Bericht für den 13. Januar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Öl-Krise voraus?

 

Der Öl-Preis ist die letzten Tage über die Marke von $80 gestiegen, obwohl die Wirtschaft in vielen Ländern gerade dabei ist, sich von der ersten Talsohle der Rezession zu erholen. Handelt es sich nun nur um einen spekulativ hohen Preis, weil viele Markt-Teilnehmer glauben, dass die Papier-Währungen durch die massive Geldausweitung der Zentral-Banken im Wert verlieren werden? Oder stecken hinter dem hohen Öl-Preis fundamentale Daten einer sich zukünftig verknappenden Versorgung?

Der Londoner Independent hatte schon im August 2009 einen Bericht unter dem Titel Warning: Oil supplies are running out fast veröffentlicht, wo er die Theorie #2 als Grund für den Anstieg des Öl-Preises ausmachte.

The world is heading for a catastrophic energy crunch that could cripple a global economic recovery because most of the major oil fields in the world have passed their peak production, a leading energy economist has warned.

Die negativen Prognosen dieser Art kennen wir ja bereits, nachdem der sogenannte Club of Rome im Jahre 1972 mit dem Bericht über die Grenzen des Wachstums ein Versiegen der Rohstoff-Vorräte vor der Wende zum nächsten Jahrhundert prognostiziert hatte. Wir wissen heute, dass diese Prognose falsch war.

Auf der anderen Seite ist nicht von der Hand zu weisen, dass die größten Ölfelder weltweit vor mehr als 30 Jahren entdeckt wurden – manche schon in den 40er-Jahren -- und bereits jetzt den Höhepunkt ihrer Produktions-Leistung (peak oil) erreicht haben.

Die Peak Oil Theorie sagt aus, dass ein Ölfeld nur bis zu einem bestimmten Produktions-Maximum ausgebeutet werden kann. Ist dieses Maximum erreicht, dann sinkt die Förderung in Form einer Glockenkurve ab. Das heißt mit Erreichen des Produktions-Maximums ist das Feld zwar nicht erschöpft und kann noch weitere Jahre und Jahrzehnte weiterproduzieren. Aber nicht mehr auf dem alten Niveau. Und die Förderung nimmt über die Jahre hinweg stetig ab, bis sie schließlich ganz zum Erliegen kommt.

Die Peak Oil Theorie ließ sich gut an den Texanischen Ölfeldern verifizieren, die schon vor längerer Zeit ihr Produktions-Maximum erreicht haben.

Kommt es nun wirklich zu einer katastrophalen Öl-Klemme, wie der Independent berichtet? Es sieht so aus, denn nach dem Urteil des Experten erwarten die Regierungen inzwischen das weltweite Fördermaximum im Jahr 2020, das heißt zehn Jahre früher als bislang erwartet.

Aber selbst diese Einschätzung scheint noch optimistisch zu sein. Schaut man sich die mehr als 800 Ölfelder auf der Welt an, drei viertel der globalen Reserven, dann stellt man fest, dass die größten Felder bereits ihr Fördermaximum erreicht haben. Und dass der Rückgang der Ölproduktion dieser Felder fast zweimal so schnell voranschreitet, wie noch vor zwei Jahren vorhergesagt.

Die Internationale Energie Organisation IEA schätzt, dass der jährliche Rückgang existierender Felder nun bei 6,7 Prozent liegt, nach 3,7 Prozent, die man noch im Jahr 2007 geschätzt hatte.

In den nicht OPEC Staaten ist Peak Oil schon Realität. Die offiziellen Zahlen der IEA bestätigen das. Und diese Zahlen sind als verlässlich anzusehen, weil ein Großteil dieser Staaten eine demokratische Staatsform hat.

