Bericht für den 9. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Haltet den Dieb!

 

Die Flucht aus dem Euro hat sich die letzten Tage fortgesetzt. Und wieder einmal scheint der US-Dollar der finale Rettungs-Anker der verunsicherten Finanz-Welt zu sein. Er steigt und steigt.

 

Aber aus welchem Grunde?

 

Das weiß ich eigentlich auch nicht so genau. Goldman Sachs hat zwar der griechischen Regierung mit Hilfe von Währungs-Swap Geschäften geholfen, seine Schulden herunterzurechnen. Und auch sonst sind die Statistik-Behörden des Landes gut im Verstecken und Vernebeln der Wahrheiten. Aber was passiert in dem Land, wo die Hedge-Fonds und anderen Marktspieler herkommen, die jetzt massiv gegen den Euro wetten?

 

Die Financial Times Deutschland (FTD) hat dies unter dem Titel Immer dollar aufzuarbeiten versucht: Die Anleger flüchten aus dem Euro in den Dollar, weil Griechenland überschuldet ist, über seine Verhältnisse lebt, seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat und seine Statistiken fälscht.

 

Und stellt schließlich die Frage: Doch könnte man dasselbe nicht auch als exakte Beschreibung der USA anführen?

 

Natürlich. Da helfen keine Beteuerungen des US-Finanzministers Tim Geithner, dass Amerika seine AAA-Note niemals verlieren würde. Aber diese Messgröße ist sowieso nur für die Finanz-Schafe relevant. Die USA sind genauso Subprime wie die CDOs, die damals von den Rating-Agenturen mit AAA bewertet wurden. Die FTD vermutet, dass die Herren und Damen der Rating-Agenturen eine Herunterstufung der USA mit dem Leben bezahlen würden. Und wer würde denn gerne sein Leben für einen Job in der Finanz-Industrie riskieren.

 

Auch mit der Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten ist es nicht weit her. Der steigende Dollar macht die heimische Industrie im Inland immer weniger wettbewerbsfähig gegen die Asiaten und Europäer. Das Handelsbilanz-Defizit springt von einem Hoch zum Nächsten – und das trotz Rezession mit hoher Arbeitslosigkeit und stagnierendem Volkseinkommen. Das kann man natürlich mit gezielten Fälschungen in den Statistiken bereinigen. Und schon haben wir wieder einen weiteren Kritik-Punkt an Griechenland abgehakt, der die USA genauso trifft.

 

Wo ist die US-Industrie überhaupt noch wettbewerbsfähig? Bei Computern und High-Tech Artikeln nicht. Denn nach Berichten der FTD hat das Land zwischen Januar und November 2009 ein Handelsdefizit von $51 Milliarden mit diesen Produkten eingefahren. Das liegt daran, dass ein Apple-Computer zwar von einer US-Firma vertrieben wird. Aber das Gerät wird fast vollständig in China produziert und wohl auch ein Großteil der Entwicklungsleistung kommt aus dem Ausland. So geht es auch mit anderen Produkten wie HP Drucker und so weiter.

 

Zum Thema über die eigenen Verhältnisse leben: Das trifft ja auf die Vereinigten Staaten im gleichem Maße zu wie auf Griechenland. Ein Großteil der Wirtschaft basiert auf privatem Konsum. Da braucht man natürlich viele Arbeitsplätze für Shopping Malls, Fast Food Ketten, Autohändler, die Luftfahrt-Branche und vieles mehr. Ganz abgesehen von den Kosten des sozialpolitisch-industriellen Komplexes mit dem teuersten und ineffektivsten Gesundheitssystem der Welt. Ob man sich nun mit Triple-Burgern fett frisst, oder an der Ägäis die Beine baumeln lässt – man lebt in beiden Ländern über seine Verhältnisse. In den USA dazu noch über seine gesundheitlichen.

 

Die ebenfalls aufgeworfene Verschuldungs-Frage muss man auch unter einem anderen Licht betrachten. Die EZB darf eigentlich die griechischen Staats-Papiere nicht monetarisieren. Sie tut es trotzdem, aber in weit geringerem Umfang als die FED. Dort werden nach meinen Schätzungen über 85 Prozent der Staatsschulden von der FED über direkte und indirekte Maßnahmen finanziert. Pech für Griechenland, dass man nicht so unverschämt Geld drucken kann, wie es die USA tun.

