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Bericht für den 21. Januar 2010 Gold & Gesellschaft: Mystische Kräfte stützen die Treasuries Die Chinesen haben heute die Krise für beendet
erklärt und die Bekämpfung der Inflation als das oberste Ziel ihrer
Geld-Politik bezeichnet. Wobei die Bindung ihrer Währung an den US-Dollar
die Inflation aus dem US-Dollarraum auch nach China importiert. Insbesondere
für Rohstoffe und Lebensmittel, die China in großem Umfang importieren muss.
Steigende Kosten für die Bevölkerung könnten zu Unruhen führen, befürchtet die
kommunistische Regierung. Wir wissen, dass der Umfang der vom US-Schatzamt
emittierten Staatsanleihen (Treasuries), der im letzten Haushaltsjahr fast die
Hälfte des $3.000 Milliarden schweren Bundeshaushaltes ausgemacht hatte, von
den Märkten nicht geschultert werden kann. Und die Zahlen für die abgelaufenen
drei Monate des neuen Haushaltsjahres lassen noch schlimmeres befürchten. Die sonst gut informierte Investment-Fond
Gesellschaft PIMCO (Allianz Gruppe) hat sich deshalb von den Treasuries
verabschiedet und kauft deutsche Bundesanleihen. Wer kauft dann eigentlich die vielen Treasuries? Die FED sicherlich nicht direkt, denn das
Quantitative Easing Programm war volumenmäßig begrenzt und sollte inzwischen auslaufen
sein. Ist es nun ein mysterischer Direct Bidder, der im Auftrag der FED Teile
der Treasuries ersteigert, um so die QE-Initiative der FED im Hintergrund
fortzuführen? Nein, denn die FED hat dafür andere Methoden, nämlich die Primary
Dealer. Das sind die Großbanken, die im Auftrag der Regierung bei der
Versteigerung auf alle Fälle Angebote abgeben müssen. Wenn die FED Treasuries
monetarisieren wollte, dann sind die Direct Bidder die richtige Methode. Das
konnte man in der Vergangenheit auch beobachten. Denn die New York FED
veröffentlicht ihre Open Market Operations, die entweder temporär oder
permanent sein können. In beiden Fällen gaben die Primary Dealer Banken die
Papiere an die FED weiter im Austausch gegen Zentralbank-Geld. Mit diesem
Zentralbank-Geld können die Banken erneut steigern. Da der Zinssatz, zu dem die
Papiere bei der FED hinterlegt werden, praktisch Null ist und die Real-Zinsen
der Treasuries je nach Laufzeit bis über vier Prozent, entsteht für die Banken
ein lukratives Carry-Trade Geschäft. Das erklärt aber nicht die Herkunft der Direct
Bidders. Zum Teil sind dies ausländische Notenbanken, die ihre Devisen-Reserven
mit Dollar-Titeln anreichern wollen. In diesem Fall kauft die New York FED im
Namen der ausländischen Notenbank die Treasuries und verwahrt sie üblicherweise
auch. Im TIC (Treasury International Capital) System werden diese Transaktionen
unter http://treas.gov/tic/mfh.txt
veröffentlicht. Japan und China sind mit jeweils knapp $800
Milliarden die größten ausländischen Halter der Treasuries. Aber seit April
2009 sind die Treasury-Bestände von China nur um $25 Milliarden gestiegen,
während die Währungs-Reserven um über $350 Milliarden zugenommen haben. Es ist also zu vermuten, dass China im Hintergrund
Treasuries aufkauft, ohne dass dies in der TIC Statistik auffällt. Die üblichen
Verdächtigen in diesem Spiel sind Länder wie Großbritannien, Hong Kong, die
Banken in den karibischen Staaten, die Schweiz und Luxemburg, über die China
Treasuries gekauft haben könnte. Seit April 2009 hat Hong Kong seine Treasury
Reserven um $65 Milliarden ausgeweitet und Großbritannien um $125 Milliarden.
