Bericht für den 1. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Größter Bankraub aller Zeiten

 

Für den SPIEGEL steht im Mittelpunkt seiner heutigen Print-Ausgabe die Jagd auf die Kapital-Verbrecher. Der Bericht unter dem Titel Sehnsucht nach Sühne kritisiert das Verhalten der Banker während der Finanzkrise. Anstelle dass die Verantwortlichen abgeurteilt werden, wollen die wieder zur Tagesordnung übergehen.

 

Was konkret heißt, dass die Investment-Banken Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley kein Zeichen der Reue oder der Demut zeigen, wenn $40 Milliarden an die Mitarbeiter als Boni ausgeschüttet werden. Bei Goldman Sachs erhält jeder Mitarbeiter durchschnittlich $500.000.

 

Denn es fehlt hier an Unrechtsbewusstsein. Die von den Banken verkauften Papiere tragen den Stempel der Rating-Agenturen, das Plazet der Wirtschafts-Prüfer und wurden oft euphorisch von der Wirtschaftspresse bejubelt. Warum sollen dann die Banker eine Schuld tragen, wenn so viele Andere sich ebenfalls irrten.

 

Ist den Bankern eine Schuld nachzuweisen, dann drohen den Verantwortlichen Haftstrafen und ihren Arbeitgebern Entschädigungs-Forderungen in Milliarden-Höhe, bemerkt der SPIEGEL. Der größte Bankraub aller Zeiten bliebe ungesühnt, wenn diese Verfahren im Sande verlaufen sollten. Wobei Bankraub in diesem Sinne anders herum zu verstehen ist – die Bank hat nämlich ihren Kunden ihre Ersparnisse geraubt.

 

Die Stimmung dreht sich zu Lasten der Banken. Vor Monaten hat man in den Zeitschriften und Magazinen wie DER SPIEGEL noch auf die Probleme und die Abhängigkeiten der Weltwirtschaft von den Banken hingewiesen. Zum Teil hat man die exzessiven Boni angeprangert. Jetzt beginnt man, die Verantwortlichen auf die Anklage-Bank für ihr Tun zu setzen.

 

Obama hat auf Anraten seines Beraters Paul Volcker den Angriff auf die Wall Street Imperien eröffnet. Sein heute veröffentlichter Plan für den nächsten Bundeshaushalt sieht zweistellige Milliarden-Einnahmen vor, die von den o.g. Banken ausgepresst werden sollen.

 

Die Botschaft ist klar: Ihr habt den Bogen überspannt und müsst jetzt die zweistelligen Milliarden-Boni, die ihr mittelmäßig (ein)gebildeten Investment-Bankern auszahlt, in den Staats-Säckel umleiten. Oder sonst droht Euch eine Verurteilung. Madoff sitzt bereits im Gefängnis – und es geht ihm dort anscheinend nicht gut.

 

Wenn Politiker etwas wollen und durchsetzen können, dann wanken plötzlich die allermächtigsten Bank-Manager. Die Verbrecher-Syndikate haben so viel Dreck am Stecken, dass man sie mit einem mittelmäßigen, aber karrieregeilen Staatsanwalt leicht dingfest machen kann. Deren Widerstand, wenn erst einmal einige Tage in Untersuchungs-Haft mit anderen Straf-Gefangenen, wird schnell gebrochen sein. Banker kommen auf der knast-internen Beliebtheits-Skala gleich nach den Kinderschändern.

 

Die Presse wagt sich, siehe der SPIEGEL-Bericht nun auch vor. Man hat jetzt keine Angst mehr vor wirtschaftlichen Repressionen der Oligopole in New York, London, Hongkong und Frankfurt. Der größte Bankraub aller Zeiten verläuft wohl nun umgekehrt. Aber wenn man sich groß wie Gott fühlt, dann fällt der Absturz um so heftiger aus. Der Boni-Turmbau zu Babel scheint zu kollabieren – und das ist auch gut so.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Dass die Märkte von Nachrichten und billigem Geld getrieben werden, ist nichts Neues. Die Trader und deren Computer-Programme setzen oft blind auf Wirtschafts-Zahlen, die von verschiedenen regierungsamtlichen und privatwirtschaftlichen Statistik-Behörden zusammengetragen werden.

 

Dass diese Zahlen nicht stimmen können, merkt der einfache Bürger beispielsweise an dem klaffenden Unterschied zwischen der amtlich gemeldeten Inflationsrate und der gefühlten Inflation.

