Bericht für den 24. Dezember 2009

 

Gold & Gesellschaft: Kranke Krankenversicherungen

 

Erinnern Sie sich auch noch an die Werbung, mit der uns bestimmte Krankenkassen weismachen wollten, dass sie eigentlich keine Versicherung gegen Krankheit, sondern für die Gesundheit seien.

Das ist eine geschickte Ablenkung davon, dass unser Gesundheits-System an sich krank ist. Das betrifft nicht nur die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), sondern auch die sich gerne als elitär ansehenden privaten Krankenkassen (PKV).

Die Financial Times Deutschland (FTD) hat diesem Thema einen Bericht unter dem Titel Die nächste Beitragserhöhung kommt bestimmt gewidmet. Bis zu 80 Euro im Monat haben Gutverdiener am Januar mehr in der Kasse. Die Freude darüber könnte schnell verfliegen. Dem Gesundheitssystem fehlen weitere Milliarden. Früher oder später wird der Beitragszahler also ran müssen, prognostiziert die FTD.

Sehr gut kann man die latenten Probleme des Gesundheits-Systems an der Entwicklung der Beiträge der privaten Krankenkassen ablesen. Denn hier kann der Gesetzgeber nicht, wie in der gesetzlichen Krankenversicherung, in die Vertragsgestaltung zwischen den Kassen und dem Versicherer eingreifen. Jemand, der in der PKV einen Vertrag mit bestimmten Leistungen abgeschlossen hat, wird auch in Zukunft auf diese Leistungen einen vertraglichen Anspruch haben.

Das macht sich dann allerdings in den Beiträgen bemerkbar. Für jemanden, der vor 24 Jahren mit Anfang zwanzig in die PKV eingetreten ist, macht sich das konkret folgendermaßen bemerkbar: Betrug der Beitrag zur PKV im Jahr 1986 noch EUR 100, so sind ab dem Jahr 2010 nun monatlich EUR 540 zu entrichten. Diese Erhöhung um 440 Prozent in 24 Jahren entspricht einer jährlichen Preissteigerung der PKV um 7 Prozent.

Die Gründe sind vielfältig: Um den ärztlich-industriellen Komplex durch feste Honorare bei den Privat-Versicherten bei Laune zu halten, sind die Ausgaben für ärztliche Leistungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten bei Privatversicherten stärker gestiegen als bei gesetzlich Versicherten. Das wird zwar gerne von den Politikern als Zweiklassen-Medizin verurteilt. In Wirklichkeit hat der Gesetzgeber diese Entwicklung selbst gefördert. Das war gut für die Ärzte in Grünwald bei München oder Kronberg im Taunus mit einem hohen Anteil von Privat-Patienten. Schlecht geht es in einem solchen System den Ärzten in Gebieten wie Mecklenburg-Vorpommern, wo es praktisch keine Privat-Patienten gibt.

Der zweite Aspekt ist die Lebenserwartung. Ein Großteil der Kosten für die Gemeinschaft der Versicherten fällt während der letzten Lebensjahre an. Die PKV musste mehrere Male ihre Sterbetafeln nach oben hin anpassen, womit die Rücklagen, welche die PKV zur Stabilisierung der Beiträge für das Alter bilden sollte, entwertet wurden. Eigentlich sollte einer, der mit jungen Jahren der PKV beitritt, auch als Rentner noch den gleichen Beitrag bezahlen. Verschlimmert wurde diese Situation durch das Anlage-Verhalten der PKV-Portfoliomanager. Diese zeichnen sich durch genau dasselbe Herden-Verhalten aus, wie die normalen Investoren. Auch hier wurden sicherlich zweistellige Milliarden-Vermögen vernichtet.

Im Prinzip hat sich das System der PKV aber als dasselbe Schneeball-System herausgestellt, wie andere Renten- und Anlagesysteme: Nur ein Zuwachs der Neukunden kann die Ausgaben der Altkunden schultern. Da der Gesetzgeber in den letzten Jahren den Zustrom neuer Kunden zur PKV behindert hat, ist dieses Modell eindrucksvoll zusammengebrochen. Wir sehen das an den massiven Tarifanpassungen in der PKV, die zum Teil 20 Prozent und mehr ausmachten.

Der dritte Aspekt ist der weiter überdurchschnittlich steigende Hunger des Gesundheits-Systems nach einem größeren Anteil der Brutto-Wertschöpfung der Volkswirtschaft. Das heißt nichts anderes, als dass die Kosten für Gesundheit immer schneller steigen müssen, als das allgemeine Volks-Einkommen.

