Bericht für den 5. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Euro-Panik, aber Dollar-Probleme

 

Der US-Dollarindex (USDX) ist heute auf bis zu 80,7 gestiegen. Um 20:00 Uhr war für den Euro heute mit $1,36 der Tages-Tiefstand erreicht. Das ist ein Verlust von knapp 1,1 Prozent an einem Tag.

 

Die FTD widmete heute ihren Kommentar der Angst vor Staatspleiten. Unter dem Titel Das Gute an der Euro-Panik merkt der Kommentator zu Recht an, dass es im Dollar-Raum ein ebenso großes Problem gäbe. Griechenland ist zwar als Staaten-Domino in dem verschachtelten Gewirr bedeutsam. Aber dieses Land hat nur 11 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlands-Produkt von $300 Milliarden (ist das jetzt ohne oder mit Schattenwirtschaft gerechnet?). Selbst wenn man Portugal und Spanien dazuzählt, geht es um insgesamt 69 Millionen Einwohner und ein BIP von gut $2.000 Milliarden. Die FTD: ... die Euro-Problemzone wird deutlich größer, aber wahrlich nicht riesig.

 

Wenn man die europäische Problem-Zone mit Kalifornien vergleicht, dann werden die Dimensionen, über die wir sprechen, begreiflich. Kalifornien hat mit 36 Millionen Einwohnern zwar wesentlich weniger als die drei Euro-Südländer. Aber mit immerhin $1.800 Milliarden in etwa die gleiche Wirtschafts-Leistung.

 

Kalifornien ist im Vergleich zu den Euro-Südländern aber wirklich pleite. Im vergangenen Sommer hat das Land Schuldscheine, sogenannte IOUs (I own you), anstatt Greenback an seine Zahlungs-Empfänger verteilen müssen. Kalifornien erfüllt also wirklich das Kriterium eines bankrotten Staates, der seine Zahlungen nicht mehr leisten kann. Was ist seit letztem Sommer passiert? Gar nichts.

 

Keiner spricht von einem Auseinanderbrechen des US-Staatenbundes oder lokalen Währungen.

 

Die Euro-Panik hat nichts mit einer inhärenten Schwäche der Gemeinschafts-Währung zu tun. Denn sonst müssten der US-Dollar und insbesondere das Britische Pfund noch viel stärkere Kapriolen schlagen. Tun sie aber nicht. Und wenn, dann in die falsche Richtung.

 

Es ist gut, dass dies jetzt auch die deutsche Finanz-Presse so sieht. Mit jedem weiteren Anstieg des US-Dollars steigen nicht die Probleme in der Euro-Zone, sondern die Probleme in den Vereinigten Staaten.

 

Wer auch immer hinter diesen Aktionen stehen mag, ob Chinesen, Japaner oder Briten: Man destabilisiert das System anstelle es zu stabilisieren. Die massiven Verluste am Aktien-Markt konnten heute Abend nur mit einem massiven Eingriff des PPT in den Griff bekommen werden. Dazu hat man den US-Dollarindex wieder um 0,4 Punkte absinken lassen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Groundhog day: Das Marktgeschehen von gestern schien sich heute zu wiederholen. Eine massive Dollarhebung verbunden mit einem massiven Euro-Einbruch. Und mit dem Euro brachen gleichzeitig die Aktien-Indizes weltweit, die Rohstoffe und Edelmetalle gleich mit ein.

 

Gold startete den Tag in Asien schon mit leicht negativen Vorzeichen. Nach Beginn des Handels in London ging es bergab in Richtung der Marke von $1.050. Der A.M. Fix kam um 11:30 Uhr MEZ mit $1.052,25 (EUR 769,02) zustande. Ein Tagesverlust von $50.

 

Mit Beginn des Handels an der COMEX wurde zwar ein Ausbruch in Richtung der Marke von $1.060 versucht. Aber der P.M. Fix mit $1.058,00 (EUR 773,63) stand dem im Wege. Wir sind auf 24-Stundenbasis jetzt bei einem Minus von $25.

 

Um 18:00 Uhr wollen die Händler in Europa ins Wochenende gehen. Da alle Assets derzeit kritisch sind, wollte man noch schnell Positionen glätten. Es kam zu einer erneuten Schwäche-Phase: Gold stand nun nahe der Marke von $1.040 und damit $20 niedriger als zum Schluss des gestrigen New Yorker Handels.

 

Das Lieblings-Bashing-Objekt Silber musste erneut besonders stark bluten: Bei einem Tiefstand von $14,62 verlor das weiße Metall erneut mehr als 4 Prozent. Platin hatte seinen Tiefpunkt bei $1.455 mit einem Verlust von $50. Bei den Aktien-Indizes verloren die Notierungen in Asien 3 Prozent und mehr, in Europa durchschnittlich 2 Prozent und die USA waren auf dem gleichen Weg – um 20:00 Uhr MEZ stand der Dow bereits unter der Marke von 9.850. Ein Verlust von über 150 Punkten.

 

Das war dann aber zuviel des guten. Magische Kräfte halfen dem Dow die letzten zwei Stunden, noch im leicht positiven Terrain zu schließen. Und damit oberhalb der Marke von 10.000.

 

So magisch waren die Kräfte dann aber doch nicht. Denn die gleichen Nachrichten, die die Märkte weltweit haben einbrechen lassen, führten nun zu einem Anstieg: Der US-Dollar Index gab um 0,4 Punkte auf 80,3 nach.

 

Gold machte es dem Dow nach: Mit $1.065,00 beschloss das gelbe Metall den heutigen Tag mit leicht positiven Vorzeichen. Der Retter wollte zwar nicht Gold heben, sondern nur den Dow. Aber derzeit wird auf beiden Seiten nur mit breit streuenden Waffen geschossen. Die Marke von 10.000 Punkten scheint ein nationales Heiligtum der US-Regierung zu sein. Dieses will man nun nicht auch noch an die Asiaten verschenken.

 

Der von vielen Beobachtern befürchtete Aktien-Crash für die nächste Woche wird wohl in frischen Dollars erstickt werden. Dem Gold-Preis kann das nur Recht sein.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.052,25

(€769,02)

$1.102,50

(€796,26)

- $50,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.058,00

(€773,68)

$1.083,25

(€784,40)

- $25,25

COMEX Schlusskurs

$1.050,00

$1.062,00

- $12,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,3

79,9

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,6 %

3,6 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,3

22,2

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

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Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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