 

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheint man schon seit geraumer Zeit besonders kreativ bei der Gestaltung von Wirtschaftsdaten zu sein. Die FTD bezeichnet die jüngsten Zahlen zum Bruttoinlands-Produkt (BIP) und die Börsenbewegungen in ihrem heutigen Bericht als eher wunderlich als wunderbar.

 

Der Artikel unter dem Titel Unbegrenzte Möglichkeiten wartet mit reichlich Spott über die Wahrheits-Ministerien auf. Hier einige Passagen aus dem Bericht: Dieser Aufschwung ist nicht mehr zu stoppen. In Amerika steigt das Lohneinkommen der Verbraucher trotz sinkender Beschäftigung. Das Selbstständigeneinkommen nimmt trotz des kläglichen Geschäftsklimas in den Kleinbetrieben zu. Das Mieteinkommen zieht trotz des darniederliegenden Immobilienmarkts an. Das Dividendeneinkommen springt trotz fallender Ausschüttungen im S&P 500. Das Zinseinkommen sinkt trotz staatlicher Nullzinspolitik quasi erst in der Nachkommastelle.

 

Wir haben es immer mehr mit einer Phantasie-Welt zu tun, die sich die Politiker mit dem Transmissions-Riemen der Wahrheits-Ministerien selbst schaffen. Die Statistiker mogeln, die Vermögenden sahnen ab, Joe Sixpack darbt – so sieht es jedenfalls die FTD.

 

Aus diesem Grunde wird es immer wichtiger für den Marktbeobachter und Investor, das wirtschaftliche Umfeld selbst zu bewerten. Auf die Zahlen verlassen sich nur die Herden-Tiere blindlings, die ohne Vorahnung zu ihrer eigenen Scherung  laufen.

 

Zu dem heutigen Geschehen auf den Gold-Märkten: Gold verhielt sich mit Beginn der Woche noch sehr zaghaft. Im asiatischen Handel schwankte das gelbe Metall um den Schluss-Stand vom letzten Freitag ($1.080,20). Erst mit Beginn des Londoner Vormittags-Handels kam eine leichte Aufwärts-Bewegung zustande. Zu oft wurden die Gold-Händler im Verlauf des Nachmittag von Preis-Einbrüchen überrascht, so dass sie jetzt vorsichtig agieren. Der A.M. Fix kam mit $1.082,00 (EUR 778,14) sogar noch um einen Dollar niedriger zustande als zum A.M. Fix vom Freitag.

 

Im frühen Nachmittags-Handel, noch vor Beginn der COMEX konnte Gold dann die Marke von $1.085 überschreiten. Bis zum P.M. Fix ging es hier aber erst einmal nicht weiter nach oben. Die physische Gold-Nachfrage ist zum Jahresanfang historisch eher verhalten. Der P.M. Fix mit $1.086,50 (EUR 781,66) zeigte dann aber schon eine verhaltene Aufwärts-Bewegung beim Gold an. Im Vergleich zum Freitag konnte Gold um acht Dollar zulegen.

 

Kurz nach Schluss des Londoner Handels schnellte Gold dann aber plötzlich auf $1.095 hoch. Auf diesem Niveau konnte sich Gold stabilisieren und setzte eine Stunde vor Ende des Handels an der COMEX zu einem weiteren Sprung um $10 an.

 

Leser dieser Berichte wissen, dass das Gold-Kartell einen maximalen täglichen Anstieg von zwei Prozent zulässt. Diese Marke hat auch heute wieder zugeschlagen. Mit $1.103,20 geht Gold trotzdem mit einem soliden Tagesplus von $20 aus den Handel an der New Yorker COMEX.

 

Der Anstieg ist laut Kitco.com nur mit einem Anteil von zwei Dollar dem fallenden US-Dollar zuzurechnen. Ansonsten handelte es sich um einen Anstieg, den die Investoren in den anderen Währungen auch zu spüren bekamen. In Euro gerechnet lag Gold bei  EUR 792 und nähert sich der Marke von EUR 800.

 

Der US-Dollar hat sich mit 79,3 (USDX) nur um 0,1 Punkte nach unten bewegt.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.082,00

(€778,14)

$1.082,75

(€775,44)

- $0,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.086,50

(€781,66)

$1.078,50

(€775,40)

+ $8,00

COMEX Schlusskurs

$1.103,20

$1.083,00

+ $20,20

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,3

79,4

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7

3,6 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,4

22,1

- 0,7

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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