Bericht für den 31. Dezember 2009

 

Gold & Gesellschaft: Jahresrückblick 2009

 

Gold konnte dieses Jahr mit einem Plus von 27,6 Prozent in US-Dollar und 24,7 Prozent in Euro beenden.

Den US-Treasuries ging es nach einem heutigen Bericht von Bloomberg allerdings nicht so gut: U.S. securities are headed for the worst year in at least three decades, with 10-year yields near the highest level in four months ... . U.S. government securities have fallen 3.5 percent this year, according to Bank of America Merrill Lynch indexes, the biggest slide since 1978.

Was diese Nachricht so interessant macht ist die Tatsache, dass dem Fall der US-Treasuries (also dem Anstieg der Real-Zinsen) Ende der Siebziger Jahre ein massiver Schub des Gold-Preises folgte. Ende 1978 stand Gold noch bei $200, während ein Jahr später bereits ein Niveau von $450 erreicht wurde. Im Januar 1980 konnte Gold dann mit einem Monats-Durchschnitt von $675 seinen Höhepunkt erreichen.

Der Anstieg des Gold-Preises konnte Anfang der Achtziger Jahre erst durch das beherzte Eingreifen des damaligen Vorsitzenden des FOMC der FED, Paul Volcker, aufgehalten werden. Unter Volcker stiegen die Real-Zinsen der 10-jährigen Treasury Notes Mitte des Jahres 1981 auf fast 16 Prozent an. Obwohl Volcker damit eine schwere Rezession auslöste, konnte er den bereits von den Marktteilnehmern prognostizierten Kollaps des US-Dollars abwenden. Gold fiel schließlich bis Mitte 1982 wieder auf $300 zurück.

Sollten diese Indikatoren erneut anwendbar sein, so könnte sich der Gold-Preis im Jahr 2010 mehr als verdoppeln. Allerdings steht der FED nicht mehr die Möglichkeit offen, die Real-Zinsen auf 10 Prozent und höher anzuheben, um den US-Dollar erneut retten zu können. Ein Großteil der Unternehmen in den Vereinigten Staaten ist hoch verschuldet und könnte eine Verdopplung der Zins-Lasten nicht mehr tragen. Vom US-Verbraucher einmal ganz zu schweigen.

Zurück zu der hiesigen Entwicklung des Gold-Preises: Im Zweijahres-Vergleich konnte Gold trotz der deflationären Krise, die der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ausgelöst hat, eine jährliche Performance von in etwa 15 Prozent in US-Dollar und Euro gemessen erzielen. Das ist zwar weniger, als die durchschnittliche jährliche Performance von in etwa 20 Prozent der letzten fünf Jahre. Aber Gold hat sich in dieser Phase als wesentlich deflationsstabiler gezeigt, als Silber nebst Platin und die anderen Rohstoffe wie insbesondere Öl.

Im Zehnjahres-Rückblick entwickelte sich Gold erst in den letzten fünf Jahren in den drei Währungen US-Dollar, Euro und britisches Pfund in etwa gleichmäßig.

Die auch noch heute in der Finanz-Presse allgemein verbreitete Meinung, dass sich Gold-Preis und US-Dollarkurs entgegengesetzt verhalten, kann man auf Basis des Einjahres-Vergleichs, des Zweijahres-Vergleichs und des Fünfjahres-Vergleichs widerlegen. Diese Auffassung stammt wohl noch aus der Periode der Jahre 1999 bis 2004, in der Gold in Euro und britischen Pfund hinter der Dollar-Entwicklung stark zurückblieb.

Die Performance im Einjahres-, Zweijahres-, Fünfjahres- und Zehnjahresvergleich in den drei Währungen US-Dollar, Euro und britisches Pfund ist in nachfolgender Tabelle dargestellt.

 

Gold-Preis

(A.M. Fix)

Zeitraum

Performance

(absolut)

Performance

(jährlich)

31.12.2009

$1.104,00

€766,40

£684,18

 

 

 

31.12.2008

$865,00

€614,65

£596,14

1 Jahr

 

27,6%

24,7%

14,8%

 

27,6%

24,7%

14,8%

31.12.2007

$836,50

€568,66

£417,62

2 Jahre

 

32,0%

34,8%

63,8%

 

14,9%

16,1%

28,0%

31.12.2004

$438,00

€321,14

£226,94

5 Jahre

 

152,1%

138,6%

201,5%

 

20,3%

19,0%

24,7%

31.12.1999

$290,85

€289,55

£180,09

10 Jahre

 

279,6%

164,7%

279,9%

 

14,3%

10,2%

14,3%

 

Kommen wir zu der Entwicklung des Silber-Preises. Eine Reihe von Kommentatoren behauptet, dass Silber besser gelaufen sei als Gold. Das stimmt zwar im Einjahres-Vergleich. Während Gold lediglich 27,6 Prozent (in US-Dollar) zulegen konnte, hat Silber das Jahr 2009 mit einer Performance von 57,5 Prozent abgeschlossen.

