Bericht für den 29. Januar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Herkules-Aufgaben

 

Der Präsident der US-Notenbank, Ben Bernanke wurde gestern im Senat mit 70 zu 30 Stimmen in seinem Amt bestätigt. Die Entscheidung kam noch zur rechten Zeit, denn Ende Januar wäre seine Amtszeit zu Ende gegangen.

 

Allerdings wird Bernanke mit erheblichem Widerstand aus der Politik zu rechnen haben. Sein Verhalten während der Krise im Hinblick auf die mehr als $100 Milliarden teure Rettung des Versicherungskonzerns AIG lässt mehr Fragen offen, als es beantwortet. Und auch die Weigerung der FED, die Nutznießer der vielen Stützungs- und Ankaufsprogramme der FED preiszugeben, hat ihn in der Politik keine Freunde gemacht. Die Befürchtung der Öffentlichkeit, dass damit die Kumpels von der Wall Street gerettet wurden, ist nicht abwegig.

 

Bernanke steht inzwischen unter verstärkter Beobachtung und zum Teil auch Kritik, wie die kontroverse Ernennungs-Prozedur im US-Senat gezeigt hat. Der vom republikanischen Kongress-Abgeordneten Ron Paul eingebrachte Gesetz-Entwurf, die Aktionen der FED im Nachgang mittels eines Audits durch den Kongress überprüfen zu lassen, gefiel den FED-Oberen überhaupt nicht.

 

Die Financial Times Deutschland (FTD) sieht deshalb in ihrem heutigen Bericht den wiedergewählten Bernanke vor einer Herkules-Aufgabe: Nach heftigen Debatten darf Notenbankchef Bernanke im Amt bleiben. Doch 2010 wird hart: Die Politik stellt die Unabhängigkeit in Frage, gleichzeitig muss der Fed-Chef Inflationsängste bekämpfen – eine Hirnoperation sei das, sagt ein Weggefährte.

 

Das klingt ein bisschen nach einem Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank. Allerdings zu Recht, denn eine Notenbank darf ihre Macht der praktisch unbegrenzten Geldschöpfung, gepaart mit einem Spektrum an Markteingriffs-Mitteln nicht nach eigenem Gusto dazu missbrauchen, seine Freunde von der Wall Street zu retten. Insoweit ist das kritische Hinterfragen der Aktionen der Notenbank durch die Legislative durchaus berechtigt.

 

Wenn man sich vor allen Dingen vorstellt, wie lange der Präsident als Vertreter der Exekutive mit den beiden Kammern des Kongresses kämpfen musste, bis er eine Gesetzes-Vorlage durchgebracht hat. Da liegt es nahe, die FED für diese Zwecke zu missbrauchen. Die Aktionen in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 haben in diese Richtung gedeutet. Denn alle Maßnahmen wurden anfangs lediglich durch die FED initiiert. Erst als selbst das Instrumentarium der FED mangels der Möglichkeit einer massiven Bilanz-Ausweitung erschöpft war, musste der damalige Finanzminister Hank Paulson den Gang zum Kongress antreten. Sein Programm hat er nur nach massiven Drohungen an kritische Kongress-Abgeordnete, dass sonst die Anordnung von martial law drohe, durchprügeln können.

 

Wegen der ultralockeren Geldpolitik wächst die Angst vor einer rasant anziehenden Teuerung, bestätigt die FTD die Befürchtungen in den Vereinigten Staaten. Wenn sie dabei aber den Anstieg der inflationsindexierten Anleihen von 2,25 Prozent auf nun mehr als drei Prozent zum Kronzeugen macht, dann verkennt sie die Realität. Denn es ist ein Ansinnen der FED und der Treasury, den Eindruck einer sich aufbäumenden Inflation mit allen Mitteln zu vermeiden. Denn das könnte einen Abverkauf der US-Staatsanleihen durch institutionelle Investoren provozieren, deren Wert sich mit steigenden Real-Zinsen verringert. Insoweit sind die ausgewiesenen Zinsen der inflationsindexierten Anleihen nur das Ergebnis geschickter Markteingriffe im Dreier-Verhältnis FED, US-Treasury mit den Primary Dealer Banken.

 

Das zweite Problem ist, wie die FED die über $1.000 Milliarden aus ihren Bilanzen herausbekommt, mit denen sie im Jahr 2008 ihre Bilanzsumme mehr als verdoppelt hat. Diese Überschuss-Liquidität würde im Rahmen des fractional reserve banking Systems bei einem funktionierenden Kredit-Markt eine zusätzliche Kreditgeld-Menge von $8.000 Milliarden und mehr generieren. Würde sich dieses Geld über die Märkte ergießen, dann wäre eine Hyperinflation wohl nicht mehr zu vermeiden.

 

Derzeit sind die Kredit-Multiplikatoren noch niedrig oder sogar unter eins. Mit der Ausweitung der Zentralbank-Geldmenge hat die FED nur die Kreditgeld-Menge kompensiert, die durch die deflationäre Entwicklung vernichtet wurde. Insoweit ist es paradox, dass wir eine sektorspezifische Hyperinflation sehen, wenn wir uns das Wachstum der Zentralbankgeld-Menge anschauen, und auf der anderen Seite die wesentlich größere Kreditgeld-Menge deflationiert.