Das waren sicherlich keine normalen Investoren, die hier plötzlich ihre Freude
an US-Staatsanleihen gefunden haben. China steckt wohl hinter diesen Käufen. Die Frage ist nun warum? Haben sich die Notenbanken
Chinas und der USA verbündet, so dass China im Auftrag der FED das Quantitative
Easing Programm fortsetzt. Das würde Sinn machen, wenn sonst der Verkauf der
Treasuries gefährdet wäre. Aber das System der Primary Dealer gibt der FED
genügend Optionen, überschüssige Treasuries vom Markt zu nehmen. Und wenn sich
die FED eine Notenbank für diese Transaktionen wünschen könnte, wäre das wohl
weniger die chinesische. Oder ist es nicht so, dass China den Dollar
hochhalten möchte, um seine Devisen-Reserven und seine Exporte zu schützen,
beziehungsweise auszuweiten. Die Aktionen der letzten Tage und Wochen scheinen
eher in diese Richtung zu gehen. Die USA können sich ihr weiter steigendes
Haushaltsdefizit nicht noch weiter leisten. Und gleichzeitig verliert die
Industrie durch den starken Dollar an internationaler Konkurrenz-Fähigkeit. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Die
mystischen Kräfte aus dem Reich der Mitte kaufen anscheinend nicht nur wie wild
Treasuries. Nein, den US-Dollar wollen sie gleichzeitig auch heben. Das
verstärkt den Druck auf die Rohstoff-Märkte, weil ein starker Dollar mehr der
von China dringend benötigten Lebensmittel und Rohstoffe kaufen kann. Im
Prinzip ist dies eine Doppelaufwertung der Dollar-Reserven. Durch den Aufkauf
der Treasuries sinken die Real-Zinsen, das heißt der Marktwert der bisher
gesammelten Treasuries steigt. Mit dem steigenden Dollar erzielt man dann eine
gehebelte Kaufkraft der Treasury-Reserven. Diesen relativen Kaufpreis drückt
qualitativ gut der von mir ermittelte Quotient aus dem USDX und den Renditen
der als Benchmark geltenden 10-jährigen Treasury Notes ab. Der
Anstieg des US-Dollars setzte sich heute Vormittag fort. Um die Mittags-Zeit
war dann mit 78,8 (USDX) erst einmal wieder Schluss. Gestern hatte ich
berichtet, dass der Euro und alle wesentlichen Währungen gegenüber dem Dollar
abwerteten, während der chinesische Yuan und der japanische Yen stabil blieben. Heute
Abend stand der Yen um einen ganzen Prozentpunkt höher gegenüber dem Dollar,
als gestern. Die verlorene Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Industrie in
Euro kann man sich dann praktisch ausmalen. In Euro gewann der Yen gestern 1,2
Prozent und heute weitere 1,0 Prozent. Und das bei der sowieso schwierigen Lage
der Export-Industrie in Japan. Legt sich China nun auch noch gleichzeitig mit
Japan an? Die
gestern gehegte Vermutung, dass Japan beteiligt war, können wir somit heute
ausschließen. Das Export-Land begeht kein wirtschaftliches Harakiri. Es
bleiben die Chinesen als die treibende Kraft. In den Stuben der monetären
Viererbande (FED, EZB, BoJ, BoE) werden wohl jetzt schon Szenarien ausgeheckt,
wie man den Drachen stoppen könnte, ohne ihn gleich zu töten. Über die
Loyalität der BoE in dem Vierer-Bündnis, wenn es um den Gegner China geht, muss
man sich sowieso separate Gedanken machen. Das Pfund hat das ganze Chaos der
vergangenen Tage und Wochen überraschend stark überstanden. Vielleicht sind die
PBoC und die BoE heimliche Verbündete. Dass der
US-Aktienmarkt heute zeitweise um weitere 200 Punkte einbrach, finden langsam
wohl einige Herren in den westlichen Ländern nicht mehr komisch. Denn den Euro
Stoxx 50 haben sie nach einer leichten Erholung zum Schluss um weitere 1,8
Prozent heruntergeprügelt. Der verlor gestern schon 2,1 Prozent. Für Gold
ist dieses Powerplay nicht gut, weil es in den Strudel der Währungs-Geschäfte
hineingezogen wird. Und in die offensichtliche Absicht der Chinesen, die
Rohstoff-Märkte herunterzuprügeln. Der A.M.
Fix mit $1.104,00 (EUR 785,60) zeigte die heutige Fortsetzung der Drückung
eindrucksvoll an. Minus $25 im 24-Stundenvergleich. Der P.M. Fix kam mit
$1.108,25 (EUR 786,05) dann zwar wieder etwas stärker zustande. Aber im
Anschluss kam prompt wieder die Packung in den Derivate-Märkten an der COMEX,
die wir sooft die letzte Zeit beobachten durften. Gold sank in diesem Umfeld
auf zeitweise unter $1.090 ab. Um 18:00
Uhr MEZ kam dann ein kleiner Impuls vom Devisenmarkt, der den Euro gegen den
Dollar um 10 Basispunkte steigen ließ. Dies führte wieder zu einer Erholung von
Gold & Co und das Metall ging mit $1.103,30 aus dem Markt an der COMEX. Im
Anschluss kam es zwar wieder zu einer Drückung im Access Market. Aber so
schlimm ist der Schaden am Gold-Preis nicht. Den größten Schaden musste wieder
einmal Silber über sich ergehen lassen. Das Metall reagiert doppelt so stark
wie Gold auf die Aktionen. Hier sind wohl mehr Investoren mit Kredit-Geld
unterwegs, die jetzt Liquidieren müssen. Platin und
Palladium sind heute zwar stärker gefallen als Gold. Aber die beiden Metalle
haben gestern noch relative Stärke demonstriert. Ich
bleibe bei meiner Auffassung, dass eine kräftige Reaktion der FED, EZB und neu
der BoJ nicht lange auf sich warten lassen wird. Und dann werden die PBoE-Aktionen
genauso in sich zusammenfallen, wie wir es bislang schon erleben durften. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich
publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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