Bericht für den 3. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Ende der Aktien-Blase?

 

Seit den Eingriffen der chinesischen Nationalbank (PBoC) in die Devisen-Märkte scheint es den Aktien-Märkten weltweit plötzlich schlecht zu gehen. Und das trotz des für praktisch Null Zinsen ausleihbaren Kredit-Geldes, mit dem diverse Investoren die Aktien-Kurse die letzten neun Monate in die Höhe getrieben haben.

 

Die letzten Monate war die Marschrichtung von Dow Jones & Co immer nur in eine Richtung: Nach oben. Schlechte Wirtschafts-Nachrichten wurden ohne Kursabschläge von der Börse verdaut. Und waren die Nachrichten gut, dann ging es kräftig nach oben. Wären die Märkte nicht von staatlicher Seite nach oben manipuliert, dann könnte man von einer selbsttragenden Hausse sprechen.

 

Seit Anfang des Jahres hat sich die Situation aber grundlegend verändert. Selbst gute Nachrichten führten bestenfalls zu einem moderaten Anstieg der Aktienmärkte. Hinzu kamen im Rahmen der Dollar-Stärke zum Teil erhebliche Kursabschläge zustande. Wenn man das Verhalten des Dow Jones beobachtet, so könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass die Aktienmärkte ihren Höchststand bereits erreicht haben und sich nun eine Baisse-Phase anschließt.

 

Bloomberg scheint in seinem heutigen Bericht zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen zu sein. Unter dem Titel Stock Plunge Risk at Highest Since April 1984, Survey Finds gehen die Befragten von einer Korrektur um 10 Prozent und höher aus. 61,8 Prozent der Befragten sind entweder in das Bären-Camp übergelaufen oder erwarten zumindest eine Korrektur.

 

Die Bedeutung der Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten ist eine völlig andere als in Europa im Allgemeinen (U.K. ausgenommen) und Deutschland im Besonderen. Während bei uns die Altersvorsorge immer noch zum größten Teil auf der gesetzlichen Rentenversicherung fußt, angereichert mit betrieblicher Altersversorgung und auf Versicherungen basierende private Rentenverträge, ist in den USA die Situation grundlegend anders. Hier sparen die Arbeitnehmer in Aktien – meistens ihres eigenen Unternehmen – und in Pensions-Fonds, wo ein großer Teil des Portfolios ebenfalls aus Aktien besteht.

 

Ein Konkurs der eigenen Firma zerstört deshalb bei vielen Arbeitnehmern einen Großteil ihrer fürs Alter vorgesehenen Rente. Geht der Aktien-Markt dazu noch global in den Keller, wie wir es im 2. Halbjahr 2008 bis zum ersten Quartal 2009 beobachtet haben, dann ist ein Großteil der Altersversorgung futsch. Wenn dann noch das eigene Haus weniger wert ist, als die Hypothek darauf, dann weiß auch der durchschnittliche US-Bürger, dass er sich in einer prekären Situation befindet. Speziell, wenn der Arbeitsmarkt eng ist und er nahe an seinem Renteneintritts-Alter steht.

 

Deshalb ist es für die USA wichtig, einen starken Aktien-Markt zu haben. Wir werden sehen, wie sich diese Entwicklung im Lauf des Jahres fortsetzt. Die Zeichen sprechen aber nicht für eine Fortsetzung der Rallye an den Aktien-Märkten. Die Insider verkaufen schon die letzten Wochen und Monate ihre Aktien-Pakete. Das sollte uns eine Warnung sein.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das neue Jahr scheint uns auch neue Handels-Muster beim US-Dollar und Gold zu bescheren. Heute früh im asiatischen Handel stand Gold noch auf dem Niveau des gestrigen Schluss-Kurses in New York. Bis 10:00 Uhr MEZ verfiel der US-Dollar langsam aber stetig auf 78,7 (USDX). Da lag Gold dann schon bei $1.125 und damit $12 höher als zum Schluss des gestrigen Handels.

 

Plötzlich stieg der Dollar aber kräftig an. Bis um 22:00 Uhr MEZ (16:00 Uhr EST – New Yorker Zeit) auf 79,4. Also innerhalb von 12 Stunden um 0,7 Punkte. Wieder einmal schienen die Chinesen und/oder Japaner hinter dieser Aktion zu stecken.

Der Gold-Preis folgte dem US-Dollar in einer klassischen inversen Formation. Wenn der Dollar ansteigt, dann fällt Gold gegen den US-Dollar. Aber der Gold-Preis in anderen Währungen zeigte sich kaum verändert.

 

Zum A.M. Fix stieg Gold noch um knapp fünf Dollar im 24-Stundenvergleich auf $1.118,50 (EUR 798,59). In Euro kam der Anstieg bereits zum Erliegen.

 

Mit dem steigenden Dollar fiel am Nachmittag auch der Goldpreis. Der P.M. Fix kam mit $1.115,25 (EUR 799,58) zustande. Starke physische Nachfrage nach Gold hat das gelbe Metall nur noch 42 Cent entfernt zur EUR 800er-Marke hochgetrieben. In den nachfolgenden Handels-Stunden der COMEX bildete Gold den Anstieg des Dollars durch einen Rückgang in US-Dollar gemessen nach. Der COMEX-Schlusskurs lautete $1.111,00.

 

Das ist kein Grund zur Panik. Wir müssen jedoch den US-Dollar im Auge halten. Wollen eine oder zwei Zentralbanken den US-Dollar nun über die Marke von 80 treiben? Wie werden sich die Handelsbilanz-Defizite der USA dann entwickeln?

 

Eines steht fest: Der hohe Kurs des US-Dollars ist nicht gesund für die US-Wirtschaft und erst Recht nicht für die Außenhandels-Bilanz. So bekommt man die Arbeitslosen nicht in Lohn und Brot. Eigentlich dürften die Dollar-Anstiege nur eine Eintags-Fliege seien. Es sei denn, es brennt bei den US-Treasuries lichterloh. Mit Gold sollte man aber in beiden Fällen gut positioniert sein.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.118,50

(€798,59)

$1.114,00

(€798,80)

+ $4,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.115,25

(€799,58)

$1.111,00

(€796,82)

+ $4,25

COMEX Schlusskurs

$1.111,00

$1.116,10

- $5,10

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,4

79,0

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,6 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,5

21,9

- 0,4

 

Über Ziemanns Gold News

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Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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