Wer diese Entwicklung bei der PKV auf die gesetzlichen Kassen reflektiert, bekommt einen guten Einblick in die Stabilität und weitere Entwicklung unseres Gesundheits-Systems. Davon können sich weder gesetzlich Versicherte, noch die Privat-Patienten abkoppeln.

Entweder Gesundheit wird teuer --- die jährlichen 7 Prozent Steigerung, die kaufpreisbereinigt wohl im Bereich von 4 Prozent liegen dürften, geben hier eine gute Indikation --- oder die Leistungen werden bei gleichen Kosten reduziert.

Die FTD drückt das sehr trocken aus: ... das Gesundheitssystem ist latent unterfinanziert, die Beiträge für Arbeitnehmer werden nach den Plänen wieder steigen, schneller als bisher.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das Gold-Kartell wollte nach dem gestern auf $1.092 ansteigenden Gold-Preis seine Aktivitäten nicht unterbrechen. Nach Schluss des COMEX-Handels wurde der Preis des Edel-Metalls im späten Access Handel wieder um fünf Dollar gedrückt. Der letzte Schluss-Kurs gestern in New York wurde mit $1.087,10 festgestellt.

Diese Aktion hielt heute früh im asiatischen Handel dem erneuten Aufwärtsdruck nicht stand. Kurz nach Eröffnung des Handels in Asien konnte sich Gold erst oberhalb der Marke von $1.090 und später dann oberhalb der Marke von $1.095 stabilisieren.

In den Londoner Handel ging das gelbe Metall dann bereits mit Kursen jenseits der Marke von $1.100. Wegen der Weihnachtsfeiertage wurde in London heute nur am Vormittag gehandelt. Der A.M. Fix mit $1.104,50 (EUR 766,48) beschloss bis Montag deshalb den physischen Handel in London.

Im Anschluss wurde Gold wieder bis zum Beginn des Handels an der COMEX an die Marke von $1.100 gedrückt. Mit Eröffnung des Handels in New York wurde dann versucht, Gold wieder unter die Marke von $1.100 zu drücken. Bei $1.097 war dann allerdings nach unten hin Schluss.

Im Anschluss konnte sich Gold wieder nordwärts von $1.100 befestigen. Zum Schluss des Handels an der COMEX konnte sich Gold auf $1.105,20 stabilisieren. Im Vergleich zum gestrigen Tag stieg Gold um $13 an.

Die Anzahl der offenen Positionen an der COMEX hat sich um weitere 3.386 Kontrakte auf nunmehr 502.619 Kontrakte erhöht. Von einer Verkaufs-Panik der eher spekulativ orientierten non-commercial Longs kann also keine Rede sein.

Der US-Dollar konnte sich heute um 0,1 Punkte auf 77,9 befestigen. Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes sind heute weiter leicht angestiegen, verblieben aber, da ich die Erfassung auf eine Kommastelle beschränke, bei 3,8 Prozent.

Nach Griechenland und Italien kommen nun auch die bisher mit AAA bewerteten Staats-Anleihen ins Gerede. Die Rating-Firma Fitch sieht die Gefahr eines Downgradings von französischen und britischen Staatsanleihen. Ambrose Evans-Prichard vom Londoner Telegraph kommentierte diese Entwicklung unter dem Titel Gilts sell-off as Britain joins Italy in debt house: But what has caught market attention is the narrowing gap with Italian bonds, once mocked as the symbol of an ill-governed nation in thrall to the Dolce Vita.

Die 10-jährigen Gilts (britische Staatsanleihen) stehen inzwischen nur noch einen Basispunkt unterhalb der Marke von vier Prozent. Der Abstand zu den italienischen Anleihen beträgt somit nur noch sechs Basispunkte. In der Vergangenheit waren die Renditen zwischen Papieren aus Frankreich und Großbritannien in etwa auf demselben Niveau. Heute beträgt der Abstand 45 Basispunkte (3,99 Prozent UK, 3,54 Prozent FR und 4,05 Prozent IT).

Im Bericht des Telegraph wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Bank of England in den letzten neun Monaten mehr Gilts gekauft hat, als die Regierung begeben hat: The Bank has bought more gilts over the last nine months than the Government has issued. It has magically eradicated the cost of financing the deficits, but this is going twist dramatically the other way in early 2010. Markets know this. They are demanding a risk premium on sterling.

Die nächsten Monate versprechen also spannend zu werden.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.104,50
(€766,48)

$1.080,50
(€758,30)

+ $24,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

Kein Fixing

$1.085,25
(€759,02)

 

COMEX Schlusskurs

$1.105,20

$1.092,00

+ $13,20

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

77,9

77,8

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,8 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

20,5

20,5

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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