Allerdings wurde Silber im Jahr 2008 auch ziemlich gerupft. Bereinigt man diese Sonder-Effekte, dann haben sich Gold und Silber im Fünf- beziehungsweise Zehnjahresvergleich in etwa gleich gut entwickelt. Nachstehend sind die Daten für Silber aufgeführt.

 

Silber-Preis

(Fix)

Zeitraum

Performance

(absolut)

Performance

(jährlich)

31.12.2009

$16,99

€11,80

£10,49

 

 

 

31.12.2008

$10,79

€7,71

£7,41

1 Jahr

 

57,5%

53,0%

41,6%

 

57,5%

53,0%

41,6%

31.12.2007

$14,76

€10,03

£7,37

2 Jahre

 

15,1%

17,6%

42,3%

 

7,3%

8,5%

19,3%

31.12.2004

$6,82

€5,00

£3,53

5 Jahre

 

149,1%

136,0%

197,2%

 

20,0%

18,7%

24,3%

31.12.1999

$5,33

€5,31

£3,30

10 Jahre

 

218,8%

122,2%

217,9%

 

12,3%

8,3%

12,3%

 

Eine Unter- oder Überbewertung oder bessere Performance des einen oder anderen Edelmetalls kann man aus diesen Zahlen also nicht herleiten. Die Zahlen über einen längeren Zeitraum deuten eher auf einen Gleichlauf der Preisentwicklung zwischen Gold und Silber hin.

Gold im Jahresverlauf

Gold startete das Jahr 2009 bei $865 (EUR 614,65), wurde aber Mitte Januar auf $810 gedrückt. Dieser Kurs markierte den Jahres-Tiefstand.

Im Anschluss stieg Gold die nächsten sechs Wochen an und erreichte Ende Februar mit $1.000 vorerst seinen Höchststand. Dieses Niveau konnte allerdings nicht verteidigt werden, weil der Preis des gelben Metalls mit dem steigenden US-Dollar in anderen Währungen noch steiler anstieg. In der Folge kam es zu einem hohen Angebot an Scrap Gold, so dass Großabnehmer für Gold wie Indien und Vietnam plötzlich zu Gold-Exporteuren wurden.

In der Folge fiel Gold bis Anfang März auf $900 zurück. Im April konnte Gold zwar wieder unter die Marke von $900 gedrückt werden. Nach Ausbildung eines Double-Bottoms bei $870 ging es aber wieder aufwärts und Gold versuchte Anfang Juni einen erneuten Anlauf auf die Marke von $1.000. Bei $980 war hier jedoch erst einmal Schluss.

Der Sommer war ereignislos und erst Anfang September setzte Gold zu einem erneuten Sprung auf die Marke von $1.000 an. Diesmal erfolgreich, denn die $1.000er-Marke wurde auch im physischen Handel in London (LBMA) überschritten.

Ab diesem Zeitpunkt gelang es dem Edelmetall, sich oberhalb der Marke von $1.000 zu stabilisieren. In der Folge konnte Gold in $50er-Schritten erst die Marke von $1.050 und dann die Marke von $1.100 erobern.

Ende November wurde mit der Dubai-Krise die Marke von $1.200 fast erreicht, allerdings brach Gold im asiatischen Handel plötzlich um $50 ein. Dieser Einbruch führte zu einem erneuten Anlauf auf die Marke von $1.200, die mit dem Jahreshöchststand von $1.215 nachhaltig durchbrochen werden konnte.

Die Probleme des europäischen Banken-Sektors, insbesondere der britischen Großbanken HSBC und RBS führten zu einer massiven Rettungs-Aktion hinter den Kulissen. Wahrscheinlich mussten eine Reihe von arabischen Ländern zwecks Stützung des Dubai-Desasters größere Mengen ihrer Gold-Vorräte verkaufen.

In der Folge verlor Gold zum Teil mehr als $100 und konnte sich erst bei $1.080 wieder stabilisieren. Zum Jahresende konnte die Marke von $1.100 nur knapp verteidigt werden, nachdem es an den handelsarmen Tagen zwischen Weihnachten und Sylvester zu Angriffen auf den Gold-Preis gekommen war.  

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Kein aktueller Bericht am heutigen Tag.

 

Anmerkung: Der Londoner A.M. Fix ging in die Performance-Betrachtung des Jahresrückblicks 2009 mit ein.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.104,00

(€766,40)

$1.092,50

(€761,01)

+ $11,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

Kein Fixing

 

$1.087,50

(€760,70)

 

COMEX Schlusskurs

 

$1.093,00

 

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

 

77,9

 

Renditen 10-jährige Treasuries

 

3,8 %

 

Quotient aus USDX und Renditen

 

20,5

 

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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