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Bericht für den 26. Januar 2010 Gold & Gesellschaft: Finanzielle Desintegration Seien wir doch einmal realistisch: Die europäische
Währungs-Union ist gescheitert. Da helfen auch keine Lippen-Bekenntnisse
unserer von der europäischen Sache überzeugten Politiker. Mit
Glühbirnen-Verboten hat man sich lächerlich gemacht, und wer als Politiker in
Deutschland entsorgt werden muss, der wird eben in einer entsprechend
gutbezahlten Position in Brüssel recycelt. Und wenn es wirklich einmal kritisch
wurde, wie während der letzten Monate der Finanz- und Wirtschaftskrise, dann
standen nationale Maßnahmen im Vordergrund. Die bislang gefürchtete
EU-Kommission hat sich als das herausgestellt, was sie in Wirklichkeit ist: Ein
zahnloser Papier-Tiger. Der Bettvorleger zuckt zwar noch, aber ihm gehen
langsam die Themen aus. Selbst der unter dem Schutz der Religionsfreiheit
agierenden Klimakirche laufen die Gläubigen scharenweise davon. Es bleibt die europäische Währung. Aber hier kracht
es auch kräftig im Gebälk. Obwohl man bei der gestrigen Versteigerung
griechischer Staatsanleihen einen Run der Investoren der Öffentlichkeit
weismachen wollte. Es bleibt die realistische Einschätzung aus Kreisen der
EU-Kommission, dass das Jahrhundertwerk Euro zu scheitern droht. Die Bundesbank widmet sich in einem Aufsatz des
Monatsberichts für den Dezember 2009 der Finanziellen Integration und
Risikoteilung in der EWU. Dabei wird in der Zusammenfassung festgestellt: In einer
längerfristigen Perspektive hat die Finanzmarktintegration durch internationale
Risikodiversifizierung zur Konsumglättung zwischen den Ländern des Euro-Raums
beigetragen. Zu gut deutsch: Auch die Länder, die es mit Leistung
nicht so genau nehmen, konnten im Rahmen der Risikoteilung von den Ländern
partizipieren, welche den Wohlstand erarbeitetet haben. Konsumglättung heißt
nichts anderes, als dass der in wenigen Ländern erwirtschaftete Wohlstand auch
den anderen Ländern zur Befriedigung ihrer Konsumwünsche zur Verfügung gestellt
wird. Auch die folgende Aussage klingt nur nach dem
ersten Hinschauen positiv: Alles in allem zeigt sich, dass das Zusammenwachsen der
Kapitalmärkte in den letzten 20 Jahren die wechselseitigen Abhängigkeiten
verstärkt hat. Das soll uns sagen, dass die Probleme eines Landes
nun nicht mehr lokal begrenzbar sind, sondern das Gesamtsystem ins Wanken
bringen. Anstelle eines Auffang-Netzes, das aus verschiedenen Sicherungs-Stufen
besteht, hat man eine Domino-Kette geschaffen. Das bislang in der Weltwirtschaft unbedeutende
Griechenland ist zu einem solchen Domino aufgestiegen. Anstelle dieses Land mit
seinen jahrzehntelangen Verfehlungen in Konkurs gehen zu lassen, um der Politik
einen Neubeginn zu ermöglichen, muss dieser Domino unbedingt vor dem Umfallen
gerettet werden. Denn er hat das Potential, mit dem Euro auch Deutschland und
Frankreich mit in den Abgrund zu reißen. Die Effekte der Konsumglättung zeigen sich in der
Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion.