 

Das macht zwei Szenarien wahrscheinlich: Im ersten Szenario wird die untergehende Kreditgeld-Menge weiterhin von der FED mit neuen Zentralbank-Geld gestopft. Das setzt die auf Kredit gekaufte Assets (Immobilien, aber auch Rohstoffe) unter deflationären Druck. Auf der anderen Seite fließt ein Teil des erzeugten Eigenkapital-Geldes in Anlageformen wie Gold.

 

Falls im zweiten Szenario der Kredit-Multiplikator jedoch anspringen sollte, kommt es zu einen Run auf alle Asset-Klassen einschließlich Immobilien, Aktien und Rohstoffen. Diese Entwicklung wird trotz Versuch der Bremsung dann hyperinflationär verlaufen. Anfangs nicht so stark, wie am Ende der Hyperinflation der 20er-Jahre in Deutschland. Aber diese Periode hat ja auch einmal mit noch moderaten Inflations-Raten begonnen.

 

Er bleibt abzuwarten, welchen Weg Bernanke als neuer Herkules einschlagen wird.    

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Heute früh standen die Renditen der 10-jährigen griechischen Staatsanleihen bei über 7,6 Prozentpunkten. Heute Abend war der Wert dann wieder auf genauso magische Art und Weise, wie gestern unter die Marke von 7 Prozentpunkten gefallen.

 

Während öffentlich über einen Bailout Griechenlands diskutiert wird, werden die Märkte wieder einmal künstlich in die gewünschte Richtung manipuliert. Die Europäer haben von den Vereinigten Staaten gelernt, wie man mit Hilfe der Gelddruck-Maschinerie den Bond-Märkten eitel Sonnenschein vorspielen kann.

 

Auch die oberschlauen Redakteure verschiedener deutscher Zeitungen bereiten das Volk auf den angeblich unausweichlichen Bailout vor. Während hierzulande der Putz an öffentlichen Gebäuden herunterfällt und Schwimmbäder aus Geldmangel geschlossen werden, weil der Staat inzwischen bei Infrastruktur-Maßnahmen eine Negativ-Investitionsquote vorzuweisen hat, will eine europahörige Elite um jeden Preis ihr Prestige-Projekt Euro retten. Komme da, was wolle.

 

Insbesondere Angela Merkel steht hier unter Verdacht, nicht die Interessen ihres eigenen Volkes, sondern das Wohl der übergeordneten europäischen Sache zu vertreten.

 

Aber auch im untergehenden Imperium wird gelogen und betrogen. Die heutigen Zahlen zum angeblichen Wachstum des Bruttoinlands-Produktes in den U.S.A. können nur Kopfschütteln und Lächeln hervorrufen. Ein Großteil des Zuwachses von annualisiert sechs Prozent geht anscheinend auf die Wiederaufstockung von Lagerbeständen zurück. Andere wirtschaftliche Indikatoren zeigen jedoch, dass sich die Vereinigten Staaten immer noch in der Rezession befinden.

 

Der U.S.-Aktienmarkt wollte diese Geschichte so auch nicht glauben. Seit Tagen zeigt sich der Aktienmarkt bei positiven Nachrichten bestenfalls mit marginalen Gewinnen. Ansonsten fällt der Index. Wenn wir nichtmanipulierte Märkte hätten, dann würde dies auf einen Höhepunkt hindeuten. In Wirklichkeit geht den Teilnehmern wohl bedingt durch die Abnahme der Kreditgeld-Menge der Einsatz verloren, mit dem es sich die letzten neun Monate so leicht spekulieren ließ.

 

Der Euro verfiel heute um weitere 0,75 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Inzwischen steht die Gemeinschafts-Währung nur noch bei $1,3680. Es ist noch nicht lange her, da hat der Euro über $1,50 gekostet. Ein Bailout Griechenlands wird die Probleme des Euros nicht lösen können. Ganz im Gegenteil: Der Euro würde nach einer solchen Aktion nicht mehr als DM-Ersatz angesehen werden, sondern in viel stärkerem Maß die DNA des griechischen Drachmen, der italienischen Lire und des spanischen Peseten in sich tragen.

 

Gold bleibt weiter unter Druck. Gestern konnten wir wieder die Fingerabdrücke der FED lancierten Goldpreis-Drückung beobachten. Auch heute schienen diese Kräfte wieder auf Gold einprügeln zu wollen.

 

Der A.M. Fix kam mit $1.082,75 (EUR 775,44) um neun Dollar und der P.M. Fix mit $1.078,50 (EUR 775,40) um jeweils neun Dollar niedriger als noch zu den gestrigen Londoner Fixings zustande.

 

Knapp zwei Stunden vor Ende des Handels an der COMEX wurde Gold dann bis $1.075 gedrückt, konnte sich zum Ende des Handels aber wieder auf den gestrigen Schluss-Stand an der COMEX stabilisieren.

 

Der US-Dollar Index konnte wegen des schwindsüchtigen Euros um 0,5 Punkte auf 79,4 zulegen. Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes sanken heute auf 3,6 Prozent. Der Quotient aus beiden Werten, der die Stabilität im Dollar-System widerspiegeln soll, stieg heute stark um 0,8 Punkte auf 22,1 an.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.082,75

(€775,44)

$1.091,75

(€779,21)

- $9,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.078,50

(€775,40)

$1.088,00

(€779,37)

- $9,50

COMEX Schlusskurs

$1.083,00

$1.083,30

- $0,30

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,4

78,9

+ 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,6 %

3,7 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

22,1

21,3

+ 0,8

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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