Bericht für den 15. Januar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Goldman’s Doppelspiel

 

Die Rekord-Gewinne der Wall Street Alpha-Tiere Goldman Sachs und JP Morgan verärgern nicht nur Barack Obama. Der US-Präsident will mit Hilfe einer Sondersteuer die Gewinne der noch vor kurzem mit massiven staatlichen Hilfen geretteten Banken wieder abschöpfen.

Aber auch verschiedene Beobachter stellen sich schon die Frage, ob in dem Finanz-System nicht ein Geburtsfehler eingebaut wurde, der Banken wie Goldman Sachs fast risikolose Erträge erwirtschaften lässt.

Ein Bericht unter dem Titel How Goldman Sachs Made Tens Of Billions Of Dollars From The Economic Collapse Of America In Four Easy Steps kritisiert Goldman: Investment banking giants Goldman Sachs has become perhaps the most prominent symbol for everything that is wrong with the U.S. financial system, bus most Americans cannot even begin to explain what they do or how they have made tens of billions of dollars from the collapse of America.

Nun sind die Amerikaner nicht so gestrickt wie beispielsweise die Deutschen, wo jeder Erfolg gleich von den Nachbarn geneidet wird, die diesen Erfolg eben nicht haben. Deshalb wird auch gerne der Steuer-Staat vorausgeschickt, der dem erfolgreichen Nachbarn einen Großteil seines Ertrages wieder wegnimmt. Da fühlt man sich dann wieder gerechter behandelt. Aber das ist gar nicht mein Thema.

Der Bericht identifiziert vier Phasen, in denen sich Goldman Sachs gerade durch den wirtschaftlichen Niedergang riesige Gewinne gesichert hat:

Schritt 1: Bündele Schrott-Hypotheken zu einem Wertpapier, das man Investoren zu weit überhöhten Preisen verkaufen kann.

Schritt 2: Gehe nun selbst Short bezüglich dieser Wertpapieren, so dass man bei einem unausweichlichen Einbruch – es handelt sich ja um Schrott-Hypotheken – massive Gewinne einfahren kann.

Schritt 3: Besetze die Schlüssel-Positionen der Regierung, Wertpapier-Börsen und Aufsichts-Behörden mit ex-Goldman Sachs Managern, so dass das Geld der Regierung über Geldwaschmaschinen wie AIG an Goldman Sachs weitergeleitet werden kann.

Schritt 4: Einsammeln der Gewinne, um sie als Boni an die Mitarbeiter auszuschütten. Goldman Sachs hat 2009 sein erfolgreichstes Jahr mit Umsätzen von $50 Milliarden gehabt.

Hinzu kommen noch weitere Geld-Quellen, die aus conflict of interest Situationen entstehen. Das heißt Goldman Sachs vertritt nicht nur eine Partei, sondern vielfach auch die Gegenpartei. Idealerweise kassiert man gleich bei beiden Parteien ab und versucht durch die Information mit Hilfe der Eigen-Trading-Abteilungen möglichst hohen Profit zu erzielen.

Genauso ist Goldman ein Agent der US-Regierung, in dem es Aufträge beispielsweise zur Drückung von Gold und zur Hebung der Aktien-Märkte ausführt. Diese Insider-Information bietet ideale Chancen, sich im Eigenhandel eine goldene Nase zu verdienen.

Die Amerikaner sind sicherlich nicht zimperlich, wenn es um große Gehalts-Unterschiede in der Gesellschaft geht. Was die Goldman Sachs Mitarbeiter aber treiben, das versteht kein US-Bürger mehr.

Das hat jetzt auch Barack Obama verstanden.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Der Euro stand nach einer heutigen Meldung, dass Angela Merkel den Platz der Bundeskanzlerin räumen würde, unter verstärktem Druck. Waren es nun die unbedachten Äußerungen von Merkel, die den Euro in Gefahr sieht, oder das SPIEGEL-Interview mit dem DGB-Vorsitzenden Michael Sommer, in dem er die Bundeskanzlerin vor Kritik in Schutz nahm.

 

Schon Adenauer stellte fest, dass man etwas falsch gemacht haben müsse, wenn man von der Opposition gelobt würde. Wenn selbst der oberste Betroffenheits-Politiker des deutschen Sozialstaates für die konservative Regierungs-Chefin Partei ergreift, dann muss sie wohl eine ganze Batterie an Fehlern gemacht haben.

 

Der Euro fiel im Vormittags-Handel von $1,450 auf $1,438, das heißt um 80 Basispunkte (0,8 Prozent) zurück.

 

Demzufolge stand Gold unter verstärktem Druck des bislang mit seinen Drückungs-Aktionen nicht erfolgreichen großen Verkäufers. In Asien konnte Gold dabei die Marke von $1.140 nicht verteidigen. Mit dem weiterhin verfallenden Euro ging auch der Goldpreis im Londoner Vormittagshandel weiter zurück. Der Drücker muss wohl auch eine größere Menge physisches Gold aufgewandt haben, denn der A.M. Fix kam mit $1.132,00 (EUR 786,65) um knapp sechs Dollar niedriger als noch zum gestrigen A.M. Fix zustande. Aber auf Euro-Basis konnte Gold sein Niveau halten.

 

Mit Beginn des Handels an der COMEX hat sich Gold dann wieder bis zur Marke von $1.135 hochgearbeitet. Kurz vor dem P.M. Fix ging es plötzlich wieder kräftig nach unten. Der heute auftretende Verkäufer konnte über eine größere Menge Gold verfügen. Der P.M. Fix kam mit $1.128,00 (EUR 784,97) zustande. Das sind bereits zehn Dollar weniger als am gestrigen P.M. Fix. In Euro gerechnet hat sich der Goldpreis allerdings kaum verändert.

 

Im Anschluss wurde Gold, wie wir es diese Woche schon mehrmals verfolgen durften, bis auf $1.127 gedrückt. Diese Marke stellte dann aber den Tages-Tiefstand dar. Zum Schluss des Handels an der COMEX konnte sich Gold leicht auf $1.129,10 verbessern. Im 24-Stundenvergleich gingen jedoch $13 verloren.

 

Der massive Abwurf von physischem Gold deutet darauf hin, dass Notenbanken am Markt aktiv waren. Wahrscheinlich die EZB mit Unterstützung von Deutschland wegen der Merkel- und Euro-Krise. Kämpft der Euro dieses Jahr um sein Überleben?

 

Der US-Dollar konnte heute 0,4 Punkte auf 77,2 zulegen. Dabei hat der Rückgang des Euros um 0,8 Prozent am meisten zu dem Anstieg beigetragen. Die Schwäche des Euros hat auch den US-Treasuries geholfen: Minus 0,1 Prozent auf 3,7 Prozent. Der Quotient aus dem USDX und den Real-Renditen stieg kräftig um 0,7 Punkte auf 20,9.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.132,00

(€786,65)

$1.137,50

(€783,83)

- $5,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.128,00

(€784,97)

$1.138,25

(€785,92)

- $10,25

COMEX Schlusskurs

$1.129,10

$1.142,50

- $13,40

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

77,2

76,8

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,8 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

20,9

20,2

+ 0,7

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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