Die Netto-Forderungen stiegen dort nämlich von EUR 17,9 Milliarden im Jahr
2003, über EUR 84,1 Milliarden im Jahr 2008 auf EUR 172,8 Milliarden zum Ende
des Jahres 2009. Das sind diejenigen Gelder, die konsummäßig in die anderen
Staaten geflossen sind. Bei einem Ausscheiden Deutschlands aus der EWU
würden zwar daraus Auslands-Forderungen werden. Aber es steht zu befürchten,
dass eine neue deutsche Währung wohl stark gegen die Währung der verbliebenen
EWU-Länder aufwerten würde. Ein Teil dieser Forderungen wird schon allein durch
die Abwertung verloren gehen. Der andere Teil wahrscheinlich dadurch, dass die
Schuldner-Länder nicht mehr in der Lage wären, ihre Verbindlichkeiten zu
begleichen. Ein Großteil der deutschen Netto-Forderungen, die
im Prinzip nichts anderes sind als die Vermögen der deutschen Bürger, müssten
im Rahmen der finanziellen Desintegration Deutschlands abgeschrieben werden. De facto sind diese Vermögen schon jetzt nicht mehr
vorhanden, und die weiteren Zahlungsströme innerhalb der EWU verschlimmern
diese Situation monatlich. Ein Austritt Deutschlands würde das zwar sichtbar machen,
aber verhindern, dass auch zukünftige Rücklagen das gleiche Schicksal verleiden
würden. Dies will natürlich kein Politiker eingestehen. Und
so wurstelt man sich weiter durch eine tote Währungsunion mit einer
Zombie-Währung, die wohl die nächsten Monate an den internationalen
Devisen-Märkten abgestraft werden wird. Denn über eines müssen wir uns bewusst
sein: Die Probleme der USA sind zwar groß. Aber im Vergleich zu den
wirtschaftlichen Verfehlungen in Griechenland, Spanien, Irland, Italien und Portugal
ist die Lage in den Vereinigten Staaten noch vergleichsweise milde. Deutschland, Frankreich, Österreich, die
Niederlande und andere müssen zusehen, dass sie dem Strudel der EWU rechtzeitig
entkommen. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Die Kreditgeld-Kontraktion,
die von China initiiert wurde, nimmt konkretere Formen an. Bloomberg berichtete
heute: Chinese banks have begun
restricting new loans, responding to a push by regulators to contain credit after a surge in lending in the first half of this month ... This round of quantitative tightening seems to be more
serious than we thought after
Beijing was shocked by the lending figures
in the first two weeks of this
year, Credit Suisse economist
Dong Tao wrote in the report. Die von
Kreditgeld getriebenen Spekulations-Blasen, insbesondere die Aktien-Märkte
reagierten scharf auf diese Nachricht. Der japanische NIKKEI verlor heute
erneut 1,8 Prozent und nähert sich wieder der Marke von 10.000 Punkten. Der
entsprechende Index für China verlor 2,4 Prozent und nähert sich der Marke von
3.000 Punkten. Heute
tagt zusätzlich noch der Offenmarkt-Ausschuss (FOMC) der FED unter Leitung von
Ben Bernanke. Das zweitägige Meeting geht morgen zu
Ende. Eine Zins-Entscheidung wird nicht erwartet. Wer den Goldpreis regelmäßig
beobachtet, weiß, dass neben der Verkündung der monatlichen Arbeitsmarkt-Zahlen
die Treffen des FOMC zum Anlass genommen werden, den Goldpreis zu drücken. In
der derzeitigen Situation, in der China selbst an einem niedrigen Goldpreis
interessiert ist, um die verbliebenen 200 Tonnen des IWF-Goldes günstig zu
kaufen, ist deshalb mit einem anhaltenden Druck auf Gold zu rechnen. Und so
kam es dann auch. Obwohl der Goldpreis am Anfang des Handels sich noch im Plus
befand und oberhalb der Marke von $1.100 zu stabilisieren begann, kam im
weiteren Verlauf des Handels in Asien erneut Abgabedruck auf. Gold sank in der
Folge wieder unter die Marke von $1.095. Im
Londoner Vormittags-Handel ging es dann weiter südwärts. Der A.M. Fix mit
$1.090,75 (EUR 773,58) signalisierte dem Markt, dass wohl am Nachmittag mit
einem stärkeren Einbruch gerechnet werden konnte. Und
dieser Einbruch kam nach Beginn des Handels an der COMEX wirklich. Gold wurde
eine Stunde nach Eröffnung des New Yorker Handels auf bis zu $1.085 gedrückt.
Viel schlimmer erwischte es Silber, das zeitweise 80 Cent abgeben musste. Auch
das westliche Eliten-Metall Platin wurde kräftig gerupft und fiel zeitweise um
über $50 unter die Marke von $1.500. Eine
Überraschung war dann der P.M. Fix mit $1.093,25 (EUR 777,45). Gold konnte sich
im Anschluss an den P.M. Fix weiter stabilisieren und ging mit $1.098,00 knapp
unterhalb der Marke von $1.100 aus dem Handel an der COMEX. Man
sieht, wie gut sich Gold in dem schwachen Umfeld aus sinkendem Ölpreis, fallenden
Aktien-Märkten und den einbrechenden weißen Edelmetallen halten konnte. Am Ende
kam sogar überraschenderweise ein kleiner Tages-Gewinn zustande. Dieser fiel
mit dem steigenden US-Dollar in Euro gemessen noch üppiger aus. Aber wer hat
derzeit eine gute Meinung über die europäische Desintegrations-Währung. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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