Bericht für den 6. Januar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Ausverkauf in Spanien

 

Die Banken in Spanien scheinen sich nun von ihrem Immobilien-Portfolio zu trennen, das sie im Rahmen von Konkursen der Bauträger beziehungsweise Hypotheken-Schuldner angesammelt haben. Das Wall Street Journal berichtete unter dem Titel Spanish Banks Start to Unload Property Portfolios über diese Entwicklung.

Ein Grund für den hohen Zufluss an Immobilien-Objekten war sicherlich die auf fast 20 Prozent gestiegene Arbeitslosigkeit in Spanien. Das WSJ: As the unemployment rate has soared to more than 19% residential-property buyers have defaulted on loans in massive numbers, as have property developers, overleveraged in a moribund market.

Bislang war die Strategie, die Immobilien in den Büchern zu halten, erfolgreich. Das Preis-Niveau ist mit einem Rückgang von 9 Prozent innerhalb der letzten 12 Monate relativ stabil geblieben. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Immobilien-Preise in den fünf Jahren davor um durchschnittlich 71 Prozent gestiegen sind. Das WSJ meint, dass die Banken diese Strategie angewandt haben, um die Effekte einer Rezession wie in den frühen 90er-Jahren auszusitzen.

In Wirklichkeit wollte man einen Total-Zusammenbruch des Immobilien-Marktes und damit auch des verflochtenen Banken-Systems verhindern. Ohne diese beiden Industrie-Zweige besteht Spanien nur noch aus Landwirtschaft und Touristik. Die Banken haben dabei ihr erworbenes Immobilien-Portfolio mit Mortgage Backed Securities (MBS) finanztechnisch verwurstet und der EZB im Rahmen des Ankaufs minderwertiger Assets verkauft. Die Bombe tickt inzwischen nicht mehr in den Kellern der spanischen Banken, sondern in der Bilanz der EZB.

Anscheinend ist die Liquidität, die die Banken aus dieser Transaktion erlöst haben, nicht ausreichend. Zum zweiten scheinen Bilanzierungs-Richtlinien diese Assets in einem anderen Licht erscheinen. Das WSJ beschreibt dies folgendermaßen: Solvency pressures on the banks come from several directions. First, the downturn has meant smaller inflows of cash held in deposits and bank accounts. Second, the Bank of Spain recently required local financial institutions to set aside more money to cushion potential losses from a drop in the value of repossessed properties. Banks must now set aside 20% -- up from 10% -- of the value of a property held on their books for more than one year.

In Wirklichkeit scheint es wohl mit der bisherigen Strategie, die EZB für die Stabilität des Preis-Niveaus am spanischen Immobilien-Markt zahlen zu lassen, Probleme zu geben. Denn die Notenbanken weltweit monetarisieren alles und jeden.

Dieser Ausverkauf kann schnell zu einem massiven Einbruch bei den Immobilien-Preisen in Spanien führen. Die EZB sitzt auf einer Asset-Bombe. Und deren Wirkung wird sich über die kompletten EZB-Mitgliedsstaaten ergießen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Derivate-Spielereien des Gold-Kartells der letzten Tage haben zweierlei Seiten. Auf der einen Seite kann man damit optisch für die Investorenschaft den Gold-Preis unter Kontrolle halten. Das motiviert die Shorties, die mit ihren esoterischen Analyse-Methoden den nächsten Schub nach unten sehen.

 

Oder es kann ganz böse nach hinten losgehen, in dem die Investoren-Gemeinde die barrenfreie Zeit zwischen 16:00 und 19:30 Uhr MEZ dazu nutzt, dem Gold-Preis kräftig einzuheizen.

 

Heute hatten wir den letzteren Tag.

 

Dabei schien gestern noch alles für die Bösewichte gut zu laufen. Der gestrige COMEX-Schlusskurs war auf unverändertem Niveau und im späten Access Handel konnte ein Vortagesverlust von knapp vier Dollar erzielt werden ($1.117,20).

 

Im heutigen asiatischen Markt konnte dann zwar wieder die Marke von $1.120 nach oben durchbrochen werden. Aber viel Aktionismus zeigte sich im anschließenden Londoner Vormittags-Handel nicht. Der A.M. Fix kam mit $1.125,00 (EUR 783,32) praktisch unverändert gegenüber dem Wert von vor 24 Stunden zustande.

 

Im Anschluss fiel Gold aber wieder wenige Dollar, aber immer noch oberhalb der Marke von $1.120, zurück. Im COMEX-Handel ging es dann aber schnell in Richtung $1.130 nach oben. Dieses Niveau konnte auch zum Londoner P.M. Fix mit $1.130,00 (EUR 786,58) bestätigt werden.

 

Wir sind jetzt bereits bei einem Tagesplus von sieben Dollar.

 

Im Anschluss ging die Derivaten-Rakete des Gold-Kartells nach hinten los. Der Kurs stieg und stieg. Nicht steil, denn hier agieren normale Marktkräfte, aber stetig. Zum COMEX-Schluss stand Gold dann bereits bei $1.135,90. Ein Zuwachs von knapp $19 gegenüber dem gestrigen COMEX-Schlusskurs.

 

Ein im Access Handel versuchter Ausbruch über die Marke von $1.140 scheiterte an der täglichen Gold-Kartell-Trader Grenze von zwei Prozent. Denn hier geht es um deren Jobs, falls diese Marke fallen sollte. Außer als potentielles Lynch-Opfer für die betrogenen Anleger sind deren Karriere-Chancen sowieso sehr beschränkt. Vielleicht nimmt sie die SEC oder die CFTC noch als Aufsichts-Experten über die freien Aktien- und Rohstoffmärkte.

 

Ein Blick auf das artverwandte Silber: Plus 45 Cents. Oder die anderen drei Edelmetalle: Platin plus $24, Palladium plus $6 und Rhodium plus $50. Und schließlich US-Öl: plus $1,20. US-Öl hat inzwischen schon die Marke von $83 geknackt. Das flüssige Gold tendierte vor kurzer Zeit noch bei $70 pro Barrel. Bei einem weiterhin starken Dollar macht sich das auch schon an der Tankstelle bemerkbar – knapp EUR 1,40 pro Liter Super.

 

Der US-Dollar verhielt sich heute stabil bei 77,4 (USDX). Ein leichtes Minus von 0,2 Punkten. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen scheinen eine neue Heimat bei einer Rendite von 3,8 Prozent gefunden zu haben. Nur um die zweite Nachkommastelle gibt es derzeit noch Bewegung.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.125,00

(€783,32)

$1.125,25

(€779,53)

- $0,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.130,00

(€786,58)

$1.123,25

(€779,39)

+ $6,75

COMEX Schlusskurs

$1.135,90

$1.117,30

+ $18,60

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

77,4

77,6

- 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,8 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

20,4

20,4

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2010

Parse Time: 0.304s