 

Die Anklage an Griechenland kommt mir vor wie ein Haltet den Dieb Ruf der noch viel schlimmeren Vertreter aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber auch die Dollar-Stärke hat ihre Nebenwirkungen: Wir sind gespannt, wann die – angeblich hochproduktiven – US-Exporteure bei Geithner anklopfen, um lauthals zu jammern, ätz die FTD.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Eine gute Nachricht – das Gold-Kartell musste heute um kurz nach 18:00 Uhr MEZ eingreifen, um den Anstieg von Gold über die maximal erlaubte Rate von täglich zwei Prozent  zu bremsen. Der Goldpreis beendete den (Access Handel) gestern Abend mit $1.061,40. Bei Anwendung der zwei Prozent Regel durfte Gold also auch nicht über $1.082,60 steigen. Und fast auf den Cent genau kam Gold an dieser Stelle zum Stillstand und hatte seinen Tages-Höchststand erreicht.

 

Noch so ein Kandidat war JP Morgan am letzten Freitag, um den Dow wieder über die Marke von 10.000 Punkte zu heben. Die haben am Freitag in großen Maße den S&P500 ETF (Ticker: SPY) gekauft und damit auch die Aktien-Indizes gehoben. Ob für sich oder im Auftrag der Regierung – wer weiß das. Aber sicherlich war das eine koordinierte Aktion des PPT (Plunge Protection Team).

 

Der US-Dollar hat heute nach seinen gestrigen Ausschlägen, die mit einem Patt endeten, seinen Weg nach unten genommen. Markt-Teilnehmer mutmaßen, dass die angekündigte Abreise von EZB-Chef Trichet die Griechenland-Krise beenden könnte. Die Hedge-Fonds haben derzeit in großem Maße den Euro geshortet und sind dementsprechend verwundbar gegen gezielte Eingriffe der Notenbanken. Der gestrige Ausbruch des Dow unter die Marke von 10.000 war da sicherlich ein Auslöser.

 

Das Ausmaß des derzeitigen Krieges kann man an der Schwankungs-Breite des USDX ablesen: Diese reichte von 80,3 (gestriger Schluss-Stand) bis 79,6 (Gold-Höchststand). Der Dow entwickelt sich gegenläufig zum US-Dollar: Heute fiel der Dollar kräftig und das beflügelte den Dow. Gleichzeitig auch Gold – aber das gelbe Metall musste man etwas in seinem Tatdrang bremsen.

 

Dass die These der letzten Tage weiterhin Gültigkeit hat, non-interest bearing assets fallen mit fallendem Euro ebenfalls und steigen deshalb mit steigendem Euro auch wieder, hat sich heute wieder bestätigt.

 

Nun haben sich wohl eine Reihe von Marktteilnehmern in größerem Umfang mit Short-Positionen in Gold, Euros, Aktien etc versorgt und die Abwärtsbewegung der letzten Tage in ihrer Wirkung verstärkt. Sollten schon allein Nachrichten über eine verfrühte Rückkehr von Trichet aus Australien für so viel Nervosität auf den Märkten sorgen, dass der US-Dollar kräftig gefallen ist, was droht dann erst, wenn EZB und FED gemeinsam den US-Dollar nach unten korrigieren?

 

Dann könnten wir den Dow wieder schneller bei 11.000 Punkte und Gold bei $1.150 sehen, als Viele prognostiziert haben. Für diejenigen, die es immer noch nicht kapiert haben: Der Aktien-Crash wird wohl ausbleiben.

 

Über den Tages-Verlauf von Gold muss man eigentlich nicht viel sagen. Der A.M. Fix kam mit $1.068,00 (EUR 778,03) noch zwei Dollar niedriger als zum gestrigen A.M. Fix zustande. Und der P.M. mit mit $1.071,25 (EUR 779,54) bereits um sieben Dollar höher. Zum Schluss des Handels an der COMEX stand Gold mit $1.075,40 um elf Dollar höher als gestern. Wir hätten gerne mehr gesehen – aber das Gold-Kartell wollte das nicht zulassen.

 

Der US-Dollar Index verlor heute 0,5 Punkte auf 79,8. Die 10-jährigen Treasuries verharren weiter bei 3,6 Prozent.

 

Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling – aber man hat sich beim G7-Treffen am Wochenende sicher über Maßnahmen gegen die Marktsituation der letzten Tage und Wochen unterhalten. Und wahrscheinlich auch verständigt.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.068,00

(€778,03)

$1.070,00

(€780,62)

- $2,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.071,25

(€779,54)

$1.064,00

(€778,86)

+ $7,25

COMEX Schlusskurs

$1.075,40

$1.064,50

+ $10,90

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,8

80,3

- 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,6 %

3,6 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,2

22,3

- 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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