genau bestätigt. Auf 24-Stundenbasis hat Gold damit $19 verloren. Das sind Werte, die unüblich für den physischen Markt sind und auf eine massive Injektion von 400oz-Zentralbank-Gold hindeuten.

Zum Nachmittags-Handel fiel Gold dann (erwartungsgemäß) stetig weiter und stand bei Eröffnung des Handels in New York bei $1.087. Gold versuchte eine Erholung, bildete aber bei $1.092 ein kleines Doppel-Top aus. Der nahende P.M. Fix ließ wieder einmal nichts gutes erwarten.

Und so kam es denn auch: Zum P.M. Fix sank Gold auf $1.084,00 (EUR 759,32) und damit um $22 im Vergleich zum gestrigen P.M. Fix. Waren hier einhundert Tonnen (oder mehr) Zentralbank-Gold im Spiel? Oder halten sich alle möglichen Käufer derzeit zurück, um auf noch niedrigere Einstiegspreise zu spekulieren.

Es drohte eine Wiederholung des gestrigen Manipulations-Musters. Und Gold wurde nach dem P.M. Fix wirklich in der folgenden Stunde um weitere $10 gedrückt. Erst bei $1.075 kam wieder etwas Kauflaune auf und Gold konnte sich zum Schluss des Handels an der COMEX auf das Niveau verbessern, das es zu Beginn des Handels in New York innehatte.

Der US-Dollar ist heute weiter um 0,3 Punkte auf 78,3 gestiegen. Dafür sind die Renditen der 10-jährigen Treasuries auf 3,8 Prozent gestiegen (Montag: 3,7 Prozent). Der von mir ermittelte Quotient aus USDX und den Renditen, mit dem ich versuche, Schwierigkeiten im US-Dollarraum zu modellieren, ist um weitere 0,5 Punkte auf 20,6 gefallen. Dieser Quotient hat bislang seit seiner Erfassung noch nie die Marke von 20 nach unten durchbrechen können. Der niedrigste von mir erfasste Wert lag bei 20,1 am 10. Juni 2009.

Wir haben ein massives Dollar-Problem, obwohl der US-Dollar paradoxerweise gegen die anderen Währungen steigt. Der US-Dollar müsste in dieser Situation eigentlich gegen Gold abverkauft werden. Aber nach der Lehman Brothers Krise im letzten September wissen wir ja bereits: White is black and black is white.

Wir werden sehen, ob uns dieses Manipulations-Muster wieder vor einem Zusammenbruch bewahren kann.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.094,25
(€765,10)

$1.113,25
(€776,92)

- $19,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.084,00
(€759,32)

$1.105,50
(€771,24)

- $21,50

COMEX Schlusskurs

$1.087,00

$1.094,10

- $7,10

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

78,3

78,0

+ 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,7 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

20,6

21,1

- 0,5

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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