Wenn man sich dagegen die OPEC-Staaten einmal genauer anschaut, dann wird man feststellen, dass Förder- und Reservedaten zum nationalen Geheimnis erklärt werden. Das legt die Vermutung nahe, dass die offiziell dargelegten Daten vielfach zu optimistisch sind. Denn fast alle diese Staaten werden von autoritären Regimes gelenkt, die auf die Einnahmen der Öl-Produktion zur Befriedung der Bevölkerung dringend angewiesen sind. Mit dem Ende der sprudelnden Öl-Einnahmen geht auch die mit Geld zugeschüttete Besänftigungs-Politik dieser Despoten zu Ende.

Was schließen wir daraus? Peak Oil wird realistisch zwischen dem Fördermaximum vor Ausbruch der Krise und heute liegen. Vielleicht kann der Zeitpunkt durch die sich nur langsam erholende Weltwirtschaft auch noch um zwei bis drei Jahre verzögert werden.

Aber der Öl-Markt ist groß und kann nicht für längere Zeit gegen die Gesetze von Angebot und Nachfrage in der einen oder anderen Richtung manipuliert werden. Die steigenden Öl-Preise machen uns klar, dass die Nachfrage nach Öl nicht mehr weiter ansteigen kann. Nach den Marktgesetzen muss der Preis also solange steigen, bis ein Teil der Nachfrager auf seinen Öl-Konsum verzichtet.

Und das heißt weniger Flugreisen, weniger Autofahren, weniger Heizen, weniger organische Chemie. Oder eine Substitution von Öl durch andere Energie-Träger.

Hier wird wohl die gute alte (west)deutsche Steinkohle, gepaart mit der (ost)deutschen Braunkohle eine Renaissance erleben. Die Technik zur Herstellung von Öl-Substitutionsprodukten ist ja bereits mehr als 60 Jahre alt. Man muss nur noch die Klimakatastrophen-Idioten aus dem Weg räumen. Aber das ist ja nach deren Datenmanipulations-Blamage nur noch eine Frage der Zeit.    

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die gestrige Drückung, die im reinen Derivate-Handel an der COMEX in den letzten Handels-Stunden begann, wurde heute früh erwartungsgemäß fortgesetzt. Dabei ging es primär darum, das gestern erreichte Niveau zu den beiden Londoner Marken, dem A.M. und P.M. Fix zu verteidigen.

 

Das gelang noch. Der A.M. Fix kam mit $1.132,75 (EUR 780,62) zwar noch fünf Dollar höher als der gestrige COMEX-Schlusskurs zustande. Aber im 24-Stundenvergleich verlor Gold $20.

 

Der im Nachmittags-Handel um weitere sechs Dollar gedrückte P.M. Fix mit $1.127,25 (EUR 776,34) zeigt an, dass die Drücker in einer zweiten Welle Gold weiter herunterprügeln wollen. Im Vergleich zum gestrigen P.M. Fix gingen $24 verloren.

 

Nach Schluss des Handels in London um 16:00 Uhr MEZ folgte dann wirklich die zweite Drückungs-Welle, die erst bei knapp unter $1.120 gestoppt werden konnte. Dann ging es zur Überraschung der Marktteilnehmer aber wieder aufwärts. Zuerst konnte Gold seine Verluste nach dem P.M. Fix wettmachen.

 

In der letzten Stunde des Handels an der COMEX konnte Gold dann jedoch weitere $10 gutmachen und beendete den Handel mit $1.136,30 um acht Dollar höher als noch am Vortag.

 

Die Drückung heute ist gründlich in die Hose gegangen. Wie sagte doch ein Marktbeobachter gestern: The Bears have mobilized a serious seller. How ambitious remains to be gauged. Und heute: ... the market is waiting to see the intentions of the seller.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.132,75

(€780,62)

$1.152,75

(€794,84)

- $20,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.127,25

(€776,34)

$1.151,25

(€793,15)

- $24,00

COMEX Schlusskurs

$1.136,30

$1.128,00

+ $8,30

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,8

77,0

- 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,7 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

20,8

20,8

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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